Deutsche Wälder werden jetzt verheizt

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neuester Beitrag: 20.12.06 10:51
eröffnet am: 17.12.06 21:50 von: AbsoluterNe. Anzahl Beiträge: 26
neuester Beitrag: 20.12.06 10:51 von: pomerol Leser gesamt: 881
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17.12.06 21:50
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26159 Postings, 6108 Tage AbsoluterNeulingDeutsche Wälder werden jetzt verheizt

Weil immer mehr Hausbesitzer auf Holzpellets umsteigen, sorgen sich Hersteller um umweltfreundlichen Nachschub

BERLIN taz 100 Prozent Marktwachstum in einem Jahr - für die meisten Branchen wäre das ein Grund zum Jubeln. Doch die Hersteller von Holzpellets und entsprechenden Heizungen sind besorgt. "Das ist eine Riesenherausforderung für uns", sagte Cornelius Hemmer, Geschäftsführer beim deutschen Energie-Pellet-Verband.

Zum einen sei es schwierig, die Versorgung mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft weiterhin sicherzustellen. Zum anderen habe die hohe Nachfrage dafür gesorgt, dass der Preis für eine Tonne Pellets innerhalb eines Jahres um 35 Prozent gestiegen ist. "Das ist nicht das, was wir wollen", sagt Hemmer.

Holzpellets, die aus Sägemehl, Hobelspänen oder Restholz aus dem Wald gepresst werden, gelten im Vergleich zu Gas und Öl als umweltfreundlicher. Denn sie setzen bei ihrer Verbrennung nur die Menge an Kohlendioxid frei, die der Baum zuvor beim Wachsen aufgenommen hat. Zudem interessieren sich viele Heizungsbesitzer wegen der gestiegenen Öl- und Gaspreise jetzt für den heimischen Brennstoff. "Es geht den Kunden um den Autarkie-Gedanken", sagt Andreas Lücke vom Branchenverband BDH, der unter anderem die Heizungshersteller vertritt.

26.000 neue Pelletkessel wurden in diesem Jahr in Deutschland installiert. Damit hat sich ihre Zahl auf über 70.000 erhöht. Noch aber wird nur jede 550. Anlage in Deutschland mit Holzpellets beheizt. "Ein Nischenmarkt, aber ein stark wachsender", sagt Lücke.

Und dieser Trend scheint auch nicht durch steigende Preise gestoppt zu werden. Mittlerweile ist die Energie aus Holzpellets nämlich fast so teuer wie die aus Gas- und Ölkesseln. Für eine Kilowattstunde werden 5,2 Cent fällig, rechnet Experte Hemmer vor, für Öl und Gas 5,5 Cent.

Damit die Preise nicht weiter so stark steigen, werden neue Pelletfabriken gebaut und bestehende erweitert. Im kommenden Jahr soll die Produktionskapazität in Deutschland erstmals über die Eine-Million-Tonnen-Marke steigen, das ist eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr. Doch auch in neuen Anlagen muss Holz verarbeitet werden. Und der Markt für den nachwachsenden Rohstoff wird nicht nur getrieben von den ökologisch orientierten Eigenheimbesitzern. Auch die Bauwirtschaft zieht wieder an. Und der Möbelbau fragt mehr Holzspäne nach.

Noch sei das Angebot in Deutschland ausreichend, sagt Hemmer. Aber es sei ein Spagat, weiterhin ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben und gleichzeitig die wachsende Nachfrage zu decken. Zudem erwartet Hemmer für die kommenden Jahre Pellets-Importe aus Nord- und Südamerika oder Russland. "Und die werden billiger sein als deutsches Holz", meint er - und fordert strenge Umweltkriterien für deren Produktion. STEPHAN KOSCH

taz Nr. 8152 vom 15.12.2006, Seite 8, 93 TAZ-Bericht STEPHAN KOSCH
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17.12.06 22:31
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5497 Postings, 5363 Tage ostseebrise.Nicht gut is die Überschrift

Deutsche Wälder werden nicht verheizt, das ist nicht erlaubt.

