Das unterschätzte Risiko!

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neuester Beitrag: 04.11.05 18:35
eröffnet am: 04.11.05 18:31 von: moya Anzahl Beiträge: 2
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04.11.05 18:31
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842234 Postings, 6010 Tage moyaDas unterschätzte Risiko!

Die Gefahren nehmen ständig zu...

Während sich alle Marktteilnehmer die Köpfe heiß diskutieren, welches Risiko denn nun die Aktienmärkte am meisten gefährden könnte, wird eine Entwicklung immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Und genau hier liegen die größten Gefahren...


Prognosen weit daneben

Erinnern wir uns an den Jahresanfang: Wie bereits seit mehreren Jahren, prognostizierten fast alle Investmentbanken einen deutlichen Anstieg der Renditen. Die 10-jährige Bundesanleihe rentierte zu Jahresbeginn mit 3,71%. Ein deutlicher Anstieg war Konsens im ! Markt. Die Renditen fielen jedoch im Jahresverlauf bis 2,99% und drehten bis heute auf 3,52%. Dies ist immer noch tiefer, als die optimistischste Prognose lautete. Betrachtet man sich die Begründungen der "Zinsbullen", so wird der komplette Fehlschlag deutlich: Ein Zinsrückgang sollte ausgelöst werden durch einen Dollar-Einbruch und eine damit einhergehende Flucht in den Euro. Euro-Anleihen sollten aus Furcht vor einer weiteren Dollar-Schwäche gekauft werden. Ok. Der Euro ist aber von 1,36 USD auf 1,19 USD gefallen. Die Verwunderung und Verwirrung unter den Analysten ist groß.


Umlaufrendite 2000 bis 2005

Dieses Phänomen - einer ständigen Erwartung eines Zinsanstieges, der dann "nicht kommt" - ist nicht neu. In den letzten Jahren sind die Renditen ständig gefallen und trotzdem präsentierten die Investmentbanken Prognosen, in denen sie von einem ! deutlichen Zinsanstieg ausgingen. Doch in den letzten Wochen beobachte ich eine interessante Entwicklung...

Immer mehr Analysten kippen um - man hört teilweise schon den Spruch von "einer neuen Zeit". Viele Marktteilnehmer können sich die historischen Tiefststände bei den Renditen nicht mehr erklären und beginnen "kopflos" zu agieren. Selbst prominente Zinsexperten wie Bill Gross sind "umgefallen". Gross verkündete fast exakt am Zinstief in den USA, dass die zehnjährigen US-Anleihen nun deutlich fallen werden. Genau in diesem Augenblick erfolgte eine mittelfristige Wende.

In der gestrigen Ausgabe des Handelsblattes kommen einige Fondsmanager zu Wort, die ein schnelles Ende des jüngsten Zinsanstieges erwarten. Es wird einhellig verkündet, dass die langfristigen Anleihen in den nächsten zwölf Monaten nicht deutlich anziehen werden. Noch am Jahresanfang - als die Renditen deutlich höher notierten - hörte sich das gegenteilig an. Das Sentiment ist mittlerweile eindeutig umgeschlagen: Ein deutlicher Zinsans! tieg wird nun als unwahrscheinlich angesehen und in Kommentaren eher "verniedlicht". Man muss diese Entwicklung aufmerksam beobachten.

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Umlaufrendite seit 1985

Betrachtet man sich die Entwicklung der deutschen Umlaufrendite in den letzten 20 Jahren, so fällt - neben dem deutlichen Rückgang - ein Bullkeil auf. Kurios ist auch die Entwicklung des MACD, der seit nunmehr 10 Jahren positiv divergent verläuft. Die Spitze des Bullkeils verläuft noch tiefer - selbst Renditen im Bereich von 2% wären technisch "abgesichert". Ein dynamischer Ausbruch nach oben, würde jedoch ein langfristig deutlich höheres Zinsniveau bedeuten.

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Umlaufrendite vs. DAX

Seit 1998 steht die Welt auf dem Kopf. Es scheint fast so, als hätten die massiv! en, damaligen Liquiditätsspritzen der Notenbanken "mehr Geld als nötig " in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Die Exzesse der Folgejahre inklusive Börsenboom und Börsenkrise sind Ihnen sicher noch in "bester" Erinnerung. Die "Normalität" ist jedoch in den letzten Monaten wieder eingekehrt.

