Bundeswehreinsatz in Kongo endet

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eröffnet am: 30.11.06 09:36 von: denkidee Anzahl Beiträge: 1
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Bundeswehreinsatz in Kongo endet

Froh, wieder nach Hause zu kommen
Gut vier Monate sicherten Bundeswehrsoldaten als Teil einer UN-Friedenstruppe die Präsidentschaftswahlen in Kongo. Nachdem Herausforderer Bemba seine Niederlage akzeptiert hat, geht heute der Einsatz planmäßig zu Ende. Doch Beobachter fragen, ob die Soldaten nicht zu früh abziehen.

Von Wim Dohrenbusch, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

[Bildunterschrift: Gewalttätiger Protest: Bemba-Anhänger randalieren im Juli in Kinshasa (Archiv)]
Die letzten Tage im August sind allen noch in angstvoller Erinnerung. Kaum waren die Ergebnisse des ersten Wahlgangs bekannt, lieferten sich die Präsidentengarde von Staatschef Joseph Kabila und die Milizen von Jean-Pierre Bemba schwere Gefechte in Kinshasa. Zwei Dutzend Tote lagen in den Straßen. Viele Kongolesen glaubten an den Ausbruch eines neuen Bürgerkriegs.

Für die Soldaten der EU-Friedensmission war das die kritischste Phase ihres viermonatigen Einsatzes, sagt Eufor-Sprecher Peter Fuss. Gemeinsam mit den UN-Blauhelmen standen spanische Soldaten zwischen den Fronten und konnten für Ruhe sorgen. Jetzt sei die Stimmung "eigentlich wieder ganz normal".

Respekt gewonnen

Spätestens durch den couragierten Einsatz haben sich die Europäer Respekt in der Bevölkerung verschafft, sagt der kongolesische Journalist Roger Mbala. "Seit August wissen die Leute, dass die Soldaten zu ihrem Schutz hier sind. Es hat sich tatsächlich eine Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung und Eufor entwickelt." Der Auftrag an die Truppen lautete, die Wahl zu unterstützen, Sicherheit herzustellen, Sichtbarkeit zu demonstrieren und dadurch zur Stabilität während des gesamten Wahlprozesses beizutragen.

Auch nach Verkündung des Stichwahl-Ergebnisses gab es Ausschreitungen zwischen Anhängern des Verlierers Bemba und der Polizei. Aber insgesamt ist alles überraschend friedlich geblieben. Präsident Joseph Kabila kann für sich in Anspruch nehmen, demokratisch legitimiert zu sein.

Stolz auf das Erreichte

Ex-Rebellenchef Bemba hat seine Niederlage akzeptiert und will in die parlamentarische Opposition gehen. Die deutschen Soldaten seien erleichtert, sagt Oberstleutnant Peter Fuss: "Auf der anderen Seite sind wir aber auch alle sehr stolz auf das, was wir hier erreicht haben - dass wir unseren Teil dazu beigetragen haben, dass dieses Land ein Stück weit mehr Stabilität erhält." Und das, ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben.

Jason Stearns, der Kongo-Experte der renommierten "International Crisis Group" warnt jedoch: Die Gefahr neuer Gewalt sei weiter groß. "Es ist das falsche Signal an die Kongolesen, die Truppen so kurz nach den Wahlen abzuziehen. Nötig wäre ein Mandat bis ins nächste Jahr." Schließlich sei der Friedensprozess nicht mit den Wahlen abgeschlossen, sondern könne jetzt erst beginnen und noch Jahre andauern.

Einsatz bis Mitternacht

Bei der Eufor-Mission herrscht bis heute um Mitternacht volle Einsatzbereitschaft, dann ist das Mandat abgelaufen. Morgen beginnt die Rückverlegung der 2000 europäischen Soldaten, am 22. Dezember macht der letzte im Feldlager Kinshasa das Licht aus.

Oberstabsärztin Dr. Franka Korb steckt dann mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Auch sie stellt sich die Frage, ob die Truppen nicht länger bleiben sollten, wenn "es dann hier erst richtig losgeht" . Andererseits räumt sie ein: "Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin froh, wenn ich am 30.11 nach Hause darf ."

 
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