Die CDU und der Patriotismus

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neuester Beitrag: 10.12.04 22:06
eröffnet am: 29.06.04 14:36 von: Karlchen_I Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 10.12.04 22:06 von: ottifant Leser gesamt: 242
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29.06.04 14:36

21799 Postings, 7717 Tage Karlchen_IDie CDU und der Patriotismus

 

Süddeutsche Zeitung: Ist der neue Bundespräsident Horst Köhler ein größerer Patriot als Johannes Rau, weil er lauter als dieser sagt: "Ich liebe dieses Land?"
Laurenz Meyer: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich weder den jetzigen noch den kommenden Bundespräsidenten benoten möchte.

SZ: Jedenfalls intoniert der neue konservative Präsident sehr bewusst patriotische Bekenntnisse.
Meyer: Ich begrüße das sehr und verstehe sein Bekenntnis zu Patriotismus und Vaterlandsliebe so, dass er daraus Antrieb und Motivation für sein politisches Handeln gewinnt. Ich bewundere die Haltung von Waldbauern, wenn sie Bäume pflanzen, die erst von späteren Generationen geerntet werden. Das ist ein imponierendes Bild auch für die Politik: Was bedeutet das, was ich politisch tue, für meine Kinder und die Zukunft dieses Landes?

SZ: Diese Sätze würde fast jedes Mitglied der rot-grünen Regierung bedenkenlos unterschreiben. Wo fehlt es da denn an Patriotismus?
Meyer: Es fehlt derzeit bei der SPD daran, dass sie sich nicht entscheiden kann, was wichtiger ist: etwas für dieses Land zu tun oder alles dem Versuch unterzuordnen, die Partei zusammenzuhalten. Das Gegenteil von Patriotismus ist Ideologie. Wir müssen auch eine Trennungslinie ziehen zum Nationalismus. Im Übrigen kann auch einer Patriot sein und dieses Land lieben, der hier zugezogen ist, ein türkischer Mitbürger zum Beispiel. Wichtiger als die Herkunft ist die Grundhaltung zu unserem Land und seinen Menschen.

SZ: Hat sich der Bundeskanzler bei den D-Day-Feiern wie ein Patriot verhalten, auch wenn er keinen deutschen Soldatenfriedhof mit SS-Gräbern besuchte?
Meyer: Ich fand das Verhalten des Bundeskanzlers angemessen. Es geht doch darum, als deutscher Patriot zur gesamten Geschichte Deutschlands zu stehen und gleichzeitig ein zeitgemäßes Verständnis davon zu entwickeln, was patriotisch ist und was nicht. Es ist wie mit der Geschichte des Deutschlandliedes: Zu Recht wird heute die erste Strophe nicht mehr gesungen. "Deutschland, Deutschland über alles" ist nationalistisch diskreditiert, obwohl es, als es geschrieben wurde, Ausdruck des Wunsches war, die Zersplitterung Deutschlands zu überwinden. Man muss akzeptieren, dass die nicht gesungene erste Strophe Teil unserer Geschichte ist - aber wir singen sie eben zu Recht nicht mehr.

SZ: Nach dem Fall Hohmann hatte Angela Merkel eine Patriotismusdebatte angekündigt. Warum ist daraus nichts geworden?
Meyer: Der Umgang mit Hohmann ist bereits Teil dieser Debatte. Gerade weil wir unbefangen über Patriotismus sprechen wollen, mussten wir eine klare Grenze ziehen. Hohmann hat Grundpositionen unserer Partei infrage gestellt, und wir haben die Grenze durch seinen Ausschluss aus der Partei und der Bundestagsfraktion gezogen.

SZ: Sein Hinauswurf war also praktizierter Patriotismus?
Meyer: Ja, weil wir unser Wertekonzept nicht in Misskredit bringen lassen.

