Das aufgeklärte Europa

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15.12.06 10:15

95440 Postings, 7268 Tage Happy EndDas aufgeklärte Europa

SPIEGEL ONLINE - 14. Dezember 2006, 19:52
URL: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,453801,00.html

SCHWULE FUSSBALLER

Models als Schutzschild

Von Oliver Lück und Rainer Schäfer

Er ist die große Ausnahme: Der italienische Weltmeister Alberto Gilardino setzt sich öffentlich für Schwule ein. Homosexuelle Fußballer leben zwecks Tarnung in Scheinehe oder engagieren Hostessen als Begleitung. Das Magazin "RUND" sprach mit Betroffenen.

Die wenigen schwul-lesbischen Fußball-Fanclubs wie die Hertha Junxx in Berlin, die Rainbow-Borussen in Dortmund oder die Stuttgarter Junxx konnten die schwulenfeindliche Atmosphäre in den Bundesligastadien noch nicht nachhaltig verändern. Der englische Fußballverband, der schon mit Maßnahmen gegen Rassismus in britischen Stadien Vorbild für andere Verbände war, prescht auch beim Thema Homophobie wieder voraus. Seit 2001 ist in der Satzung verankert, dass der Verband gegen Diskriminierung wegen sexueller Orientierung vorgeht. Seither wurden Krakeeler schwulenfeindlicher Sprüche bereits häufiger aus den Fußballstadien geschmissen.<!-- Vignette StoryServer 5.0 Thu Dec 14 13:30:11 2006 -->

Zwei Anhänger des englischen Zweitligisten Norwich City mussten sogar kurzzeitig hinter Gitter und wurden im Anschluss zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Auf Clubebene hat Manchester City begonnen, das Schwulentabu zu zerschlagen. Der Verein hat eine Charta unterschrieben, die aus ihm einen "gay friendly"-Club macht. Dafür bezahlt City eine sechsstellige Summe an Stonewall, die mächtige Organisation mit Sitz in London, die die Rechte von Schwulen und Lesben in Großbritannien verteidigt. Bei Manchester City sollen Homosexuelle nun gleichgestellt werden. Schwules Personal wird eingestellt, die Schwulenszene der Stadt ins Stadion eingeladen. Auch in England die große Ausnahme: Erst kürzlich stellte die BBC allen 20 Trainern der Premiere League drei Fragen zum Thema Homosexualität im Fußball - keiner antwortete, auch Stuart Pearce nicht, der Trainer von Manchester City.

Unter britischen Fans gilt der Verdacht, dass es schwule Profis auf dem Platz geben könnte, nach wie vor als Katastrophe. Dabei war es mit Justin Fashanu ausgerechnet ein Profi der Premier League, der sich als Erster 1990 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Acht Jahre später erhängte sich Fashanu in einer Londoner Garage. "Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein ist hart", schrieb er in seinem Abschiedsbrief. "Wenn sich heute einer outen würde, hätte er nicht das schönste Leben", umschreibt Nationalspieler Robert Huth vom FC Middlesbrough die unverändert homophobe Atmosphäre: "Derjenige könnte nicht mehr unbeschwert ins Stadion einlaufen. Auch die Gegenspieler würden ihn deshalb provozieren."

DPA

Schwulen-Ikone Gilardino: Keine Berührungsängste

In der italienischen Serie A gilt Homosexualität ebenfalls als unerhörtes Tabu. Was nicht heißt, dass sie nicht vorhanden ist. Immer wieder kursieren Gerüchte über die angebliche Homosexualität von Fußballstars. Nehmen die Gerüchte überhand, handeln die Clubs. Dann schlägt die Stunde ambitionierter Topmodels und Showgirls. Die Stars lassen sich mit den Starlets ablichten, es werden Hochzeiten arrangiert, bei denen auch Kinder in der Gage enthalten sind. Es sollen sich sogar einige Modelagenturen auf dieses Marktsegment spezialisiert haben.

