Dollarschwäche: Kein Grund zur Panik

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eröffnet am: 19.11.04 08:50 von: bammie Anzahl Beiträge: 3
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19.11.04 08:50

8970 Postings, 5841 Tage bammieDollarschwäche: Kein Grund zur Panik

Die amerikanische Währung schwächelt. Wie Anleger sich mit einem Mix aus substanzstarken Aktien, Rohstoffen und Anleihen gegen die Folgen eines weiteren Dollar-Verfalls schützen.

Die Hysterie ist wieder einmal groß. Als „brutal“ bezeichnete Europas Notenbankchef Jean-Claude Trichet den erstmaligen Anstieg des Euro über die Marke von 1,30 Dollar vergangene Woche. Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, forderte die Europäische Zentralbank sogar auf, am Devisenmarkt den schwachen Dollar zu stützen. Das hatte sie in diesem Jahr bereits bei Kursen von 1,20 Dollar versucht – ohne Unterstützung von US-Notenbankchef Alan Greenspan und deshalb ohne Erfolg, wie der jüngste Kursanstieg auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung 1999 zeigt. „Um Krisen zu vermeiden, wird kurzfristig am Devisenmarkt interveniert, langfristig verhindert das jedoch keinen Kursverfall des Dollar“, sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank.

Mit mehr Erfolg hatte sich in den vorangegangenen Tagen der deutsche Aktienmarkt geschlagen – obwohl ein schwacher Dollar den Export bedroht und deshalb in der Vergangenheit zumindest phasenweise dem Dax empfindliche Kursverluste zufügte. So knickte in Frankreich und Deutschland im dritten Quartal das Wachstum gegenüber dem Vorquartal auf ein Plus von nur noch 0,1 Prozentpunkten ein. Gründe: der starke Euro und der hohe Ölpreis. Dennoch schlugen sich die Märkte achtbar. Zu Beginn dieser Woche schwang sich der Dax sogar beinahe auf sein altes Jahreshoch von 4170 Punkten hoch. Ignoriert die Börse also schlicht die Gefahren eines weiteren Dollar-Verfalls?

„Einen langsamen, graduellen Dollar-Verfall können deutsche Unternehmen durchaus verkraften“, sagt Lothar Heßler, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf. „Die Unternehmen hatten während der langen Seitwärtsphase der Euro/Dollar-Bewegung in diesem Jahr genügend Gelegenheit, ihre Geschäfte bei Kursen von etwa 1,20 Dollar günstig abzusichern“, ergänzt Hellmeyer. Anleger müssen sich deshalb nicht der von Notenbankern und Politikern verbreiteten Angststimmung anschließen. Mit einem ausgewogenen Depot aus dividendenstarken europäischen Aktien, Rohstoffinvestments und soliden Anleihen sollten auch in Zukunft ordentliche Renditen drin sein.

US-Konjunktur lässt Dampf ab

Investoren, die schon in den vergangenen 18 Monaten den Rat beherzigten, Dollar-Anlagen zu meiden und im heimischen Anlageteich zu fischen, fuhren dabei nicht schlecht (WirtschaftsWoche 31/2003). Anleihekurse gewannen allein in diesem Jahr bisher durchschnittlich zehn Prozent, dazu kassierten Rentenfreunde ihre Zinskupons. Der breite deutsche Aktienmarkt liegt 2004 sieben Prozent vorn, dazu gesellen sich Dividenden von im Durchschnitt rund drei Prozent. Rohstoff- und Edelmetallanlagen brachten ebenfalls zweistellige Zuwächse. „Ein fester Euro ist insbesondere für die Rentenmärkte positiv, er sichert das niedrige Zinsniveau, weil der Inflationsdruck genommen wird und internationale Investoren in Euro-Anlagen investieren“, sagt Hellmeyer. Noch in diesem Jahr erwartet der Bremer Stratege einen Euro-Kurs von 1,35 Dollar, im kommenden Jahr sollte ein Niveau von 1,45 Dollar erreicht sein.