Steigende Zinsen sind immer schädlich für die Wirtschaft. Sie verteuern Kredite und machen kreditfinanzierte Projekte evtl. nicht mehr profitabel. Das Wirtschaftswachstum schwächt sich tendenziell ab. Die Aktienmärkte freuen sich ebenfalls über tiefe Zinssätze, da die Konkurrenz der Rentenmärkte umso größer ist, je mehr man "sichere Zinsen" für sein Geld bekommt.

Ich habe Ihnen den DAX einmal mit der deutschen Umlaufrendite in den letzten 10 Jahren verglichen: Es ist schön zu erkennen, dass der Zusammenhang "steigende Zinsen = schädlich für die Börse" und auch umgekehrt, im Zeitraum von 1998 bis 2004 auf dem Kopf stand. Seit Herbst 2004 findet nun eine "Normalisierung" statt. Der Dax steigt parallel mit der fallenden U! mlaufrendite und umgekehrt.

Besonders gefährlich ist diese "Anomalie" deshalb, da viele "Neu-Börsianer", die durch den Börsenboom ab Herbst 1998 angelockt wurden, nur diesen angeblichen Zusammenhang kennen, dass zwischen den Aktien- und Rentenmärkten das Geld immer hin und her fließt.

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Bund-Future Wochenchart

Die aktuelle technische Situation ist widersprüchlich. Während der Bund-Future in allen Zeitebenen mittlerweile eindeutig überverkauft ist, so deutet der MACD auf eine sich ausweitende Abwärtsdynamik hin. Die Marke 120 hat hierbei eine entscheidende Bedeutung, da sich hier der letzte markante Hochpunkt aus dem Jahr 2003 - und damit eine wichtige Unterstützungszone - befindet.

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Bund-Future Monatschart

Der ! Aufwärtstrend ist weiterhin vollständig intakt. Es hat sich über die l etzten Jahre ein bearisher Keil gebildet, der in den letzten Monaten kurzfristig nach oben verlassen wurde. Das Abwärtspotential ist im Fall eines regelkonformen Ausbruchs nach unten beträchtlich.

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Fundamentale Faktoren widersprüchlich

Es lassen sich beide Zins-Szenarien - ein skeptisches und auch optimistisches - hinreichend sachlich begründen. Während die weltweit verfügbare, hohe Liquidität, verbunden mit der Risikoscheu der Anleger, zu rekordtiefen Zinsen geführt haben, sehen die europäischen Staatshaushalte immer dramatischer aus: Die Bonität der Schuldner (der Staaten) wird immer schlechter, die Möglichkeiten zur Kreditaufnahme bei den Bürgern (den Anleihen), wurden jedoch immer günstiger. Eine groteske Situation, die gepaart mit der zunehmenden Sorglosigkeit der Anleger eher für einen deutlichen Anstieg der Renditen spricht.

Es gibt jedoch auch positive Effekte, die ein weiteres Verharren der Zinssätze auf tiefem Niveau erwarten lassen. Die jüngsten Inflationsbefürchtungen in Folge der Hurrikane in den USA und der rasant gestiegenen Ölpreise sind sicher übertrieben. Die Kernraten steigen nur sehr moderat. Die maßgeblichen - und weitläufig unterschätzten - Faktoren sind die Globalisierungseffekte und die dramatisch ansteigende Produktivität, durch eine zunehmende Technisierung der Produktionsabläufe. Gewinnsteigerungen der Unternehmen können daher auch ohne Preiserhöhungen ihrer Produkte erzielt werden. Die berüchtigte "Lohn-Preis-Spirale" kommt daher bisher nicht in Gang.

Es ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen, welches der beiden Szenarien sich durchsetzen wird. Auf weiterhin extrem niedrige Zinssätze im Euroraum zu setzen, das erscheint mir jedoch sehr riskant zu sein. Ein Großteil des Weges - hin zu niedrigen Renditen - liegt sicher hinter uns.


