Dax auf 10.000 oder auf 2500 Punkten

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eröffnet am: 14.09.05 19:47 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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Dax auf 10.000 oder auf 2500 Punkten - was ist wahrscheinlicher?

von Jochen Steffens

Die Allianz steht heute bei 104,45 ?. Im Jahr 2000 hatte sie bei rund 400 ? gestanden. Viele empfinden eine Allianz bei 100 ? als preiswert.
Sie kann locker auf 180 ? und ambitioniert auch auf 240 ? steigen, sagte mir vor kurzem ein Trader. Um die 240 ? hat sie sich seit 1997 häufig aufgehalten, war seine Begründung.

Eine Münchener Rück, die immerhin auch von knapp 400 ? im Hoch (380 ?) kommt und aktuell bei 91,69 ? steht, finden auch viele preiswert, wer kann sich nicht vorstellen, dass sie in den nächsten Jahren auf 200 ? läuft? Schließlich hat sie sich in diesem Bereich auch gerne aufgehalten. Charttechnisch ist das drin.

Eine Deutsche Telekom, kommt von 100, steht bei 15,20 ?, bis 30 ? ist hier locker Platz - gefühlsmäßig.

Viele Menschen, wenn man sie fragt, können sich eine Verdopplung der Aktienkurse einzelner Aktien vom jetzigen Niveau innerhalb der nächsten 3 Jahre durchaus vorstellen.

Wenn schon drei der Schwergewichte sich verdoppeln können?

Nur, wenn man irgendjemanden fragt, ob der Dax in den nächsten drei Jahren auf 10.000 Punkte steigen kann, erntet man allgemeines verständnisloses Kopfschütteln, das ist völlig übertrieben, utopisch, man solle sich mal die aktuelle Situation in Deutschland anschauen.

Diese Diskrepanz ist etwas seltsam, oder? Ein geneigter Börsianer wird nun einwerfen: ja, es gäbe da sicherlich Aktien, die Aufholpotential haben, aber andere seien schon sehr gut gelaufen.

Die Deutsche Bank stehe bei 70 Euro, Höchstkurs war aber 105 ?, da ist nicht mehr viel Platz. Oder eine RWE, die mittlerweile ihr 1998er Hoch von 57,5 ? überwunden hat. Das gleiche gilt für E.ON, die ihr Allzeithoch schon Anfang des Jahres überwinden konnte.

Dieser Einwand ist natürlich vollkommen richtig. Andererseits könnte man sagen, dass der Bruch der Hochs auch ein sehr bullishes Zeichen sei. Aber lassen wir dieses Rumdiskutieren. Mir geht es um etwas
anderes:

Die Vorstellung des Anleger nach oben (insbesondere bei Indizes) ist gedeckelt.

Hätten Sie Anfang 1996 jemanden gefragt, ob er sich vorstellen kann, dass der Dax sich vom aktuellen Niveau in 3 Jahren verdoppelt, in fünf Jahren fast vervierfacht, jeder hätte energisch den Kopf geschüttelt und das für absoluten Blödsinn gehalten!

Einfach, weil man es sich nicht vorstellen kann. 5000 Punkte hört sich für unsere Ohren schon unglaublich viel an, klar, wir haben das Tief bei 2000 Punkte miterlebt. Aber wenn irgend jemand Ihnen im März 2003 während des Irakkriegs gesagt hätte, der Dax wird sich in etwas mehr als eineinhalb Jahren verdoppeln, 100 % machen, dann hätten Sie lauthals und vielleicht ein wenig hysterisch losgelacht.

Die menschliche Psyche hat einfach eine "relative" Wahrnehmung, immer bezogen auf das Jetzt. Relativ von den 8000 Punkten im Jahr 2000 aus gesehen, waren die 100 % von 2000-4000 Punkte nur eine technische Erholung, relativ von März 2003 eine wahnsinns Rally.

Genauso wenig können sich die überwiegend meisten Menschen vorstellen, dass wir noch einmal unter das Tief im Dax von 2000 Punkten fallen.

Leider ist das genauso möglich, hätten Sie im Jahr 2000 bei einem Daxstand von 8000 Punkten jemanden erzählt, dass der Dax in nur drei Jahren auf 2000 Punkte fällt, er hätte Sie erklärtermaßen für verrückt gehalten und bei seinen Bekannten unflätige Witze über Sie gerissen.

