Bullengrab oder Bärenfalle?

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neuester Beitrag: 17.08.05 21:05
eröffnet am: 17.08.05 19:06 von: moya Anzahl Beiträge: 5
neuester Beitrag: 17.08.05 21:05 von: wavezocker Leser gesamt: 275
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17.08.05 19:06
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887576 Postings, 6081 Tage moyaBullengrab oder Bärenfalle?

Bullengrab oder Bärenfalle?

von Jochen Steffens

Jetzt wird es doch noch "spannend" im Dax. Und das drei Tage vor meinem Urlaub. Spannend ist natürlich relativ. Wir reden hier immer noch von extrem schwachen Kursschwankungen. Für mich sind das bisher alles keine sauberen Konsolidierungen, sondern leichte Fluktuationen im Aufwärtstrend, machen wir uns doch nichts vor.

Da ich aber nun zwei Wochen weg bin und die Gefahr besteht, dass die "größere" Konsolidierung genau in diese Zeit fällt, noch einmal
ausführlich:

Die letzten Konsolidierungen im Dax waren alle viel zu schwach. Es fehlt einfach das reinigende Gewitter, welches die Bären wieder in Hochstimmung versetzt und die Bullen zutiefst an ihrer Einstellung zweifeln lässt. Es MUSS erst ein großer Teil der Bullen aus den Markt getrieben werden. Es MUSS Verunsicherung her, Zweifel, Sorge, Angst und Panik.

Diese Bullenpanik und Bäreneuphorie ist ein normaler, gesunder und bullisher Prozesse in einem Bullenmarkt. Und egal was Sie auch lesen, in diesem befinden wir uns - noch.

Natürlich, die meisten Investoren kleben vor ihren Monitoren und
erleben: Immer weiter steigende Märkte, die letzte große Konsolidierung ist ein Jahr her. Die US-Konjunkturdaten der letzten Monate sind auch "langweiliger Durchschnitt" und offenbaren soweit ein stabiles Wirtschaftswachstum in den USA, ohne große Ecken und Kanten.
Living ist easy, alles ist "sommerwattig". Derart eingelullt interpretieren einige die "wenigen bearishen" Nachrichten dramatisch über.

Hier hilft es, ein paar Schritte zurückzutreten und den globalen Zusammenhang zu betrachten. Sind dort Anzeichen eines kommenden Bärenmarktes zu erkennen?

Der Nikkei ist aktuell deutlich über die besagte 12.200er Marke gesprungen, fast schon explodiert. Und zwar unter hohen Umsätzen und mit einer beachtlichen Dynamik. Auch der MSCI World ist mittlerweile deutlich nach oben ausgebrochen, das letzte Hoch von Anfang des Jahres bei knapp 1200 ist nach oben aufgelöst - der Hang Seng und S&P sind schon länger nach oben ausgebrochen, alles sehr bullish. Vom Dax, Euro Stoxx und dem ASX will ich gar nicht erst reden. Wo, frage ich mich, wo sind die Ölpreissorgen, die in den Medien fast schon beschworen werden? (übrigens auch weil keine anderen "Breaking News" existieren, schließlich ist alles so wattig zurzeit.) Selbst der beachtliche Anstieg im Dax hat die Volatilität nicht sonderlich beeinflussen können.

Was den geneigten Investor dabei so verwundert kann, ist, dass der Ölpreis auf Rekordhoch hängt und die Märkte interessiert es nicht.
Vielmehr ist der Ölpreis die einzige Bremse, welche die Märkte, eigentlich nur die amerikanischen Märkte, ausbremst (warum nur die amerikanischen Indizes betroffen sind, schreibe ich später). Wo die Märkte stehen würden, wenn der Ölpreis kein Thema wäre?

Und schauen Sie sich den Nikkei an, er hielt sich heute Nacht über weite Teile des Handelstages im Plus, obwohl die gestrigen Vorgaben aus den USA schon extrem schlecht waren. Der Nasdaq100 fiel um 1,67 %, aber auch der Dow Jones fiel um 1,14 %.

