- E-Procurement - Neues Leben in der Softwarewüste

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eröffnet am: 12.02.02 21:33 von: Arbeiter Anzahl Beiträge: 2
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4428 Postings, 7146 Tage Arbeiter- E-Procurement - Neues Leben in der Softwarewüste

- E-Procurement -
Neues Leben in der Softwarewüste
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Im Zeitalter des elektronischen Handels nutzen Unternehmen das Internet nicht nur als neuen Vertriebsweg. Vielmehr greifen sie auch auf das Datennetz zurück, um die Beschaffung von Gütern zu optimieren. Die Rede ist von E-Procurement. Ausgelöst durch ein beispielloses Kursdesaster unter den Aktien der in diesem Geschäftsfeld tätigen Softwarentwickler ist der Mythos der New Economy zwar längst dahin. Doch die durch E-Procurement zu erzielenden Einsparpotenziale sind derart riesig, dass Anbieter intelligenter Softwarelösungen zuversichtlich in die Zukunft schauen können.

E-Procurement-Lösungen kommen vorrangig in den Bereichen Wartung, Reparatur und Betrieb zum Einsatz. Dabei können Unternehmen nicht nur beim Material selbst sparen, weil im Internet schnelle Preisvergleiche möglich sind und günstige Anbieter ohne großen Aufwand gefunden werden können. Es verringern sich auch die Kosten, die bisher in der Verwaltung angefallen sind, wenn ein Mitarbeiter in der alten ?Zettelwirtschaft? eine Bestellung aufgegeben hat. Mit Hilfe entspechender Softwarelösungen können Lieferanten außerdem direkt in den Produktionsprozess eingebunden werden.



Unternehmen
müssen mehr Geld in ihr E-Business pumpen


Internationale Studien haben Kosten- und Zeitersparnispotenziale im Einkaufsbereich durch E-Procurement-Software von 50 bis 70 Prozent ermittelt. Die Unternehmensberater von Aberdeen Group geben in ihrer globalen Untersuchung ?Best Practices in E-Procurement? außerdem zu bedenken, dass viele Firmen ihre inzwischen veralteten und unergiebigen Procurement-Netzwerke erst noch einem Standardisierungsprozess unterziehen müssen. Sie halten es deshalb für möglich, dass bis Ende nächsten Jahres zwischen 80 und 90 Prozent der 5000 weltgrößten Unternehmen auf E-Procurement-Lösungen zurückgreifen müssen, wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken wollen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat dieser Anteil noch bei mageren zehn Prozent gelegen.

Einige - vorwiegend amerikanische - Großunternehmen haben nach den Erfahrungen der Aberdeen Group das in der softwaregestützten Abwicklung von Einkaufsprozessen schlummernde Potenzial längst erkannt und erzielen bereits beachtliche Spareffekte. So wendet zum Beispiel General Electric, das größte Unternehmen der Welt, schon mit Indirect Procurement, Direct Procurement und E-Sourcing sämtliche Sonderformen des E-Procurement an. Das Management des US-Mischkonzerns schätzt, auf diese Weise jährlich 600 Millionen Dollar einsparen zu können.

Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan soll 2001 allein im europäischen Markt für E-Procurement-Anwendungen ein Jahresumsatz von rund 290 Millionen Dollar erzielt worden sein. Das sind 46 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Jahr 2002 verspricht noch besser zu werden: Bei einem Zuwachs von rund 54 Prozent soll der Umsatz auf 446 Millionen Dollar steigen. Der Analyse zufolge sind im Jahr 2007 sogar rund 973 Millionen möglich. Die Unternehmensberatung Accenture stellt in ihrer europäischen B2B-Studie fest, dass Europas Unternehmen hohe Investitionen planten, da sie erst am Anfang ihrer E-Business-Aktivitäten stünden.



Einfluss von ERP- und SCM-Anbietern
wird deutlich zunehmen


Nach Einschätzung von Eduardo Gonzalez, Analyst bei Frost & Sullivan, wird der Einfluss von Enterprise Ressource Planning (ERP)- und Supply Chain Management (SCM)-Anbietern deutlich zunehmen. Er nennt dafür zwei Gründe: ERP- und SCM-Anbieter zeigen sich relativ unbeeindruckt von der weltweiten Wachstumsabschwächung und dürften durch die Übernahme von Spezialanbietern von der Konsolidierung des Marktes profitieren.

