Die Schuldenkrise

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eröffnet am: 11.07.04 09:46 von: calexa Anzahl Beiträge: 1
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4691 Postings, 7068 Tage calexaDie Schuldenkrise

Die Weltwirtschaft wird derzeit von einer regelrechten
Schuldenwelle ueberrollt. Und glaubt man manchen
Beobachtern, dann wird diese Schuldenwelle in absehbarer
Zukunft die Weltwirtschaft ? wie eine Sturmflut das
Ufer ? regelrecht hinwegschwemmen. Was dabei allerdings
im Vorfeld bereits auf der Strecke bleibt, sind
vielfach die Logik und das Denken in Gesamtzusammenhaengen.

Denn erstens ist Verschuldung nicht gleich Ver-
schuldung ? schon gar nicht im historischen Zusammen-
hang ? und zweitens muss jedem Vermoegenswert, der
nicht aus Ersparnis entstanden ist, zwangslaeufig eine
gleich hohe Verschuldung gegenueber stehen. Das Vermoegen
der einen ist also stets die Verschuldung der anderen,
daran fuehrt kein Weg vorbei! Ohne Verschuldung also kein
Reichtum!

Reich werden zu wollen ohne einen signifikanten Anstieg
der Verschuldung waere also in etwa das Gleiche wie eine
Sache aufzuessen und sie zugleich fuer die Zukunft auf-
zubewahren. Doch das ist ja mittlerweile bereits zur
Normalitaet geworden, weshalb auch das Wunschdenken beim
Vermoegen und der Verschuldung kein Wunder ist.

Problematisch wird eine Verschuldung erst dann, wenn der
verschuldete Sektor so in Bedraengnis kommt, dass die
Bedienung der Schuld zweifelhaft wird. Und hier muss
klar unterschieden werden:

(1) Die Auslandsverschuldung der USA stellt in dieser
Hinsicht keinerlei Problem dar. Denn die Schuldner-
position der USA bedeutet nichts anderes als dass der
Anteil der US-Aktiva, der sich im Besitz von Auslaendern
besitzt, groesser wird.

Denkt man an die Konsequenzen dieses US-Defizits,
wirken die Klagen darueber manchmal regelrecht
lustig. Waere es denn tatsaechlich besser, wenn die
US-Staatspapiere sich vollstaendig in den (zittrigen)
Haenden der hoch verschuldeten US-Haushalte befaenden
als in den Tresoren von Japanern und Chinesen?
Ich zweifele das sehr an, denn die Gefahr, von den
US-Haushalten ploetzlich einmal auf den Markt geworfen
zu werden (und damit eine heftige Zinssteigerung
auszuloesen) ist ungleich groesser als bei den hart-
gesottenen Asiaten. Das ganze Gerede um das
US-Leistungsbilanzdefizit ist also in der Hauptsache
unnuetzer Quatsch.

(2) Viel problematischer sind hingegen die Ver-
schuldungen der Staatshaushalte ? sowie ganz besonders
diejenige der privaten US-Haushalte. Kurt Richebaecher
hat unlaengst in einem Artikel geschrieben, dass seit
Ende 2000 die Verschuldung der US-Privathaushalte
sowie des privaten US-Finanzsektors um gut ein Drittel
angestiegen ist ? und der Schuldenbestand von
letzteren jetzt bei fast 100 % des Bruttosozialprodukts
liegt (gegenueber von nur 20 % Ende 1980).

Die Hauptgruende fuer die dramatische Entwicklung der
letzten Jahre kennen wir: Das Aufschulden der Hypo-
thekenverbindlichkeiten und das grosse Spiel, hoch
verzinsliche langfristige Staatsanleihen mit
kurzfristigen und niedrig verzinslichen Notenbank-
Krediten zu refinanzieren. Hier stand ein ganzes
Land lange Jahre ueber gemeinsam auf einer einzigen
Marktseite. Wer wird nun jedoch dagegen halten,
wenn die Entwicklung wieder zurueck laeuft in die
andere Richtung?

Meine Vorstellung ist, dass dies jemand sein wird,
der mit ?N? anfaengt und mit ?Otenbank? aufhoert.
Es geht also alles weiter seinen gemanagten
kapitalistischen Gang.

Quelle: doersam-briefe

Solong,
Calexa
www.investorweb.de  

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