Der Lebensversicherungs-Boom versandet

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eröffnet am: 17.11.04 12:15 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6202 Tage bammieDer Lebensversicherungs-Boom versandet

In diesem Jahr wollten die Versicherer in Deutschland so viel Neuverträge abschließen wie noch nie. Einen Schub versprachen sich die Unternehmen vom Wegfall des Steuerprivilegs für Kapital bildende und fondsgebundene Lebensversicherungen. Ab dem kommenden Jahr müssen die Erträge für neu abgeschlossene Policen versteuert werden.

DÜSSELDORF. So überfluteten die Gesellschaften die Verbraucher mit Werbung, allein die Allianz Leben verschickte mehr als zwei Millionen Briefe. Der erhoffte Boom blieb bisher jedoch aus. Lediglich einzelne Anbieter wie Allianz Leben, AMB und R+V melden deutliche Zuwächse im Neugeschäft.

Damit ist das Ziel, mit der kapitalgebundenen Lebensversicherung noch einmal kräftig Kasse zu machen, für viele Versicherer kaum noch zu erreichen. „Im November ist die Nachfrage zwar leicht gestiegen, aber das ist kein Vergleich mit früheren Boomjahren“, sagt Ulrich Brock, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute (BVK), in dem die selbstständigen Vermittler zusammengeschlossen sind. Aus Beratungsgesprächen kennt er die Ursache für die Zurückhaltung: „Die große Verunsicherung der Bürger durch Verbraucherschützer, Medien und Hartz IV.“ Die Folge: Die Gesellschaften werden im Schnitt weniger wachsen als im Vorjahr, errechnete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Statt 4,1 Prozent dürften es nur 3,5 Prozent werden.

Und die Aussichten für das kommenden Jahr sind verhalten. Nach der aktuellen Herbst-Umfrage der DIHK unter Dienstleistern hat sich der Anteil der Versicherer, die 2005 mit einem schlechteren Geschäft rechnen, von sechs Prozent auf 18 Prozent erhöht. Die Kapital bildende Lebensversicherung wird deutlich unattraktiver, der fondsgebundenen Variante droht gar das Aus. „Die fondsgebundene Lebensversicherung wird so unattraktiv, dass sie nach unseren Einschätzungen vom Markt verschwinden wird“, sagen die Analysten der DZ Bank. Zusammen haben beide Formen einen Neugeschäftsanteil von mindestens 40 Prozent. Das ist auch für die Vermittler ein Problem, denn damit entsteht auch bei ihnen ein Loch in der Kasse. Schließlich lebt ein Großteil der Zunft überwiegend aus den Provisionen aus der Vermittlung von Lebensversicherungen.
Die gesamte Branche müsse sich auf eine gewisse Delle in der Geschäftsentwicklung einstellen, prognostiziert GDV-Präsident Bernhard Schareck. Die Lücke soll mit neuen Produkten geschlossen werden. Dabei setzt die Branche auf die Leibrenten, die so genannten Rürup- oder Basisrenten. Diese Produkte wird es erst vom kommenden Jahr an geben. Noch kann niemand sagen, ob sie von den Kunden angenommen werden. Optimistisch gibt sich der Chef der R+V, Jürgen Förterer: „Ab dem nächsten Jahr verkaufen wir Rentenversicherungen in den verschiedensten Variationen“, sagt er. „Wir sollten der Kapital bildenden Lebensversicherung nicht länger nachtrauern, die neuen Programme sind positiv zu bewerten.“

Doch während die Branche öffentlich Zweckoptimismus verbreitet, trauert sie hinter den Kulissen noch. Denn trotz neuer Produkte dürfte es für sie schwer werden, die Kapital-Policen zu ersetzen. Sie waren über Jahrzehnte das wichtigste Produkt der Lebensversicherer hier zu Lande. Sechs von zehn Verträgen in ihrem Bestand sind Kapital bildende Lebensversicherungen.

Zudem muss sich die Versicherungsbranche dem stärkeren Wettbewerbsdruck der Banken und Fonds stellen, erwartet die Ratingagentur Fitch. Sie alle wollen von der Verlagerung der Altersvorsorge weg vom Staat hin zur Privatwirtschaft profitieren. Diesem Markt prognostizieren Experten durch die Bank rosige Aussichten. Positive Impulse werden insbesondere aus dem Alterseinkünftegesetz erwartet. Künftig können die Verbraucher Beiträge zu Altersvorsorgeprodukten aus unversteuertem Einkommen leisten, vorausgesetzt, die Produkte garantieren eine lebenslange Rente. Hierdurch dürfte die Sparquote für das Alter steigen.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting schätzt, dass sich die Beitragseinnahmen der Gesellschaften in Deutschland bis 2010 fast um ein Drittel auf 90 Mrd. Euro steigern lassen. Positiv auswirken wird sich demnach unter anderem, dass große Vermögenswerte vererbt werden, vorhandenes Vermögen in Versicherungen umgeschichtet und das Rentenniveau gesenkt wird.


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Lebensversicherung

Die Produkte: Die Angebote teilen sich in zwei Varianten. Bei der Kapital-Lebensversicherung wird im Todesfall die Versicherungssumme oder am Ende der Laufzeit das angesparte Kapital plus Zinsen ausbezahlt. Bei der Rentenversicherung wird im Todesfall nur das Angesparte ausbezahlt. Der Kunde erhält hier nach der Ansparphase eine lebenslange Rente, wenn er sich das Geld nicht vorab auszahlen lässt. Ein Sonderfall ist die so genannte fondsgebundene Lebensversicherung, bei der die Sparbeiträge des Kunden in Fonds angelegt werden.
Die Steuerfreiheit: Sowohl für die Renten- wie für die Kapital-Lebensversicherung gilt noch, dass die Auszahlung steuerfrei ist, wenn die Police eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren hat. Außerdem muss der Kunde fünf Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Schließlich muss im Todesfall garantiert sein, dass 60 Prozent der Ansparsumme ausbezahlt werden. Kapital-Policen, die ab 2005 abgeschlossen werden, sind nicht mehr steuerfrei. Sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre lang läuft, ist die Hälfte der Zinsen zu versteuern, ansonsten sogar alle Zinsen. Wer sich den Steuervorteil noch sichern will, muss sich beeilen. Einige Anbieter sichern eine Abwicklung des Vertrages nur zu, wenn er bis Ende November abgeschlossen ist. Die erste Prämie muss aber erst 2005 – bis spätestens 31. März – gezahlt werden.
 

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