Zu den Stärken dieser Softwarentwickler zähle der Prozess der ?Vertikalisierung?. Dadurch könnten sie den branchenspezifischen Anforderungen besser entsprechen. Die Integration in Back-Office-Systeme sei eine weitere wichtige Kundenanforderung, die für ERP-Anbieter spreche, so Frost & Sullivan. Ein weiterer Vorteil: Diese Unternehmen könnten ihren bisherigen Kundenstamm mit in das Geschäft einbringen. Bob Austrian, Analyst bei Banc of America Securities, hält neben SCM-Anbietern auch Customer Relationship Management (CRM)-Anbieter wie Siebel Systems für interessant.



"Alte" Spezialisten und neue Favoriten


Noch wird der Markt für E-Procurement von zwei Spezialanbietern dominiert: Führend sind laut Frost & Sullivan - in dieser Reihenfolge - Ariba ARBA.NAS RIB.ETR und Commerce One CMRC.NAS CRZ.FSE. Erst dann folgten Oracle ORCL.NAS ORC.FSE und SAP SAP.ETR. Hinter diesen sehen die Unternehmensberater die britische Izodia IB9.FSE IZO.ISE sowie I2 Technologies ITWO.NAS ITW.ETR, Elcom ELCO.NAS ELJ.FSE und Clarus CLRS.NAS QC5.FSE (alle USA) auf den weiteren Plätzen. Noch höher als die vier zuletzt Genannten werden in Analystenkreisen allerdings FreeMarkets FMKT.NAS FMT.FSE (E-Sourcing) und Manugistics MANU.NAS MNX.FSE (SCM-Software) gehandelt.

Die beiden weltgrößten Anbieter von E-Procurement-Software mussten kürzlich Umsatzeinbrüche und hohe Verluste bekanntgeben. Sowohl Ariba als auch Commerce One konnten im vierten Quartal 2001 nur ein Drittel der Umsätze des entsprechenden Vorjahreszeitraums realisieren. So ähnlich die Geschäftslage beider Unternehmen auch sein mag, um so verschiedener sind sie in ihrer geschäftlichen Ausrichtung: Während Ariba den Schwerpunkt auf Lösungen zur Beschaffung von Büroartikeln übers World Wide Web legt, vernetzt Commerce One Unternehmen mittels riesiger elektronischer Marktplätze miteinander.

Die einstigen Lieblinge der Börsianer könnten nach Einschätzung von Analysten aber schon bald vor einer Renaissance stehen, da sie derzeit große Anstrengungen unternehmen, in den viel versprechenden Bereich E-Sourcing vorzudringen. Sourcing-Software ermöglicht das Auffinden geeigneter Lieferanten für bestimmte Produkte.



 

12.02.02 21:47

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Erfolgsstorys und Analystenlieblinge
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Mit dem vielversprechenden Bereich E-Sourcing - dem Auffinden geeigneter Lieferanten für bestimmte Produkte - könnten die einstigen Lieblinge der Börsianer Commerce One und Ariba schon bald vor einer Renaissance stehen. Die Analysten bevorzugen allerdings Ariba.



Kann Commerce One auf lange Sicht durchhalten?


Erst kürzlich hat Commerce One eine neue Lösung vorgestellt, die den Handel von Gütern und Dienstleistungen über das Internet erleichtern soll. Die Commerce One 5.0 Software enthält neben einer neuen Version der Online Purchasing-Software (Kauf von Gütern) erstmals auch Sourcing-Features (Auffindung von Gütern). Durch die Kombination der beiden Kernprodukte in einer Software-Suite lässt sich der gesamte Beschaffungsprozess automatisieren: Kunden können Lieferanten finden, Transaktionen tätigen und Auktionen abhalten. Nach den Worten von CEO Mark Hoffman ist dies für Commerce One ein weiterer Schritt, um in Zukunft einen eigenen Weg - getrennt von SAP - gehen zu können. Sharyn Leaver, Analystin von Forrester Research, stimmt hier ausdrücklich zu und wertet diesen Schritt als ein ?klares Zeichen?, das Produkt an unterschiedliche Systeme anzubinden.