Was ich dabei nicht verstehe, ist, dass die Bären aufgrund des Ölpreises anfangen zu "jubeln" und sich den Tod der internationalen Märkte auf ihre Fahnen schreiben. Das Problem, davon ist noch nicht wirklich was zu erkennen. Wie gesagt: Noch nicht! Ich kann ja verstehen, dass bei den Bären nach über zwei Jahren Bullenmarkt jede bearishe Nachricht zu einem Freudentaumel führt, aber das ist noch kein Grund in verfrühte "Bäreneuphorie" zu verfallen. Solche Emotionen haben an den Börsen nichts zu suchen, das verfälscht den Blick für das Wesentliche und macht aus manchen Nachrichten Elefanten.

Es gilt, bei den realistische Analysen zu bleiben und wie ich letzte Woche geschrieben habe, es ziehen dunkle Wolken auf, keine Frage. Aber irgend etwas MUSS schließlich die viel zu bullishen Anleger in Panik versetzen, damit sie sich von ihren Aktien trennen. Das ist bei jeder Konsolidierung der Fall und die Gründe müssen ausreichend "logisch"
sein, damit all die intelligenten Trader und Investoren sie auch einsehen und in Panik geraten.

Anders geht es einfach nicht. Das passiert jedes Mal wieder bei einer größeren Konsolidierung. Gut, die letzte ist schon etwas her, doch erinnern Sie sich an August letzten Jahres: Erst als dann wirklich fast alle davon überzeugt waren, dass der Markt nun endgültig einbrechen wird, startete die Wahlrally. Auch damals hatte ich schon darauf hingewiesen.

Wenn Sie lernen, Ihre Panik zu kaufen und Ihre Euphorie zu verkaufen, dann ändert sich mit der Zeit Ihre Wahrnehmung. Schließlich warten Sie dann geradezu darauf, dass Sie in Panik geraten, um endlich in den Markt einzusteigen, auch wenn das paradox klingt.

Sie sehen eine starken bullishen Markt, dann kommen Nachrichten auf, die Sie wirklich überzeugen alles zu verkaufen und ich finde den Ölpreis selbst SEHR überzeugend, das können Sie mir glauben. Dann denken Sie: Prima, da sind sie wieder, die Argumente, die gefehlt haben. Wenn die schon mich überzeugen, dann werden natürlich auch ganz viele andere überzeugt werden. Also Achtung: "Konsolidierungsmodus einschalten". Hier gilt es aber nicht in Panik zu geraten, sondern sich gute KAUFKURSE zu suchen.

Aber nichts ist schwieriger, als gegen seine "begründete" Panik in den Markt zu gehen, zu kaufen, wenn alle verkaufen und überall nur schlechte Nachrichten zu hören sind. Wenn Sie wirklich kein einziges Argument mehr finden, das für eine Investition spricht, dann ist das der BESTE Zeitpunkt, einzukaufen. Das jedoch schaffen nur die "starken" Hände, von den Kostolany schreibt.

Und genau diese psychischen Hemmschwellen, die Unfähigkeit, "Fakten"
zu leugnen und dem Massenwahn entgegenzutreten, ist der einzige Grund, warum die meisten Menschen an den Börsen keinen Erfolg haben: Sie können in diesen Momenten (teilweise sogar wider besseren Wissens) nicht ihre Panik kontrollieren, enttarnen, und damit überwinden. Sie verfallen dieser Panik, denn all die negativen Gründe scheinen allzu logisch, wer sollte da sein "ach so wertvolles Geld" investieren?

