Das Haus des Manitou

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«Villa Shatterhand»: Wallfahrtsort für Karl-May-Fans


- Für Karl-May-Fans ist es fast ein Wallfahrtsort. In der Radebeuler «Villa Shatterhand» residierte ihr Idol, der Schriftsteller und Weltenbummler Karl May (1842-1912). Doch erst mit dem späten Segen der SED wurde in dem Haus ein Museum eingerichtet.

Am 9. Februar 1985 öffneten sich die Türen zu dem Heiligtum dank eines Sinneswandels in der sozialistischen Kulturpolitik. Der verfemte Autor war wieder en vogue. Offiziell durften seine Romane gelesen und Abenteuer mit Old Shatterhand, Winnetou und Kara Ben Nemsi erlebt werden. Die Buchhandlungen wurden überrannt, als 1982 in der DDR die ersten May-Romane verkauft wurden.

«Bis dahin wurde das Andenken an den im sächsischen Hohenstein- Ernsthal geborenen Auflagenmillionär nur in einer kleinen Ecke des Museums wach gehalten», sagt Museumsdirektor René Wagner. Die wenige Jahre nach Mays Tod (1912) auf dem Gelände seines Grundstücks eröffnete «Villa Bärenfett» widmete sich vor allem der Geschichte der Indianer Nordamerikas.

Nur Fotos und Augenzeugenberichte vermittelten damals einen Eindruck, in welchem Ambiente May mit seiner Frau lebte. Der Meister der Illusion, der über fremde Länder und exotische Völker schrieb, ohne zunächst jemals dort gewesen zu sein, umgab sich mit Bärenfellen, einem ausgestopften Löwen, allerlei arabischem Zierrat und edlen Möbeln. Und natürlich mit den Waffen, die jeder kennt: Winnetous Silberbüchse sowie Old Shatterhands Henrystutzen und Bärentöter.

Das Arbeitszimmer ist heute so eingerichtet wie in den letzten Lebensjahren des Autors. «Er war aber nicht mehr der Mann, der einst die Legende des Old Shatterhand pflegte», sagt Wagner. Er hatte sich zum «pazifistischen Schriftsteller» gewandelt und alle kriegerischen Souvenirs aus dem Raum verbannt.

«Die Bibliothek ist die Quelle für Forscher, die sein Leben, das er mit vielen fantastischen Legenden verwob, entschlüsseln wollen», sagt Wagner. Rund 3000 Bücher stehen in den Regalen: alle gängigen Nachschlagewerke von damals, Bücher über Fremdsprachen, Pferde, Religionen und Kunst sowie Reiseberichte. «Daraus schöpfte er Anregungen für das Leben seiner Helden», sagt der Direktor.

Die meisten Ausstellungsstücke in der Villa - zu DDR-Zeiten als Kinderhort genutzt - kamen erst 1994 wieder zurück nach Radebeul. Sie waren zu DDR-Zeiten von SED-Funktionären für Westmark versilbert worden. Für 52 000 Mark gingen die Kostbarkeiten nach Bamberg, wo nach der Teilung Deutschlands ein Karl-May-Museum entstanden war. Für 3,5 Millionen Mark (1,8 Millionen Euro) kaufte die Stiftung einen Teil der Ausstellungsstücke nach der Wende zurück.

Als die «Villa Shatterhand» dann vor 20 Jahren öffnete, war der Andrang enorm. Im ersten Jahr wurden über 350 000 Besucher gezählt. «Ein nie mehr erreichter Rekord», sagt Wagner. Jetzt sind es im Jahr nur noch etwa 70 000. Harry Potter ist eben populärer als Old Shatterhand.

www.karl-may-museum.de
 

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