"Wir wissen, dass einige Stars des italienischen Fußballs schwul sind und gezwungen werden, dies zu verstecken", sagt Arcigay-Präsident Franco Grillini, "Spieler werden von ihren Clubs sogar gezwungen zu heiraten. Die Spieler haben Angst, dass ihre Karriere ein jähes Ende nehmen könnte." Auch Sandro Mazzola, in den sechziger und siebziger Jahren Nationalspieler von Inter Mailand, weiß um die Existenz homosexueller Spieler: "Sicher habe ich schwule Profis kennen gelernt. Einer ist zudem ein berühmter Trainer geworden. Es war bekannt, dass er schwul war, und es hat keinen gestört."

Und ausgerechnet der härteste und humorloseste italienische Terrier, Nationalspieler Gennaro Gattuso, pflichtet Mazzola bei: "Es gibt zwei oder drei Schwule auf 5000 Spieler. Aber das liegt nicht daran, dass der Fußball so männlich ist. Ich kenne Schwule, die auf dem Platz einen unglaublichen Einsatz bringen." Der frühere brasilianische Nationalspieler Marcos Vampeta, der einst ein kurzes Intermezzo bei Inter Mailand gab und heute beim brasilianischen Erstligisten Goiás EC spielt, outete sich kürzlich ebenso wie sein Landsmann Túlio Maravilha, mit über 500 Toren einer der besten Stürmer der brasilianischen Liga.

Vampeta war oft in den einschlägigen Szenelokalen im Mailänder San-Siro-Viertel unterwegs. Gerade im Viertel um das Meazza-Stadion, wo ein Großteil der Mailänder Spieler residiert, ist die Schwulenszene aktiv. Einige Profis lösen die Gerüchte durch ihr eigenes Zutun zudem erst aus: Mark Iuliano, früherer Abwehrspieler von Juventus Turin, ließ für ein Schwulenmagazin die Hüllen fallen. Matteo Sereni, Torhüter des Zweitligisten FBC Treviso, machte es ihm nach. Und Weltmeister Alberto Gilardino vom AC Mailand, von der italienischen Schwulenvereinigung zum Sexsymbol gekürt, freute sich sehr über diese Auszeichnung, verbunden mit der Aussage, dass er sich gerne für Kampagnen gegen die Diskriminierung von Randgruppen einsetzen wolle: "Jeder sollte so sein können, wie er möchte, ohne dafür ausgeschlossen zu werden", so Gilardino.


SPIEGEL ONLINE - 13. Dezember 2006, 17:44
URL: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,453793,00.html

SCHWULE FUSSBALLER

Geschäfte mit der Angst vorm Outing

Von Oliver Lück und Rainer Schäfer

Schwule Fußballer müssen sich verstellen. Ein Outing würde das Karriereende bedeuten. Denn: "Homophobie und Sexismus gehören zum Fußball wie die Abseitsregel", urteilt eine Expertin. Für sein Schweigen über homosexuelle Spieler erwartet mancher eine Gegenleistung.

Der Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling, die über "Homosexualität im Sport" habilitiert, ist gerade in den vergangenen beiden Jahren eine paradoxe Entwicklung aufgefallen: Homosexualität von Fußballern sei zu einem der beliebtesten Medienthemen geworden, die tägliche Homophobie dadurch aber nicht abgebaut worden. "Eine verstärkte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit lässt erst einmal auf einen positiven Effekt hoffen. Erst wenn über etwas geredet wird, kann man auch Veränderungen erwarten."<!-- Vignette StoryServer 5.0 Thu Dec 14 13:30:11 2006 -->

Dass gerade die Boulevardmedien auf das Outing eines Profis gieren, sieht Eggeling kritisch. "Das voyeuristische Interesse ist riesengroß. Die werden dem Ersten, der sich outet, wochenlang hinterhersteigen. Der Preis für ein Coming-out wäre vermutlich zu hoch, ich würde es keinem Spieler empfehlen." Andererseits kennt Eggeling die inneren Kämpfe und Konflikte vieler Sportler. "Etwas zu tun, wo man sehr gut und talentiert ist, bei dem man aber immer einen zentralen Teil seiner Persönlichkeit verheimlichen muss, erzeugt einen enormen Leidensdruck."

