DAX steht auf Messers Schneide

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eröffnet am: 26.11.04 14:15 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 5865 Tage bammie DAX steht auf Messers Schneide

Die Amerikaner sitzen mit truthahn-gefüllten Bäuchen träge herum und warten aufs Wochenende. Währenddessen versuchen die Investoren in Deutschland, den DAX bei geringen Umsätzen wieder in die Nähe des Jahreshochs zu hieven. Mal schauen, ob es gelingt.


Die Nagelprobe für die heimischen Blue Chips kommt allerdings erst in der kommenden Woche. Dann sind die Festivitäten in Übersee verdaut und die Börsianer widmen sich wieder uneingeschränkt dem beruflichen Geschehen.

Bis dahin bleibt festzuhalten, dass sich der DAX erstaunlich gut angesichts einer Reihe von Belastungsfaktoren behauptet. Der Euro ist extrem stark, der Ölpreis lauert auf hohem Niveau und der Ifo-Geschäftsklimaindex verheißt mit seinem Rückgang auch nichts Gutes. Dennoch verteidigt der DAX standhaft einen Indexstand oberhalb von 4100 Punkten. Das ist bullisch zu werten.
 
Hinzu kommen saisonale Faktoren, denn die Zeit zwischen Oktober/November und zumindest bis März ist überwiegend geprägt von steigenden Kursen. Diese Erkenntnis ist zwar keine Garantie, denn keine Regel ohne Ausnahme, aber die Stimmung für Aktien ist zurzeit positiv - die Charttechnik spricht eine eindeutige Sprache.

Wenngleich der DAX negative Umstände ignoriert, ist dies keine Garantie für die nähere Zukunft, dass sich dieser Zustand nicht wieder ändert. Insbesondere ein rasant steigender Euro wäre eine Gefahr. Weniger für die exportlastige deutsche Wirtschaft - im Gegensatz zur landläufigen Meinung gehen nur etwa zehn Prozent der Exporte in den US-Raum -, sondern für das labile System der Weltwirtschaft. An einer raschen Abwertung des Greenback kann daher keinem gelegen sein, auch den Asiaten nicht, die massiv Dollar-Anleihen besitzen.

Sollte der Euro im Verhältnis zum Dollar auf 1,35 oder gar 1,40 schnellen und es dadurch eine ähnliche Übertreibung wie beim Rohöl geben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Europäische Zentralbank erstmals in ihrer Geschichte gegen den Euro zu intervenieren versucht, da sich die Angst vor einem Einbruch der Konjunktur verstärkt. Ob Eingriffe der EZB zum Erfolg führen, ist offen, denn der Trend ist sehr stark und die Aussage von Alan Greenspan steht im Raum, dass der Dollar wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits weiter abwerten muss.

Unkenrufe, dass der steigende Euro Gift für den DAX ist, sind dagegen historisch widerlegbar. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Von März 2003 bis zum Januar diesen Jahres ist der Euro zum Dollar um 15 Cents geklettert und gleichzeitig hat der DAX knapp 90 Prozent zugelegt. Oder die Älteren unter uns werden sich an den Zeitraum zwischen 1985 und 1992 erinnern, als die gute alte Mark zum Dollar massiv aufwertete - bei gleichzeitig steigendem DAX.

Zudem hat ein starker Euro auch positive Einflüsse wie beispielsweise bei den Benzinpreisen: Da das Rohöl in Dollar fakturiert wird, wird der Anstieg in Euro etwas abgemildert, was sich positiv an der Tankstelle auswirkt. Wie so oft hat auch diese Medaille zwei Seiten.

Ein Blick auf die Charttechnik zeigt eine seltene Diamant-Formation. Unser Analyst schreibt dazu: "Das nur äußerst selten auftretende Kursmuster gilt als sehr zuverlässig. Es entsteht, wenn die Schwankungsbreite der Kurse während einer Orientierungsphase (und damit die Nervosität der Marktteilnehmer) erst stark in beide Richtungen zunimmt, dann jedoch wieder schlagartig zurückgeht. Dieser Abschnitt repräsentiert die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, denn unmittelbar danach beginnt meist ein Trend in Richtung des Ausbruchs."