Fazit

Die Sorglosigkeit im Bereich der langfristigen Zinssätze ist in den letzten Wochen erheblich gestiegen. Viele Analysten, Investmentbanken und große Fondsgesellschaften sind "umgefallen". Die ständige Erwartung steigender Zinssätze ist aus den Märkten entwichen. Die Aussagen zur angeblichen Rentenblase sind nahezu verschwunden. Den langfristigen Renditen fällt ein Anstieg damit leichter. Die Gefahren bei den Anleihen haben - trotz der vielen beruhigenden Kommentare - eher zugenommen.wallstreet-online.de


Von: Thomas Grüner

Gruß Moya 

 

04.11.05 18:35

842234 Postings, 6010 Tage moyaBullen - Boden fest getreten?

Die Aktienmärkte setzten in dieser Woche ihre Aufwärtsbewegung fort. Am Mittwoch konnten insbesondere in den USA wichtige Marken genommen werden, die Bewegung war unterlegt mit starken Umsätzen. Dies setzte sich gestern fort, wobei Makrodaten beflügelten. Der Dow fand den Weg zurück über seine EMA200, der S&P 500 überwand die Hochpunkte von der Jahreswende und von Ende Juni und testete die Marke von 1225. Hier wurde im März ein zyklisches Hoch markierte. Dort ging den Bullen jedoch die Puste aus. Gaps und längere obere Dochte in den Tageskerzen verschiedener Indices sprechen eine ähnliche Sprache.

Darüber liegt die Zone bei 1245, wo der Index Ende Juli, Anfang August scheiterte. And diesem Punkt sind auch 61,8 Prozent des Bärenmarktes seit dem Jahre 2000 korrigiert. Sollte auch diese Marke überwunden werden, würde sich nahezu zwangsläufig Euphorie breit machen. Selbst der zaghafteste Bulle und der standhafteste Bär müssten zu der Üb! erzeugung gelangen, dass nun wieder die schönste aller Börsenwelten ausgebrochen ist.

Bevor der außerordentlich bedauernswerte Gefühlszustand einer Bullenhysterie jedoch um sich greift, ist es noch ein Stück des Wegs. Wie weit könnte uns der nun losgetretene Bullenschub tragen?

Nehmen wir als Messlatte die Spannweite der Bewegung von Ende April bis Anfang August, dann sind das gut 100 Punkte. Davon wurden bis zum zurückliegenden Tief bei etwa 1175 rund 62 Prozent abgegeben. Es ist zwar vielleicht aktuell nur schwer vorstellbar, aber dennoch nicht aus der Luft gegriffen, dass der S&P 500 von 1175 aus gerechnet noch einmal diese 100 Punkte nach oben läuft, also bis rund 1280. Damit hätten ?wir? bis gestern intraday rund 50 Prozent geschafft. Fibonacci lässt grüßen.

Die angestellte Projektion ist natürlich hochspekulativ. Aber betrachtet man, wie komplex die Bodenbildung bisher verlaufen ist, mit welcher Volatilitä! t Bären und Bullen durchgeschüttelt wurden, wie mühsam in allen betrac hteten Indikatoren die Wende verlaufen ist, schließlich auch wie zögerlich sich das Volumen entwickelt hat und sich die Marktbreite in Gestalt des TRIN noch präsentiert, so sind das alles Hinweise darauf, dass hier eine größere Bewegung im Rohr steckt.

Die Bedenken der Märkte hinsichtlich der Nachfolgeregelung von Greenspan sind verflogen. Mit Bernanke wurde ein würdiger Nachfolger gefunden, dessen Differenzierungspunkt die Verfolgung eines Inflationsziels ist. Man kann dies im doppelten Sinne verstehen ? im ?normalen? Verständnis bedeutet das die Festlegung einer Obergrenze. Etwas quer gedacht könnte man auch sagen, Bernankes Ziel ist Inflation. Und genau das ist es meiner Meinung nach, was die Märkte bezüglich des Wechsels an der Spitze der Fed so freundlich stimmt, man bringt Bernanke mit lockerer Geldpolitik in Verbindung.

Die Fed-Nachfolgeregelung allein trägt sicher keinen Bullenschub länger als ein paar Tage. Da muss noch mehr! Phantasie hinzukommen. Nachdem nun auch der Crash-Monat Oktober ohne größere Blessuren herum gegangen ist, können sich die Bullen wieder voll auf die Saisonalität berufen, wonach die letzten Monate eines Jahres gewöhnlich eine ordentliche Performance bringen. Auch das mag als Basis noch nicht reichen. Zum freundlichen Makrorahmen zählt auch hinzu, dass mit der zuletzt unter tatkräftiger Mithilfe von Greenspan heraufgeredeten langfristigen Zinsen an der Immobilienfront offenbar erste dämpfende Wirkung zeigen. Und mehr noch ? die Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft zeigten zuletzt wieder nach oben, etwa die viel beachteten ISM-Indices und bestimmte Messzahlen der Fed. Und die Makrodaten vom gestrigen Donnerstag mit einer beeindruckenden und so nicht erwarteten Entwicklung der Produktivität.