Und die Gerüchteküche kocht auf Hochtemperatur, jede Schwulen-Community ernennt ihre Ikonen, unabhängig von deren sexueller Ausrichtung. Mancher langjährige und ausgewiesen heterosexuelle Bundesligaspieler fällt aus allen Wolken, wenn er erfährt, dass er in den schwul-lesbischen Fanclubs, unter Journalisten und sogar im Kollegenkreis als hundertprozentig schwul gilt. "Wenn mein Name in diesem Zusammenhang auch nur angedeutet wird, werde ich alle rechtlichen Mittel ausschöpfen", lässt einer der als schwul gehandelten Spieler ausrichten.

DPA

Fußballspieler im Stadion: Homosexualität muss man immer verstecken - und darf niemals offen drüber reden

Das Klima der Spekulation hat längst denunziatorische Züge angenommen: Dem Berliner Journalisten und Buchautoren Axel Schock wurde von einem großen Boulevardblatt gleich zweimal eine beachtliche Summe in Aussicht gestellt, wenn er einen ihm bekannten homosexuellen Profi zwangsouten würde. "Der Name war denen auch bekannt", schildert Schock, "die wollten sich nur nicht die Finger schmutzig machen, da dies das sichere Karriereende des Spielers gewesen wäre. Ich bin überzeugt, dass Profis auf dieser Grundlage auch dazu aufgefordert werden, mit dem Medium gut zusammenzuarbeiten."

Was ein homosexueller Spieler RUND bestätigt: "Es gibt Journalisten, die wissen, dass ich schwul bin, behalten es aber für sich. Erwarten aber im Gegenzug auch, dass es dafür die eine oder andere Information gibt - regelmäßig." Eine vertrackte Situation, in der auf die Hilfe von Mitspielern, der Clubführung oder vom Verband nicht zu hoffen ist. Immerhin hat die ehemalige Bundesligaspielerin Tanja Walther auf der Anti-Rassismus-Konferenz der Uefa im Februar dieses Jahres in Barcelona einen Workshop zum Thema Homophobie geleitet, was vor ein paar Jahren noch undenkbar war.

"Homophobie und Sexismus gehören nach wie vor zum Fußball wie die Abseitsregel", lautet eine ihrer Erkenntnisse. Immerhin ist die Uefa der einzige Verband, der erkannt hat, dass es zur Kundenbindungsstrategie gehört, den Schwulenhass in den Stadien zu thematisieren und perspektivisch zu unterbinden. Auch Homosexuelle haben den Fußball entdeckt und gelten als potenzielle Klientel, die die Stadien füllen könnte Der Weltverband Fifa geht derweil immer noch andere Wege: So wurde ausdrücklich untersagt, dass sich Männer auf dem Platz küssen.

"Die Begründung der Fifa ist absurd", poltert Franco Grillini, Abgeordneter des italienischen Parlaments für das linke Ulivo-Bündnis und Präsident der nationalen Schwulenvereinigung Arcigay. "Man wolle damit verhindern, dass Geschlechtskrankheiten übertragen werden. Jeder weiß aber, dass man die nicht vom Küssen bekommt." Der Weltverband schüre auf diese Weise die Angst vor Schwulen, so Grillini. "Fußball ist nun einmal der große Triumph des Männlichkeitskults, der höchste Ausdruck des Machogehabes."

Auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) stehen Maßnahmen gegen Homophobie nicht auf der Prioritätenliste. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der beim Thema Rassismus inzwischen kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, möchte sich allgemein zur Diskriminierung von Randgruppen im deutschen Fußball nicht äußern. Der DFB und die DFL bilden zwar eine Task Force im Kampf gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die schwulenfeindlichen Auswüchse werden aber ignoriert. Sechs Jahre hat es gedauert, bis der DFB den 1994 vom Bündnis aktiver Fußballfans (Baff) vorgeschlagenen Anti-Rassismus-Paragraphen umsetzte, auf den 2002 empfohlenen Homophobiekatalog ist man in Frankfurt noch nicht eingegangen.

