Deutschland. Ein Weihnachtsmärchen!

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95440 Postings, 7272 Tage Happy EndDeutschland. Ein Weihnachtsmärchen!

Im schmuddligen Monat Dezember war's,
Der Regen wurde wärmer,
Viel Glühwein lockte die Bürger hinaus
Und dazu noch jene, die ärmer.



Und auch den Land'svater voll gütiger Huld,
Ihn trieb es zu Glühwein und Mandel.
Leutselig eintauchen wollt er zugleich
In der Landeskinder Getandel.



Des Volkes Getümmel trägt alle hinfort,
Den Fürsten, den ärmlichen Wicht.
Der Bratapfel duftet nach Christi Geburt
Und ewig flittert das Licht.


So kam's dann, dass plötzlich und lobesam
Die beiden einander sich fanden:
Der Landesfürst und der Bettelmann
Nah gegenüber sich standen.



Zur Rechten der Fürst, ein stattlicher Herr,
Stets gnädig, wie jedermann weiß.
wohlwollend gesättigt in prächt'gem Gewand -
Und die Glöckchen bimmelten leis'.



Zur Linken der Wicht, ein armer Gesell',
Im Leben, da war er gescheitert,
Verlottert, behaart und von strengem Geruch,
Dazu wohl noch leicht angeheitert.



Den Landesvater rührte es wohl:
"Was ist's dir, oh armer Wicht?" -
Fast hätt er's gefragt, doch war er auch schlau -
Deswegen fragte er nicht.



Das musst' er auch nicht, unser wackerer Fürst,
Denn der Wicht sich plötzlich erfrechte:
"Ich hab nur Hartz Vier und Du bist dran Schuld!" -
So brach's aus ihm vor - wohl zu Rechte.


Da wurde des Fürsten Herze so weich,
Wie lange er's nicht mehr gefühlet.
Nicht lang überlegt' er und rät rasch dem Wicht,
Im Innersten tief aufgewühlet:



"Geh hin zum Barbier und künde ihm frisch:
?Einmal waschen, föhnen und legen.'
Spar nicht an der Seife, noch quirligem Nass,
So wird Erfolg dir gegeben.



Drei Wochen sind's nur, oh wackerer Knecht,
Bis Fortunas Lächeln dir scheinet.
Drum säume dich nicht und ziehe vonhin,
Dass alles zusammen sich reimet."



Der Landesvater merkt' munter noch an:
"S'Lebbe iss doch wie's iss!"
Er wandte sich ab und rasch schritt er fort
Von Trübsal und Kümmernis.

 


Die Vasallen erstarrten, sie standen stumm
Und konnten's sämtlich nicht fassen.
Es murrte das Volk - revoltiert es wohl gar?
Steh'n auf die gebeutelten Massen?



Doch nein - still! - halt ein! -
Noch einmal ermannt' sich der Wicht:
"Das will ich wohl tun, oh gnädiger Herr,
Gern geh' ich und fürchte mich nicht."



So zog er dahin, die Revolte gebannt,
Und löblich ließ er sich scheren.
Des Hauptes Haar, es fiel anhin,
Den Ruhm des Fürsten zu mehren.



Geföhnt und geschniegelt stand er nun da,
Fortuna zu fordern gerüstet,
Es juckte die Wange, so ganz ohne Haar,
Sein Haupt war wie Popo gebürstet.

 


Der Fürst, er schickte die Herolde aus,
Allem Volke zu geben die Kunde
Vom weisen Rat an den armen Wicht
Aus des Landsvaters gütigem Munde.



Landab und landauf bejubelt' das Volk
Den Rat, die Haarpracht zu scheren.
Des Fürsten Ratschluss wies einfachen Weg
Zu wohlfeilem Tagwerk und Ehren.



Den Barbieren standen die Scheren nicht still,
Sie legten, sie föhnten, sie wuschen,
Denn Wohlstand und Ehren suchte viel Volk -
Und besonders knapp wurden Duschen.



Dem Wichte ward's wohl, ihm lachte das Glück:
Aus der Bauleute wackerer Gilde
Bot man ihm Tagwerk und reichlichen Lohn -
Zu leben im heit'ren Gefilde.



Noch wohler ward's ihm, als der Herolde Schar
Dem Volke sein Schicksal gekündet,
Denn Reichtum und Ehren waren nun nah -
Noch nicht mal in Arbeit gegründet.

 



So sind wohl die Wunder zur Weihnachtszeit
Trotz Trübsal und Kümmernis.
Und der Engel am Christbaum seufzet ganz leis':
"S'Lebbe iss doch wie's iss!"

 

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