Die nächste Abbauwelle rollt

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neuester Beitrag: 23.11.04 12:27
eröffnet am: 22.11.04 20:50 von: bammie Anzahl Beiträge: 7
neuester Beitrag: 23.11.04 12:27 von: BeMi Leser gesamt: 448
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22.11.04 20:50

8970 Postings, 5840 Tage bammieDie nächste Abbauwelle rollt

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Frankfurt (ots) - Als Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank (Xetra: 514000.DE - Nachrichten - Forum) hatte Ulrich Cartellieri einen ganz schwachen Abgang - die Gründe für seinen vorzeitigen Rücktritt blieb er schuldig. Als klugem Propheten der Entwicklung im Bankgewerbe dagegen muss man ihm Respekt zollen, auch wenn er sich um ein Jahrzehnt vertan hat: "Die Banken sind die Stahlindustrie der neunziger Jahre", hatte Cartellieri 1990 - einen französischen Unternehmer zitierend - gemenetekelt. Längst hat das damals angedrohte Unheil seinen Lauf genommen. Doch wer geglaubt haben sollte, damit seien die massiven Stellenstreichungen im Wesentlichen abgeschlossen, wird sich schon bald eines Schlechteren belehren lassen müssen. Die nächste Abbauwelle rollt, und sie könnte Dimensionen annehmen, die nicht nur von den direkt Betroffenen, sondern auch von der breiten Öffentlichkeit und der Politik als dramatisch empfunden werden und für entsprechendes Aufsehen sorgen dürften: Stahl-Dimensionen.

Allein die vier Großbanken haben schon in den vergangenen Jahren den Wegfall von weltweit fast 50000 Arbeitsplätzen angekündigt und diesen inzwischen weit überwiegend vollzogen. Auf die Dresdner Bank zum Beispiel entfielen davon an die 16000 Stellen. Auch Sparkassen, Landesbanken und Kreditgenossenschaften leben nicht auf einer Insel der Seligen, mag der Abbau bei ihnen auch weniger spektakulär ausfallen und meist etwas leiser abgewickelt werden. Die von den Großbanken kommunizierten Horrorzahlen werden zwar nicht in allen Fällen Realität, doch bisweilen geht die Wirklichkeit noch über die verlautbarten Pläne hinaus. So hatte die Deutsche Bank sukzessive die Streichung von 13000 Stellen angekündigt. Tatsächlich verschwunden sind aber seit dem Höhepunkt der Beschäftigung im Jahr 2000 - fast 90000 auf Vollzeitkräfte umgerechnete Mitarbeiter - über 24000 Arbeitsplätze. Die Tatsache, dass keineswegs alle der Betroffenen "auf der Straße stehen" - viele wechselten im Zuge des Verkaufs oder des Outsourcing von Einheiten den Arbeitgeber -, kann gleichwohl nicht über die Tiefe der Einschnitte hinwegtäuschen.

Der Patient Bankgewerbe mag, so das gestrige Bulletin von Rolf-Ernst Breuer, "von der Intensivstation zurück" sein. Aber bis zur völligen Genesung, die der Bankenpräsident "noch ein gutes Stück entfernt" sieht, stehen weitere Operationen mit schmerzhaften Folgen bevor. Die jüngsten Signale aus der Branche sind alarmierend. 900 Arbeitsplätze - auch keine Kleinigkeit - stehen bei der Commerzbank (Xetra: 803200.DE - Nachrichten - Forum) anlässlich der tief greifenden Redimensionierung des Investment Banking auf der Streichliste. Aus der HypoVereinsbank (Xetra: 802200.DE - Nachrichten - Forum) sickerten erste Zahlen zur nächsten, vor allem das Geschäftsfeld Deutschland betreffenden Kostensenkungsrunde durch: Bis zu 2500 Jobs könnten verloren gehen. Nach der üblichen Dramaturgie solcher Aktionen kommt es am Ende wohl eher etwas schlimmer.

Vorausgesehen haben es nicht einmal die Vorstände. "Ich denke, das wars", hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller noch im Februar - durchaus glaubwürdig - die Frage beantwortet, ob ein weiterer Beschäftigungsabbau drohe. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erklärte zur gleichen Zeit - ebenso glaubwürdig -, der Personalabbau sei abgeschlossen. Neun Monate später ist davon auszugehen, dass die Deutsche neuerliche Einschnitte vorbereitet. Von Analystenseite wurde schon die erschreckende Zahl von weltweit 6000 Stellen, davon 2000 im Investment Banking, kolportiert - eine Hochrechnung, von der die brutale Wirklichkeit womöglich nicht allzu weit entfernt sein wird.