Im letzten Winter war ich mehrmals in einem Wald Holz holen. Man darf nur die von dem Förster freigegebenen Bäume nehmen, und die sind alle entweder krank oder kaputt, z.B. von einem Blitz. Ich hatte da mal einen ca. 22-Meter-hohen ziemlich jungen Baum mit einer so ca. 15-Meter-langen Spur von einem Blitz holen dürfen. Der Förster meinte, der wäre so oder so eingegangen.

Die gesunden Bäume stehen mehrere Jahrzehnte im Wald um danach an Schiffbau oder Möbelindustrie (das letzte weniger) verkauft zu werden.

Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendwo sonst in Deutschland anders geregelt wird.

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17.12.06 22:36

29840 Postings, 5701 Tage ScontovalutaWaldgrundstücke sind in D dennoch sehr schwer

zu verkaufen (Betonung liegt auf "verkaufen", nicht gemeint ist "verschenken").  

17.12.06 22:38

26159 Postings, 6108 Tage AbsoluterNeulingEin Waldbauer kann, glaube ich,...

...weitgehend machen, was er will.
Ob das schlau ist, steht auf einem anderen Blatt.

Im SPIEGEL war diese Woche ein ähnlicher Artikel:
20 Mio Kubikmeter werden jedes Jahr verfeuert
60 Mio Kubikmeter könnten maximal eingeschlagen werden
ca. 1/3 müssen abgezogen werden, weil Nationalpark, Naturschutz, unwirtschaftlich/unzugänglich etc.
Da bleibt wohl neben dem Möbelholz nicht mehr soviel übrig für billige Pellets...
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17.12.06 22:39

441 Postings, 5265 Tage nasgulDa kann man für die bis dato recht wenigen

Pellet-Ofen Besitzer nur hoffen, dass es mit den Auslandslieferungen klappt. Sonst haut das in dieser neuen Branche schon gleich am Anfang zumindest mit der wirtschaftlichen Seite nicht hin.  

17.12.06 22:48

5497 Postings, 5363 Tage ostseebrise.Der Wald, wo ich gelegentlich das Holz hole,

gehört einem befreundeten Bauer. Er darf nicht mal selbst Bäume aus seinem eigenen Wald holen, ohne dass der Förster sie freigibt. Aber das betrifft nur Bäume, mit den Knicks und Büschen zwischen den Feldern darf er machen was er will.


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17.12.06 22:57

26159 Postings, 6108 Tage AbsoluterNeulingUm so schlimmer (für die Pellets)...

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17.12.06 23:01

29840 Postings, 5701 Tage ScontovalutaOsteuropa hat doch auch mehr als genug Wald!

Und die Pelletfabriken werden eben auch dort hingestellt. Zahlen die Deutschen halt demnächst für Import-Pellets...  

17.12.06 23:07

26159 Postings, 6108 Tage AbsoluterNeulingJa, sicher.

Ich dachte nur, Unabhängigkeit von Importen sei ein Argument für Pelletheizungen.
Ansonsten finde ich das schon eine gute Sache, bitte nicht falsch verstehen...
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17.12.06 23:38

29840 Postings, 5701 Tage ScontovalutaIch find das auch gut, Holz zu verheizen

aber warum ausgerechnet Pellets, in welche wiederum haufenweise Zusatzenergie reingesteckt werden musste (und allerhand von anderer Seite mitverdient wird)?

Unser Bollerofen tut sich ohnehin schwer mit den Krümeln!  

17.12.06 23:53

25551 Postings, 7133 Tage Depothalbiererweil die pellet-industrie gefördert wird.

und pellets lassen sich später, wie andere derzeit genutzte energieträger leicht besteuern.

rohholzverwertung ist schwer zu kontrollieren und zu besteuern und deshalb wohl unerwünscht.  

18.12.06 00:01

69017 Postings, 6231 Tage BarCode?

Pellets sind aus Abfallprodukten der Holzindustrie gepresst. (Späne, Sägemehl, Restholz). Dafür wird nicht extra Holz geschlagen. Aber natürlich steht da auch nur eine begrenzte Menge zur Verfügung. Reine Nische.


