Der Ton wird ariva-ähnlich

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1141 Postings, 6968 Tage AktienchecksDer Ton wird ariva-ähnlich

Hauen und Stechen vor der Kamera

Die fünf Spitzenkandidaten der Bundestagswahl schenken sich nichts


Duell in der Runde der Spitzenkandidaten: Zum zweiten Mal trafen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Rivalin von der Union, Angela Merkel, vor der Fernsehkamera aufeinander.
Rechts neben Merkel CSU-Chef Edmund Stoiber.
dpa
Vom 13.09.2005

BERLIN Der Ton wird rauer: Das Kräftemessen der fünf Spitzenkandidaten der Bundestagswahl, zugleich zweites direktes Aufeinandertreffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel im Fernsehen, geriet zum heftigen Schlagabtausch.


Von Andreas Herholz

und Rasmus Buchsteiner

Ob ihr am Ende noch die Puste ausgehe? Angela Merkel setzt ihr Siegerlächeln auf: "Wir werden auf der Zielgerade die Wahl gewinnen", beschwört die Kanzlerkandidatin "eine extrem gute Ausgangslage". Der Kanzler auf dem Sessel rechts neben ihr, mustert sie mit Raubtierblick. Kräftemessen im Fernsehstudio, zweiter Teil. Nach dem Duell Schröder gegen Merkel vor gut einer Woche jetzt die Runde der Spitzenkandidaten in der kugelrunden TV-Arena am Berliner Zoo, wo sonst Sabine Christiansen Politikern ihre sonntäglichen Stichwörter gibt.

Es geht um den entscheidenden Schub für die letzten Meter. Die Elefantenrunde gerät zu einem harten, hektischen und nicht immer sachlichen Schlagabtausch - in dem auch CSU-Chef Edmund Stoiber, der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle, Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Linkspartei-Kandidat Gregor Gysi um Redezeit buhlen.

Doch statt eines zweiten Duells gibt es diesmal einen munteren Mehrkampf. Von "Zerrbildern", "falschen Fakten", "Verfolgungswahn" und "niedrigstem Niveau" ist da die Rede. Der Ton in der heißen Wahlkampfphase wird rauer.

Ob Professor Kirchhof nicht zur Belastung im Wahlkampf werde? Nein, sie sei "sehr froh, dass Paul Kirchhof als Bundesfinanzminister zur Verfügung steht", rückt die CDU-Chefin nicht von ihrem Schattenmann ab. "Beleidigend" seien die Vorwürfe des Kanzlers gegen Kirchhof. "Sie versucht ihn für den Rest der Woche in den Heizungskeller einzusperren, damit er möglichst nicht mehr zum Vorschein kommt", stichelt Fischer dagegen.

Der Streit um "den Professor aus Heidelberg", der positive Trend seiner Partei in den Umfragen - keine schlechten Bedingungen für den Kanzler. Da kommen die jüngsten Umfragezahlen, nach denen die SPD nun schon auf 35 Prozent geklettert sei, gerade recht.

Der Kanzler - staatsmännisch und nicht übermäßig angriffslustig - überlässt Joschka Fischer die Attacken auf Merkel, Stoiber und Westerwelle. Eine Aufgabenverteilung, die so abgesprochen sei, heißt es hinter den Kulissen: Kanzler und Außenminister sprechen vor den Kameras von der "Politik, für die wir beide stehen". Eine Politik, die durch den Dreiklang von sozialer Gerechtigkeit, ökologischem Bewusstsein und verantwortungsvoller Außenpolitik gekennzeichnet sei. Fast wortgleich kommen Schröder und Fischer immer wieder darauf zurück, spielen sich die Bälle gegenseitig zu. Sieger? Verlierer? Darüber werden die Wähler am Sonntag entscheiden. Über die Programme der Parteien erfahren sie in den 90 Fernsehminuten nur wenig.

Der Kanzler hält Merkel, Stoiber und Westerwelle vor: "Wir sind es gewesen, die die notwendigen Reformen durchgesetzt haben. Wir haben die Prügel dafür bekommen." Der Konter der Kandidatin lässt nicht lange auf sich warten. "Wir leben in zwei Welten", hält eine erboste Angela Merkel ihrem Kontrahenten vor. "Sie sagen nicht, was sie für die Zukunft brauchen", kritisiert die CDU-Chefin, dass Schröder viel über die Vergangenheit und die Fehler der Regierung Kohl rede, nicht aber darüber, wie er seine Agenda 2010 weiterentwickeln wolle. "Den Menschen einen Weg aufzuzeigen" statt ihnen Angst zu machen, umschreibt die Kandidatin ihren Kurs - und lockt Schröder damit schließlich aus der Reserve.

Von 1500 sozialversicherungspflichtigen Jobs, die seit April täglich entstanden seien, spricht der Kanzler, von gesunkenen Krankenkassenbeiträgen für 40 Millionen Versicherte. Reformen, die "in den Neunzigerjahren liegen geblieben sind" und die Rot-Grün gemacht habe, "ohne dadurch den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu gefährden". Doch das wollen Merkel, Stoiber und Westerwelle so nicht stehen lassen. Schröder, so der CSU-Chef, sei an der SPD und "an der Realität" gescheitert: "Sie tun hier so, als hätten sie die letzten sieben Jahre nicht regiert." FDP-Chef Guido Westerwelle setzt noch einen drauf: "Ihre Ausreden ändern sich. Die Lage bleibt", attackiert er und erinnert daran, weshalb am Sonntag gewählt wird: "Weil Ihnen das Vertrauen der eigenen Leute fehlte."

Womit auch schon die Frage nach möglichen Koalitionen im Raum steht: Das Rennen sei noch nicht gelaufen, hält der Kanzler am Ziel einer Neuauflage von Rot-Grün fest. "Eine große Koalition wird es nicht geben", schließt Merkel einen Schulterschluss mit den Sozialdemokraten kategorisch aus.

 

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