Anders formuliert befindet sich der DAX auf des Messers Schneide: Überwindet er die Hürden bei 4160 Punkten und das Jahreshoch, dann steht mangels Barrieren wieder die Marke von 4500 Zählern im Raum. Auf der Unterseite sollte sich der Index im Bereich zwischen 4000 und 4100 Punkten an einer der zahlreichen Auffanglager stabilisieren. Die 4040er-Marke könnte auch noch erreicht werden, weil dann ein Gap von Anfang des Monats wieder geschlossen würde.

Aber auch wenn der DAX ein wenig ausatmet und Kraft schöpft: Das bullische Szenario ist weiterhin intakt und so lange sich die Korrektur nicht unterhalb des Bereichs zwischen 3980/4000 abspielt, ist alles in Ordnung. Kritisch wird es erst, wenn die Marke bei 3920 Zählern fällt. Dann kann man nicht mehr von Kraft schöpfen sprechen, sondern von einem Schwächeanfall. Davon ist momentan allerdings nicht auszugehen.

Der November neigt sich dem Ende zu und damit auch die Berichtssaison für das dritte Quartal. Das merkt man an der Terminvorschau, denn es melden traditionsgemäß zum Ende eines Zeitraumes eher die Werte aus der dritten Reihe nach dem Motto: "Ich will ja nicht, aber jetzt muss ich." Bevor ich böse Mails bekomme: Das bezieht sich nicht auf alle Unternehmen!

Am Montag gibt Hochtief seine Ergebnisse für die ersten neun Monate bekannt. Ansonsten ist nicht viel los, so dass sich die Blicke der Investoren bereits auf den Dienstag richten. Indus Holding, Travel24.com, Tiptel und unsere Spezialwerte-Empfehlung Schoeller-Bleckmann melden sich zu Wort, um nur einige zu nennen.

In den USA gibt es einige Konjunkturdaten, die es in sich haben wie die zweite Schätzung des Bruttoinlandsproduktes für das dritte Quartal (Prognose: 3,7 Prozent), das Verbrauchervertrauen des Conference Boards (Prognose: plus 4,0 Punkte auf 96,8) oder der Einkaufsmanager-Index für den Großraum Chicago (Prognose für November: Rückgang um 7,5 auf 61,0 Zähler).


Ausblick auf die Woche

Mitte der Woche folgt das Beige Book, um bei den US-Terminen zu bleiben. Noch einmal zur Erinnerung: Die US-Notenbank FED veröffentlicht achtmal im Jahr einen Bericht über die wirtschaftliche Situation der Vereinigten Staaten. Er enthält Informationen zu Wirtschaftswachstum und Preisentwicklung in den verschiedenen Regionen der USA. Mal sehen, ob es Hinweise zur Zinsentwicklung in kommenden Monaten gibt. Wenn der Dollar so schwach bleibt und die Inflation angeheizt wird, muss Mr. G. die Zinsen vielleicht schneller anheben als es ihm lieb ist. Für Spannung ist also gesorgt!

Auch der nationale Einkaufsmanager-Index ISM ist von Interesse. Es werden wieder mehr als 400 Einkaufsmanager aus 20 verschiedenen Branchen interviewt. Die Prognosen liegen bei 57,0 Punkten, das wäre für den November ein Zuwachs um 0,2 Zähler. Oberhalb von 50 Punkten wird eine wachsende verarbeitende Industrie angenommen, wobei sich auch die Gesamtwirtschaft auf Wachstumskurs befindet.

Zu den Firmen des Tages: Es ist wenig los wie meistens Anfang Dezember, lediglich die Q3-Zahlen von Bombardier und der Q4-Bericht von MVV Energie stehen auf dem Programm.
Donnerstag und Freitag, das lässt sich zusammenfassend bereits sagen, halten sich die Unternehmen zurück. Nachbörslich berichtet Intel über das Mid-Quarter Bussiness Update, ansonsten herrscht Ruhe.

Am Donnerstag werden in den USA die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung veröffentlicht. Nachdem die Daten in der Vorwoche leicht besser als erwartet ausfielen (lediglich 323.000 neue Anträge statt der vermuteten 335.000), sind die Börsianer gespannt, ob sich der positive Trend fortsetzt.

Auch der Freitag verläuft ganz im Bann des US-Arbeitsmarktes, denn der Arbeitsmarktbericht für den November steht an. Die Prognose liegt bei 200.000 neugeschaffenen Stellen (nach 337.000 im Oktober). Bei der Arbeitslosenquote wird mit einem Rückgang im 0,1 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent gerechnet.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!

Volker Tietz  

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