Vertrauen und Stimmung der Verbraucher hinken allerdings hinterher und sorgen noch für Verstimmung. Ein zuletzt deutlich gefallender Ölpreis wiederum dämpft die S! orgen, dass die Konsumenten zu sehr von ihren traditionellen Ausgabege wohnheiten abweichen und Geld für gestiegene Energiekosten statt für allerlei elektronischen Schnickschnack ausgeben. Dass eine sich beruhigende Preisentwicklung bei privat genutzten Immobilien rückläufige Konsumausgaben zur Folge haben wird, wird aktuell noch nicht besonders deutlich wahrgenommen und dürfte auch wegen einiger Verzögerungseffekte wohl nicht so bald durchschlagen ? zumindest nicht im aktuellen Weihnachtsgeschäft.

Dass die lauen Prognosen von Dell und anderen Elektronikfirmen bisher keine allzu negativen Kreise zog, gibt ein Hinweis auf die erstarkte Bullenmentalität. Hinzu kommt, dass die Quartalssaison nun abebbt, was dazu beiträgt, dass der Markt sein eigenes Spiel spielen kann.

Trotzdem - so ganz rund ist das alles noch nicht. Es passt zwar ins bullische Gesamtbild, dass der Dow Jones Transport Index zuletzt wieder erstarken konnte und nun ein frisches Mehrjahreshoch produziert hat. Dumm nur, dass dies in einem ch! arttechnisch nicht ganz zweifelsfreien Kontext geschah: Eine kleine Fahnenstange unter einer wichtigen Aufwärtslinie lässt zusammen mit einer kurzfristigen Überdehnung kurzfristig nicht mehr viel Potential vermuten.

Es scheint, dass die Ölpreise einen neuen Anlauf nehmen. Die Prognose der TimePatternAnalysis zeigt auf Sicht bis Mitte des Monats Aufwärtspotenzial in Höhe von rund sechs Prozent bis zur Oberkante des langfristigen Aufwärtskanals an. Von dort aus sollte es allerdings nicht weiter gehen, vielmehr ergibt sich deutliches Abwärtspotenzial.

Zumindest kurzfristig könnte das ein Katalysator für eine etwas hartnäckigere Konsolidierung werden. Eine solche Konsolidierung könnte durchaus das Zeug haben, den S&P 500 nochmals herunter bis zu seiner EMA50 bei aktuell 1206 zu drücken. Ob es so weit kommt, wird sich zeigen. Aber auch das würde jahreszeitlichen Mustern entsprechen, bevor es dann in der zweiten Hälfte des Monats und erst ! im Dezember weiter nach oben läuft.

Ein Hinweis au f eine bevorstehende Konsolidierung liefert aus meiner Sicht auch der Dollar. Hier gilt immer noch, das eine stärkere Tendenz mit temporärer Schwäche bei Aktien korreliert. Der Greenback schaukelte seit längerem oberhalb von 1,20 gegen den Euro dahin. U.a. beflügelt durch die zuletzt guten Wirtschaftsnachrichten taucht er aktuell unter diese Marke. Ziel der Reise dürfte in den nächsten Tagen mindestens 1,19, möglicherweise auch (knapp) 1,18 sein.

Der heutige Arbeitsmarktbericht ist mit einigermaßen gedämpften Erwartungen verbunden. Sollten diese erreicht werden, gibt es keinen neuen Grund für die Bullen, weiter zu feiern.
Falls sie deutlich besser ausfallen sollten, wird man sehr genau hinschauen müssen, ob es bei einem Strohfeuer bleibt oder nochmals solide nachgelegt wird.

Zusammengefasst: Aus meiner Sicht ist eine anstehende Konsolidierung die wahrscheinlichste Variante. Im großen Rahmen ist aus meiner Sicht ist der finale bull! ische Blowoff gestartet. Projektionen weisen zunächst auf 1280 im S&P 500 per Mitte Januar 2006.

Quelle: timepatternanalysis

Gruß Moya 

 

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