Die falschen Treuhänder - Opel, Fiat und Magna

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Die falschen Treuhänder
Opel, Fiat und Magna

27.04.2009, 17:15

Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Der Fall Opel: Die Politik betreibt ein gefährliches Spiel - sie gibt Versprechen mit einer kurzen Halbwertszeit. Was nach der Wahl mit den Jobs passiert, muss sie nicht interessieren.
Opel, dpa

Opel - die GM-Tochter ist auf der Suche nach einem Investor. (Foto: dpa)

Die Treuhandanstalt, die das Erbe der DDR abgewickelt hat, hat viele Fehler begangen. Der schlimmste: Sie hat die Illusion genährt, die volkseigenen Betriebe ließen sich größtenteils erhalten. Die Nachlassverwalter der Staatswirtschaft rangen den Käufern der oftmals maroden Unternehmen die Zusage ab, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Wer viele Jobs garantierte, konnte auch mit besonders hohen Subventionen rechnen. Dass die meisten Zusagen nichts wert waren, erlebten die Menschen in den neuen Ländern schon bald. Die Landschaften blühten nicht, sie verdorrten.

Eine ähnliche Illusion wird seit kurzem von Deutschlands Politikern befördert, allen voran vier Ministerpräsidenten, ein Bundesverkehrsminister und ein SPD-Kanzlerkandidat. Die Regierenden in Berlin und in den Ländern tun so, als könne man den Autobauer Opel ohne ernsthafte Einschnitte retten. Sie träufeln den Mitarbeitern in Rüsselsheim, Eisenach oder Bochum die falsche Hoffnung ein, Opel könnte sich aussuchen, an wen sich das Unternehmen bindet - und als sei es möglich, dem Käufer eine Garantie abzuverlangen: für Jobs, Werke - und am besten noch den Absatz einer bestimmten Anzahl von Corsas.

Dies klingt dann wie bei Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee: "Jeder Investor", so forderte der SPD-Politiker via Boulevardpresse, "muss Opel Deutschland stärken. Wer in Deutschland Arbeitsplätze abbauen will, ist kein geeigneter Opel-Partner." Sinngemäß hört man dies auch von den Ministerpräsidenten Koch oder Althaus. Bemerkenswert daran ist nicht allein, dass die Politik einem privaten Investor bei Opel dauerhaft ein Verbot auferlegen will, Arbeitsplätze zu streichen; bemerkenswert ist auch, dass die Politiker in Berlin und in den vier betroffenen Ländern Opel auf ein nationales Unternehmen reduzieren. Sie reden von "Opel Deutschland" und unterschlagen, dass der Autohersteller auch in Spanien, Belgien, Polen und Großbritannien Fabriken unterhält. Muss ein neuer Investor deren Fortbestand auch garantieren?

Die potentiellen Käufer machen das absurde Spiel inzwischen mit. Fiat will angeblich alle Fabriken in Deutschland erhalten; für wie lange und in welchem Umfang, sagen die Italiener aber nicht. Dennoch bevorzugen die politischen Entscheider nun den österreichischen Autozulieferer Magna, weil der angeblich weniger Jobs streichen will. Doch Magna wird kaum anders rechnen als der bisherige Eigentümer von Opel: GM hat jüngst eingeräumt, dass es bei Opel und Vauxhall, der britischen Schwester, Überkapazitäten von 30 Prozent gebe.

Die Wahlkämpfer, die sich Opels bemächtigt haben, ignorieren das geflissentlich. Steinmeier und Merkel waren bereits in Rüsselsheim. Andere werden folgen, Ministerpräsidenten, Minister, Bürgermeister. Sie erwecken den Eindruck, als könne man aus der Tochterfirma eines amerikanischen Unternehmens eine VEB Adam Opel machen. Die Automanager in Detroit oder Rüsselsheim sind abgetaucht, stattdessen verhandeln scheinbar allein die Minister Guttenberg und Steinmeier mit Fiat und Magna. Sie wissen: Ihre Versprechen von heute müssen nur bis zum Tag der Bundestagswahl am 27. September tragen. Was danach passiert, mit Opel, den Fabriken, den Jobs, muss sie nicht interessieren.

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http://www.sueddeutsche.de/,tt5m1/wirtschaft/5/466585/text/  

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