"Beim Thema Rassismus kann der DFB es sich nicht mehr leisten zu schweigen, auch aus Imagegründen", sagte Gerd Dembowski, Fanaktivist und Fußballautor, "Homophobie aber kann man noch verdrängen. In der Hierarchie der Diskriminierungen steht sie ganz weit hinten, hinter Rassismus, Frauen und Behinderten." Dabei ist die Situation in deutschen Stadien alarmierend, wie Baff-Sprecher Martin Endemann aus wöchentlichem Anschauungsunterricht weiß: "Bei Homophobie ist gar kein Bewusstsein da. Sehr viele Choreografien beschäftigen sich damit, dass der Gegner schwul ist. Ganze Kurven verbreiten homophobe Inhalte, wären es rassistische Inhalte, gäbe es einen Riesenaufruhr. Nähme der DFB Homophobie in seinen Strafenkatalog auf, müsste er fast jedes Bundesligastadion dichtmachen und jedes zweite Spiel abbrechen."


SPIEGEL ONLINE - 12. Dezember 2006, 12:15
URL: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,453765,00.html

SCHWULE FUSSBALLER

"Ein Outing wäre mein Tod"

Von Oliver Lück und Rainer Schäfer

Sie müssen sich verleugnen - vor dem Trainer, der Mannschaft, dem eigenen Umfeld. Im Fußball sind Schwule bis heute das größte Tabu. Von Toleranz keine Spur: Dem Magazin RUND offenbaren sich einige Spieler. "Natürlich fühle ich mich beschissen. Auch meine Frau weiß nichts davon."

Enver (Name geändert; die Red.) hat aufgegeben. Der homosexuelle Fußballprofi, der RUND vor zwei Jahren von seinem verdeckten und angsterfüllten Leben in Deutschland erzählt hatte, spielt nicht mehr in der Bundesliga. Viel zu selten hatte Enver seine enormen fußballerischen Fähigkeiten zeigen können, ständig gehetzt und hin- und hergerissen, seine Homosexualität ausleben, aber auch seinem Club keine Schande machen zu wollen. Deprimiert hat er das Land verlassen, das ihm zwar Wohlstand ermöglichte, ihm aber nie das Gefühl verlieh, so leben zu können, wie er wollte: als Mann, der Männer liebt. Denn das ist noch immer das größtmögliche Tabu im schwulenfeindlichen Fußball, in dem es eher möglich erscheint, dass Männer und Frauen gemeinsam in einem Team antreten, als dass ein bekennender Schwuler in einer professionellen Mannschaft akzeptiert wird.<!-- Vignette StoryServer 5.0 Thu Dec 14 13:30:11 2006 -->

Schicksale wie Envers sind im deutschen Fußball keine Ausnahme, obwohl es in der offiziellen Lebens- und Denkweise keine Schwulen im harten Männersport geben darf. Oder geben kann - eine beliebte Theorie besagt, dass schwule Fußballer von sich aus aufgeben, weil sie sich nicht zurechtfinden in einer Welt, in der "warme Brüder" nicht existieren können. Ein Irrtum, bei manchen ist die Liebe zum Fußball noch größer als die Unsicherheit, wie sie mit ihrer verpönten sexuellen Orientierung zurechtkommen könnten.

RUND sind namentlich drei homosexuelle Spieler aus der Ersten und Zweiten Bundesliga bekannt. Doch Namen können und sollen hier nicht genannt werden. Solange im Fußball derart hasserfüllt und verachtend über seine "Schwuchteln" geredet wird, ist die Gefahr zu groß, wenn jemand gegen seinen Willen öffentlich geoutet wird. Daher verhalten sie sich so unauffällig, wie es die Verbände, meisten Clubs und Fußballer wünschen: als quasi nicht existent. Von einem Sportpsychologen, der ebenfalls ungenannt bleibt, werden seit Jahren homosexuelle Fußballprofis beraten. Hierzu gehören auch Spieler, die zweifelsohne zu den besten in Deutschland zählen.

