Das ist eine echte europäische Fussball-Sensation

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neuester Beitrag: 24.08.05 12:37
eröffnet am: 23.08.05 22:35 von: quantas Anzahl Beiträge: 4
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23.08.05 22:35

15281 Postings, 5644 Tage quantasDas ist eine echte europäische Fussball-Sensation

FC Thun in der Champions League

Berner Oberländer schaffen gegen Malmö FF die Sensation - 3:0

Der «kleine» FC Thun hat das Unmögliche möglich gemacht: Mit einem klaren 3:0-Erfolg gegen den Malmö FF schafften die Spieler von Chefcoach Urs Schönenberger die Qualifikation zur Champions League. Die Berner Oberländer hatten bereits das Hinspiel in Schweden 1:0 zu ihren Gunsten entschieden. Zweimal Lustrinelli und Bernardi erzielten die Treffer.

(si)/mro. Schon vor der Pause gelang dem FC Thun die Vorentscheidung. Nach einer knappen halben Stunde traf Tiago Bernardi mit dem Kopf zum 1:0, und in der 40. Minute doppelte Lustrinelli nach einem haarsträubenden Fehlpass von Malmös Verteidiger Elanga nach. Für die eindrücklichste Bewerbung für die «Königsklasse» und den Höhepunkt des Abends war Lustrinelli nach dem Seitenwechsel besorgt. Er traf mit einem herrlichen Schlenzer aus 25 Metern zum 3:0.

Mutiges und selbstbewusstes Auftreten

Zu keinem Zeitpunkt liessen die Thuner das Publikum im erstmals ausverkauften Stade de Suisse an der Qualifikation zweifeln. Trotz des 1:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel begannen die Spieler von Trainer Urs Schönenberger forsch, aggressiv und mit Druck nach vorne. Die Belohnung für das mutige und selbstbewusste Auftreten folgte nach einer knappen halben Stunde mit dem verdienten 1:0, das stellvertretend stehen könnte für alles, was der FC Thun in den letzten Wochen quer durch Europa geleistet hat. Nelson Ferreira eroberte den Ball, spielte über den überragenden Silvan Aegerter zu Captain Andres Gerber. Dieser lancierte mit einem Seitenwechsel mit dem Aussenrist José Gonçalves, der mit seiner Flanke den Kopf von Bernardi fand. Der Brasilianer liebt das Stade de Suisse ganz besonders. Er schoss sein drittes Tor für Thun, das zweite im Nationalstadion, nachdem er bereits gegen Kiew getroffen hatte.

Auch nach dem Führungstreffer und mit einer relativ komfortablen Ausgangslage dominierte der FC Thun weiter, verfiel nicht der Verlockung, sich zu weit in die eigene Platzhälfte zurückfallen zu lassen. Ein Fehlpass von Joseph Elanga in die Füsse von Mauro Lustrinelli ermöglichte das 2:0, das auch deshalb verdient war, weil Malmö seine Formschwäche zu keinem Zeitpunkt verbergen konnte. Thuns Goalie Eldin Jakupovic hatte erst in der Schlussphase Arbeit zu verrichten, als seine Vorderleute bereits für den grossen Vorsprung garantiert hatten. Den geruhsamen Abend von Jakupovic auf die Schwäche von Malmö zurückzuführen, würde aber zu kurz greifen. Denn einmal mehr standen die Thuner sehr kompakt und hatten im Mittelfeld mit Aegerter, Bernardi, Gerber, Ferreira und Adriano ein Quintett, das sowohl offensiv als auch defensiv hervorragend arbeitete.

Lukrative Mannschaften warten

Knapp neun Jahre nach dem Aufstieg in die Nationalliga B und drei Jahre nach der Promotion in die Super League ist der FC Thun dort angelangt, wo jeder europäische Verein hinkommen will. Als erst dritter Schweizer Klub nach GC und dem FC Basel beteiligen sich die Berner Oberländer nun am Jackpot der Champions League. Bereits am Donnerstag um 16 Uhr in Monte Carlo werden die Thuner erfahren, gegen wen sie am 13. oder 14. September ihr erst elftes internationales Spiel absolvieren werden. Nach Kiew und Malmö winken Destination wie Barcelona, London, Mailand oder München.

FC Thun - Malmö 3:0 (2:0)

Thun: Jakupovic; Pallas, Hodzic, Milicevic, Gonçalves; Gerber (70. Leandro Vieira), Aegerter, Bernardi, Ferreira; Adriano (79. Gelson); Lustrinelli (85. Sen).

Malmö: Asper; Mattisson, Abelsson, Höiland, Elanga; Bech, Olsson (65. Litmanen), Daniel Andersson, Osmanovski (62. Anders Andersson); Pode (79. Barlay), Alves.

Bemerkungen: Thun ohne Deumi, Sinani und Savic (alle verletzt). Malmö ohne Persson (verletzt) und Patrik Andersson (Rücktritt). Verwarnungen: 59. Bernardi (Foul).

 

23.08.05 22:38

246 Postings, 5900 Tage Godlike3:0 gegen Malmö ist einfach super,

könnte aber mehr sein. Excellent! *g*  

24.08.05 09:39
1

15281 Postings, 5644 Tage quantasAuch eine Belastung

Auch eine Belastung

Die Champions-League-Qualifikation des FC Thun ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dem beschaulichen Verein aus dem Berner Oberland sind in der Königsklasse 5,5 Millionen Franken gewiss.