Die Gründe dafür liegen in den USA: in der Differenz zwischen importierten und exportierten Waren. „In den vergangenen zwölf Monaten summierte sich das Handelsbilanzdefizit der USA auf 570 Milliarden Dollar“, sagt Heßler. Bis in den Herbst hinein schnellte das Exportminus auf mehr als 50 Milliarden Dollar pro Monat. Nur eine weitere Dollar-Abschwächung würde den US-Waren auf den Weltmärkten helfen und den Exportschmerz lindern. Zumal die US-Konjunktur derzeit deutlich Dampf ablässt. Von Präsident George W. Bush angestoßene Ankurbelungsmaßnahmen wie massive Steuersenkungen verpuffen langsam. In diesem Jahr rechnen die wichtigsten US-Volkswirte zwar noch mit 4,3 Prozent Wachstum. 2005 sollen aber nur noch 3,7 Prozent Zuwachs herausspringen. Selbst diese Prognose hält Hellmeyer angesichts zuletzt durchwachsener Konjunkturindikatoren „für überzogen“.
Gleichzeitig steigt auch das US-Haushaltsdefizit weiter an. Leistungsbilanz und Haushalt – diese beiden „Defizite der USA erfordern zurzeit täglich Überweisungen von Auslandsgeldern von 2,5 Milliarden Dollar. Niemand weiß, wie lange internationale Investoren den amerikanischen Überkonsum und die Überstaatsneuverschuldung finanzieren werden“, mahnt Jens Ehrhardt, Chef der Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt Kapital. Das große Risiko für die Finanzmärkte liegt in Asien. Allein Japan und China halten US-Anlagen im Gegenwert von zusammen 1300 Milliarden Dollar, vor allem in Anleihen. „Der Anpassungsdruck des Dollar wird weiter über den Euro gehen“, mutmaßt deshalb HSBC-Analyst Heßler. Die jüngsten Zahlen des IWF stammen zwar noch vom Februar 2004, lassen aber aufhorchen: Danach sprang der Anteil des Euro an den Weltwährungsreserven binnen zwölf Monaten um ein Viertel auf 20 Prozent. Der Dollar hielt sich mit einem Minus von nur einem Prozentpunkt als Reservewährung Nummer eins mit 63,8 Prozent Anteil stabil. Doch wie lange noch?

Experten wie HSBC-Analyst Heßler warnen schon vor einem möglichen Überschießen der Euro/Dollar-Relation: „Das Risiko, dass der Euro auf 1,64 Dollar steigt, ist nicht auszuschließen.“ Ein solches Umtauschverhältnis lässt sich in der Theorie errechnen, wenn der Analyst die alten Wechselkurse zwischen D-Mark und Dollar mit ins Kalkül zieht. „Der Verfall in diese Größenordnung ist nur eine Frage der Zeit“, prognostiziert Heßler.

Bremsen in der Bilanz

Dennoch gibt es keinen Grund für Anleger, in Panik zu verfallen. Gerade deutsche Unternehmen sind international sehr gut aufgestellt, den Einkauf von Rohstoffen und halbfertigen Produkten macht ein schwacher Dollar deutlich billiger. Die Konzerne hier zu Lande rechnen eben nicht nur ein Gutteil ihrer Exporte in Dollar ab, sondern auch viele ihrer Einkäufe. Laut Hellmeyer bietet sich bei Aktien „ein konservatives Portfolio aus Versorgern, Telekom- und Grundstoffwerten an, zudem sollten Anleger Nebenwerte beimischen“.

So sind nach einer Analyse von Merrill Lynch Unternehmen wie der italienische Versorger Enel oder British Telecom von einer Dollar-Schwäche nicht betroffen – sie verkaufen ihre Dienstleistungen komplett in Europa. Anders sieht es dagegen beispielsweise beim Handelskonzern Ahold aus. Die Niederländer setzen nur 23 Prozent im Euro-Raum um. Betroffen von einer weiteren Dollar-Schwäche sind auch viele europäische Pharma- und Medizintechnikunternehmen. Im Dax kassieren die Pillendreher Altana und Schering immerhin rund ein Drittel ihrer Erlöse in Dollar. „Der starke Dollar-Verfall hat uns im Jahr 2003 rund 500 Millionen Euro Umsatz gekostet – allein durch die Umrechnung der Währung“, stöhnte Schering-Chef Hubertus Erlen schon im Frühherbst (WirtschaftsWoche 37/2004).