Analysten bullisher als sie zugeben wollen

Im Moment weiß ich, dass viele Analysten wesentlich bullisher sind, als sie offen zugeben wollen. Sie trauen sich nicht, weil Prognosen "Dax auf 10.000" als unseriös gelten. Sie wollen nicht verspottet und ausgelacht werden, also erzählen sie etwas von 5400 oder 5600 Punkten.

Ich frage mich natürlich, ist es bearish zu werten, dass so viele Analysten bullisher sind, als sie offen zugeben wollen? Sie wissen, die Masse liegt immer falsch.

Oder ist es bullish, dass die Bären frei heraus ihre Bären- und Untergangsprognosen veröffentlichen und sich dabei gegenseitig übertrumpfen wollen?

Das dürfen Sie selber entscheiden, aber ich weiß, dass ein Dax 10.000
(Verdopplung) Punkte um kein Haar weniger absurd ist, als ein Dax auf 2500 Punkte (Halbierung).

An der Börse ist alles möglich, lösen Sie sich von solchen einschränkenden Vorstellungen.

Zum Markt: Bearishe Hinweise?

Es gibt so ein paar bearishe Hinweise, die mir nicht gefallen. Der Nasdaq schaffte gestern kurzzeitig sein Vortageshoch, nur um dann heftig einzubrechen. Der Dax schafft kurz aber deutlich die 5000er Marke, nur um dann auch einzubrechen. Gefährlich, wenn neue Hochs keine weiteren Käufe nach sich ziehen.

Charttechnisch hat der Dax im Moment durchaus ein Rückschlagspotential auf 4600 Punkte. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Potential, keineswegs um ein MUSS.

Denn charttechnisch ungefähr gleich wahrscheinlich ist ein direktes und zügiges Anziehen auf 5400 Punkte.

Eigentlich verwundert es nicht, dass beide Szenarien aktuell gleich wahrscheinlich sind, es scheint ein wenig so, als würde die Unentschlossenheit vor der Wahl sich auch in den Charts widerspiegeln.

Zu allem Unglück ist in dieser Woche auch noch dreifacher Verfallstag, da sind die Märkte sowieso kaum vernünftig zu analysieren.

Zum Glück kann ich mich etwas zurücklehnen und zuschauen, was der Markt macht und erst dann entsprechend reagieren, wenn die Wahrscheinlichkeiten wieder eindeutiger sind.
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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Der Umsatz im Einzelhandel ist um 2,1 % zurückgegangen. Erwartet wurden ein Umsatzrückgang um 1,4 bis 1,5 % nach zuvor noch +1,8 %.

Ohne die Autoverkäufe ist der Einzelhandelsumsatz um 1,0 % geklettert.
Erwartet wurde ein Anstieg 0,5 bis 0,8 % nach zuletzt +0,5 % (revidiert von +0,3 %).

Die Industrieproduktion ist um 0,1 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,2 bis 0,5 % nach zuvor schon +0,1 %.

Die Kapazitätsauslastung liegt bei 79,8 %. Erwartet wurde eine Auslastung von 79,8 bis 80,0 % nach zuvor bereits 79,8 % (revidiert von 79,7 %).

Die wirtschaftlichen Daten verschlechtern sich, wie gesagt, das wird etwas sein, auf das die Fed achtet, um zu entscheiden, wie sie mit ihrer Zinspolitik fortfahren soll. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Konjunkturdaten sich massiv verschlechtern und gleichzeitig die Inflation dramatisch zulegt.

Die Rohölvorräte (Crude Oil Inventories) sind in der vorangegangenen Woche um 6,56 Mio. Barrel zurückgegangen nach zuvor -6,45 Mio. Barrel.

Die Benzinvorräte (Gasoline Inventories) haben sich im Wochenvergleich um 1,89 Mio. Barrel ausgeweitet nach zuletzt -4,3 Mio. Barrel.

Die Vorräte an Destillaten (Distillate Inventories) sind gegenüber der Vorwoche um 1,11 Mio. Barrel geschrumpft nach einem Minus von 816.000 Mio. Barrel.

Wichtig ist, dass die Benzinvorräte wieder gestiegen sind, das ist ein Hinweis darauf, dass die Raffinerien wieder arbeiten.

Dass die Rohölvorräte hingegen derart zurückgehen ist weniger verwunderlich, schließlich werden sie dazu benötigt, die Folgen des Hurrikans auszugleichen.

Gruß Moya

 

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