Die Kluft zwischen Reich und Arm

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eröffnet am: 29.03.05 07:38 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 2
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29.03.05 07:38

24466 Postings, 5790 Tage EinsamerSamariterDie Kluft zwischen Reich und Arm

Der Klub der Industrieländer legt neue Daten zu einer alten Frage vor

Die Kluft zwischen Reich und Arm

Die Kluft zwischen Gut- und Schlechtverdienern in den Industrieländern wird ständig grösser. Dies sagt eine beliebte Stammtischthese. Die Zahlen sagen etwas anderes, wie aus der neusten Erhebung über 27 Länder hervorgeht.

Es ist ein Bauchgefühl. Die Kluft zwischen den Gut- und Schlechtgestellten wächst demnach ständig: Spitzenmanager sahnen kräftiger ab denn je, Hochqualifizierte profitieren von Techniksprüngen und der Weltmarktöffnung, während die Tiefqualifizierten unter dem Druck der Billiglohnländer stehen oder gleich ganz wegrationalisiert werden.

Zwischen 60 und 95 Prozent der Menschen in den reichen Industriestaaten haben das Gefühl, die Einkommensungleichheiten seien «zu gross». Dies zeigt eine Zusammenstellung der Pariser OECD, des Klubs der Industrieländer, von Umfragen aus 17 Nationen. Wie gross die Ungleichheiten effektiv sind und ob sie tatsächlich ständig steigen, hat die OECD in einer neuen Analyse über 27 ihrer Mitgliedländer zu ermitteln versucht. Basis der Analyse sind Befragungen über die verfügbaren Haushaltseinkommen in diesen Ländern von Mitte der 80er-Jahre bis zum Beginn dieses Jahrzehnts.

Schweiz: 9. Rang unter 27

Der erste Befund bestätigt ein verbreitetes Urteil. In den skandinavischen Ländern sind die Haushaltseinkommen heute am wenigsten ungleich verteilt (vgl. Grafik). Weit ungleicher ist die Verteilung in den angelsächsischen Staaten, während Deutschland und Frankreich dazwischenliegen. In der Schweiz, deren Einkommens-und Verbrauchserhebung von 2001 der OECD als jüngste Basis diente, ist die Verteilung deutlich «gleicher» als im Durchschnitt der OECD-Länder: Die Schweiz steht auf Rang 9 von 27 untersuchten Staaten.
Diese Aussagen sind laut OECD weitgehend unabhängig von der Wahl des Massstabs für die Ungleichheit. Die OECD benutzte drei verschiedene Massstäbe. Der am stärksten verbreitete ist wahrscheinlich der so genannte Gini-Koeffizient, der aus der gesamten Verteilung der Einkommen von den Best- bis zu den Schlechtestgestellten abgeleitet ist.

Trendbruch in den 90er-Jahren

Der Trend über die letzten zwei Jahrzehnte ist uneinheitlich. Zwischen Mitte der 80er- und Mitte der 90er-Jahre haben die Ungleichheiten in den meisten Ländern tatsächlich zugenommen ? und zwar grob gesagt um etwa 10 Prozent im Schnitt. Dieser Trend ist seither aber gebrochen: Es gab danach praktisch ebenso viele Länder mit sinkender wie mit weiter steigender Ungleichheit ? und im Schnitt ist die Ungleichheit stabil geblieben oder leicht gesunken. Für die Schweiz kann die OECD allerdings mangels Daten keine Langfristaussage machen.

Und die Lohnschere?

Haupttreiber der Haushaltseinkommen sind die Löhne. Auch Kapitaleinkommen, Steuern und Sozialtransfers können aber eine erhebliche Rolle spielen. Die Tendenzen in den OECD-Ländern: Die Kapitaleinkommen sind deutlich ungleicher verteilt als die Lohneinkommen, und die Lohneinkommen sind wiederum ungleicher verteilt als die Gesamteinkommen. Mit anderen Worten: Der Sozialstaat tut mindestens zum Teil, was er tun soll ? er verringert die Ungleichheiten.

