Die zentralen Ursachen der kommenden Seitwärtsphas

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eröffnet am: 27.11.04 14:59 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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27.11.04 14:59

755387 Postings, 5795 Tage moyaDie zentralen Ursachen der kommenden Seitwärtsphas

Die zentralen Ursachen der kommenden Seitwärtsphase

Ursache 1: Überproduktion. Normalerweise entsteht eine Überproduktion, wenn durch die sprudelnden Gewinne einer Boom-Phase immer mehr Firmen immer mehr produzieren. Irgendwann stoßen die Produkte nicht mehr auf genug Nachfrage und es kommt zur Rezession. Momentan wird diese Rezession sogar noch durch eine Konsum- und Technologiemüdigkeit verschärft. Und:

Ein Überangebot führt dazu, dass es zwischen den Unternehmen zum Konkurrenzkampf kommt und die Preise in den Keller gehen. Fallende Preise heißt natürlich: fallende Gewinne der Firmen. Die Baisse, die Rezession, ist nicht mehr aufzuhalten: Arbeitnehmer verlieren ihre Jobs, können weniger konsumieren, dadurch sinkt die Nachfrage noch mehr. Der Preiskampf wird härter, die Preise sinken weiter ... eben jener Kreislauf, den wir ja seit mittlerweile 4 Jahren beobachten ...

Folge: In der Wirtschaft kommt es zu einem "Reinigungs-Mechanismus", der dazu führt, dass viele Firmen in Konkurs gehen und die verbleibenden Unternehmen ihre Strukturen verschlanken. Und das ist der Keim für den neuen Aufschwung:

Die Krise mobilisiert die Firmen zu neuen Ideen, Produkten und Konzepten, um sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten.

Durch die Vielzahl von Firmenpleiten, Abbau von Produktionsüberschüssen, Konzentration auf neue Gebiete sinkt das Angebot, die Überproduktion wird abgebaut. Irgendwann übersteigt dann die Nachfrage das Angebot.

Ein steigende Nachfrage bei geringem Angebot führt natürlich sofort zu steigenden Preisen. Deswegen sollte die Inflation am Anfang einer Konjunkturerholung auch zulegen. Die anziehenden Preise und der geringere Konkurrenzkampf lässt die Gewinne der Unternehmen wieder anziehen. Auch die Produktion nimmt zu, es müssen neue Arbeitskräfte eingestellt werden, um die erhöhte Nachfrage zu bewältigen. Diese neuen Arbeitskräfte können wieder mehr konsumieren, die Nachfrage wird noch mehr angekurbelt. So lange, bis wieder eine Überproduktion entsteht.

Das ist der sehr vereinfachte und etwas idealisierte Prozesse eines normalen Konjunkturzyklus. Und er würde die Konjunktur auch wieder in Gang setzen, wenn nicht ...

... ja, wenn nicht die USA die Rezession noch vor dem Abschluss dieses reinigenden Prozesses mit historisch niedrigen Zinsen bekämpfen würden ...

Das führte dazu, dass die Firmen ihre Kredite refinanzieren und mit entsprechenden Kostenreduzierungs-Maßnahmen Verluste in Gewinne verwandeln konnten. Optisch sieht alles gut aus. Nur, es herrscht immer noch ein Klima der Überproduktion. Das heißt, der Umsatz steigt nicht entsprechend an. Es entsteht ein harter Konkurrenzkampf um die durch Arbeitslosigkeit stark geschrumpfte Menge der Konsumenten.



Ursache 2: Überschuldung. Die Unternehmensgewinne steigen, sagen diejenigen, die positiv denken. Aber sie steigen aus denselben falschen Gründen, aus denen die Erholung ein Betrug ist. Die Amerikaner finden keine neuen und besser bezahlten Jobs. Stattdessen finden sie neue und teurere Häuser. Sie überladen sich mit Hypotheken, sie kaufen immer mehr Waren aus Übersee - auf Kredit natürlich! Die amerikanischen Unternehmen stellen nicht mehr Leute ein - denn sie produzieren nicht wirklich mehr. Der Grund dafür: Sowohl die Arbeitsplätze als auch die Kosten dafür werden außerhalb der US-Volkswirtschaft geschaffen.

Haushaltsdefizit von 422.000.000.000 Dollar (422 MILLIARDEN), Handelsbilanzdefizit von über 500 Milliarden Dollar ... wie lange kann das noch gut gehen?

Die Verschuldung der USA hat gerade die Schallgrenze von 7.000.000.000.000 Dollar (7 Billionen!) überschritten. Lassen Sie mich Ihnen einmal die Verhältnisse deutlich machen:

Ein einzelner Mensch müsste während seines gesamten Lebens (72 Jahre im Schnitt) jeden Monat 8.101.851.851 Dollar (8.1 Milliarden Dollar) zurückzahlen, um diesen Schuldenberg abzutragen. Bezogen auf die 290 Mio. Einwohner der USA hat damit jeder Bürger knapp 25.000 Dollar Schulden. Ganz abgesehen von der privaten Verschuldung, die darin noch nicht einmal enthalten ist!

