DIW rutscht in Liquiditätskrise

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eröffnet am: 11.07.04 19:45 von: BeMi Anzahl Beiträge: 6
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11.07.04 19:45
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10041 Postings, 6797 Tage BeMiDIW rutscht in Liquiditätskrise

Aus der FTD vom 12.7.2004  
DIW rutscht in Liquiditätskrise
Von Sebastian Dullien, Berlin

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin steckt in einer angespannten Liquiditätslage. Das hat die Institutsleitung nach FTD-Informationen auf einer Betriebsversammlung eingeräumt.

Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, Kreditlinien würden in besonderem Maße in Anspruch genommen und Rechnungen erst bei der zweiten Mahnung bezahlt. Wenige Wochen nach dem Rauswurf des Konjunkturchefs des Instituts, Gustav Horn, gerät DIW-Präsident Klaus Zimmermann damit weiter unter Druck. Im Juni hatte das Kuratorium auf Zimmermanns Empfehlung beschlossen, Horns Vertrag nicht zu verlängern. In der Öffentlichkeit war der Vorgang überwiegend als politisch motiviert wahrgenommen worden, weil sich Horn - anders als Zimmermann - wiederholt kritisch zur Agenda 2010 geäußert hatte.

Umstritten ist, inwieweit sich hinter der schwierigen Liquiditätslage auch langfristige Finanzprobleme des Instituts verbergen. Gegenüber der FTD sagte Geschäftsführerin Susanne Maria Schmidt, das Institut habe schon in früheren Jahren zeitweise eine schwierige Liquiditätslage gehabt, die sich aus den geltenden Vorschriften ergebe. Weil es den von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Instituten nicht erlaubt sei, Rücklagen zu bilden, sei eine angespannte Liquiditätslage ein regelmäßig auftretendes Problem.

Buchhaltung des Instituts erschwert Beurteilung

Das DIW finanziert etwa 40 Prozent des jährlichen Budgets von rund 19 Mio. Euro über Auftragsgutachten und andere projektgebundene Forschungsmittel. Die übrigen 11,4 Mio. Euro werden vom Land Berlin und dem Bund getragen. Laut Schmidt zahlen einige der Auftraggeber erst mit enormer Verzögerung.

Ob die Liquiditätslage derzeit angespannter als im Schnitt der vergangenen Jahre sei, sei kaum festzustellen. Die bis Ende 2003 benutzte kameralistische Buchhaltung des Instituts erschwere die Beurteilung, so Schmidt. Die Lage stelle sich aber "grundsätzlich so dar, wie immer zu diesem Zeitpunkt des Jahres", sagte die Geschäftsführerin.

Unabhängig von diesen kurzfristigen Liquiditätsproblemen sei die Finanzlage des Instituts solide. In den vergangenen Jahren habe das Institut ausgeglichene Ergebnisse vorgelegt, für das erste Halbjahr 2004 habe die Gewinn-und-Verlust-Rechnung einen Überschuss ergeben.

DIW-Mitarbeiter besorgt über Finanzlage

Mitarbeiter äußerten dagegen die Befürchtung, die aktuellen Liquiditätsprobleme seien nur ein Indiz, dass das Institut auch langfristig in eine gefährliche finanzielle Schieflage gerate. Schuld ist in ihren Augen zum einen Zimmermanns Neuorganisation des Instituts, zum anderen die Vorgabe der Leibniz-Gemeinschaft, akademischer zu arbeiten.

Vor Zimmermanns Zeiten gab es im DIW kein Controlling, keinen Vizepräsidenten, keine Presseabteilung, kein eigenes Recruiting und keine kaufmännische Leitung. Einige Wissenschaftler am DIW monieren, die neuen Abteilungen seien nun überdimensioniert und würden damit die Gemeinkosten in die Höhe treiben. Ein Grund für die umfangreiche Verwaltungsstruktur sei, dass Präsident Zimmermann neben dem DIW auch das Bonner Institut für die Zukunft der Arbeit leite und deshalb mehr Verwaltungskräfte brauche.

