Der Satan - ein Mensch

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neuester Beitrag: 17.12.06 10:42
eröffnet am: 16.12.06 13:43 von: AbsoluterNe. Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 17.12.06 10:42 von: Eichi Leser gesamt: 364
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16.12.06 13:43

26159 Postings, 6113 Tage AbsoluterNeulingDer Satan - ein Mensch

Es ist der Silvesterabend des Jahres 1944. Eva Braun hat private Filme mit in die Reichskanzlei gebracht - der Führer tätschelt dralle Mädchenwangen, der Führer geht mit Blondi auf dem Obersalzberg Gassi. Der Gezeigte sitzt derweil am Harmonium und begleitet den stummen Bilderreigen mit einem knödeligen Lied: In dieser Szene fühlt man sich zum ersten und auch einzigen Mal in Dani Levys Film ?Mein Führer?, als säße man in einem Kabarettprogramm von Helge Schneider. Der 1955 geborene Komiker ist es schließlich, der in der Titelrolle ?die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler? zum Besten gibt.

Mit seinem fiktiven Blick auf die Protagonisten des langsam verröchelnden Nationalsozialismus hat der Schweizer Jude Levy sozusagen das satirische Gegenstück zu Oliver Hirschbiegels und Bernd Eichingers ?Untergang? gedreht. Die spaßig durchgedrehte Reichskanzlei. Aber geht das überhaupt - das Gelächter über das Monstrum anzustimmen, noch dazu in einer Geschichte, in der ein jüdischer Schauspielstar aus Sachsenhausen herangeholt wird, um die Endsieg-Rhetorik des Führers wieder aufzupolieren?

Lachen ist politisch

In einem Interview mit der Zeitschrift Cinema bekannte Levy, von dem zuletzt die deftige Komödie ?Alles auf Zucker? mit Henry Hübchen als ungläubigem Juden zu sehen war: ?Ich habe die befreiende Wirkung von Lachen schon immer propagiert. Lachen ist ein zutiefst politischer Vorgang.? In seiner Analyse ?Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten? hat Sigmund Freud die autoritätserschütternde Wirkung des Gelächters hervorgehoben: Dem Witz wohnt die Kraft des Subversiven inne, das war schon während der Zeit des Nationalsozialismus so, allerdings unter verschärften Bedingungen. 1944 wurde Marianne Elise K., Arbeiterin in einer Munitionsfabrik, hingerichtet, weil sie folgenden Witz erzählte: Hitler und Göring stehen auf der Spitze des Berliner Funkturms, als Hitler bekennt, er wolle den Leuten einmal wieder eine Freude machen. ?Warum springen Sie nicht einfach??, fragt Göring.

Nach dem Krieg gab es eine ganze Reihe von Filmen, die Hitler springen ließen - über die Klinge ihres Humors. Bei Charlie Chaplin spielt ?Der große Diktator? Hynkel mit dem Globus, als wäre dieser sein ganz persönlicher Spielball; in Ernst Lubitschs ?To Be Or Not To Be? stolziert er wie ein Pfau durch Prag. Natürlich hatten diese Regisseure keine Exekutionen zu befürchten, aber es gab dennoch einen Widerstand, gegen den sie mit der Subversivität ihres Witzes ankämpften. Der Widerstand nämlich, der durch die Verdrängung des Geschehenen oder durch die Dämonisierung Hitlers eine zentrale Einsicht verhinderte: dass diese ins Satanische entschwundene historische Figur in Wahrheit ein Mensch war.

?Das Gelächter über Hitler?, sagt Rudolph Herzog, Filmemacher und Autor des Buches ?Heil Hitler. Das Schwein ist tot - Komik und Humor im Dritten Reich?, ?dieses Lachen beraubt ihn seiner metaphysischen, dämonischen Fähigkeiten, die ihm seine Anhänger nach dem Krieg anhefteten.? Man kann sogar noch weiter gehen: Auch viele, die ihn ablehnten und für die er die Schande der Menschheit war, entrückten Hitler in ein Reich des Singulären und Inhumanen, welches ihn für Interpretationen und Erklärungsversuche unerreichbar werden ließ.

Das Land der Täter

In Deutschland, im Land der Täter, wird es als moralische Legitimation für den Film ?Mein Führer? empfunden, dass sein Regisseur Jude ist. Interessanterweise aber nutzt Dani Levy seine Familiengeschichte dazu, frontal ein jüdisches Trauma anzugehen: Mit seiner Figur Adolf (!) Grünbaum (Ulrich Mühe) fragt er danach, warum die Juden ihrer Deportation keinen oder nur geringen Widerstand entgegengesetzt haben. Umgekehrt ist es Hitler, der in Grünbaum den wahrhaftigsten Zeitgenossen in seiner verlogenen und verkommenen Umgebung erkennt. Wie komplex psychologische Motive ineinandergreifen und sich umeinanderschlingen, demonstriert eine Schlüsselszene: Der verwirrte Hitler legt sich im Ehebett der Grünbaums zwischen Mann und Frau zur nächtlichen Ruhe nieder.

Spätestens mit dieser Szene tritt hervor, dass es mit dem Gelächter über Hitler so einfach nicht ist. Da bleibt einem auch kein Lachen im Halse stecken, weil es erst gar nicht aufkommen will - zu rasant durchschreitet der Regisseur die Satire, um bei Groteske und Totentanz zu enden, zu entschieden widerspricht Levy seinen eigenen Witzen. Über das Lachen über Hitler scheint der Regisseur auch das Weinen kennen gelernt zu haben - das ist durchaus eine Qualität seines Films.

?Mein Führer? kommt am 11. Januar 2007 in unsere Kinos
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Unter 4 Millionen Arbeitslose:
Danke, Münte!  

16.12.06 13:49

7953 Postings, 5119 Tage Skyline2007AbsoluterNeuling

Überflüssig wie ein Kropf  

17.12.06 10:42

12570 Postings, 6200 Tage EichiEin idotischer Film

und psychologisch geschmacklos dazu. Halt was für Blödel.  

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