Deutsche Oper setzt Mozart-Stück ab

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eröffnet am: 18.12.06 12:29 von: DSM2005 Anzahl Beiträge: 3
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18.12.06 12:29

8758 Postings, 5509 Tage DSM2005Deutsche Oper setzt Mozart-Stück ab


Die Vorstellungen von Mozarts ?Idomeneo? an der Deutschen Oper Berlin werden wegen einer umstrittenen Szene gestrichen. Hintergrund ist eine Gefährdungsanalyse des Landeskriminalamts. Regisseur Hans Neuenfels ist erbost, der Bundesinnenminister findet die Entscheidung inakzeptabel.
Von Manuel Brug


Szene aus der "Idomeneo"-Inszenierung. Der König von Kreta gerät mit den Religionsstiftern aneinander
Berlin - Der Fall ist im deutschen Kulturleben bisher einmalig: Während Berlins Bischof Huber die bevorstehende Islamkonferenz der Bundesregierung begrüßt, wird bekannt, dass die Deutsche Oper Berlin wegen befürchteter islamistischer Anschläge die ab dem 5. November geplante Wiederaufnahme der Mozart-Oper ?Idomeneo? in der Inszenierung von Hans Neuenfels vom Spielplan nimmt.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble reagierte empört auf die Absetzung. ?Das ist verrückt?, sagte er am Montagabend in Washington. Ein solcher Schritt sei lächerlich und inakzeptabel.

LKA hat Hinweise auf mögliche Störungen

Hintergrund der Entscheidung ist eine Gefährdungsanalyse des Berliner Landeskriminalamts (LKA), das Hinweise über mögliche Störungen erhalten hatte, dazu aber auch aus ermittlungstechnischen Gründen keine weiteren Angaben machen wollte. Bislang habe aber weder eine konkrete Terrordrohung gegen die Oper vorgelegen, noch habe eine islamische Organisation einen Hinweis gegeben, dass das Stück die religiösen Gefühle von Moslems verletzen könnte.

Wie Opernintendantin Kirsten Harms WELT.de bestätigte, hat das LKA die Absage zwar nicht vorgeschlagen, aber Sie selbst habe sich nach reiflicher Überlegung im Interesse der Sicherheit ihrer Mitarbeiter und der bis zu 2000 Zuschauer dafür entschieden, ?weil die Risiken nicht zu kalkulieren sind?. In anderen Metropolen wie Paris oder London ist es übrigens seit Jahren üblich, dass Besucher die Theater und Museen nur noch durch eine Sicherheitsschleuse betreten können und ihre Tascheninhalte offenbaren müssen. Die Absage bestätigte das Opernhaus zudem erst, als bereits im Internet davon zu lesen war und Agenturen den Fall aufgegriffen hatten.

Die Enthauptung der Glaubensautoritäten

?Idomeneo? wurde 1781 uraufgeführt. Die umstrittene Version hatte im Mai 2003 Premiere und war seit zwei Spielzeiten nicht mehr zu sehen. Die Mozart-Oper erzählt vom Kreterkönig Idomeneo, der nach jahrelangen Irrfahrten aus dem Trojanischen Krieg zurückkehrt und dafür seinen Sohn dem Meergott Poseidon opfern muss. Erst als ein Orakel Rettung verkündet, dankt Idomeno ab und gibt den Thron für seinen Sohn frei.

Hans Neuenfels, der in seiner bewährten Assoziationsmanier bereits vorher Trojas König Priamos samt Anverwandten dem mythischen Personal hinzugesellt hat, begnügte sich damit freilich nicht. Nach einer bisweilen schwer zu entziffernden, aber für seine Verhältnisse braven Inszenierung stellte er dem (in der Oper sonst nicht selbst auftretenden) Poseidon als Vertreter der antiken Götterwelt die Religionsstifter Jesus, Buddha und Mohamed bei. Die stehen auf einem Gerüst rum und sitzen auch da, bis der letzte Opernton verklungen. Dann tritt der entmachtete Idomeneo erneut auf. Irr lachend hat er die Glaubensautoritäten enthauptet, ihre Köpfe werden als Trophäen in einem Sack präsentiert.

Regisseur: "Nicht einschüchtern lassen"

Das führte in der Premiere zu einem heftigen, aber kurzen Buhsturm, weitere Vorkommnisse ereigneten sich in Folgevorstellungen nicht. Im Gespräch mit WELT.de zeigte sich Hans Neuenfels erbost gegenüber dem Vorgehen von Kirsten Harms: ?Sie hat den Fall nicht mir besprochen, sondern mit bereits im Sommer die Absetzung nur als Fakt mitgeteilt. Ich hätte es lieber gesehen, wenn sie damit nicht so ängstlich und passiv umgegangen wäre, sondern offensiv die die Öffentlichkeit informiert hätte?, so der Regisseur. ?Ich habe Ähnliches 1981 in Frankfurt nach meiner ,Aida? erlebt. Da gab es sogar eine Bombendrohung. Wir haben niemanden informiert, aber das ganze Haus untersuchen lassen und dann gespielt. Natürlich war es nur ein Verrückter.?












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6506 Postings, 7046 Tage Bankerslastwart mal ab, wenn mehrer muslimische

TV-Sender in Deutschland das Wort zum Freitag ausstrahlen, was dann erst in ARD und ZDF abgesetzt wird.  