Allerdings sollten Anleger auch betrachten, welche Kosten ein Unternehmen in Dollar abrechnet. Konzernen wie dem RWE oder der Telekom hilft der Abschwung des Greenback zumindest auf der Zinsseite. Denn ihre Milliardenschulden in Dollar lassen sich weit günstiger bedienen als ursprünglich gedacht. Das hebt den Gewinn. Porsche wiederum hat statt Turbo starke Bremsen in der Bilanz: Das Risiko ist derzeit komplett abgesichert. Bei VW und BMW sind regelmäßig rund zwei Drittel des erwarteten Absatzes in Dollar gesichert, Daimler hat ein ähnliche Quote für die Mercedes-Sparte. Bei Thyssen halten sich Einnahmen und Ausgaben in Dollar die Waage. Eine Dollar-Abwertung um zehn Prozent schmälert zwar den Gewinn der US-Töchter – isoliert betrachtet aber nur um 30 Millionen Euro oder zwei Prozent des Jahresgewinns 2004.
Leichte Einbußen treffen auch BASF. Doch da die Ludwigshafener Rohstoffe auf Dollar-Basis einkaufen, müssen sich Anleger um die Performance der Aktie kaum sorgen. Bei Adidas liegt der Umsatzanteil in Dollar bei rund 35 Prozent. Etwa drei Viertel der Produktion rechnet der Sportschuhhersteller jedoch in der US-Währung ab. Die Herzogenauracher zählen deshalb zu den Profiteuren einer Dollar-Schwäche. Auch bei Continental machen die Ausgaben in Dollar mehr aus als die Einnahmen. Über einen starken Euro dürfte man also kaum unglücklich sein. So hat sich auch der Conti-Kurs seit Ende 2001 verfünffacht. Im gleichen Zeitraum sackte der Dollar um 40 Prozent ab. Noch einfacher ist die Einschätzung bei in Dollar bilanzierenden Unternehmen, wie Total. Hier spielt die Währungsseite keine Rolle. Aktienfreunde dürfen sich also in heimischen Gefilden tummeln. „Sollte der Dollar sich nicht zu schnell weiter abschwächen, dürfte der Dax sogar zu einer kleinen Jahresendrally ansetzen“, sagt Vermögensverwalter Ehrhardt.

Grundsätzlich gilt: Die Rendite bei Aktien stammt nicht nur aus Kursgewinnen. „Anleger sollten sich vor allem dividendenstarke Titel anschauen“, rät Hellmeyer. Viele Papiere bieten mit gut drei bis mehr als fünf Prozent eine höhere Verzinsung als sichere Anleihen. Doch auch Anleihebesitzer brauchen nicht nervös mit den Füßen zu scharren und ihre Depot umzuschichten. „Das Wachstum in der Euro-Zone wird in den nächsten Jahren nicht nachhaltig über zwei Prozent gehen, deshalb ist auch die Inflationsperspektive positiv“, sagt Heßler. „Die Europäische Zentralbank dürfte die Zinsen eher senken als erhöhen“, beruhigt Landesbanker Hellmeyer.

In ein ausgewogenes Portfolio hinein sollten Anleger nach wie vor Rohstoffe mischen. Die Rohstoff-Hause spiegelt die Dollar-Krise wider. An Gold- und Silberinvestments beispielsweise sollten Investoren also festhalten.

Kaum attraktiv dürfte weiterhin eine zu breit gestreute Investition in US-Aktien sein. „An der US-Börse überwiegen die Risiken“, warnt Heßler. Zwar haben amerikanischen Aktien in den vergangenen vier Jahren mit knapp 20 Prozent Verlust weniger eingebüßt als europäische Papiere. Gleichzeitig mussten deutsche Anleger wegen des Dollar-Crashs aber zusätzliche 45 Prozent Währungsminus einbuchen. Dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist, davon sind auch Amerikaner überzeugt. Jim O’Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, schätzt, dass der nächste Dollar-Absturz den Euro auf 1,50 Dollar aufwerten wird. Fred Bergsten, bekannter US-Ökonom und Berater früherer US-Regierungen, würden gar Kurse von 1,80 Dollar nicht überraschen.

Zu einem geordneten Depot passen deshalb Sicherungsinstrumente gegen DollarTurbulenzen. Auch ohne Hysterie konnten Anleger mit Euro-Kaufoptionsscheinen seit 2001 extrem hohe Gewinne einfahren: mit dreistelligen Zuwächsen pro Jahr.
CHRISTOF SCHÜRMANN
 

19.11.04 09:13

1174 Postings, 7366 Tage cosinusQuellenangabe?

kenne: CHRISTOF SCHÜRMANN nicht.

darum, woher hast Du die Quelle?

danke!

Gruß aus Wien

Cosinus  

19.11.04 10:02

8970 Postings, 5841 Tage bammieist von Wirtschaftswoche online :)

direktlink: http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/id/...depot/0/index.html  

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