Die Münchner Hotels können sich freuen

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eröffnet am: 21.12.06 15:26 von: quantas Anzahl Beiträge: 1
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Antikorruptions-Untersuchungen kosten die Konzerne dreistellige Millionenbeträge

ABB, Siemens, Daimler-Chrysler - die einen haben es noch vor sich, die anderen schon erlebt: Die US-Fahnder stellen in Korruptionsfällen ganze Weltkonzerne auf den Kopf. Eine Studie über die Kosten.

Hinter vorgehaltener Hand wird es ausgesprochen: Schmieren gehört zum Handwerk. In gewissen Ländern bekommt man keinen Auftrag, wenn man nicht ein paar Milliönchen für die Entscheidungsträger in den Regierungen lockermacht. Vor allem in den Schwellenländern, den Emerging Markets, geht nichts ohne das «Anfüttern».

Manager in der Schweiz und in den Nachbarländern sprechen über das Bestechen ausländischer Beamter immer noch ganz so, als sei dies die Marketingmethode der Wahl. Als hätten sie nur eine Chance, wenn sie um die Wette bestechen. Wie vor Jahren, als dies hierzulande noch erlaubt war, als die Schmiere sogar beim Steueramt als Betriebskosten deklariert wurde.

Sie haben den Schuss noch nicht gehört. Denn für die grossen Konzerne gilt faktisch amerikanisches Recht. Nicht nur, wenn sie an der Wall Street kotiert sind, müssen sie sich an das US-Antikorruptionsrecht halten, den seit 1977 geltenden Foreign Corrupt Practices Act (FCPA).

Auch jeder Konzern mit einer Tochtergesellschaft in den USA läuft Gefahr, sich einer Grossoffensive der US-Strafverfolger auszusetzen, wenn er den FCPA verletzt.

Die Shearman & Sterling in New York, eine der weltgrössten Anwaltsfirmen, hat am 30. November die Gefahrenanalyse publiziert. Anwalt Danforth Newcomb fasst in der 200-Seiten-Studie zusammen: Antikorruptionsuntersuchungen nehmen zu und Verfahren werden schärfer.

«Es gibt beim US-Justizministerium wie bei der Börsenaufsicht SEC einen klaren Trend zu aggressiveren Ermittlungen», sagt Newcomb. Und eine Tendenz, die Unternehmen nachträglich unter eine dreijährige Intensivbeobachtung zu stellen. Er erlebe eine Periode rasanter Veränderungen bei den Antikorruptionsermittlungen.

Betroffen sind in zunehmendem Masse europäische Konzerne. Zum Beispiel ABB, Daimler-Chrysler und bald Siemens. Newcombs Studie zeigt auch, dass die europäischen Konzerne häufiger und härter an die Kandare genommen werden.

Zum Beispiel ABB: Wegen einer Schmiergeldzahlung, die bei einer texanischen Tochtergesellschaft aufflog, muss sich der Konzern den US-Ermittlungen beugen. Es half nichts, dass es «nur» um 1,1 Millionen Dollar Bestechungsgeld ging, die in Nigeria, Angola und Kasachstan gezahlt wurden.

ABB-Chef Jürgen Dormann musste sogleich eine «Nulltoleranzpolitik» versprechen. Die Firma bekannte sich schuldig und zahlte rund 16 Millionen Dollar Strafen und Gebühren. Das war erst der Auftakt.

Die Anwaltsrechnung für ABB: 44 700 Mannstunden

Weil ABB die Tochter an Private-Equity-Funds verkaufte, mussten beide Parteien, Käufer und Verkäufer, einwilligen, sich von externen Beratern überprüfen zu lassen. Die Shearman & Sterling-Studie bilanziert den Untersuchungsaufwand im ABB-Fall: 1600 Archivboxen wurden manuell geprüft, 165 frühere und aktive Mitarbeiter mussten zur Befragung antreten. Spezialisierte Betrugsermittler, Forensic Accountants genannt, wurden mit einem Stab von mehr als 100 Assistenten angeheuert. Sie suchten ABB-Gesellschaften in 21 Ländern auf, um Hunderttausende Transaktionen zu prüfen. Und 115 hoch qualifizierte Anwälte berechneten 44 700 Mannstunden, um den Abschlussbericht zu erstellen.

Es hilft auch nicht, wenn ein Unternehmen ahnungslos einen Betrieb übernimmt, in welchem später Bestechungsfälle auftauchen. Die Käufer müssen dafür geradestehen, dass sie ihre Prüfarbeit, die Due Diligence, vor dem Kaufvertrag akkurat erledigen.

Dies ist nun auch der Grund dafür, dass der Telecomkonzern Nokia ein geplantes Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens auf Eis legt. Nokia müsste für die früheren Verfehlungen der Siemens-Manager geradestehen und die Millionensause der Prüfunternehmen und Anwaltsfirmen bezahlen.

Daimler-Chrysler hat die gleiche Prozedur erlebt. Der Konzern wurde weltweit auf den Kopf gestellt, von São Paulo bis St. Petersburg. Eine neue Kontrollstruktur musste aufgebaut, Manager mussten trainiert werden.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Insider rechnen erstmalig mit einem Strafgeld in dreistelliger Millionenhöhe. Die Prüf- und Ermittlungskosten verschlangen ebenfalls mehrere Hundert Millionen.

Korruptionsfall Siemens: Die heimischen Strafverfolger tun weh, aber erst die US-Ermittlungen gehen richtig ins Geld.

«Die Siemens-Konzernzentrale kann in München ein paar Hotels vorbuchen, wenn wir kommen.» Ein Antikorruptionsfahnder über den Einsatz der Prüfkonzerne.

http://www.cash.ch/news/story/433/106627/686/706

 

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