Das morden der Camorra geht weiter..

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 Mafia-Krieg am Vesuv: Schlimmer denn je

Genickschuss beim Pizzaessen: Camorra-Opfer Salvatore Peluso (Foto: dpa)
Salvatore Peluso sitzt in der Pizzeria "Pellone" in der Via Nazionale, mitten in Neapel. Der 51-Jährige hat sich gerade eine Margherita und ein Bier bestellt, da tritt der Killer auf ihn zu. Blitzschnell und professionell tötet er sein Opfer eiskalt mit einem Genickschuss, und unerkannt macht er sich davon. "Blutige Abrechnung der Camorra-Clans", werden solche Morde in Neapel genannt.

 

 

Polizei machtlos, Bürger verängstigt
Seit Monaten tobt in der Stadt am Vesuv ein Bandenkrieg wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 108 Menschen starben seit Jahresbeginn eines gewaltsamen Todes, Polizei und Stadtverwaltung sind machtlos, die Bürger verängstigt, die Regierung in Rom ratlos. "Krieg wie in Bagdad und Beirut", urteilte der Sprecher im italienischen Fernsehen am Montagmorgen - nachdem in der Nacht eine Gruppe von Mafiosi wieder mal Schüsse auf einen Carabiniere abgegeben hat. Schon wird der Ruf nach einem Einsatz des Militärs laut.

Machtkampf der Clans
Kaum einen Tag nach dem Mord in der Pizzeria schlägt die Camorra, wie die Mafia in Neapel heißt, erneut zu, diesmal in Torre Annunziata auf halbem Wege nach Pompeji. Hier setzen die Paten eine andere Strategie ein: Die Opfer fahren ahnungslos im Auto, als sich die Killer per Motorrad nähern. Mit Maschinenpistolen eröffnen sie das Feuer, die beiden 25 und 39 Jahre alten Insassen werden von Schüssen durchsiebt. Das Auto rast führungslos knapp 100 Meter weiter, bevor es gegen eine Mauer prallt. Wieder heißt es: Machtkampf der Clans.


Die 14-jährige Annalisa geriet auf offener Straße in eine Schießerei (Foto: dpa)
Camorra gehört zum DNA-Erbgut der Stadt
"Wir müssen diesen absurden Krieg beenden", sagt Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino fast flehentlich. Aber wie? Schon heute sind 13.000 Polizisten in Neapel stationiert, mehr als in jeder anderen italienischen Stadt. Genutzt hat das wenig. Jüngst regte sich ein Neapolitaner darüber auf, warum die Behörden denn das Gebäude des gefürchteten Camorra-Clans Di Lauro nicht beschlagnahmen - obwohl es in Sichtweite einer Polizeistation steht. "Die Camorra gehört zum DNA-Erbgut der Stadt", empörte sich der Mann.

Polizei mit verfeindeter Gang verwechselt
Regelrechte staatsfreie Zonen haben sich entwickelt. Dort hat die Camorra das Sagen, und Polizisten geraten unter Feuerbeschuss. Vor ein paar Tagen wurden vier Carabinieri in einen Hinterhalt gelockt und beschossen. Später meldete sich ein 19-Jähriger bei der Polizei. Er sei ein "Soldat" des Bosses Paolo Di Lauro, genannt "der Millionär", und er habe gedacht, die Carabinieri gehörten zu einer verfeindeten Gang. Ob er denn immer mit einer Maschinenpistole herumlaufe, wollten die Beamten wissen. Seine Antwort: "In unserem Viertel gibt's 'ne Menge schlimmer Leute, da muss man sich verteidigen."

Hierarchie ins Rutschen geraten
Experten glauben, der wahre Grund für das Töten sei das "Machtvakuum" in der Stadt. Irgendwie sei die Hierarchie unter den rund 20 verschiedenen Camorra-Gangs ins Rutschen geraten. Angeblich hat einer der großen Paten die Führung zu früh an seinen Sohn abgeben wollen, da hätten die Rivalen die Gunst der Stunde zum Angriff genutzt. "Es handelt sich hier nicht um Vendetta, es geht nicht um Ehre, sondern einzig und allein um Machtgewinn", sagt der Experte Erri De Luca. Die Spirale der Gewalt wird "enden, sobald die Vorherrschaft einer neuen Macht anerkannt ist". Mit neuer Macht ist nicht der Staat gemeint, sondern ein Mafia-Clan.

Von Peer Meinert, dpa

 

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