Dazu kommen Zuschauer- und TV-Einnahmen sowie mögliche Punkteprämien. Am Donnerstag fliegt die Thuner Delegation zur Auslosung der Gruppenspiele nach Monaco. Wer folgt jetzt? Real Madrid? Bayern München? Chelsea? Der Traum der Champions League ist kein Traum mehr, sondern Realität. Wer hätte das vor acht Monaten zu glauben gewagt? Der FC Thun verlor im Dezember 2004 die Leitfigur, den charismatischen Trainer Hanspeter Latour, der FC Thun scheute mit der Verpflichtung des Latour-Nachfolgers Urs Schönenberger kein Risiko, klassierte sich im 2. Rang, verlor alsbald die halbe Mannschaft, hielt sich im Championat weiterhin im oberen Bereich, stiess an der Türe zur Champions League Dynamo Kiew knapp und schliesslich den schwedischen Spitzenklub Malmö FF diskussionslos weg.

Das Tempo bringt den Verein allerdings in den Bereich der Überforderung. Wer die provinziellen Zustände im Stadion Lachen kennt, erahnt: Der Geldsegen bedeutet auch eine Belastung für das System «Kleinklub». Anderen Aussenseitern ist die Champions League in der Vergangenheit nicht gut bekommen. Die Norweger aus Molde und die Schweden aus Helsingborg schlitterten nach dem Rausch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Apparat wurde zu sehr aufgebläht, das Geld vernebelte die Sinne und flog buchstäblich zum Fenster hinaus, die Chefetagen erlagen fatalen Fehleinschätzungen. Molde - um nur ein kleines Beispiel zu nennen - erhöhte die Eintrittspreise so sehr, dass nicht einmal das Heimspiel gegen Real Madrid ausverkauft war. Dass sich solches nicht wiederholt, dafür bürgt wahrscheinlich der für kühles Rechnen bekannte Thun-Präsident Kurt Weder. Vor einem Jahr machte sich nach dem frühen Europacup-Aus vieler Schweizer Vereine (Ausnahme Basel) Ernüchterung breit. Doch das ist vergessen. So schnell wenden sich die Dinge. Wäre die Geschichte um den FC Thun nicht wahr, man müsste sie erfinden.

bir. (Bern)

 

24.08.05 12:37

15281 Postings, 5644 Tage quantasHeimische Matratze statt Hotelbett

Thun-Geheimnis: Heimische Matratze statt Hotelbett
THUN ? Was macht den FC Thun so stark? Es gibt viele Gründe. Einer ist gewiss das Beibehalten der Bescheidenheit ? auch wenn jetzt die Champions-League-Millionen fliessen.
BILD
Die Thuner sprinten zu ihren Fans, um mit einer Welle zu feiern.
Keystone
Trainer Urs Schönenberger, der als Nachfolger von Kultfigur Hans-Peter Latour (wechselte im Januar zu GC) eigentlich nur verlieren konnte, schaffte im Berner Oberland eines der grössten Fussball-Wunder in Europa mit der Qualifikation für die Champions League.

Was macht «Longo» so erfolgreich? Der Zürcher: «Ich weiss nicht. Wir heben einfach nicht ab.» Ein Beispiel: Vor dem so kapitalen Match im Berner Stade de Suisse bereitete sich die Mannschaft nicht etwa in einem Hotel vor.

«Die Spieler durften alle zuhause schlafen», erklärt Schönenberger. «Ich weiss selber, dass man auf heimischer Matratze viel besser schläft als in Hotelbetten. Auch wenn der Präsident wohl den Zusatzausgaben für eine Vorbereitung im Hotel zugestimmt hätte.»

Das grandiose 3:0 gegen Malmö durfen die Kicker dann auch ausgiebig feiern: «Freier Ausgang für alle», entschied der Trainer. Aber nur deshalb, weil das heimische Lachenstadion überflutet und an ein Spiel am Samstag gegen Yverdon nicht zu denken ist.
BILD

Lassen sich im Scheinwerferlicht feiern: Bernardi und Trainer Schönenberger.

Wie gehts nun weiter mit dem FC Thun? Am Donnerstag findet in Monaco die Auslosung der acht CL-Gruppen statt (SF DRS live ab 16 Uhr). Und da sind Traumgegner garantiert.

Aus vier Töpfen werden die Gruppen zusammengestellt. Thun liegt im Topf 4. In den ersten zwei Töpfen sind 16 Mannschaften gesetzt, zwei von diesen werden am 13./14. September (1. Runde) bis am 6./7. Dezember (6. Runde) Gruppengegner der Thuner sein.

Die Namen lassen die Herzen der Fussball-Fans höher schlagen: Arsenal, Chelsea, Barcelona, Real Madrid, AC Milan, Juventus Turin, Bayern München, Schalke 04, Lille, Lyon, Benfica Lissabon, Porto, PSV Eindhoven, Olympiakos Piräus, Sparta Prag, Fenerbahce Istanbul.

Qualifiziert sind neben Thun auch schon Rapid Wien, Udinese, Betis Sevilla, Rosenborg Trondheim, Bratislava, Titelverteidiger Liverpool und Panathinaikos Athen.

Heute Mittwoch können noch so prominente Teams wie Ajax Amsterdam, Manchester United, Anderlecht, Glasgow Rangers, Inter Mailand, Villarreal und Everton den Einzug in die Königsklasse schaffen.

Und auch der FC Basel, wenn er Werder Bremen aus dem Rennen wirft. Sicher ist, dass Vereine aus dem gleichen Land nicht in die gleiche Gruppe ausgelost werden können.

Daumen drücken ? zwei Schweizer Klubs in die Champions League wäre nicht nur für die Vereine, sondern fürs den ganzen Schweizer Fussball Gold wert.

 

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