SZ: Vor drei Jahren hat der grüne Umweltminister Jürgen Trittin Sie mit einem Skinhead verglichen, weil Sie sagten: Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein. Erkennen Sie sich in dem wieder, was Horst Köhler jetzt sagt?
Meyer: Ich habe diesen Satz gesagt, weil ich ihn nicht den Rechtsradikalen überlassen will. In Horst Köhlers Worten erkenne ich mich wieder. Ich habe mich übrigens in der Bundesversammlung geärgert über das Verhalten von einigen Grünen, insbesondere von Herrn Trittin, der beim Singen der Nationalhymne mit der Hand in der Hosentasche dastand und nicht mitsang. So ein Mann gehört schon allein wegen dieser Grundeinstellung gegenüber den Symbolen des eigenen Landes nicht in die Bundesregierung. In Deutschland gibt es teilweise ein völlig verkrampftes Verhältnis zu nationalen Symbolen wie Flagge oder Hymne, das unsere Nachbarn oft erstaunt. Da gibt es großen Nachholbedarf in unserem Land. Wer zum Beispiel bei einem Fußballländerspiel eine schwarz-rot-goldene Fahne vor sein Haus hängt, gilt bei uns gleich als verkappter Nationalist.

SZ: Es drängt sich der Eindruck auf, die neuen Patriotismus-Töne aus der Union sollen Deutschland fit machen für das, was noch an Einschnitten und harten Reformen auf uns zukommt, nach dem Motto: Sich quälen für Deutschland?
Meyer: Ich halte diese Frage für zu polemisch. Richtig ist: Eine emotionaleKomponente und ein Bekenntnis zum eigenen Land und seinen Menschen gehören für mich dazu, wenn wir Deutschland zum Besseren verändern wollen. Denn wir werden den Veränderungsprozess nur bewältigen, wenn wir eine gemeinsame Motivation verspüren. Das schafft auch erst die Voraussetzung für den nötigen Optimismus, den wir brauchen, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen.

SZ: Stichwort vaterlandslose Gesellen: Sogar das Manager-Magazin rügt deutsche Unternehmer dafür, was sie vom Standort Deutschland halten: "nämlich wenig bis gar nichts". Teilen Sie diese Kritik?
Meyer: So pauschal nicht. Es gibt bei deutschen Managern sehr unterschiedliche Auffassungen. Der Chef eines der größten deutschen Aktienunternehmen sagte mir, Maßstab für sein Handeln sei: Er wolle daheim auf dem Markt einkaufen können, ohne von den Leuten schräg angeschaut zu werden wegen seiner Firmenpolitik. Das gefällt mir.

SZ: Und was gefällt Ihnen nicht?
Meyer: Die Manager in diesem Land, die sich allein an der Bilanz und dem persönlichen Erfolg orientieren. Das reicht nicht.

SZ: Patriotismus steht bekanntlich nicht als Pflicht im Aktienrecht. Was werfen Sie kühlen Rechnern konkret vor?
Meyer: Jemandem, der im Ausland investiert, um den Bestand des Unternehmens zu sichern und damit auch daheim Arbeitsplätze zu bewahren, werfe ich nichts vor. Aber wer das Land und die Menschen aus den Augen verliert und nur in Profit-Kategorien denkt, handelt nicht patriotisch. Mir imponieren die Mittelständler, die sich noch mit der eigenen Stadt oder Region verbunden fühlen. Diese Grundhaltung droht verloren zu gehen, und das wäre ein riesiger Verlust für Deutschland.

SZ: Manager sollen vom Vaterland statt vom Standort sprechen?
Meyer: Der Ausdruck Standort klingt distanziert und austauschbar. Und das ist Deutschland eben nicht. Nicht nur für Berufspolitiker sollte gelten: Es geht um den Einsatz für die Menschen in unserem Land und wenn Sie so wollen damit für unser Vaterland.

SZ: Lassen Sie uns am Beispiel Irak-Krieg über den Einsatz für Deutschland reden. Wer war vor Jahresfrist ein Patriot: Kriegsbefürworter oder Gegner?
Meyer: Das ist kein gutes Beispiel. Die Union hat den Krieg nie befürwortet. Aber nachdem der Krieg begann, haben wir uns klar auf die Seite der USA, nicht auf die von Saddam Hussein gestellt. Denken Sie an Helmut Kohl. Der war und ist ein großer Patriot, er hat deutsche Soldaten bewusst nicht am ersten Irak-Krieg beteiligt. Andererseits kann man das deutsche Militär-Engagement zusammen mit anderen Nationen auf dem Balkan für Menschenrechte und gegen das Morden durchaus aus patriotischer Verpflichtung ableiten.

