DAX-Bosse im Profitrausch (EuramS)

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eröffnet am: 13.02.05 14:37 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6094 Tage bammieDAX-Bosse im Profitrausch (EuramS)

Das ist ein Weckruf: Die Bilanzsaison im DAX (Xetra: Nachrichten) fördert einen Rekordgewinn nach dem anderen zu Tage. Noch ist die Börse aber im Halbschlaf. Anleger sollten jetzt die günstigen Bewertungen der deutschen Aktienelite nutzen.

von Stephan Bauer und Klaus Schachinger

Seinen Ruf als Kostenkiller weicht der Vorstand des Düsseldorfer Energieriesen E.ON, Wulf Bernotat, gerne durch anheimelnde Anekdoten auf. Der promovierte Jurist erzählt gelegentlich, daß er sein Studium wegen zu vieler Jobs beim Rundfunk fast abgebrochen hätte. Oder daß ihn mit Gerhard Schröder, den er aus einer Lerngruppe aus Göttingen kennt, die Erinnerung an ein gemeinsam erlebtes, legendäres Fußballspiel verbindet: die "Wasserschlacht" der WM 1974, in der Deutschland Polen bezwang.

Von dem Schnurren sollte man sich nicht einwickeln lassen. Bernotat kann knallhart sein. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Bernotat, der im April 2003 den Chefposten beim größten deutschen Energieversorger übernahm, die 80 Top-Manager im Konzern von Personalberatern auf Herz und Nieren prüfen lassen. Mit Loyalität und Disziplin senkten Bernotats Spitzenleute anschließend die Kosten um 2,5 Milliarden Euro. 2004 stieg der Gewinn der Düsseldorfer mit geschätzten 4,7 Milliarden Euro auf Rekordniveau.

E.ON ist dabei bloß der Gipfel eines riesigen Gewinnberges. Reihenweise präsentieren die DAX-Unternehmen in der laufenden Bilanzsaison Rekordergebnisse. Jüngstes Beispiel: Der Berliner Pharmakonzern Schering veröffentlichte gerade einen Betriebsgewinn von 761 Millionen Euro - soviel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte.

Vor zwei Wochen begeisterte der Elektrogigant Siemens Anleger mit einem Quartalsgewinn von einer Milliarde Euro - auch das Rekord. Ex-Vorstand Heinrich von Pierer formte den Konzern mit harter Hand zu einem Gewinnriesen. 3,4 Milliarden Euro Nettoergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr reichen für Platz 2 in der Liste der gewinnstärksten DAX-Konzerne 2004.

Nach Schätzungen der Bank M.M. Warburg werden fast die Hälfte der 30 Konzerne in der höchsten Börsenliga Bestergebnisse abliefern. Der Profitrausch läßt sogar das Spitzenjahr 2000 blaß erscheinen. Damals fuhren die Unternehmen auf Grund bärenstarker Nachfrage nach Investitionsgütern und brummenden Konsums Höchstgewinne ein. Der DAX stürmte bis in Himalaja-Höhen von über 8000 Punkten. Eigentlich unglaublich: Die deutschen Großkonzerne drehen wieder auf absoluten Hochtouren - und dennoch trottet der Index auf Mittelgebirgsniveau. Immerhin: In den vergangenen Wochen knackte das deutsche Börsenbarometer die Marke von 4300 Punkten. Der Index notiert so hoch, wie seit Juli 2002 nicht mehr. Und: Viele sehen weiter steigende Kurse. "Es gibt Indizien dafür, daß der DAX in eine Hausse eintritt", sagt etwa Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Fakt ist: Die Gewinnorgie macht den DAX zum Schnäppchen. Im Schnitt stiegen die Profite der größten deutschen Kapitalgesellschaften 2004 um über 40 Prozent. An der Börse kam der Index im selben Zeitraum allerdings bloß um rund sieben Prozent voran. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis hat sich somit dramatisch verringert. "Im historischen Schnitt weist der DAX ein KGV von etwa 16 auf. Derzeit liegt die Ziffer bei etwa zwölf", sagt Aktienstratege Carsten Klude von M.M. Warburg.