18.12.06 12:33

8758 Postings, 5509 Tage DSM2005Durch die Sicherheitsschleuse in die Deutsche Oper


Die Skandal-Inszenierung von "Idomeneo" wird am Montag wieder aufgeführt. Journalisten aus aller Welt haben sich bereits akkreditiert.

Umstrittne Szene aus der Oper "Idomeneo": Hinrichtung mit Mohammed, Buddha und jesus
Foto: dpaAm Montagabend steht die Deutsche Oper im Fokus der Weltöffentlichkeit. Die im September aus Angst vor islamistischen Anschlägen abgesetzte Skandalinszenierung von Hans Neuenfels' "Idomeneo" wird nach heftigen Debatten wieder gespielt. Journalisten aus den USA, Saudi-Arabien, der Türkei, Japan und anderen Ländern haben sich angekündigt. Mit Spannung werden die Reaktionen auf die Schlüsselszene mit den abgeschlagenen Köpfen von Mohammed, Jesus, Buddha und Poseidon erwartet.

Die Mozart-Oper, die bereits 2003 Premiere gefeiert hatte, wird wohl als eine der best geschützten Aufführungen aller Zeiten in die Annalen eingehen. Die Polizei ist mit von der Partie, allerdings dezent im Hintergrund, da es sich ja um eine Kulturveranstaltung handele, sagte Sprecher Bernhard Schodrowski. Im Foyer sollen nach Opernangaben Sicherheitsschleusen wie am Flughafen aufgebaut werden, durch die die Besucher passieren müssen.

Vom Landeskriminalamt habe die Oper sogar ein Sicherheitspapier bekommen, wie man sich bei einer Bombendrohung zu verhalten habe, sagte Opernsprecher Alexander Busche. "Da steht drin, dass man in einem solchen Fall klaren Kopf bewahren muss." Eigentlich jedoch finde er das schon absurd, da sein Haus nie mit so etwas zu tun gehabt habe.

Angekündigt haben sich viele Prominente und Politiker, darunter auch Innenminister Wolfgang Schäuble und einige Mitglieder der Islam-Konferenz. Ihr Besuch soll ein Zeichen sein, ein Bekenntnis für die Kunstfreiheit. Bis die umstrittene, letzte Szene mit den blutigen Häuptern kommt, müssen sie jedoch drei Stunden warten.

Mit der Wiederaufnahme könnte der Kulturskandal des Jahres ein versöhnliches Ende finden. Begonnen hatte er an einem Montagabend im September. Damals hatte die Deutsche Oper den Redaktionen eine Mail geschickt, in der sie die Absetzung von "Idomeneo" mitteilte. Zündstoff barg die Begründung, die Furcht vor Anschlägen. Eindringlich wurde darum gebeten, nichts über den Sachverhalt zu berichten, der dazu geführt hatte.

Diese Bitte löste just die umgekehrte Reaktion aus. Was folgte, war eine Lawine der Empörung. Innenminister Schäuble, der zu dieser Zeit in Washington/D.C weilte, erfuhr davon und erklärte: "Das ist verrückt." Ein solcher Schritt sei lächerlich und inakzeptabel.

Weitere Politiker und Künstler schlossen sich dieser Meinung an. War dies nicht der Präzedenzfall, der zeigte, dass der Westen vor einer ungewissen Bedrohung kuschte? Die Kunstfreiheit sei gefährdet, wurde argumentiert, die Bedrohung nicht einmal konkret.

Selbst Kanzlerin Angela Merkel meldete sich zu Wort und bezeichnete den Schritt als "unnötige Schere im Kopf".

Die in die Schusslinie geratene Intendantin Kirsten Harms verteidigte die Streichung: Wer, so fragte sie, wolle die Verantwortung übernehmen, falls bei einer Aufführung tatsächlich eine Bombe hoch ginge. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) habe sie sogar persönlich angerufen und mitgeteilt, dass seine Behörde "keinerlei Sicherheit" garantieren könne. Die Kritik nahm allerdings nicht ab.

So entschloss man sich, eine Gefahrenanalyse des Landeskriminalamts abzuwarten. Plötzlich gab es eine Kehrtwende der Sicherheitsbehörden, und es hieß Ende Oktober: "Eine konkrete Gefährdung der Deutschen Oper oder der Mitwirkenden wird zurzeit nicht gesehen." Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass gefährdende Ereignisse rund um die Aufführung "eher unwahrscheinlich" seien. Also entschloss sich Harms, die Oper wieder auf den Spielplan zu setzen. Nicht nur am Montag, sondern auch am 29. Dezember, wird sie wieder aufgeführt.

So viel Aufmerksamkeit hat die Deutsche Oper lange nicht bekommen. Das Haus mit seinen 1.900 Plätzen ist im Schnitt nur zu zwei Dritteln ausgelastet. Und in Zeiten, in denen diskutiert wird, ob sich Berlin mit Staatsoper, Komischen Oper und Deutscher Oper drei Musiktempel leisten könne, kann Öffentlichkeit nicht schaden.

Für Opernsprecher Busche ist das Ganze nur ein Medien-Hype. Es seien noch Karten zu haben. "Das ist eine eher unbekannte Mozart-Oper. Die Leute draußen sind gar nicht so sensationslüsternd", sagt er.







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