Noch sind kaum wirklich mittelfristig bearishe Aspekte zu erkennen, aus charttechnischer Sicht schon mal gar nicht. Der einzige belastende Faktor ist der Ölpreise. Natürlich, es besteht keine Frage, der Ölpreis hat die Macht, die Märkte abzuwürgen. Allerdings nicht direkt, sonst hätte der Markt schon längst reagiert, sondern nur über die Zinsen in den USA, die auf die Öl- und Rohstoffpreis importierte Inflation reagieren müssen. Denn steigende Zinsen werden den Immobilienmarkt belasten (nicht zusammenbrechen lassen, siehe England / London). Der Immobilienmarkt ist wiederum einer der tragenden Säulen des US-Wirtschaftswachstums.

Nur Immobilienblasen brechen (wie gesagt) nicht so schnell zusammen wie Aktienmärkte. Selbst wenn der Ölpreis dazu führen wird, dass die amerikanische Wirtschaft abgewürgt wird, sollte das aller Voraussicht nach ein langsamer Prozess werden.

Sie, wir, werden es daran erkennen, dass die internationalen Märkte keine neuen Hochs mehr schaffen und sich die Konjunkturdaten deutlich verschlechtern, wichtige Marken nach unten gebrochen werden. Und zwar zäh und nachhaltig.

Wie Sie reagieren sollten

Rechnen Sie mit einer größeren Konsolidierung, seien Sie aber nicht überrascht, wenn diese wieder schneller zu Ende geht als gedacht. Sie kommt dann nur später und dafür heftiger. Trotzdem können und müssen Sie natürlich Ihre Positionsgröße an die fallenden Kurse anpassen. Ich finde die "bullishe Variante", alles einfach zu halten, ebenso albern wie die bearishe, alles zu verkaufen. Denn schließlich: Es kann immer das Hoch gewesen sein, wirklich immer. Hüten Sie sich jedoch vor Ihren Emotionen, geraten Sie nicht in Panik, lassen Sie sich nicht anstecken. Kaufen Sie, wenn Sie das tiefe innere und sichere Gefühl haben, nun ist alles vorbei, die Aktien werden nur noch fallen.
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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Die Erzeugerpreise sind um 1,0 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,5 bis 0,6 % nach zuvor +/-0,0 %.

Die Kernrate ist um 0,4 % geklettert. Erwartet wurde ein Plus von 0,1 bis 0,2 % nach zuletzt noch -0,1 %.

Die Inflationsanzeichen sind schwach zu erkennen, wirklich bedrohlich ist das soweit nicht.

Die Rohölvorräte (Crude Oil Inventories) sind in der vorangegangenen Woche um 241.000 Barrel gestiegen nach zuvor +2,80 Mio. Barrel.

Die Benzinvorräte (Gasoline Inventories) haben sich im Wochenvergleich um 4,97 Mio. Barrel verringert nach zuletzt Minus 2,09 Mio. Barrel.

Die Vorräte an Destillaten (Distillate Inventories) sind gegenüber der Vorwoche um 1,19 Mio. Barrel gewachsen nach zuvor +2,60 Mio. Barrel.

Also so wie ich die Amis kennen, reagieren die auf die gesunkenen Benzinvorräte mit einiger Zeitverzögerung vergrätzt. Viel wurde schon gestern in den Kurse eingepreist, aber ob die Märkte daraus Kapital ziehen können? Zumindest korrigiert der Ölpreis nach unten. Ich bin gespannt.

Gruß Moya

 

17.08.05 19:15

2927 Postings, 6224 Tage VerdampferDanke :)

Mit Gruß vom Dampfer

 

   

17.08.05 20:21

887576 Postings, 6081 Tage moyagern geschehen Dampfi

Gruß Moya

 

17.08.05 21:03

28 Postings, 5872 Tage quentinVielen Dank Moya,

auch von mir,
ich lese immer wieder gern Deine Postings.
Ferner einen schönen Urlaub,

MfG Quentin  

17.08.05 21:05

5144 Postings, 6035 Tage wavezockerjepp moja, guter bericht o. T.

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