Die neue Vorsicht

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eröffnet am: 08.02.05 23:25 von: Parocorp Anzahl Beiträge: 2
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Fondsanleger und die übertriebene Vorsicht


Von Chet Currier, Kolumnist bei Bloomberg News

08. Februar 2005 Kann man Vorsicht auch übertreiben? Am amerikanischen Fondsmarkt sieht es derzeit fast danach aus. Fondsanleger haben in letzter Zeit Unsummen in konservativ investierende Mischfonds gepumpt. Von den sechs meistverkauften Fonds in Amerika im Jahr 2004 waren fünf auf stetige Erträge wie Dividenden ausgerichtet, berichtet Financial Research Corp. in Boston.

Die Bestseller waren der American Balanced Fund, Capital Income Builder, Capital World Growth & Income Fund und der Income Fund of America von Capital Group Cos. in Los Angeles, sowie der Franklin Income Fund, von Franklin Advisers Inc. in San Mateo, Kalifornien. Zusammengenommen haben sie im Vorjahr 51,3 Milliarden Dollar oder 21 Prozent aller langfristigen Fondsinvestments in Amerika auf sich vereinigt.

Nicht weit hinter diesen Fonds kommen ähnlich vorsichtig ausgelegte Fonds wie der Dodge & Cox Balanced Fund und der börsengehandelte Ishares Dow Jones Select Dividend Index Fund. Auffällig dabei ist, daß alle diese Fonds mit Kalifornien verbunden sind. Ausgerechnet der Bundesstaat, der für den Goldrausch berühmt ist, führt den Run auf sichere und renditestarke Fonds an.

Anleger sind noch immer verschreckt durch die Baisse der Jahre 2000 bis 2002

Das sagt einiges über die Weltsicht vieler Investoren nach dem Platzen der Internet-Blase aus. Der Boom Ende der 90er und die darauf folgende Baisse von 2000 bis 2002 ist den Anlegern noch gut in Erinnerung. Jetzt reagieren sie empfindlich auf Risiken und suchen ihr Heil in Anlagestrategien, die auf Diversifizierung und Dividenden beruhen. Gesteigert wird das Interesse der Anleger an Dividenden noch durch die neuen Dividendenbesteuerung in Amerika. Der Spitzensteuersatz auf Dividenden ist auf 15 Prozent gesenkt worden, damit sind sie langfristigen Kapitalerträgen gleichgestellt.

Die Theorie besagt, daß die Märkte alles übertreiben können, aber gilt das auch für die neue Vorsicht? Sie kann jedenfalls Probleme mit sich bringen. So kann sie den Mangel an ertragsstarken Anlagen verschlimmern. Am Anleihemarkt bleiben die Renditen niedrig, weil die Investoren angesichts des niedrigen Renditeniveaus nach jedem bißchen Ertrag gierig schnappen. Dasselbe Problem zeigt sich auch am Aktienmarkt. Dort ist die Nachfrage nach dividendenstarken Aktien so groß, daß sie droht, trotz steigender Dividendenzahlungen der Unternehmen, die Dividendenrendite niedrig zu halten.

In letzter Zeit lag die Rendite beim amerikanischen Benchmarkindex Standard & Poor's 500 zwischen 1,9 und 2,9 Prozent. Nachdem die Notenbank in Amerika mehrfach die Leitzinsen angehoben hat, rentiert ein guter Geldmarktfonds inzwischen besser. Der Vanguard Prime Money Market Fund bot Ende letzter Woche eine Rendite von 2,14 Prozent, verglichen mit weniger als einem Prozent Mitte 2004.

Zumindest in der Theorie kann die Nachfrage nach Dividenden dazu führen, daß Unternehmen mehr Dividende zahlen, als sie sich eigentlich leisten können, und vielleicht sogar Geld aufnehmen, um den gierigen Anleger zu befriedigen. Aber wer auf Dividenden achtet, ist an soliden Investments interessiert, nicht an Anlagemoden.

Von neuem Überschwang und neuer Gier kann aktuell nicht die Rede sein

Trotz solcher Sorgen erscheint die große Vorsicht der Anleger als eigentlich gesundes Zeichen. Ganz egal, wie beliebt ein Fonds wie der Capital Income Builder auch wird, sein Portfolio wird sich kaum ins Spekulative verlagern. Per 30. September 2004 war das Kapital des Fonds zu rund 64 Prozent in Aktien investiert, 26 Prozent in Anleihen und zehn Prozent wurden in bar gehalten. Im Aktienanteil fanden sich hauptsächlich Versorgungswerte, Banken und anderen unspektakuläre Werte mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Wert von 15,9, also niedriger als der Markt insgesamt.

Der klassischen Lehre der Kontra-Investoren zufolge sind Märkte dann am anfälligsten für Probleme, wenn Überschwang und Gier über Angst, Vorsicht und Umsicht siegen. Wenn Vorsicht vorherrscht, ist es wahrscheinlicher, daß der Markt eher positiv als negativ überrascht.

Das schöne an der Vorsicht ist, daß es nicht einmal einer positiven Überraschung bedarf, damit die Investoren zufrieden sind. Denn wenn sie nur einen kleinen Ertrag wollen, ist mit einem kleinen Ertrag ihre Mission auch schon erfolgreich.

Text: Bloomberg




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