Analysten bewerten den Vorstoß von Commerce One ohnehin als einen Pluspunkt im Wettbewerb mit den Konkurrenten Ariba und FreeMarkets. Brent Thill von Credit Suisse First Boston stellt dennoch die Frage, wie lange kleinere Unternehmen wie Commerce One im Konkurrenzkampf gegen größere Gesellschaften wie Oracle, Peoplesoft oder SAP bestehen können. "Es ist zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht sicher, ob der Markt genügend Platz für mehrere Anbieter hat," so Thill. Viele Analysten glauben auch nicht so recht daran, dass Commerce One - wie angekündigt - bereits Mitte diesen Jahres den Gefahrenbereich roter Zahlen verlassen wird.



Ariba auf dem richtigen Weg, meinen Analysten


Da sich bei Ariba die weitere Geschäftsentwicklung derzeit besser abschätzen lässt und das Management bei den Verkaufszahlen bereits erste Tendenzen einer Stabilisierung erkennt, ziehen Investmenthäuser denn auch diese Aktie den Titeln des noch recht umsatzschwachen Konkurrenten vor. Mit der Stabilisierung der Erlöse, der Einführung neuer Produkte und der erwarteten Rückkehr in die Gewinnzone sei Ariba wieder auf dem richtigen Weg, meinen die Analysten der Investmentbank Pacific Growth Equities. Und Goldman Sachs-Analyst Thomas Berquist rät zum Kauf der Ariba-Aktie bis zu einem Kurs von 10 Dollar.

Nahrung erhält der Optimismus der Analysten durch die Worte von Peter Bernard, Marketing Director Central Europe der Ariba Deutschland GmbH. Bernard sieht den B2B-Spezialisten derzeit in einer Übergangsphase: Weg von einem reinen E-Procurement-, hin zu einem Spend-Management-Unternehmen. Die im Oktober 2001 beschlossene neue Strategie sei sowohl von den alten als auch von den neuen Kunden sehr gut aufgenommen worden. Bernard: ?Die Strategie beruht auf drei Eckpfeilern: Der Analyse von Unternehmensausgaben, dem Sourcing und dem E-Procurement.? Im Bereich Spend-Management habe Ariba derzeit etwa einen Vorsprung von rund sechs Monaten, da man als einziges Unternehmen ?wirklich komplette Lösungen? anbiete. Konkurrenten wie SAP, Oracle oder Peoplesoft setzten dagegen auf ein breiteres Produktportfolio. Bernard ist deshalb auch optimistisch, dass sich Ariba schon im laufenden Quartal an den Break-even herantasten kann.



FreeMarkets - Eine B2B-Erfolgsstory


Als neuer Stern am B2B-Himmel wird in Analystenkreisen immer häufiger FreeMarkets gehandelt. Das Unternehmen aus Pittsburgh konnte im vierten Quartal 2001 trotz des nach wie vor schwierigen Marktumfeldes einen Vorjahresverlust von 10,4 Millionen Dollar in einen Gewinn von 3,9 Millionen Dollar oder neun US-Cent pro Aktie ummünzen. Damit verblüffte der unabhängige E-Sourcing-Anbieter die Analysten, deren Schätzungen bei sechs US-Cent gelegen hatten. Verzeichneten andere Unternehmen aus der Branche zum Teil drastische Umsatzeinbrüche, konnte FreeMarkets seine Erlöse um knapp 30 Prozent auf 44,8 Millionen Dollar steigern. Alle wesentlichen Kennzahlen des Unternehmens haben sich inzwischen verbessert: Cash-Flow, Umsatz, Gewinn und Margen.



