Der Markt für Billigautos wird immer größer

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eröffnet am: 19.11.04 08:41 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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Billy-Regal auf vier Rädern

Von Martin Scheele


Mitte nächsten Jahres rollt das Billigauto Dacia Logan von Renault in deutsche Verkaufshäuser. Bricht mit dem Logan ein neues Zeitalter an? Wird der Preisbrecher zum Trendsetter? Automobilexperten sind über die Verkaufschancen des Billigautos uneins.

Hamburg - Neuwagen werden immer teurer. Diese bittere Erkenntnis machen Deutsche seit Jahren. Den Trend will nun der französische Autobauer Renault  brechen und hat den Dacia Logan konzipiert. Für 5000 Euro ist das Billigauto zu bekommen - allerdings nur in Rumänien.
In Deutschland wird der Billigwagen im nächsten Juni voraussichtlich um die 7500 Euro kosten, teilte die Pressestelle von Renault Deutschland gegenüber manager-magazin.de mit. Den erheblichen Preisunterschied begründete die Sprecherin mit Ausstattungsdetails.

Produziert wird das Auto im 1999 übernommenen Dacia-Werk im rumänischen Pisteste. Tester von der Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" bescheinigen dem Stufenheckmodell technische Solidität. Die Einzelteile stammen aus der Renault-Familie: die Plattform vom neuen Minivan Modus, die Schaltung vom Laguna, das Fahrwerk vom Clio. Außerdem sei es mit 510 Litern Kofferraumvolumen, Kopfstützen hinten und einer Länge von 4,25 Meter familientauglich. Diese Billigversion umfasst allerdings nicht den Service einer Zentralverriegelung. Auch Airbags und ein Antiblockiersystem sucht man vergeblich.
Ob das Kalkül von Renault aufgeht und sich breite Käuferschichten für das Auto interessieren? Die meisten Autohersteller beurteilen den Markt für Billigautos eher skeptisch. Jean-Martin Folz, Chef der Automarken Peugeot  und Citroën behauptet gar: "Ein Auto wie früher die 'Ente' würde heute kein Mensch mehr kaufen." Carl-Peter Forster, Vizechef der Opel-Mutter General Motors, glaubt, dass der Logan "nur geringe Chancen" hat. Und VW-Vormann Bernd Pischetsrieder meint: "Wer nur 8000 Euro ausgeben will, der soll sich einen Gebrauchtwagen kaufen".

"Kundengeschmack geht Richtung Schrägheck"

Die Skepsis der Automobilchefs liegt auch in der geringen Anzahl verkaufter Kleinstwagen begründet. Das Segment "Mini", in der das Kraftfahrtbundesamt die Neuzulassungen der Modelle zusammenfasst, sinkt seit Jahren. Für die Monate Januar bis August dieses Jahres zählte die Statistiker gerade mal 82.456 Autos. Das entspricht 3,8 Prozent des Gesamtmarktes.
Mit eigenen Plänen für diesen Markt halten sich die meisten Autohersteller deshalb auch bedeckt. Opel will kein "abgespecktes" Modell aus der Corsa- oder Astra-Serie auf den Markt bringen. Ford lehnt den Einstieg ins Niedrigpreissegment ebenso ab. Skoda, die Volkswagen-Tochtermarke, will den Weg, den Renault geht, nicht beschreiten. Ebenso Fiat - die Italiener verweisen auf das günstige Angebot Seicento. Volkswagen  indes kündigte für nächstes Frühjahr den Verkaufsstart des Fox in Deutschland an. Der kleine Dreitürer wird hier zu Lande etwa 9000 Euro kosten. In Brasilien, wo der Fox gebaut wird, verkauft VW ihn für umgerechnet etwas mehr als 5000 Euro.

Autoanalysten bewerten die Marktchancen von Billigautos in Westeuropa uneinheitlich. Konkret für das Beispiel Logan meint Thomas Marwick vom Automobilberatungsunternehmen Polk Marketsystems: "Das ist ein Fahrzeug für die Schwellenmärkte, dort hat es relativ gute Marktchancen, weil die Marke Dacia schon bekannt ist." "In Westeuropa dagegen", so Marwick weiter, "wird das Auto kaum eine Chance haben".

Kein eigenes Händlernetz für den Logan?

Seine Begründung: "Das Fahrzeug ist im Segment Kleinwagen mit Stufenheck positioniert, das ist ein aussterbendes Segment." Gerade einmal 40.000 der 15 Millionen verkauften Autos in Westeuropa würden noch aus diesem Segment stammen. Marwicks Informationen zufolge wird auch Volkswagen  den VW Polo mit Stufenheck, der in Brasilien hergestellt wird, bald vom westeuropäischen Markt nehmen. "Der Kundengeschmack geht eindeutig in die Richtung von Schrägheck-Fahrzeugen, also Fahrzeugen wie dem Clio oder dem klassischen Polo."
Die Einführung des Dacia Logan in den westeuropäischen Markt sei, so Markwick weiter, auch noch aus weiteren Gründen für Renault problematisch. "Renault wird sicherlich kein eigenes Händlernetz für den Kleinwagen aufbauen, desto fraglicher ist aber, wie sich der Dacia mit den anderen hochpreisigeren Modellen von Renault in den Schauräumen verträgt." Hauptkonkurrenten für den Dacia in Deutschland sind nach seiner Meinung vor allem Autos vom Gebrauchtwagenmarkt.

Sein Kollege Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen ist dagegen optimistischer. "Der Logan wird seinen Markt finden", meint der Forscher. Auf 50.000 bis 100.000 verkaufte Autos schätzt er den Absatz. "Es wäre allerdings besser gewesen, wenn Renault das Auto unter seinem Markennamen verkaufen würde." Diez' Begründung: "Es kostet überproportional viel Geld, die Marke Dacia in Europa bekannt zu machen".




Da wird der gute alte Dacia, bekannt aus DDR Zeiten, hervor geholt.

 

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