Der Dollar als Bullengrab?

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neuester Beitrag: 03.12.06 06:33
eröffnet am: 03.12.06 06:33 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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888652 Postings, 6083 Tage moyaDer Dollar als Bullengrab?

Der Dollar als Bullengrab?

von Jochen Steffens

Ich hatte gestern unter den US-Konjunkturdaten geschrieben, dass nach dem Einkaufsmanagerindex der Markt eigentlich hätte massiv steigen müssen, wenn nicht der Dollar so eingebrochen wäre. Und tatsächlich konnten sich die Märkte trotz dieser auf den ersten Blick schlechten Nachrichten leicht erholen und schlossen aber dann im Ganzen uneinheitlich. Offenbar haben die Marktteilnehmer ähnliche Sorgen:

Eigentlich weisen die US-Wirtschaftsdaten immer deutlicher darauf hin, dass die Fed die Zinsen senken muss, um ein Abrutschen der Wirtschaft in eine nachhaltigere Rezession zu verhindern. Sie wissen, auf diese Zinssenkungen spekulierte der Markt! Nur, darauf haben nun wohl auch die Devisenhändler reagiert und den Dollar verkauft. Wenn aber der Dollar fällt, dann kann die Fed die Zinsen nicht wieder senken, ohne zu riskieren, dass der US-Dollar in einen massiven Abwärtstrudel gerät, etwas, das die Fed kaum riskieren wird.

Die Fed gerät in Bedrängnis

Und hier taucht also ein Problem auf, das den Markt beeinträchtigen kann. Wenn nämlich der Dollar weiter fällt und die US-Wirtschaft sich weiter abschwächt, dann kommt die Fed in Bedrängnis. Sobald diese Bedrängnis offensichtlich wird, werden die Aktienmärkte darauf reagieren! Und zwar mit Kursabschlägen.

Das ist die Gefahr, die bisher nicht offensichtlich war und nun offensichtlicher wird. Zu lange lief der Dollar zum Euro seitwärts und geriet damit immer weiter aus dem Blickfeld der Anleger und Analysten. Wieder einmal bestätigt sich somit, dass die Märkte nicht vom Erwarteten, sondern vom Unerwarteten in Bedrängnis gebracht werden. Auch wenn natürlich all die Dollar-Untergangspropheten bald wieder aus ihren Löchern kriechen und darauf hinweisen werden, sie hätten es doch schon lange vorhergesagt! Nur, seltsamerweise war von vielen dieser Dollaruntergangspropheten das letzte Jahr kaum noch etwas zu hören. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Schwacher Dollar = steigende Rohstoffpreise=zunehmende Inflationsgefahren

Eine Abschwächung des Dollars wird sich natürlich auch sofort auf die Rohstoffpreise auswirken. Diese steigen, weil der Dollar weniger wert ist, sehr zu Lasten der europäischen Anleger, die zwar sehen, wie die Kurse ihrer Rohstoffpositionen oder der Dollarwert ihrer realen Goldpositionen anziehen, aber der Wert in Euro konstant bleibt oder sogar fällt.

Wenn allerdings die Rohstoffpreise in Dollar steigen, dann bedeutet das für die US-Bürger, dass die Preise wieder teurer werden. Damit steigen natürlich sofort die Inflationsgefahren wieder an. Auch aus diesem Grund kann die Fed die Zinsen nicht senken, um die US-Wirtschaft zu stützen ? sie riskiert damit, dass die Inflation ausufert.

Eventuell kurzfristig positiver Effekt für die Aktienkurse

Auf der anderen Seite wirkt sich ein fallender Dollar zunächst positiv auf die US-Wirtschaft aus, so dass zumindest kurzfristig mit weiter steigenden Kursen gerechnet werden könnte. Ebenso könnten die Preise von US-Aktien zulegen, weil der Dollar schwächer wird (vergleichbar mit den Rohstoffpreisen). Davon werden allerdings auch die Europäer nichts haben, die in den USA investierten, da auch hier die Gewinne von den Währungseffekten aufgefressen werden.

Dollar versus Vorwahljahr

Der Dollar könnte somit das Thema werden, das im weiteren Verlauf 2007 den Markt in Bedrängnis bringen wird, vielleicht auch schon eher. Und diese brisante Mischung ist in der Lage, die positiven Effekte aus der Tatsache, dass 2007 das Vorwahljahr im Präsidentschaftszyklus ist, kompensieren.

Ich bin ganz ehrlich, der stark steigende Dollar besorgt mich, er hat zumindest das theoretische Potential zu einem Bullengrab zu werden!

Dollar läuft dem Dow voraus

Schaut man sich allerdings den Chart Euro/Dollar im direkten Vergleich mit dem Dow Jones an, dann erkennt man Erstaunliches:

Es scheint so, als ob der Euro (rot) dem Dow Jones (schwarz) voraus läuft. Sprich, wenn der Euro fällt, also der Dollar steigt, fällt der Dow. So geschehen von 1998 bis 2000. Der Dow fand dann ?etwas? zeitversetzt auch seinen Boden. Dann stieg der Euro ab Mitte 2002 stark an, kurz der Dollar fiel dramatisch und der Dow Jones stieg dazu fast parallel um ein halbes bis ganzes Jahr zeitversetzt ebenfalls dynamisch an. Zwischen 2004 und 2006 erkennt man ebenfalls eine starke Parallelität in der Kursentwicklung.

Wird das nun dazu führen, dass der aktuell stark steigende Euro, also der einbrechende Dollar erneut einem stark steigenden US-Markt voraus läuft, oder erleben wir aktuell eine Abkopplung? Das wird die entscheidende Frage der nächsten Wochen werden! Die oben genannten Argumente sprechen für eine Abkopplung. Da die Abwertung des Dollar aber einen ähnlichen Effekt wie eine Zinssenkung hat, ist das nicht so leicht zu klären. Bedenken Sie auch, dass viele US-Firmen ihre Gewinne auch im Ausland machen. Ein fallender Dollar wird dann dazu führen, dass die Gewinne in Dollar umgerechnet stark anziehen werden. Stark steigende Gewinne sind natürlich gut für die Börsenentwicklung. Sie sehen, es ist verzwickt.

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

Gruß Moya

 

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