Das waren Fussball-Zeiten...

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eröffnet am: 01.04.05 16:59 von: jungchen Anzahl Beiträge: 1
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Freitag, 1. April 2005
Die großen Zeiten sind vorbei
Uerdingen droht Zwangsabstieg

Das Jahr des 100-jährigen Bestehens könnte eines der Schwärzesten in der Geschichte des Fußball-Regionalligisten KFC Uerdingen werden. Nachdem der Pokalsieger von 1985 am Donnerstag beim Amtsgericht Krefeld zum zweiten Mal einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, droht dem Klub der Sturz in die Oberliga.

"Wir werden uns am Sonntag mit dem Insolvenzverwalter Eberhard Stock zusammensetzen und eine Überlebensprognose des Unternehmens erstellen. Unser Ziel ist es, auch in der kommenden Saison in der Regionalliga zu spielen", erklärte der zweite Vorsitzende Hans-Theo Kühr.

Der Gang zum Amtsgericht ist für den KFC nicht neu, bereits im Dezember 2002 wurde ein Insolvenzantrag gestellt, der nach drei Monaten zurückgezogen werden konnte. "Wir glauben erneut an einen positiven Ausgang. Wir werden eine Liste mit Forderungen aufstellen und uns dann mit den Gläubigern an einen Tisch setzen", beschreibt Kühr die nächsten Schritte.

1,6 Mio. Euro Schulden

Die Liquiditätslücke des Vereins beträgt rund 200.000 Euro, während sich die Schulden auf rund 1,6 Mio. Euro belaufen. Immerhin konnte der Schuldenberg in den vergangen Jahren um 2,765 Mio. Euro abgebaut werden, wodurch aber keine Rückstellungen zur Aufrechterhaltung der Liquidität gebildet wurden. Die Reduzierung der Fernsehgelder und der Rückzug des Hauptsponsors Tecklenburg kamen hinzu, so dass Stock wie schon vor 27 Monaten als Insolvenzverwalter eingesetzt wurde.

Sollte die Pleite in den kommenden drei Monaten nicht abgewendet werden können, steht der Klub, der 1995 von Bayer in KFC Uerdingen umbenannt wurde, als erster Absteiger in die Oberliga fest. Doch auch ein freiwilliger Rückzug in die Viertklassigkeit ist denkbar, auch wenn sich alle Verantwortlichen für einen Verbleib in der Regionalliga aussprechen.

Arbeitsamt zahlt Spieler

Unterdessen soll in der kommenden Woche ein Kandidat für die Nachfolge des kommissarisch eingesetzten 1. Vorsitzenden Henning Harke präsentiert werden. Dafür wird der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener gehandelt, der für 30 Mio. Euro die Rechte an der Vermarktung des Leipziger WM-Stadions erworben hatte und dem KFC finanziell unter die Arme greifen könnte. Dazu passt die Forderung Kührs: "Wir müssen neue Sponsoren und die Politik für den Klub gewinnen."

Da der Insolvenzantrag am 31. März gestellt wurde, übernimmt das Arbeitsamt die Gehaltszahlungen der Spieler für die Monate März, April und Mai. Der ehemalige Bundesligist brachte aus eigener Kraft die März-Gehälter (rund 75.000 Euro) nicht mehr auf. Aber schon in den Monaten zuvor, hatten sich die Gehalts- und Prämienzahlungen immer wieder verzögert, so dass die Spieler sogar die Spielergewerkschaft VDV eingeschaltet hatten.

Dabei wollte der Ex-Europapokal-Halbfinalist im Jubiläums-Jahr - ein großer Festakt wird am 27. August stattfinden - eigentlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Teamchef Wolfgang Maes lag mit seiner Mannschaften zwischenzeitlich sogar auf Aufstiegskurs, momentan ist der KFC Tabellensiebter.

Was bleibt sind Erinnerungen

So bleiben die Erinnerungen an die Vergangenheit. Vor 20 Jahren gelang mit dem 2:1-Erfolg im DFB-Pokalfinale in Berlin gegen Bayern München der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Legendäre Auftritte im Europacup der Pokalsieger folgten, darunter das unvergessene 7:3 in der Grotenburg gegen Dynamo Dresden, das nach dem 2:0-Hinspielsieg zur Pause mit 3:1 geführt hatte. Das Aus kam erst im Halbfinale gegen Athletico Madrid. Rang drei in der Bundesliga in der Saison 1985/86 war ein weiterer Höhepunkt.

Doch nach insgesamt 14 Jahren in der Bundesliga war der Verein Bayer Uerdingen 1996 zum fünften Mal seit dem Aufstieg 1975 abgestiegen und im Jahr 2000 in die Regionalliga abgerutscht. Nun droht der nächste Fall.

Oliver Mucha, sid
 

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