Die Deutsche Bank hüllt sich dazu in Schweigen, wohl schon deshalb, weil sie noch keinen fertigen Gesamtplan für den neuen Anlauf zur Hebung von Kostensynergien und zur Verbesserung der Aufwandsrentabilität hat. Es fällt aber nicht unter das Bankgeheimnis, dass die Leiter der Corporate and Investment Bank, Michael Cohrs und Anshu Jain, wie auch Asset-Management-Chef Kevin Parker und "Deutschland-CEO" Jürgen Fitschen dabei sind, ihre Bereiche umzubauen und die Budgets für 2005 zu planen. Da auf der Ertragsseite, zumal wegen der lausigen Wirtschaftslage hierzulande, die Grenzen des Wachstums nahe sind, ist klar, dass Konsequenzen bei den Kosten gezogen werden.

So erstaunlich es nach den Kürzungen der Vergangenheit wirkt: branchenweit gibt es offenbar vor allem im Back Office und in Stabsfunktionen - etwa IT, Operations oder Kommunikation - immer noch viele Doppelarbeiten und entsprechend hohe Synergiepotenziale, die jeweils dann sichtbar werden, wenn Bereiche zusammengezogen oder neu ausgerichtet werden. Die in diesen Abteilungen Beschäftigten sollten sich tunlichst warm anziehen - der Winter wird für sie sehr frostig. An der Kundenfront, vor allem im Retailgeschäft, ist man hingegen schon vergleichsweise schlank und effizient aufgestellt - was auch leichter fiel, weil ein Profit Center, anders als die Stäbe, Erfolg und Misserfolg täglich an Erträgen und Kosten messen kann. Den "Point of Sale" werden die Banken folglich im eigenen Interesse weitgehend verschonen, um keine Ertragseinbußen zu riskieren.

Das drastische Gesundschrumpfen der Großbanken hat Folgen für die Chancen einer Konsolidierung: Je schlanker die Institute sind, desto wahrscheinlicher werden - mittelfristig - nationale Fusionen. Doch wer - etwa im politischen Berlin - ständig den "nationalen Champion" herbeireden will, muss wissen, was er sagt: Käme es wirklich zu Großfusionen, wäre der aktuell anstehende Personalabbau nur ein milder Vorläufer des dann drohenden Kahlschlags.  

23.11.04 00:57

129861 Postings, 5787 Tage kiiwiiEndlich geht der Investment-Banking-Hype zu Ende.

Leute teuer eingekauft; noch viel teuerer wieder abgebaut.
Das traditionelle Geschäft der Firmenfinanzierung sträflich vernachlässigt und in der Folge Riesen-Beträge verloren.

Im Asset-Management grössenwahnsinnig geworden und ebenfalls Un-Summen in den Sand gesetzt (z.B. Cobank).

Und europaweit (von global spreche ich schon überhaupt nicht) in die Drittklassigkeit abgerutscht.

Hätte man wenigstens das Kreditgeschäft immer sorgfältig gepflegt, würde es keinen Credit-Crunch gegeben haben und das Wachstum unserer Volkswirtschaft wäre ein besseres.

Aber eines ist klar geworden: Investment-Banking braucht man in Deutschland nicht, jedenfalls nicht zur Zeit. Und wann man es mal wieder brauchen wird, ist offen.

Und sicher gilt:
Der deutsche Markt wird immer zu klein und zu zyklisch sein, als daß es sich rechnen würde, dauerhaft I-Banking-Kapazitäten hier vorzuhalten (also insbesondere M&A u. Börseneinführungen).  

23.11.04 08:05

8970 Postings, 5840 Tage bammieDB will bis zu 3.000 Arbeitsplätze streichen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank will einem Pressebericht zufolge weitere Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Theoretisch stünden bis zu 3.000 Stellen zur Disposition, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ, Dienstagausgabe) unter Berufung auf Kreise der Frankfurter Bank. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen.

Angesichts des Versuchs der Deutschen Bank (Xetra: 514000.DE - Nachrichten - Forum), ihr Ansehen in Deutschland aufzuwerten, dürfte Vorstandssprecher Josef Ackermann sich letztlich aber für deutlich weniger Stellenstreichungen entscheiden. Der Abbau könnte vor allem im Kredit-Risikomanagement, den Rechtsabteilungen, Personalabteilungen und den IT-Abteilungen stattfinden.

Die Deutsche Bank hat dem Bericht zufolge die deutsche Belegschaft von 41.200 Mitarbeitern Ende 2001 auf 27.300 Beschäftigte per Ende September reduziert./mur/hi  

23.11.04 10:14

10041 Postings, 6304 Tage BeMiHerr Ackermann,

der Schweizer, wird es schon richten:
Verkauf der DB und Aufteilung der dicken Provisionen
dafür in seinem Klan.
Ähnlich wie Esser & Co.
Ciao
Bernd Mi  

23.11.04 10:35

129861 Postings, 5787 Tage kiiwiiDie DB ist leider durch ihr Vergütungssystem unter

die Räuber gefallen. Ein erheblicher Teil der Aktien gehört heute schon dem Management,  insbesondere den Investmentbankern (Mitchell, Jain etc.). Die wollen demnächst richtige Kohle sehen.

