Das Microsoft-Debakel:

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eröffnet am: 18.12.00 08:54 von: DarkKnight Anzahl Beiträge: 1
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18.12.00 08:54

33586 Postings, 7325 Tage DarkKnightDas Microsoft-Debakel:

Nun hat es also auch Microsoft erwischt. Wie fast alle anderen Blue Chips der Technologiebranche haben nun auch Bill Gates & Co. erkannt, dass man bezüglich der Marktentwicklung von allzu optimistischen Prämissen ausgegangen war. Wall Street reagierte geschockt und stufte praktisch den gesamten Technologiesektor zurück.
Es wiegt schwer, dass ein Unternehmen betroffen ist, das sich seit zehn Jahren keinen vergleichbaren Schnitzer geleistet hat. Zudem weist Microsoft aufgrund seines Quasi-Monopols bei Betriebssystemen und seiner für einen Softwarekonzern recht hohen Diversifizierung eine ungewöhnliche Ergebnisstabilität auf. Der bei sehr vielen Unternehmen berechtigte Vorwurf, trotz der Warnungen vor der Abschwächung allzu blauäugig an die Planung herangegangen zu sein, ist bei Microsoft sicherlich unbegründet. Wenn jetzt schon Microsoft betroffen ist, was steht dann anderen Unternehmen noch bevor? Und wer kann garantieren, dass es Microsoft in den nächsten Quartalen nicht noch schlimmer erwischt?
Die Erläuterungen des Finanzchefs John Connors stimmen nicht gerade zuversichtlich. Dass das PC-Absatz bei Konsumenten darniederliegt, ist längst bekannt. Nun aber deutet sich an, dass auch die Bestellungen von Firmenkunden längst nicht den Erwartungen entsprechen. Auf gesamtwirtschaftliche Ebene übertragen, lässt dies möglicherweise den Schluss zu, dass sich die Investitionen amerikanischer Unternehmen in neue Technologien deutlich stärker abschwächen als bislang vorausgesagt. Das hätte weitreichende Folgen, nicht nur für die Ertragslage im Technologiesektor. Denn es waren die IT-Investitionen, die mit ihrer stark produktivitätsfördernden Wirkung den Grundstein für den Aufschwung und den Börsenboom der neunziger Jahre gelegt hatten. Ist die Microsoft-Gewinnwarnung somit ein Menetekel dafür, dass die Konjunkturflaute stärker ausfällt als erwartet und dass sich die Chancen einer "sanften Landung" der amerikanischen Volkswirtschaft verschlechtert haben?
Noch ist es zu früh, um klare Aussagen treffen zu können. Die makroökonomischen Indikatoren geben derzeit keinerlei Hinweise auf eine Rezession. Bis jetzt hat lediglich das Wachstumstempo nachgelassen. Allerdings lässt die beispiellose Welle von Gewinnwarnungen und die sich darin manifestierende massive Gewinnerosion wenig Positives erwarten. Eine wichtige Rolle spielt jedenfalls die Reaktion des Aktienmarktes. Wenn sich der "Reichtumseffekt" umkehrt und Amerikas Verbraucher unter dem Eindruck der Kursverluste ihrer Wertpapierportfolios den Gürtel enger schnallen, dann verstärkt dies die Rezessionsgefahr erheblich.
Wie die Reaktion des Aktienmarktes beweist, hat sich die Tauwetterphase, die durch den Kurswechsel der Fed und den Wahlsieg von George Bush aufgekommen war, wieder verflüchtigt. Dies heißt nichts anderes, als dass weitere Gewinnwarnungen für neue Kursverluste sorgen dürften. Die kritische Marke beim Nasdaq Composite von 2500 Punkten dürfte somit einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Amerika braucht dringend gute Nachrichten aus dem Unternehmenssektor, die den Anlegern Zuversicht geben. Es fehlt an Unternehmerpersönlichkeiten wie dem Oracle-Chef Larry Ellison.

 

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