Das Celler Loch

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neuester Beitrag: 23.08.06 14:03
eröffnet am: 23.08.06 13:29 von: Happy End Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 23.08.06 14:03 von: Rigomax Leser gesamt: 425
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23.08.06 13:29
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95440 Postings, 6990 Tage Happy EndDas Celler Loch

Als Celler Loch wurde ein Loch bekannt, das am 25. Juli 1978 in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle gesprengt wurde. Der Anschlag war von der niedersächsischen Landesbehörde für Verfassungsschutz fingiert worden. Unter dem Schlagwort Celler Loch wurde auch die sich daraus ergebende Affäre bundesweit bekannt.

Der Verfassungsschutz beabsichtigte, mit diesem Anschlag einen Informanten in die RAF einzuschleusen. Er sollte als ein Befreiungsversuch für Sigurd Debus erscheinen. Dieser saß als mutmaßlicher Terrorist der RAF im Celler Hochsicherheitsgefängnis (JVA) ein.

Als involviert und informiert gelten der niedersächsische Verfassungsschutz, die auf Anforderung beim Bundesgrenzschutz tätig gewordene GSG9, die Landesregierung sowie die Anstaltsleitung. Das Bundesinnenministerium - als vorgesetzte Behörde der GSG9 -, das Bundesamt für Verfassungsschutz, die Bundesregierung und die Landespolizei sollen vorab nicht informiert worden sein.

Vorbereitung und Durchführung

Der Verfassungsschutz präparierte einen gestohlenen Mercedes 350 SL mit Munition und gefälschten Pässen, darunter auch ein Pass mit dem Foto von Debus. Vordrucke und Dienstsiegel stammten aus Einbrüchen bei Behörden. Bei der Beschaffung des Autos hatte der Privatagent Werner Mauss mitgewirkt; Fahrer war ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Das Auto wurde im Januar bei einer Polizeikontrolle in Salzgitter sichergestellt, der Fahrer entzog sich dabei durch Flucht der Überprüfung.

Zur Durchführung des Anschlags hatte der Verfassungsschutz zwei Kriminelle angeworben, Klaus-Dieter Loudil und Manfred Berger. Loudil wurde später den Medien als Tatverdächtiger präsentiert. Am 25. Juli 1978 wurde die Bombe gezündet und hinterließ nur geringen Sachschaden. Zu einem Ausbruch kam es nicht.

Weiterer Verlauf

Der Verfassungsschutz hatte Ausbruchswerkzeug in Debus' Zelle schmuggeln lassen, das bei der dem Anschlag folgenden Durchsuchung gefunden wurde und die Tatbeteiligung von Debus beweisen sollte. Als weiterer ?Beweis? wurde das so genannte ?Dellwo-Papier? veröffentlicht, das von dem RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo verfasst worden war, der am Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm 1975 beteiligt war. In diesem Schreiben wird erklärt, dass ?durch Anschläge auf den äußeren Bereich von Vollzugsanstalten? eine ?Zusammenlegung einsitzender Terroristen zu Interaktionsgruppen? erreicht werden sollte.

Erwartungsgemäß konnten die Täter jedoch nicht gefasst werden. Verschiedene Personen wurden von den Medien als angebliche Täter ins Gespräch gebracht.

Die bewusst ungerechtfertigten Vorwürfe und damit einhergehenden Verschärfungen der Haftbedingungen führten zu einem Hungerstreik des Häftlings. Anträge auf Hafterleichterungen wurden mit Hinweis auf den Sprengstoffanschlag ausdrücklich abgelehnt. Sigurd Debus starb am 11. April 1981 kurz vor seiner anstehenden Haftentlassung.

Politische Folgen

1986 wurde bekannt, dass nicht die linksradikale Terroristenszene für den Anschlag verantwortlich war, sondern der Verfassungsschutz und die GSG9, um einen V-Mann in die RAF einzuschleusen. Die von den Medien als Täter vorgestellten Personen waren denn auch V-Männer des Verfassungsschutzes.

Daraufhin musste sich die Regierung Ernst Albrecht (CDU) vor einem Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags verantworten. In diesem stellte die Regierung Albrecht die Aktion als mindestens achtbaren Erfolg dar (Zugang zu Terrorismus, Ausbruch vereitelt, Waffen gefunden), gleichwohl diese Behauptungen widerlegt werden konnten.

In diesem und im Zusammenhang mit der Spielbankaffäre trat der Innenminister Wilfried Hasselmann zurück. Damaliger Justizminister war Hans-Dieter Schwind (CDU).  

23.08.06 13:37

4969 Postings, 7258 Tage chreilWas lernen wir daraus?

Terror kann

1) hausgemacht sein,
2) zu manipulativen Zwecken eingesetzt werden, und
3) der Terrorbekämpfung dienen.  

23.08.06 14:03
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8008 Postings, 6194 Tage RigomaxDas war ein dilettantischer Versuch,

einen V-Mann in die RAF einzuschleusen. Er war weder darauf angelegt noch dazu geeignet, Menschen zu schaden kommen zu lassen. Ein Terrorakt war es nicht:

"Am 25. Juli 1978 wurde die Bombe gezündet und hinterließ nur geringen Sachschaden."

An einem Gebäude, das dem Staat gehörte und bei dem das Bömbchen von Staatsbediensteten plaziert wurde.
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Nichtsdestoweniger: Es gab natürlich Fälle, in denen Verbrechen getürkt wurden, um bestimmte gewünschte Reaktionen hervorzurufen. In diese Kategorie gehört auch das Celler Loch. Daraus, daß es sowas gibt, sollte man aber nicht gleich den Schluß ziehen, überall Verschwörungen zu sehen.

Im übrigen: Gut daß der Bau nur wenig  beschädigt wurde. Er ist nämlich sehr hübsch anzusehen (von außen). Das liegt daran, daß man damals eigentlich eine Universität in Celle bauen wollte. Dagegen wehrte sich die Bürgerschaft, die die Moral ihrer Töchter durch das ausschweifende Leben der Studenten in Gefahr sah. So erhielt Celle dann ein Gefängnis und die Moral war gerettet.  

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