Eigentlich blamabel, daß diese Adresse sich quasi selbst zerlegt. Und niemand kann offenbar etwas dagegen tun. Der Abflug von Cartellieri ist ein Zeichen dafür, kommt aber leider auch zu spät.

Was wäre die Deutsche Bank unter Alfred Herrhausen heute ??  

23.11.04 11:42

129861 Postings, 5787 Tage kiiwiiBankenverb sieht Lage d. Kreditinstitute skeptisch

Bankenverband sieht Lage der Kreditinstitute skeptisch

HANDELSBLATT, 23.11.2004

cw FRANKFURT/M. Der scheidende Präsident des Bankenverbandes, Rolf Breuer, beurteilt die Geschäftsaussichten der privaten Institute in Deutschland skeptisch. ?Der Patient ist von der Intensivstation zurück, er liegt aber noch im Bett. Von einer vollständigen Genesung ist er jedenfalls noch ein gutes Stück entfernt?, sagte Breuer, der auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank vorsteht, gestern auf einer Pressekonferenz des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Erneut kritisierte er ?verkrustete Bankenstrukturen? und einen hohen Staatsanteil in der deutschen Kreditwirtschaft.

Die deutschen Privatbanken haben in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich schwach abgeschnitten und sind teilweise tief in die roten Zahlen gerutscht. Auch 2004 läuft nach einem guten Auftakt nur mäßig. Mit der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Hypovereinsbank haben gleich drei Großbanken eine weitere Runde von Umstrukturierungen angekündigt. Vor Jahresfrist hatte Breuer noch vor ausländischen ?Eroberern? gewarnt, die bereitstünden, deutsche Banken zu übernehmen. Mittlerweile sieht er die Lage in Deutschland anders: ?Deutschland ist nach wie vor interessant, aber andere Märkte sind derzeit interessanter.? Zuletzt sei Asien in den Vordergrund gerückt. Entwarnung wollte er dennoch nicht geben. Trotz der Ertragsschwäche der Banken hier zu Lande sei der Markt vor allem für nicht-europäische Käufer attraktiv. ?Wir werden im Laufe der Zeit auch in Europa mehr grenzüberschreitende Transaktionen sehen?, setzte er hinzu.

In einer führenden Rolle sieht er die einheimischen Banken dabei nicht. ?Die deutschen privaten Banken sind nicht profitabel genug, um sich gegen die europäische Konkurrenz durchzusetzen.? Die Zeiten, in denen deutsche Banken Spitzenpositionen in Europa besetzt hätten, seien lange vorbei und kämen so schnell nicht wieder.

Der Bankensektor habe an Effizienz, Leistungsfähigkeit und Wettbewerbskraft verloren. ?Am Markt scheiden tendenziell nicht die Untüchtigsten, sondern die am wenigsten subventionierten aus?, sagte er mit Blick auf das öffentlich-rechtliche Bankenlager. Manfred Weber, Geschäftsführer des Verbandes, wies aber daraufhin, dass sich bei der Öffnung des Sparkassensektors bereits einiges getan habe: 2005 falle die staatliche Haftung für die Landesbanken, mehrere Bundesländer würden über eine Änderung der Sparkassengesetze diskutieren und zumindest bei technischen Themen werde heute sektorübergreifend zusammengearbeitet.

Wie erwartet, wurde gestern Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller gestern als Breuers Nachfolger einstimmig gewählt. Als Vertreter der Deutschen Bank zieht künftig Vorstandssprecher Josef Ackermann in das Gremium ein. Breuer räumte ein, dass die Nominierung Müllers einen Bruch mit dem traditionellen Rotationsprinzip bedeute.

In der Vergangenheit hatten sich an der Verbandsspitze jeweils ein Großbanker, ein Vertreter einer Regionalbank und ein Privatbankier abgewechselt. Die Entscheidung sei mit Blick auf das immer internationalere und komplexere Geschäft der Mitglieder getroffen worden, sagte Breuer zur Begründung. Es sei sinnvoll gewesen, jemanden zu nominieren, der zusätzlich zur Expertise des Verbandes auch auf eine eigene volkswirtschaftliche Abteilung, eigenes Research und ähnliche Stabsfunktionen zurückgreifen könne.

HANDELSBLATT, Dienstag, 23. November 2004, 06:02 Uhr
 

23.11.04 12:27

10041 Postings, 6304 Tage BeMiRolf Breuer

hat doch als Chef der DB diese Entwicklung,
die er kritisiert, weitgehend mitgeprägt.
Aber dick abkassieren.

Ciao
Bernd Mi  

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