Dies habe die Finanzlage am DIW verschärft. Nach auf der Betriebsversammlung genannten Zahlen kosten die "zentralen Dienste" des Instituts derzeit rund 6 Mio. Euro pro Jahr. Dazu gehört auch die Bibliothek.

Notwendige Veränderungen

Zudem belaste eine Vorgabe der Leibniz-Gemeinschaft die Ertragslage des DIW. Die für die Evaluierung der Institute zuständige Organisation hatte gefordert, mehr in akademischen Zeitschriften zu veröffentlichen. "In der Zeit, in der wir akademische Aufsätze schreiben, können wir nicht gleichzeitig an Geld bringenden Gutachten arbeiten", so ein Mitarbeiter.

Schmidt wies die Vorwürfe zurück. Die neuen Strukturen seien notwendige Veränderungen, um aus dem DIW Berlin ein langfristig konkurrenzfähiges "Wissenschaftsunternehmen" zu machen.

Zudem bringe die akademische Forschung Synergieeffekte: "Ein guter Forscher macht Verbundprodukte, die sowohl Drittmittel bringen als auch akademische Veröffentlichungen abwerfen." Gute Politikberatung ohne akademische Grundlagenforschung sei nicht möglich.


   http://www.ftd.de/pw/de/1089460189123.html
 
 

11.07.04 19:51

10131 Postings, 6601 Tage big lebowskyKarlchen I

Was ist bei Euch los?? habt Ihr die ganze Kohle beim letzten Betriebsausflug versoffen?? Oder mal an der Börse gezockt?? Mit den tollen Statistiken, die Ihr so habt, müsstet Ihr doch immer vorne sein.

Ihr--und pleite??-das macht doch keinen "Sinn".

Ciao B.L.  

11.07.04 20:28

10041 Postings, 6797 Tage BeMiSelbstzerfleischung am DIW

Aus der FTD vom 18.6.2004 www.ftd.de/dullien
Kolumne: Selbstzerfleischung am DIW
Von Sebastian Dullien

Der Rauswurf von Konjunkturchef Gustav Horn könnte sich für das Institut als fatal erweisen.

Die Zeiten sind hart für all jene, die mit den deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten sympathisieren: Erst schlingert das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ein gutes Jahr ohne reguläre Führung, dann wird die Schließung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) beschlossen. Nun hat das Krisenvirus auch das renommierte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin befallen.

Nach mehrmonatigem Gezerre hat die Leitung auf Betreiben des Präsidenten Klaus Zimmermann entschieden, den Vertrag des Konjunkturchefs Gustav Horn nicht zu verlängern. Im Kuratorium des Instituts hat Zimmermann mit mangelnder fachlicher Kompetenz Horns argumentiert. Institutskreise berichteten seit Jahren über wachsende persönliche und fachliche Differenzen der beiden. Horn gilt als einer der eloquentesten Vertreter des Keynesianismus in Deutschland, Zimmermann beschäftigt sich vor allem mit Arbeitsmarktinstitutionen.

Man könnte meinen, es gehöre zum normalen Betrieb eines Instituts, dass der Chef einen Abteilungsleiter entlässt, der ihm nicht passt. Tatsächlich aber könnte sich der Rauswurf Horns für Zimmermann als schwerer taktischer und strategischer Fehler erweisen.

Politische Motive

Dabei geht es weniger um die Frage, ob die Politikempfehlungen Horns oder Zimmermanns richtiger sind. Natürlich habe ich zu diesem Thema eine Meinung. Dem aufmerksamen Leser dieser Zeitung wird kaum entgangen sein, dass Teile der Redaktion oft mit Vorschlägen des DIW sympathisieren; ich selbst habe vor Jahren mit Gustav Horn zusammen ein kleines Buch veröffentlicht. Auch Zimmermann ist mir aus zahlreichen Gesprächen gut bekannt. Persönlich neige ich eher Horns als Zimmermanns Position zu.

