Das Ende der Internet-Sippenhaft

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eröffnet am: 06.02.05 13:22 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6095 Tage bammieDas Ende der Internet-Sippenhaft

Die Aktienkurse von Google, Ebay und Amazon driften auseinander

von Thomas Heuzeroth

Die Sippenhaft in den USA ist abgeschafft. Vorbei die Zeit, in der die Internet-Aktien nur eine Richtung kannten: gemeinsam nach oben. Obwohl viele Anleger mit ihren Internet-Papieren in den vergangenen Monaten äußerst glücklich waren, gibt es auch häßliche Einbrüche. Nachdem die Online-Plattform Ebay von fast 120 Dollar Anfang des Jahres auf derzeit unter 80 Dollar abgerutscht ist, verlor auch das Papier des Online-Händlers Amazon in dieser Woche nach Bekanntgabe der Quartalszahlen zeitweise mehr als 17 Prozent.

Die beiden Unternehmen zeigen das Rückschlagpotential der Branche. Analysten sehen allerdings keine Gefahr einer Überhitzung. "Wir sind noch nicht im kritischen Bereich", sagt Volker Kuhnwaldt, Fondsmanager bei Nordinvest. "Das Verhältnis des Kurses zum Gewinn ist historisch noch längst nicht am oberen Ende." Die derzeitige Situation sei kaum vergleichbar mit der Internet-Blase vor einigen Jahren. Die aktuelle Enttäuschung bei Amazon liege vor allem an den zurückgehenden Margen.

Marktbeobachter kritisieren bei dem Online-Händler besonders die hohen Preisnachlässe. Auf diese Weise hat Amazon seine Erlöse steigern können - zu Lasten der Rendite. Trotzdem konnte Amazon seinen Gewinn auch im Schlußquartal 2004 erneut heben. Doch die Analysten hatten mehr erwartet. Mit einem neuen Angebot kommen außerdem Kosten auf den Online-Händler zu, die Amazon selbst noch nicht richtig abschätzen kann. Ab sofort bietet das Unternehmen seinen Kunden in den USA für 79 Dollar im Jahr den unbegrenzten Express-Versand an. Fondsmanager Kuhnwaldt schätzt die Zukunft von Amazon etwas konservativer und beständiger ein.

Die Bruchlandung von Ebay ist vor allem dem verhaltenen Ausblick auf das laufende Jahr geschuldet. Doch auch das Weihnachtsgeschäft in den USA und Deutschland war mager ausgefallen. Die Wachstumsmaschine Ebay konnte die Erwartungen kaum erfüllen. Seit 2003 hatte sich der Kurs verdreifacht.

Mehr Freude haben die Anleger derzeit mit dem Suchmaschinenbetreiber Google. Nach den glänzenden Geschäftszahlen vom Dienstag legte die Aktie um mehr als zehn Prozent zu. Google war an der Börse damit mehr wert als General Motors und Ford zusammen. Der Quartalsumsatz lag erstmalig über einer Milliarde Dollar.

Google ist immer wieder für sein enges Geschäftsmodell kritisiert worden. Das Unternehmen lebt allein vom Suchmaschinengeschäft. 98 Prozent seiner Umsätze kommen aus Anzeigenerlösen. Künftig könnte es für Google enger werden. Microsoft hat mehrere hundert Millionen Dollar in die Entwicklung einer eigenen Internet-Suchmaschine investiert, die nun freigeschaltet wurde.

Die nächste Hürde für das Google-Papier ist die auslaufende Haltefrist Mitte Februar. Dann dürften die Mitarbeiter der Suchmaschine 1,77 Millionen Aktien verkaufen. Wenn viele davon Gebrauch machen, sinkt der Kurs.

"Das ist sicherlich eine latente Gefahr bei Google", sagt Marcus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim. Überhaupt sieht Sander die Internet-Papiere in den USA als extrem volatil an. Deutschland stehe dazu im Gegensatz. "Hierzulande sind die Anleger reservierter und bodenständiger."

Bei den deutschen Internet-Werten stehen die Internet-Service-Provider (ISP) im Vordergrund. Tatsächlich sind dies andere Geschäftsmodelle. Sie versorgen ihre Kunden mit Dienstleitungen rund um das Betreiben von Websites sowie mit Breitband-Internetzugängen. "Diese Kunden sind loyal, die Wechselrate ist niedrig", sagt Sander. Daher seien diese Papiere auch weniger konjunkturanfällig.

Zu den bevorzugten Papieren gehört United Internet mit seinen Marken 1&1 und GMX. Sal. Oppenheim sieht das Unternehmen "völlig unterbewertet". Freenet hingegen habe als Telefonanbieter wegen des Rückgangs im Schmalbandbereich nur sehr geringe Wachstumsaussichten. Beim Telefonieren über das Internet ist Sander eher skeptisch: "Da wird noch nicht viel Geld verdient."

wams.de  

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