Diese Schulden betragen noch mal schlappe 2 Billionen Dollar, davon 700 Milliarden Dollar Kreditkartenschulden. Das sind ca. 2.400 Dollar für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in Amerika. Als Alan Greenspan sein Amt als Notenbankchef angetreten hat, musste der durchschnittliche Amerikaner 75 Prozentpunkte seines Einkommens für laufenden Verpflichtungen wie Hypothekenzahlungen, Versicherungen etc. ausgeben. Heute sind es 85. Alles angehäuft durch Konsum für Produkte, die man nicht braucht - finanziert mit Geld, das man nicht hat. So gibt es seit 2001 in den USA mehr Autos als Führerscheinbesitzer. Und jetzt frage ich Sie:

Ursache 3: die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Möglicherweise wird die Zukunft Firmen gehören, die ihre Umsätze steigern, ohne auch nur einen einzigen neuen Arbeitsplatz im Inland zu schaffen. Kürzlich hörte ich von einer Firma, die nach eigenen Angaben eine innovative Software-Plattform entwickelt hat. Innerhalb von fünf Jahren will sie ungefähr 20 Millionen Bruttogewinn einfahren. Dieses Unternehmen beschäftigt 6 Mitarbeiter ... darunter den Vorstandsvorsitzenden, den Finanzvorstand und die Marketing-Chefin. Daneben gibt es noch einen Informatiker, der die Software entwickelt. Und die restlichen beiden Angestellten verrichten weniger anspruchsvolle Arbeiten.

Dieses Unternehmen plant nun, ohne einen einzigen weiteren Angestellten zu wachsen und 21 Millionen Gewinn zu machen. Man hat bereits Programmierarbeiten nach Indien verlagert ... und der Kundendienst wird demnächst folgen. Mit anderen Worten: In den nächsten 3-5 Jahren könnte dieses Unternehmen das Bruttoinlandsprodukt um 20 bis 35 Millionen erhöhen, ohne einen einzigen neuen Job zu schaffen. Im Inland arbeiten also nur noch solche Angestellte, die über Fähigkeiten verfügen, die man nicht ins Ausland verlagern kann.

Erinnern Sie sich noch daran, dass Alan Greenspan vor noch gar nicht langer Zeit versichert hatte: "Jobs werden kommen, Jobs werden kommen!"? Greenspan teilte der amerikanischen Nation mit, dass die Arbeiter sich auf anspruchsvollere Arbeiten vorbereiten müssten, aber die Folge würden höhere Löhne sein ... Wie naiv können Leute sein-wenn nicht einmal ein Zentralbank-Chef die volle Tragweite der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation erfasst!

Ursache 4: Käufer, die nicht kaufen.

 Momentan besteht, wie eben schon angesprochen, eine ausgeprägte Konsum-Müdigkeit. Zusammen mit der immer noch starken Konkurrenz wird es so fast unmöglich, neue Arbeitsplätze zu schaffen-und damit die Voraussetzungen herzustellen, die für eine solide, sich selbst tragende Konjunkturerholung nötig sind. Und damit können Sie sich sicher selbst ausmalen, dass es noch ziemlich lange dauern wird, bis die Konjunktur wieder anspringt. Auf den Punkt gebracht:

Es gibt einfach zu viele Produkte und eine zu große Konkurrenz. Logischerweise hat das zur Folge, dass die Preise sinken. Und sinkende Preise bedeuten natürlich eins: Deflation! Und wie ich ja eben schon andeutete: für das Anspringen der Konjunktur ist zunächst einmal genau das Gegenteil nötig: eine leicht gesteigerte Inflation.

Dass die Inflationsrate in den USA nicht steigt, liegt lediglich daran, dass durch den Konkurrenzkampf kein Platz für Preissteigerungen vorhanden ist. Das geht natürlich zu Lasten der Firmen: Sie versuchen weiterhin, Kosten zu sparen: entweder dadurch, dass sie noch mehr Arbeiter entlassen oder Arbeit gleich ins Ausland verlagern. Als ob das alles nicht schon genug wäre, kommt jetzt auch noch ein "Turbo-Effekt" hinzu: der Anstieg der Rohstoffpreise, z.B. Öl. Durch diese höheren Energiekosten steigen natürlich auch die Produktionskosten. Eigentlich sollte sich das sofort auf die Produktpreise auswirken, also zu einem Preisanstieg führen. Sollte!

Natürlich kann das nicht ewig so weiter gehen. Erst wenn die Preise wieder steigen können, kann eine Hausse starten. Das wird aber erst der Fall sein, wenn die Überproduktion bereinigt ist und die Nachfrage höhere Preise erlaubt, wenn Technologie wieder gefragt ist. Es ist nicht verwunderlich, dass z.B. die Europäische Zentralbank -anders als die Fed - eine Inflationsrate von 2 % als gesund empfindet.

 

 

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