Für die Frage, was die Affäre Horn für Zimmermann und das DIW bedeutet, spielen solche persönlichen Sympathien keine Rolle. Tatsache ist, dass auch jene, die Horns wissenschaftliche Richtung klar ablehnen, den Rauswurf als politisch motiviert wahrnehmen. Das "Handelsblatt", jeglichen keynesianischen Denkens unverdächtig, geißelt die Herausbildung einer "wissenschaftlichen Monokultur". Auch der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Wolfgang Wiegard, oftmals oberster Vertreter angebotsorientierter Lehre, äußert Unverständnis über den Schritt.

Egal, was wirklich hinter dem Rauswurf Horns steckt: In der Öffentlichkeit wird das Bild zurückbleiben, dass der Konjunkturchef von Zimmermann geschasst wurde, weil diesem die wissenschaftliche Ausrichtung nicht passte. Insidern und Journalisten ist gut in Erinnerung, wie Horn vor etwa einem Jahr von Zimmermann abgemahnt wurde, weil er sich trotz gegenteiliger Verabredung öffentlich gegen die Agenda 2010 ausgesprochen hatte. In einem Fernsehmagazin hatte Horn damals vorgerechnet, dass das Reformpaket mehrere Zehntausend Arbeitsplätze vernichten würde. Als wenige Tage später bei einer Pressekonferenz mit Horn und Zimmermann die Simulation angesprochen wurde, weigerten sich die beiden, die Berechnungen zu kommentieren.

Allein dieser Vorfall lässt das Argument methodischer Inkompetenz als Kündigungsgrund sehr nach einer Ausrede klingen. Zudem hatte Zimmermann Horn selbst vor fünf Jahren zum Konjunkturchef ernannt. Für ein wissenschaftliches Institut ist es fatal, wenn der Eindruck entsteht, die Leitung wollte eine lange vertretene und wissenschaftlich anerkannte Meinung durch das Beseitigen einzelner Mitarbeiter unterdrücken. Nicht umsonst werden das gewerkschaftsnahe WSI und das arbeitgebernahe IW von vielen Journalisten nicht als vollwertige Forschungsinstitute anerkannt und deshalb gar nicht mehr nach ihren Empfehlungen gefragt. Zimmermann droht nun der Ruf nachzuhängen, seine Mitarbeiter nicht im wissenschaftlichen Diskurs, sondern nur über Kündigungen überzeugen zu können.

Hervorragende Prognosen

In der Öffentlichkeit war bislang kaum der Eindruck entstanden, Horn sei inkompetent. Unter den Konjunkturchefs gehört er mit seinem Kieler Kollegen Joachim Scheide zu den profiliertesten. Auch das offenbar im Kuratorium vorgebrachte Argument, Horn habe nicht genug in international anerkannten Zeitschriften publiziert, wird kaum überzeugen. Immerhin hat die Konjunkturabteilung unter seiner Leitung in den vergangenen Jahren das deutsche Wirtschaftswachstum genauer prognostiziert als die anderen Institute. Seit 1999, als Horn die Abteilung übernahm, hat er - ähnlich wie die Konjunkturchefs der anderen Institute - relativ wenig international veröffentlicht, dafür sehr umfangreich in den eigenen Hauspublikationen. Ein Abteilungsleiter, der Personal führen muss, die Gemeinschaftsprognosen koordiniert und dazu beitragen muss, dass die hauseigenen Veröffentlichungen gefüllt werden, hat weniger Zeit für akademische Publikationen als ein Universitätsprofessor.

Zu guter Letzt könnte sich Horns Rauswurf auch langfristig als strategischer Fehler für das DIW erweisen, wenn tatsächlich ein neuer Kurs des Instituts dahinter steckt. Die Orientierung auf eine keynesianisch ausgerichtete Wirtschaftspolitik ist Markenzeichen des DIW. Sogar der Wissenschaftsrat hat dies bei früheren Bewertungen als Stärke anerkannt. Dass das Berliner Institut kaum in gleicher Qualität angebotsorientierte Empfehlungen abgeben wird wie das hierin seit Jahren geübte Kieler IfW, ist offensichtlich.