"Ich weiß aus meiner Beratungsarbeit, dass diese Spieler für sich nur die Wahl sehen, ein Versteckspiel zu führen und ihre Homosexualität zu vertuschen, vor dem Trainer, der Mannschaft und dem eigenen Management. Das stellt eine erhebliche psychosoziale Belastung dar. Das kann der Anlass sein, weshalb jemand zu mir kommt", verdeutlicht der Psychologe. Dabei musste in 43 Jahren Bundesliga keiner der heterosexuellen Kollegen mit dem Arsch zur Wand duschen, aus Angst, dass er ungewollt penetriert wird, wie eines der beliebtesten Klischees besagt.

REUTERS

Jubelnde Fußballer: Alltag in den Stadien

"Da werden alle Ängste vor Schwulen mobilisiert, die man sich vorstellen kann - und die verbieten es, sich dem Thema zu stellen", sagt die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling, die über "Homosexualität im Sport" habilitiert. Das Bild des sexuell gierenden Schwulen, immer bereit, einen der Kollegen in den weiträumigen Funktionsräumen der Stadien zu vernaschen, ist eine bittere Parodie auf die wirklichen Lebensumstände. Während ein Coming-out in anderen Gesellschaftskreisen längst nebensächlich zur Kenntnis genommen wird und schwule Politiker oder Fernsehstars mit ihren Lebenspartnern ganz selbstverständlich auf Empfängen erscheinen, leben schwule Fußballer im Geheimen.

"Natürlich fühle ich mich beschissen. Auch meine Frau weiß nichts davon", versucht ein verzweifelter Zweitligaprofi seine absurden Lebensverhältnisse zu beschreiben. Offiziell ist er verheiratet, lebt aber schon seit seiner Jugend in einer festen Beziehung mit einem Schulfreund zusammen. "Aber was soll ich machen? Ein Outing wäre mein Tod." Der Erstligaprofi, der ebenfalls eine langjährige homosexuelle Partnerschaft führt, ist es leid, dass ihn eine eingeweihte Freundin zu den Mannschaftsabenden und Weihnachtsfeiern begleitet, um so den Eindruck zu erwecken, "normal" zu sein. "Die Notlügen und die Heimlichtuerei sind unglaublich belastend."

Scheinehen, zu denen auch Kinder gehören können, dienen dazu, das Leitbild des potenten und heterosexuellen Fußballprofis aufrecht zu erhalten. Dass ein Spieler unter diesen Bedingungen selten seine bestmögliche Leistung erbringen kann, liege auf der Hand, weiß der Sportpsychologe. "Es ist eine kontinuierliche Problemlage, es geht nur darum, unter diesen Lebensumständen halbwegs zurechtzukommen. Es sind auch keine Einzelfälle, es sind ungefähr so viele Spieler wie es statistisch von der Gesamtbevölkerung her naheliegt." Der Anteil homosexueller Menschen dürfte bei über zehn Prozent liegen.

Verängstigt und anonym bewegen sich schwule Profis häufig in Kontaktbörsen und Gay-Chats durchs Internet, wo Penislängen, Rollenwünsche beim Sex und Fetischvorlieben gleich im Dutzend feilgeboten werden. Diese virtuellen Discounter der sexuellen Wünsche und Sonderwünsche seien zwar "kein wirklich gemütlicher Ort", wie ein schwuler Bundesligaspieler verrät, "für mich aber die einzige Möglichkeit, andere Männer anonym kennen zu lernen und vielleicht auch treffen zu können". Dabei versuche er, seinen Chatpartner vorher möglichst "auszufragen", etwa ob sich dieser für Fußball interessiere und ihn womöglich erkennen könnte. Ein Restrisiko bleibt jedoch immer: "Jeden Moment setze ich meine Karriere aufs Spiel."

 

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