Rein rechnerisch sind also weit höhere Indexstände drin. "Unterstellt man die historische Durchschnittsbewertung und die Gewinnschätzungen für das Jahr 2005, so sind auf ein bis zwei Jahren Stände von 5200 bis 5300 Punkten möglich", rechnet Klude vor.

Die Geschichte lehrt: Natürlich sind auch tiefere Kurse denkbar. Vor allem dann, wenn der Euro wieder deutlich anziehen würde und sich so die Chancen der exportfreudigen deutschen Unternehmen verschlechterten. Oder bei überraschenden Preissprüngen beim Öl. Allerdings haben sich Investoren auch ein Stück weit an dieses Börsenübel gewöhnt. "Eine gute Portion Pessimismus wegen Öl und Euro steckt schon in den Kursen", sagt Stratege Fernow. Zudem spricht derzeit der von US-Präsident George W. Bush angestrebte Sparkurs für einen stärkeren Dollar. Und die wieder gesunkene Kriegsgefahr im Iran dürfte auch ein wenig Frieden an der Ölpreisfront stiften.

Die wichtigste Stimulanz für die Börse indes hält an: Die Gewinne steigen weiter. Im Schnitt rechnen Analysten im laufenden Jahr mit einem Wachstum der Profite im DAX von 16 Prozent. Einzelne Unternehmen - wie Infineon (Xetra: 623100.DE - Nachrichten - Forum) , Volkswagen (Xetra: 766400.DE - Nachrichten - Forum) oder die Deutsche Telekom (Xetra: 555750.DE - Nachrichten - Forum) - werden dies aber bei weitem übertreffen.

Denn noch immer machen DAX-Bosse durch umfangreiche Stellenstreichungen von sich reden. Beispiel Deutsche Bank: Zwar steigerte das größte deutsche Kreditinstitut im vergangenen Jahr den Gewinn um gewaltige 87 Prozent. Doch das ist Josef Ackermann nicht genug. 6400 weitere Jobs sollen nach dem Willen des ehrgeizigen Vorstands wegfallen. Fest wie Granit scheint der Entschluß des Schweizers zu sein, das Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite für 2005 zu erreichen.

Auch die jüngsten Nachrichten über anstehende Stellenkürzungen bei DaimlerChrysler (Xetra: 710000.DE - Nachrichten - Forum) , bei Siemens (1350 Jobs), der Mobilfunktochter der Telekom (1200 Jobs) oder Bayer (450 Jobs) zeigen: Die Bosse haben ihre Lektionen aus Krisenjahren und Globalisierungstrend gelernt und lassen in ihrem Streben nach schlankeren Strukturen nicht nach. Der höhere Druck zwingt auch Gewerkschaften, lange verteidigte Bastionen aufzugeben und - wie in den Handy-Fabriken von Siemens (Xetra: 723610.DE - Nachrichten - Forum) geschehen - längere Arbeitszeiten zu akzeptieren. "Früher ließ sich nichts bewegen, jetzt erledigen sich bei Siemens oder Bosch die Dinge auf dem kleinen Dienstweg", sagt Stefan Mülheim, Chef-Stratege bei Citigroup Global Markets (ASQ: SSB - Nachrichten) in Deutschland.

