Costa Rica Jimps

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eröffnet am: 22.02.06 11:37 von: onestone Anzahl Beiträge: 1
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1673 Postings, 5697 Tage onestoneCosta Rica Jimps

oder warum in der DDR das Schulsystem besser war und Kindergärten kostenlos.

Costa Rica weiß es.

Bildung

Die erste Universität wurde 1843 gegründet, wegen ihrer engen Bindung zur katholischen Kirche aber 1888 wieder geschlossen. Die heute größte und renommierteste Hochschule ist die Universität von Costa Rica. Das Land hat ein hohes Bildungsniveau - die Analphabetenquote ist mit zehn Prozent eine der niedrigsten Lateinamerikas.

Wirtschaft

Obwohl Costa Rica immer noch stark landwirtschaftlich geprägt ist (zum größten Teil Subsistenzwirtschaft, die gemessen am BIP 19 % ausmacht), konnten auch andere Wirtschaftssektoren ausgebaut werden. Eine große Bedeutung hat inzwischen der Tourismus, der 2001 mit 1,1 Millionen ausländischen Besuchern 1,3 Mrd. US-$ Einnahmen brachte. Daneben wurde auch der High-Tech-Sektor ausgebaut; einer der bedeutenden Devisenbringer des Landes ist eine Chipfabrik der Firma Intel. Die meisten Industriebetriebe konzentrieren sich auf der Zentralen Hochebene um die Hauptstadt San José. Der Bananenanbau in ausgedehnten Plantagen befindet sich traditionell an der Karibikküste um den Hafen Puerto Limón und neuerdings auch an der Pazifikküste um die Hafenstadt Golfito.

1960 betrug der Bananenexport in Costa Rica noch 41 % und sank dann innerhalb von 20 Jahren auf ca. 15 % und wieder weitere 20 Jahre später auf unter 4 %. Obwohl die Bananenexportrate sank, wurden mehr Bananen angebaut und exportiert. Der Grund am prozentualen Abfall liegt an der Industrialisierung des Landes, die neue Exportgüter bürgt. Dennoch ist Costa Rica der zweitgrößte Bananen-Exporteur der Welt. In der Produktion von Bananen liegt Costa Rica mit 2,7 Millionen Tonnen jedoch weltweit nur auf dem 7. Platz hinter Indien mit 15,1 Millionen Tonnen, Ecuador mit 7,56 Millionen Tonnen, Brasilien mit 5,5 Millionen Tonnen, China mit 5,2 Millionen Tonnen, Philippinen mit 4,5 Millionen Tonnen und Indonesien mit 3,6 Millionen Tonnen (die Angeben beziehen sich auf die Produktion im Jahr 2001).

Ein Problem des Landes stellt die Stromversorgung da. Es produziert keinen eigenen Stom und ist dadurch abhängig vom Export von Nachbarstaaten. Ein geplantes Dammprojekt soll diese Tatsache ändern.

Wirtschaftsstruktur nach Sektoren (2001):

LandwirtschaftIndustrieDienstleistungen
Anteil am BIP9 %29 %62 %
Anteil an Erwerbstätigkeit20,4 %22,3 %56,7 %

Costa Rica importierte im Jahr 2002 für 6,65 Mrd. US-$ Waren und exportierte gleichzeitig für 5,25 Mrd. US-$, hatte also eine negative Handelsbilanz. Wichtigste Importgüter waren Rohstoffe (55 %), Konsumgüter (19 %) und Investitionsgüter (17 %). 34 % aller Importe kamen aus den USA. Wichtigste Exportgüter waren Industrieprodukte (20 %), Bananen (9 %), sonstige Agrar- und Fischprodukte (11 %) und Kaffee (3 %). Hauptabnehmerländer waren die USA mit 33 %, Guatemala (7 %), Nicaragua (6 %) und Deutschland (6 %).

Mit einem durchschnittlichen BSP/Kopf von 4.208 US-$ (2004) hat Costa Rica einen relativ hohen Lebensstandard.

ZEIT online, 21.2.2006

Schlechte Noten

Fehlende Chancengleichheit, verschenktes Bildungspotenzial und die Verlagerung von Kompetenzen auf Länderebene: UN-Sonderberichterstatter Muñoz hat die wunden Punkte unseres Schulsystems benannt. Ein Kommentar von Martin Spiewak

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In einer dritten Klasse

Das deutsche Schulsystem hat mal wieder schlechte Noten bekommen. Überraschend deutlich kritisierte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz Villalobos, die fehlende Chancengleichheit im hiesigen Schulsystem. Es versage darin, alle Schüler einzubeziehen und verschenke damit wichtige Bildungspotenziale. Konkret monierte er die frühe Aufteilung der Schüler auf verschiedene Schulformen. Gerade Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien, unter ihnen viele Migranten, würden dadurch benachteiligt. Konkret fordert Muñoz eine Debatte über die Struktur des Bildungswesen sowie eine kostenlose vorschulische Erziehung. Ebenso kritisch äußert sich der aus Costa Rica stammende Bildungsexperte über die Tendenz, in der Bildung immer mehr Kompetenzen auf die Länderebene zu verlagern. Dadurch nehme sich der Bund die Chance, Einheit und Gleichberechtigung zu garantieren.