Betrachtet man nur die «Markteinkommen» (Erwerbs- plus Kapitaleinkommen), wird dagegen das Gefühl der ständig wachsenden Kluft eher bestätigt: Seit Mitte der 80er-Jahre sind die Ungleichheiten in allen erfassten Ländern gestiegen. Auch hier hat sich das Bild ab Mitte der 90er-Jahre geändert, aber weniger deutlich: Eine Mehrheit der OECD-Länder meldet weiter gestiegene Ungleichheiten, allerdings sind die Anstiege im Schnitt nur noch gering. Für die Schweiz legt die OECD hier keine Daten vor.
Betrachtet man nur die Löhne, könnte das Bild wieder etwas anders aussehen. Das jüngste OECD-Papier macht dazu keine Aussagen, doch für die Schweiz geben die hiesigen Lohndaten von 1992 bis 2004 einige Hinweise: Demnach dürfte die Kluft zwischen den obersten und den untersten paar Prozenten gewachsen sein, während bei den mittleren 90 Prozent relativ wenig passierte.

Mehr oder weniger Arme?

Die aus sozialpolitischer Optik dringlichste Frage betrifft die Armut. Hier bringt die OECD-Analyse zunächst eine gute Nachricht. Die absolute Armut hat in allen untersuchten Staaten abgenommen ? zwischen Mitte der 80er- und Mitte der 90er-Jahre ebenso wie danach. Anders gesagt: Die Kaufkraft der am schlechtesten gestellten Haushalte ist in allen Ländern gestiegen.

Definiert man «Armut» dagegen relativ, sieht das Bild anders aus. Als relative Armutsgrenze nimmt die OECD die Hälfte des mittleren Haushaltseinkommens (genauer: Median) im entsprechenden Land. Nach diesem Kriterium ist die «Armutsquote» im OECD-Schnitt von 9,4 Prozent der Haushalte (Mitte der 80er-Jahre) auf 10,0 Prozent (Mitte der 90er-Jahre) und 10,6 Prozent (2000) gestiegen.
Für den Quervergleich der jüngsten Daten verwendet die OECD einen Index der relativen Armut, der die Armutsquote mit dem Abstand der Betroffenen zur Armutsgrenze gewichtet. Auch in dieser Indexrangliste kommen die Skandinavier weitgehend am besten, die Schweizer (Rang 12 unter 27 Ländern) noch überdurchschnittlich gut und die Amerikaner ziemlich schlecht weg.

Einerseits, anderseits

Wie weit die Armut absolut definiert ist und wie weit relativ, bleibt eine politische Frage. Für beide Betrachtungsweisen gibt es Argumente. Auf der einen Seite wirkt es kurios, wenn ein Haushalt trotz gestiegener Kaufkraft unter die Armutsgrenze fallen kann, nur weil andere Haushalte ihre Kaufkraft noch stärker gesteigert haben. Auf der anderen Seite basiert das Wohlbefinden der Menschen auf Vergleichen: Wir messen uns eher mit unseren Freunden, Verwandten und Nachbarn als mit einer Armutslinie. Und: Unsere Einkommen haben in den letzten Jahrzehnten zwar im Schnitt laufend zugenommen, doch deswegen sind wir nicht unbedingt glücklicher geworden ? wahrscheinlich weil auch unsere Erwartungen gestiegen sind und weil eben auch die Nachbarn zugelegt haben.

Quelle: espace.ch

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Der Einsame Samariter

 

29.03.05 08:39

742 Postings, 5792 Tage Schwertfegerpauschal kann man also sagen

auch hier sind schweden, finnland ,norwegen wieder die besten!

irgendwas ,machen die skandinavier ganz anders als alle anderen->eine gute politik!
und zwar auf jedem gebiet.  

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