Wenn Volkswagen ankündigen würde, den Bau des wichtigsten Produkts Golf sofort einzustellen, um künftig nur noch teure VW-Sportwagen zu bauen, würden sich die Aktionäre sicher überlegen, ob sie den richtigen Manager an der Spitze ihres Konzerns haben. Es ist gut möglich, dass der Bund und das Land Berlin sich demnächst eine ähnlich Frage zur DIW-Spitze stellen müssen.

 http://www.ftd.de/pw/de/1087023483725.html
 
 

11.07.04 21:20

10041 Postings, 6797 Tage BeMiEntlassung am DIW löst internationale Proteste aus

Aus der FTD vom 18.6.2004  
Entlassung am DIW löst internationale Proteste aus
Von Mark Schieritz und Birgit Marschall, Berlin

Die Ablösung des Konjunkturchefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gustav Horn, ist bei führenden Wirtschaftsinstituten im In- und Ausland auf Kritik gestoßen. Insbesondere die offizielle Begründung, Horn habe nicht genug international publiziert, rief Widerspruch hervor.

Nach FTD-Informationen wird in der Euroframe-Gruppe führender europäischer Wirtschaftsforschungsinstitute, in der auch das DIW Mitglied ist, an einem gemeinsamen Protestpapier gearbeitet. Das französische Institut OFCE, das britische NIESR, das irische ESRI und das österreichische Wifo hätten Unterstützung signalisiert, hieß es. "Horn die wissenschaftliche Qualifikation abzusprechen, halten wir für nicht akzeptabel", so eine Stellungnahme der Wifo-Mitarbeiter.

Das DIW hatte zu Wochenbeginn auf Drängen seines Präsidenten Klaus Zimmermann beschlossen, den Vertrag Horns nicht zu verlängern. Zimmermann stützte sich bei der Entscheidung auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Instituts unter Federführung des Berliner Wirtschaftsprofessors Michael Burda.

Der Hauptvorwurf darin lautet, Horn habe in Fachzeitschriften zu wenig veröffentlicht. "Als Konjunkturchef müssen Sie die Politik beraten und zu aktuellen Probleme Stellung beziehen, da bleibt nicht die Zeit für umfangreiche theoretische Veröffentlichungen", so Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Ähnlich äußerten sich Vertreter der anderen deutschen Institute.

"Das ist ein starkes Stück"

"Dass ausgerechnet Burda Horn zu wenig Veröffentlichungen vorwirft, ist ein starkes Stück", so ein hochrangiger Vertreter. Burda selbst habe die Präsidentschaft am Kieler Institut für Weltwirtschaft mit der Begründung abgelehnt, der Posten lasse zu wenig Zeit für die Forschung. "Er weiß, dass man als Politikberater andere Schwerpunkte setzen muss als als Akademiker."

Horn sei einer der "führenden Konjunkturforscher Europas. Seine Qualifikation kommt in der Qualität seiner Analysen und der Treffsicherheit seiner Prognosen der Wirtschaftsentwicklung zum Ausdruck", so das Wifo.

Außerordentliche Versammlung am Montag

Nach FTD-Informationen gab es am Mittwoch eine Sitzung der DIW-Konjunkturabteilung mit Zimmermann, in der sich die Mitarbeiter mit Horn solidarisiert haben. Am Montag steht eine außerordentliche Betriebsversammlung an. Dort soll Zimmermann aufgefordert werden, die Hintergründe des Rauswurfs zu erklären. Die Mehrheit des Kollegiums vermutet, dass Burdas Papier ein Gefälligkeitsgutachten ist.

Ausschlaggebend für die Entlassung Horns seien demnach dessen persönliche, ideologische und institutspolitische Differenzen mit Zimmermann gewesen. Burda sei ein "zweitklassiger Ökonom", sagte einer. Horns Abteilung sei 2003 bei Evaluierung durch den wissenschaftlichen Beirat gut bewertet worden.