SZ: Wer hat sich denn an die Seite Saddam Husseins gestellt?
Meyer: Ich fand es grundfalsch, in der Uno den Druck auf Hussein zurückzunehmen. Gemeinsames Handeln in Europa wäre notwendig gewesen.

SZ: Das heißt im Klartext: Der Bundeskanzler war vor Jahresfrist kein Patriot, er stand, zumindest unfreiwillig, an der Seite Saddam Husseins.
Meyer: Das hat mit der Patriotismus-Debatte nichts zu tun. Aber ich habe die Art und Weise, wie der Bundeskanzler diese Frage auf Marktplätzen um parteitaktischer Motive willen zum Wahlkampfthema machte, für unverantwortlich gehalten.

SZ: Am 20.Juli jährt sich das Hitler-Attentat zum 60. Mal. Waren die Attentäter Patrioten? Und was ist mit den kommunistischen Widerständlern?
Meyer: Für mich ist der Gegensatz von Patriotismus Ideologie. Deshalb halte ich die Widerstandskämpfer des 20.Juli in ihrem Kampf gegen die NS-Ideologie für Patrioten.

SZ: Die deutschen Kommunisten halten Sie also für wenig patriotisch. Und was ist mit den Wehrmachtsdeserteuren, die sich dem NS-System entzogen?
Meyer: Das kann man nicht pauschal beantworten. Die Deserteure hatten unterschiedliche Motive, darunter waren sicher auch Patrioten.
 
Interview: Susanne Höll und Joachim Käppner. In: Süddeutsche Zeitung vom 29.06.2004.

 

29.06.04 14:49

7336 Postings, 6584 Tage 54reabder herr meyer war immer schon ein großer

schwafler. besonders lustig ist das mit dem patriotischen manager. da herr ackermann von der deutschen bank bekanntlich schweizer ist, muß er sie an eine schweizer bank verkloppen  oder mindestens die zentrale in die schweiz verlege. oder dürfen nur deutsche patriotisch sein???

*grübel*


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10.12.04 22:06

21368 Postings, 7144 Tage ottifantMeyer?

RWE liefert CDU-Generalsekretär Meyer verbilligten Strom
Parteien CDU

Berlin (dpa) - CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer bezieht vom Energiekonzern RWE verbilligten Strom. Der Politiker, der früher für den von RWE aufgekauften Stromkonzern VEW gearbeitet hatte, sagte der «Berliner Zeitung», dass er den daraus resultierenden geldwerten Vorteil selbstredend versteuere. Wie hoch der Vorteil ist, mochte er laut Zeitung nicht sagen.





Am Mittwoch hatte der CDU-Sozialpolitiker Hermann-Josef Arentz alle politischen Ämter aufgegeben, weil er von RWE ein Jahresgehalt von 60 000 Euro und kostenlose Stromlieferungen ohne entsprechende Gegenleistung erhalten hatte. Meyer war schon zu seiner Zeit als Kommunalpolitiker in Hamm (Nordrhein-Westfalen) als auch während seiner Zeit als Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag von VEW für die Wahrnehmung seiner politischen Aufgaben weitgehend freigestellt worden, berichtet das Blatt.

Zusätzlich zu seinem Gehalt hatte Meyer, der 1988 bei der VEW- Bezirksdirektion Arnsberg zum Hauptabteilungsleiter avancierte, Anspruch auf die Bereitstellung von Strom zu einem besonders vergünstigten Werksangehörigen-Tarif. Meyer hatte auf dem CDU- Bundesparteitag in Düsseldorf zu Beginn dieser Woche erklärt, dass er seinen Arbeitsvertrag mit dem VEW-Rechtsnachfolger RWE (Essen) seit geraumer Zeit ruhen lasse. Dies bestätigte auch der RWE-Konzern.
 

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