 

Gruß BarCode

 

18.12.06 00:07

29840 Postings, 5701 Tage ScontovalutaWill hier nun wirklich nicht verbesserisch

auftreten, aber Pelletheizungen verheizen nur den Urkraftstoff Holz. Und die ÖL-Öfenindustrie wittert auch hier das große Geschäft.

Also ich werfe gern mal ein handgescheiteltes Holzstück in den Ofen. Warum muss da noch alles fein vermahlen und wiederum zu einem Feststoff (Pellet) gepresst werden?

 

18.12.06 00:09

69017 Postings, 6231 Tage BarCodeSiehe 12, sconto.

 

Gruß BarCode

 

18.12.06 00:13

29840 Postings, 5701 Tage ScontovalutaMeinst Du nicht diese Holzbriketts?

Pellets sind ein neuer Industriezweig!

Gruß Scontovaluta  

18.12.06 00:15

69017 Postings, 6231 Tage BarCodeNein. Pellets.

Die Größe wurde nach bestimmten Normen festgelegt, die mit der Energieausbeute und der Taransport- und Lagerfähigkeit zu tun haben.
Sind aber reine Abfallprodukte.

 

Gruß BarCode

 

18.12.06 00:19

29840 Postings, 5701 Tage ScontovalutaNun gut!

Wir wollten Wälder (darin hatten unsere Urgroßväter hoffnungsvoll spekuliert)  hier verkaufen...
Frage: Und das Minderholz zumindest für Pellets?
Antwort: Wozu gibt es die Karpaten!  

18.12.06 00:21

26159 Postings, 6108 Tage AbsoluterNeulingSo war es geplant, BarCode

Der Bedarf ist aber schon jetzt absehbar zu hoch für die vorhandenen/geplanten Pelletfabriken - daher schätze ich, dass demnächst nicht nur Abfallholz zu Pellets verarbeitet wird.

Soylent Green ist Menschenfleisch - Soylent Green ist Menschenfleisch - Soylent Green ist Menschenfleisch
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18.12.06 00:50

64714 Postings, 7700 Tage Kicky Mehr Sägewerke in Süddeutschland

München (dpa/SZ) - Die Ansiedlung großer Sägewerke in Bayern und Baden-Württemberg ist nach Ansicht des Bundes Naturschutz (BN) eine große Gefahr für den heimischen Wald. Der Bedarf an Holz werde so stark ansteigen, dass nicht mehr genügend Bäume nachwachsen könnten, sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger am Donnerstag in München. Wenn der Ertrag eines Waldes im Vordergrund stehe, könne er nicht mehr naturnah bewirtschaftet werden. Kleine Sägewerke würden zudem durch die großen Konkurrenten vom Markt verdrängt. Der BN sieht deshalb auch mittelständische Schreiner bedroht, da sie nur in ihren Sägewerken am Ort Holz in kleinen Mengen und in gewünschten Zuschnitten bekämen.Weiger beklagte auch eine indirekte staatliche Subventionierung der Großbetriebe, etwa durch Rabatte beim Einkauf von Holz aus dem Staatsforst. Das im Bau befindliche Großsägewerk in Landsberg am Lech werde so mit 2,5 Millionen Euro subventioniert. Dies gehe zu Lasten des Mittelstandes, sagte Weiger. Außerdem kritisierte Weiger, dass für den Bau dieses Großsägewerks 90 Hektar Wald gerodet wurden. "Gerade in einem waldarmen Landkreis wie Landsberg ist das skandalös, vor allem wenn quasi nebenan ein großes Gebiet für Gewerbeansiedlungen voll erschlossen seit Jahren zur Verfügung steht", so der BN-Chef. Weiger nannte eine Prüfung derartiger Großprojekte in einem Raumordnungsverfahren "zwingend notwendig".