Weder die Analyse noch die Forderungen des UN-Sonderberichterstatters sind neu. Wie sollten sie auch? Nur zehn Tage hatte Muñoz Zeit, sich in Lehrerzimmern, Kultusministerien und Schulklassen ein Bild zu machen. Dennoch werden die Hinweise des aus Costa Rica stammenden Professors aus zwei Gründen Schlagzeilen machen. Zum einen legt hier nicht irgendeine linke Lehrergewerkschaft den Finger auf die Wunde, sondern ein von den Vereinten Nationen bestellter Bildungsexperte, der in offizieller Mission unterwegs ist. Zum anderen konzentriert Muñoz seine Mahnungen auf zwei Themen, die Deutschlands Bildungspolitiker nicht gern laut ansprechen: Die negativen Folgen für die Bildung durch die Schulstruktur und die Föderalismusreform.

Nach dem Pisa-Schock haben die Schulverantwortlichen einiges unternommen, damit sich die Leistungen unserer Schüler in Zukunft verbessern. Man einigte sich auf Standards, an denen in Zukunft alle Schüler gemessen werden. Vorschulische Sprachtests wurden eingeführt, Leseprogramme gestartet und eine Reihe von Schulen auf den Ganztagsbetrieb umgestellt. Eine Debatte jedoch haben die Kultusminister mit viel Mühe und Geschick verstanden zu umgehen: jene über das gegliederte Schulwesen. Kein Land verteilt seine Schüler (neben Österreich) so früh und so endgültig auf verschiedene Schulformen wie Deutschland, in den meisten Bundesländern bereits im zehnten Lebensjahr. Vier Schuljahre jedoch sind eine zu kurze Zeit, um Bildungsdefizite aus den Familien auszugleichen. Zugleich schwächt die strenge Segmentierung des Schulsystems die Förderkultur in den Klassen: Wenn ein Lehrer stets die Möglichkeit hat, einen Schüler auf eine untere Schulform abzuschieben ? vom Gymnasium auf die Realschule, von dort auf die Haupt- oder Sonderschule ?, warum sollte er sich übermäßig anstrengen, seinen Schützling zu halten?

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Es sind oft subtile Mechanismen, die das Handikap der Herkunft verstärken, anstatt es wie in anderen Ländern zu mildern. Schon in Kindergarten und Grundschule erhalten sozial benachteiligte Kinder zu wenig Förderung. Selbst wenn sie das Gymnasium schaffen könnten, trauen ihnen Lehrer wie Eltern oft nur die Hauptschule zu. Hier treffen sie auf Mitschüler aus ebenso schwierigen familiären Verhältnissen ? und auf Lehrer, die ihre geringen Leistungserwartungen eben auf solche Kinder einstellen. Die einmal eingeschlagene Schullaufbahn ist kaum korrigierbar. Deutsche Schulen sind vor allem in eine Richtung durchlässig: nach unten.

Gewiss, Gesamtschulen nach deutschem Muster sind nicht die Lösung. Ohne eine innere Reform ? des Unterrichts, der Lehrerausbildung, der Vorbereitung auf die Schule durch die Kindergärten ? wird sich weder an den mittelmäßigen Leistungen deutscher Schüler noch an der Bildungsungerechtigkeit etwas ändern. Das Denken über eine andere Schulstruktur sollten sich die Kultuspolitiker aber nicht selbst verbieten. Angesichts der internationalen Erfahrungen ist es nämlich fraglich, ob die Einteilung in Gymnasium, Real- und Hauptschule auf ewig unantastbar bleibt.

Das andere Tabu betrifft die Folgen der Föderalismusreform für Schulen und Universitäten. In Zukunft soll der Bund auch die letzten Zuständigkeit für die Bildung verlieren. Sämtliche Bildungsorganisationen ? Lehrerverbände, Elternvereinigungen, Wissenschaftsorganisationen ? sind dagegen. Gehör haben sie sich bislang nicht verschaffen können. Das von kaum einer diplomatischen Zurückhaltung gezügelte laute Nachdenken des UN-Gesandten über die politischen Zuständigkeiten für Schulen und Kitas geben der Kritik nun öffentliches Gewicht. Denn wenn es stimmt, dass Bildung das wichtigste Thema ist, warum widmet man sich ihm nicht mit vereinten Kräften? Das Ganztagsschulprogramm ist ein großer Erfolg: Wieso soll die Bundesbildungsministerin so etwas in Zukunft nicht mehr finanzieren dürfen? Und wer versteht, dass der Bund in Zukunft zwar Schulen in Bolivien fördern darf, nicht aber in Hamburg-Wilhelmsburg oder Berlin-Kreuzberg? Der UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz scheinbar nicht. Es ist zu hoffen, dass seine Zweifel ein lautes Echo finden.

© ZEIT online, 21.2.2006

 

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