Der bewegte Stein

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 21.08.05 09:19
eröffnet am: 21.08.05 09:19 von: quantas Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 21.08.05 09:19 von: quantas Leser gesamt: 231
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

21.08.05 09:19

15292 Postings, 5656 Tage quantasDer bewegte Stein


Zum zweiten Mal nach 1984 ist der Unspunnenstein gestohlen worden

Zwei Wochen vor der 200-Jahr-Feier des Unspunnenfests in Interlaken ist der Unspunnenstein zum zweiten Mal gestohlen worden. Eine Aktion der Béliers? .

In zwei Wochen wird in Interlaken mit Jodel, Trachtentanz, Steinstossen und Schwingen das Unspunnenfest gefeiert. Erwartet werden bis zu 100 000 Besucherinnen und Besucher. Doch der Hauptdarsteller wird wohl fehlen: Der Unspunnenstein ist am Samstag gestohlen worden. Vier Unbekannte haben ihn aus der Lobby des Hotels «Victoria-Jungfrau» in Interlaken entwendet. Drei der Räuber seien gemeinsam in die Hotellobby spaziert, hätten an der Reception erklärt, sie wollten die Ausstellung zum Unspunnenfest anschauen; ein vierter Mann sei separat hereingekommen. So fasst Willy Zimmermann vom Turnverein Interlaken, dem rechtmässigen Besitzer des Unspunnensteins, die Augenzeugenberichte zusammen.

Wenig später habe eine Receptionistin festgestellt, dass sich die vier Besucher am Stein zu schaffen gemacht hätten, die massive Eisenkette durchtrennten. Sie schlug Alarm, doch die Diebe waren bereits daran, die Lobby durch den Hinterausgang zu verlassen. Auf dem Podest hinterliessen sie in einem blauen Tuch einen Pflasterstein, auf dem das Jura-Wappen prangte. Hotelangestellte nahmen die Verfolgung der Unbekannten auf, vermochten sie aber nicht einzuholen. «Vermutlich konnte derweil der vierte Täter mit dem Stein im Kofferraum unerkannt wegfahren», mutmasst Zimmermann.

Mit der dreisten Aktion wird der bewegten Geschichte des Unspunnensteins ein neues Kapitel beigefügt. Bereits 1984 entwendeten Mitglieder der Béliers, der Jugendorganisation der jurassischen Separatisten, den 83,5-Kilo-Mocken und hielten ihn «als Geisel» versteckt - bis zur Befreiung des ganzen Juras von bernischer Herrschaft, wie sie verlauten liessen. In einer aufsehenerregenden Aktion kam der Stein allerdings 2001 zum Vorschein: Als «Bonbon» verpackt wurde er Botschaftergattin Shawne Fielding Borer als Geschenk überreicht.

Doch auf dem urchigen Symbol schweizerischer Tradition prangten nun Europasterne; auch das Datum der EWR-Abstimmung vom 6. Dezember 1992 sowie das Emblem der Groupe Bélier waren eingemeisselt worden. Seither wurde der Stein im Wettkampf nicht mehr verwendet. Der Vorstand des Turnvereins hatte freilich bereits 1985 reagiert und von einem Steinmetzen eine Kopie anfertigen lassen. Diese kommt seither bei Eidgenössischen Schwingfesten und auch beim kommenden Unspunnenfest zum Einsatz. Das Steinstossen kann also trotz dem Diebstahl stattfinden.

Zimmermann ist überzeugt, dass erneut die Béliers zugeschlagen haben. Ein Motiv, den Stein verschwinden zu lassen, hätten allerdings auch Schwinger-Kreise: Man solle den «verunzierten Unspunnenstein» vernichten, tönte es aus dieser Ecke schon des Öfteren. Zimmermann mag diese Version nicht recht glauben. Die Diebe hätten keine Schwinger-Staturen gehabt.

David Herdener, der Kopf der Béliers, zeigte sich am Samstag überrascht: «Ich weiss von nichts.» Sicher sei indes, «dass wir die Aktion nicht verurteilen». Denn die Béliers unterstützten alles, was die Jurafrage wieder ins Scheinwerferlicht rücke.  

   Antwort einfügen - nach oben

  1 Nutzer wurde vom Verfasser von der Diskussion ausgeschlossen: yurx