Die Naturschützer protestieren auch gegen das bereits in Betrieb genommene Werk in Ingolstadt und ein geplantes Werk im baden-württembergischen Leutkirch. Der Bedarf an Holz wird nach den Berechnungen des BN durch diese Großsägewerke um fast 50 Prozent steigen. Ein jedes von ihnen sei auf die Verarbeitung von mehr als einer Million Festmeter Fichtenholz ausgelegt. Die Holzreserven, die diese Nachfrage decken könnten, stünden aber vor allem in kleineren Privatwäldern. Deren Besitzer hätten aber sehr oft kein Interesse daran, ihre Bäume zu verkaufen. Und im Staatsforst gebe es zu wenig Reserven, um die hohe Nachfrage zu decken.Die Bayerischen Staatsforsten wiesen die Kritik zurück. Eine höhere Nachfrage und damit verbundene Preissteigerungen ermöglichten den Waldbesitzern vielmehr, ihre Wälder zu pflegen, sagte Staatsforsten-Vorstand Reinhardt Neft. Oberster Grundsatz seines Unternehmens sei ein naturnaher und nachhaltig gepflegter Mischwald mit Bäumen jeden Alters  

19.12.06 19:50

25551 Postings, 7133 Tage Depothalbierernaturnah und nachhaltig gepflegt, höhö.

wie das aussieht, kann man ja vielerorts bewundern.

schade, daß die staatliche forstwirtschaft bis heute nicht kostendeckend arbeiten kann.

ist aber möglich.  

19.12.06 20:23

1132 Postings, 5203 Tage centy01die neu gegründete GmbH...

Bayerische Staatsforsten hat im letzten Jahr einen Gewinn von 25 Mill.? erwirtschaftet und führt davon 15 Mill.? an den Bayerischen Haushalt ab.
Wie man sieht, kann auch der Staat mit der richtigen Struktur Geld verdienen.
Und zu der Befürchtung, dassnicht genug Holz da wäre, kann ich nur sagen, dass Deutschland die größten Holzreserven in Europa hat.
 

19.12.06 21:07

3488 Postings, 5762 Tage johannahein weiterer Öko- oder Volkswirtschaftlicher

Unsinn

1.) In DE wächst seit mindestens einer Generation mehr Holz nach, als geerntet wird.
2.) Holz aus DE ist nicht gefragt, weil es zu teuer ist.
3.) Pellets aus einheimischer Produktion waren in der Vergangenheit billig, weil sie aus Abfallprodukten hergestellt wurden. Da jeder holzverarbeitender Betrieb bestrebt war, seine Abfälle möglichst kostengünstig loszuwerden, haben die Pelletsproduzenten ihren Rohstoff fast umsonst bekommen.
4.) Sobald Pellers zu einem handelbaren Gut wurden, haben die Regeln der Marktwirtschaft eingesetzt. Kostenlose Abfälle gibt es wohl nicht mehr.
5.) Holzheizungen sind also so lange billig, so lange die Rohstoffe dafür nichts kosten.
6.) Jeder, der dieses Gut (Pellets) herstellt, will Gewinn machen. Das wird wohl auch der Grund für den Preisanstieg um 35% sein.

Übrigens,
konventionelle Holzheizungen sollten verboten werden. Diese Art der Energiegewinnung mag für die Betreiber kostengünstig sein. Sie ist aber für die Nachbarn des Betreibers eine permanente und penetrante Geruchsbelästigung.

MfG/Johannah    

20.12.06 10:32

25551 Postings, 7133 Tage Depothalbiererja, auch der staat kann mit der richtigen struktur

im wald geld verdienen.

wird zeit, daß diese struktur flächendeckend eingeführt wird.  

20.12.06 10:44

4048 Postings, 6092 Tage HeimatloserIst doch klasse.

Da kann der Satyr jetzt den Inhalt seines Spänebunmkers teuer verkaufen, wo er früher noch zahlen musste, dass ihn jemand leer macht.
Oder er heizt selbst damit...  

20.12.06 10:49

8274 Postings, 5488 Tage pomerolbei uns hat jeder 4. einen Kamin,

Tendenz stetig steigend  

20.12.06 10:51

8274 Postings, 5488 Tage pomerolansonsten heize ich mit subventionierten

Nachtstrom, seitdem ich einen Kamin habe ca. 400? Ersparnis(natürlich preisbereinigt)  

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