Die neuen Vorzüge des Standorts werden im Ausland bereits sehr genau registriert. "Deutschland ist, verglichen mit anderen Staaten in EuroLand, wieder wettbewerbsfähig", stellt etwa die US-Investmentbank Goldman Sachs in einer aktuellen Studie fest. "Im Ausland haben wir wieder einen sehr guten Ruf", sagt Klaus Mangold, als Berater für DaimlerChrysler und Bundesbeauftragter für Auslandsinvestitionen ständig auf Achse (siehe Interview Seite 13). Ausländer loben nicht nur, sie kaufen auch kräftig. Offensichtliches Zeichen dafür, daß internationale Investoren großes Interesse an Engagements in deutschen Unternehmen haben, sind die zunehmenden Mittelzuflüsse im Bereich Private Equity. Außerhalb der Börse stieg die Summe des von Ausländern hierzulande eingesetzten Kapitals im Jahr 2004 auf knapp 80 Milliarden Euro - 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

"Angelsächsische Investoren tummeln sich inzwischen auch vermehrt an der Börse", beobachtet LBBW-Mann Fernow. Inländische Portfoliomanager wiederum denken darüber nach, ihre Aktienquoten zu erhöhen. "Renten sind zu teuer. Hier erwarten wir eine Korrektur", sagt etwa Harald Albert, Vermögensverwalter bei der Münchner Fiduka.Ganz vorne in der Favoritenliste rangiert die Deutsche Telekom. Nach etwa 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn in 2004 wird Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke nach Schätzungen der Landesbank Rheinland-Pfalz 2005 einen Gewinn von knapp sechs Milliarden Euro ausweisen.

Zwar profitieren die Gewinne der Bonner - wie die einiger anderer Unternehmen - auch von einer Umstellung der Bilanzregeln. Doch die Substanz ist beeindruckend: Der Cash-Flow ist mit deutlich über 15 Milliarden Euro in 2005 so groß wie nie. Nicht wenige Börsianer setzen deshalb auch auf steigende Ausschüttungen bei den Bonnern.Mit hohen Dividendenrenditen glänzen auch die Versorger E.ON und RWE (Xetra: 703712.DE - Nachrichten - Forum) . Beide verzeichnen auch auf Grund hoher Energiepreise Rekordgewinne, beide Aktien laufen seit einiger Zeit außerordentlich gut. Wer auf den Trend zu hohen Energiepreisen setzt, sollte bei E.ON zugreifen. Hier beginnen Analysten, die etwas skeptischen Gewinnschätzungen für das laufende Jahr hochzustufen.

Kommt die Hausse ins Laufen, müssen Anleger indes mit einem Favoritenwechsel rechnen. "Das kennzeichnet eine Hausse", sagt LBBW-Stratege Fernow. Interessant dann: SAP (Xetra: 716460.DE - Nachrichten - Forum) sowie die Versicherer Allianz und Münchener Rück. Der Marktführer bei Betriebswirtschaftssoftware SAP dürfte die Gunst der Stunde nutzen, um seine Marktanteile weiter zu vergrößern: Insbesondere US-Konkurrent Oracle ist mit der Integration des Ex-Konkurrenten Peoplesoft beschäftigt. SAP-Chef Henning Kagermann bringt es im DAX auch auf die höchste Eigenkapitalrendite - auch eine Kennziffer, auf die institutionelle Investoren regelmäßig blicken.

Mit KGVs von zehn respektive acht zählen Allianz und Münchener Rück zu den günstigsten Aktien im DAX. Die Allianz gilt zudem als Gewinner von morgen: Nach Analystenschätzungen dürfte der Finanzkonzern 2005 seinen Gewinn um fast 50 Prozent steigern - und mit über 3,5 Milliarden Euro Nettogewinn einen Spitzenplatz im DAX belegen.

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard kann auf ein gutes Jahr 2004 blicken: Er schaffte den Turnaround - und machte binnen zwölf Monaten aus 434 Millionen Euro Miesen einen Gewinn von etwa 1,8 Milliarden Euro.

Seit einem Jahr ist von Bomhard an der Spitze des weltgrößten Rückversicherers. In drei Jahren will er ihn zum profitabelsten Unternehmen der Top Five der Branche machen. Dabei hat von Bomhard als Marathonläufer ein Prinzip: "Gute Vorbereitung und sich an den Plan halten, auch wenn die Euphorie steigt."  

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