Financial Times Deutschland  

11.07.04 21:56

21799 Postings, 7728 Tage Karlchen_I@BigL: ???

Was habe ich damit zu tun? Mir gehts gut. Habe viel zu tun, macht auch Spaß und arbeite in einem Laden, in dem in der letzten Woche allen Mitarbeitern ne deftige Gehaltserhöhung und -nachzahlung angekündigt wurde.

Also - mich kannste nicht meinen.  

12.07.04 20:53

10041 Postings, 6797 Tage BeMiDIW tritt Spekulationen um Finanzkrise entgegen

von Anja Struve

Frankfurt/Main -  Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist den Spekulationen um eine mögliche Liquiditätskrise deutlich entgegen getreten. "Unsere Finanzen sind solide", sagte die Geschäftsführerin Susanne Maria Schmidt der WELT. Zwar sei die Liquiditätslage kurzfristig schwierig, dies sei aber ein regelmäßig auftretendes Problem, das keine Bedeutung für die Zukunft des Institutes habe.

Hintergrund für die regelmäßig knappen Kassen ist die Tatsache, dass das von Bund und Ländern gemeinsam geförderte Institut weder Rücklagen bilden noch Gewinne erwirtschaften darf und gleichzeitig viele Auftraggeber für Forschungsgutachten mitunter nur sehr verspätet zahlen. Das DIW erwirtschaftet nach Angaben Schmidts etwa 40 Prozent seines jährlichen Budgets von 18 bis 19 Mio. Euro über so genannte Auftragsgutachten, die zum Beispiel von der EU-Kommission oder Verbänden in Arbeit gegeben werden. "Solange sich an den geltenden Vorschriften nichts ändert, und wir keine Rücklagen bilden dürfen, wird dieses Problem immer wieder auftreten", sagte Schmidt.

Hingegen warfen einige Wissenschaftler am DIW dem Institutspräsidenten Klaus Zimmermann dem Vernehmen nach vor, er habe die Verwaltung in den vergangenen Jahren kräftig aufgebläht, was die Kosten in die Höhe getrieben habe. Zudem führe Zimmermanns Orientierung auf akademische Forschung zu Einnahmeausfällen, weil das Institut weniger bezahlte Gutachten erstellen könne.

Doch nicht nur säumige Auftraggeber und knifflige Bewirtschaftungsgrundsätze machen den Wirtschaftsforschungsinstituten in Deutschland derzeit zu schaffen. Vielmehr stecken die sechs führenden Forschungshäuser, die je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden, schon seit Monaten in einer schwierigen Umbruchsituation. Für Probleme sorgen dabei nicht nur die leeren öffentlichen Kassen oder die steigende Konkurrenz privater Beratungsfirmen. Auch das Selbstverständnis der Institute ist angekratzt, seit angesehene Wissenschaftler gleich reihenweise Führungspositionen an der Spitze der Forschungshäuser ablehnten.

So musste das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das immerhin als heimlicher Spitzenkandidat unter den sechs Instituten gilt, 2003 monatelang nach einem Nachfolger für den ausgeschiedenen Präsidenten Horst Siebert suchen, weil die angesprochenen Wunschkandidaten kein Interesse an einem Wechsel von der Universität an das Forschungsinstitut hatten.

Noch schlimmer traf es das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA). Das Institut läuft Gefahr, ab 2005 kein öffentliches Geld mehr zu bekommen, nachdem eine Bewertungskommission den Hamburger Forschern ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt hatte. Eine solche Prüfung steht ab Oktober auch dem DIW ins Haus. Entsprechend vorsichtig äußern sich die Berliner Forscher: "Wir gehen mit viel Demut in den Evaluierungsprozess", sagt DIW-Geschäftsführerin Schmidt.

Artikel erschienen am 13. Juli 2004
Quelle: www.welt.de
 

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