Unternehmenskonzept nutzt Informationsdefizit


Das Geschäftsmodell von FreeMarkets basiert auf der Annahme, dass Unternehmen beim Erwerb so genannter direkter Güter - also speziell für den Einsatz in einem Endprodukt angepasste Bauteile oder Dienstleistungen - gegenüber ihren Zulieferern oft einen schweren Stand haben. Firmen kennen die internen Kosten ihrer Zulieferer nicht und verfügen oft nur über eine geringe Auswahl an potenziellen Anbietern. Diese auf mangelnder Information beruhenden strategischen Nachteile der Einkäufer bilden die Geschäftsgrundlage von FreeMarkets. CEO Glen Meakem erklärt den Unterschied zwischen seinem Unternehmen und vielen Konkurrenten damit, dass die meisten Mitbewerber in erster Linie als Anbieter von Transaktionsplattformen aufträten. Über diese Marktplätze würden sie vorwiegend große Stückzahlen stark standardisierter Produkte verkaufen.

Eine solche Plattform - Meakem nennt hier als Beispiel die Aktienbörse - werde sich jedoch nur dann durchsetzen, wenn die Qualität stimme und die Abwicklungskosten sehr niedrig seien. Wie an der Börse seien aber die eigentlichen Gewinner die Entscheider bzw. die Berater der Entscheider - eine Position, die FreeMarkets für sich beansprucht. Gerade erst hat der amerikanische Anbieter von B2B-Lösungen einen weiteren Vertragsabschluss mit Mirant gemeldet. Das Energieunternehmen wird künftig seine Güter- und Servicelogistik mit Systemen von FreeMarkets abwickeln. Wedbush Morgan und W.R. Hambrecht & Co sind von dem Geschäftsmodell des Unternehmens aus Pittsburgh derart überzeugt, dass sie die Aktie als ?Strong Buy? einstufen. Einhellig geben sie ein Kursziel von 30 Dollar aus. Und die Analysten von Morgan Stanley haben die Titel des profitabel arbeitenden B2B-Spezialisten trotz der sehr hohen Aktienbewertung in ihre Liste mit 23 High-Tech-Favoriten aufgenommen.



Manugistics und i2:
Zwei SCM-Spezialisten vor dem Turnaround?


Der Spezialist für SCM-Lösungen Manugistics - ein weiterer Liebling der Analysten - fuhr im dritten Quartal 2001 zwar noch einen Verlust von 45 Millionen Dollar (Vorjahr: 9,4 Millionen Dollar Gewinn) ein. Dass der Verlust beim operativen Ergebnis nur 7,6 Millionen Dollar oder 11 US-Cent pro Aktie betrug, wurde von Analysten als erstes Signal einer Geschäftsstabilisierung interpretiert. Das Management ist zudem zuversichtlich, bereits ab Mitte 2002 die Gewinnschwelle überschreiten zu können.

Auch Gregory Brady, CEO bei i2 Technologies, peilt für die zweite Jahreshälfte schwarze Zahlen an. Die Marktlage sei stabiler geworden und man habe die Kosten wieder im Griff. i2 Technologies hat gerade erst die J. Sainsbury-Tochter Shaw?s Supermarkets als neuen Großkunden für seine Lagerverwaltungs- und Beschaffungssoftware gewinnen können. Merrill Lynch bewertet die für das vierte Quartal 2001 von dem Hersteller von B2B-Software vorgelegten Zahlen als ?Erfolg auf dem Weg zum Turnaround?. Das kurzfristige Rating der US-Investmentbanker lautet "Neutral"; langfristig stufen sie die Aktie sogar mit "Strong Buy" ein.



Euphorie ist Web-Realismus gewichen


Die Beispiele zeigen: Trotz geplatzter Internetblase und neuem Web-Realismus ist die elektronische Beschaffung über das Netz keineswegs ?out?. Die Krise der New Economy und der Konjunktureinbruch haben den Glauben der Unternehmen an die Chancen des E-Procurement als ?Spielart? des E-Business nur vorübergehend erschüttert. Für Internetprojekte verantwortliche Manager können wieder mit höheren Budgets rechnen. Zugleich sind die Firmen pragmatisch geworden. Sie erwarten von E-Business keine riesigen Umsatzsprünge mehr, sondern vor allem effizientere Geschäftsprozesse.
multexinvestor
 

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