Bremst die dt. Politik die Rettung der Union?

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eröffnet am: 10.11.11 12:21 von: sportsstar Anzahl Beiträge: 1
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31030 Postings, 6939 Tage sportsstarBremst die dt. Politik die Rettung der Union?

Gute Fragen, interessante Antworten!

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"Skeptisch, ob die Eurozone überleben wird"

Warum die EZB Italien retten kann

 

Prof. Dr. Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
(Foto: picture-alliance/ dpa)

 

Die Finanzmärkte quälen Italien. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone muss am Anleihemarkt immer höhere Zinsen zahlen, gerät damit in große Schwierigkeiten und bringt so den gesamten Währungsraum in Gefahr. Jetzt müsse die Europäische Zentralbank handeln, fordert Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Die EZB müsse italienische Anleihen kaufen – notfalls unbegrenzt.

n.tv.de: Kurze Zeit schien die Welt noch in Ordnung. Die Ankündigung von Italiens Premier Silvio Berlusconi, zurückzutreten, sorgte für eine leichte Entspannung am Anleihemarkt. Doch dann schossen die Renditen in die Höhe. Haben Sie eine Erklärung für diese heftige Reaktion?

Gustav Horn: Wir haben eine allgemeine Vertrauenskrise, in der die Märkte äußerst sensibel reagieren. Es ist noch so viel unklar, beispielsweise der Zeitpunkt des Rücktritts. Keiner weiß, was passieren wird, bis Berlusconi zurücktritt.

Außerdem ist unsicher, wie sich die Wirtschaft im Euroraum im Allgemeinen und in Italien im Besonderen entwickeln wird. Als Folge der Schuldenkrise werden derzeit massive Sparanstrengungen unternommen, die die Konjunktur belasten. Diese Unsicherheit schlägt sich in den heftigen Kursschwankungen nieder, die wir derzeit beobachten.

Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen ist über die Marke von sieben Prozent geklettert. Wie kritisch ist die Situation für Italien?

Sieben Prozent kann sich auf Dauer kein Land leisten. Um dieses Niveau finanzieren zu können, müsste das Land fortwährend nominal etwa sieben Prozent wachsen. Das ist unrealistisch. Allerdings muss man beachten, dass Italien nicht seine gesamte Staatsschuld so hoch verzinsen muss. Es gibt ja Anleihen, die noch weiter laufen. Die Durchschnittsverzinsung liegt bei knapp über drei Prozent. Auf kurze Sicht ist das alles noch tragbar, aber auf Dauer eben nicht.

Auch das beunruhigt die Märkte. Insofern droht ein Teufelskreis: Die Märkte sind nervös und verlangen hohe Zinsen. Dadurch gerät Italien in größere Schwierigkeiten. Das sorgt für weitere Verunsicherung an den Märkten und für weiter steigende Zinsen.

Was können die Eurozone und Italien tun, um das zu verhindern?

Es gibt kurzfristig zwei Möglichkeiten. Die erste – aus meiner Sicht aber die schlechtere – Möglichkeit ist, dass der Rettungsfonds Italien Kredite zu günstigeren Zinsen gibt. Doch jeder weiß, dass die Mittel des Fonds dafür nicht ausreichen werden. Insofern würde das – wenn überhaupt – nur kurze Zeit helfen.

Das einzige verbleibende Mittel ist, dass die Europäische Zentralbank so lange italienische Staatsanleihen kauft, bis der Zins wieder ein vernünftiges Niveau erreicht hat. Die EZB hat im Prinzip unbegrenzte Mittel. Deshalb dürfte ein solcher Schritt die Märkte bereits nach wenigen Tagen beruhigen.

Dieser Vorschlag trifft vor allem bei der Bundesregierung auf wenig Gegenliebe…

Das ist vor dem Hintergrund der deutschen Befindlichkeiten verständlich. Aber jede Währung braucht einen so genannten "Lender of last resort", einen "Gläubiger der letzten Zuflucht". Und das ist nun einmal die Zentralbank – bei allen Währungen, auch dem Euro. Andernfalls ist die Währung – also auch der Euro – nicht vollständig und daher angreifbar.

Man darf nicht vergessen, dass sich all diese Länder in ihrer Währung, dem Euro, verschuldet haben. Sie haben ihre Verbindlichkeiten nicht in einer Auslandswährung, die sie durch Devisen bedienen müssen. Das ist gut, denn dann könnte man nichts machen.

Die Europäische Zentralbank kann dieser Rolle gerecht werden, ohne die Preisstabilität zu gefährden, indem sie an anderer Stelle Liquidität aus dem Markt nimmt und damit Inflationspotenzial verhindert.

Was halten Sie eigentlich von dem Argument, dass die hohen Renditen eine angemessene Reaktion der Märkte sind und so genannte Schuldensünder disziplinieren?

Die Märkte haben schon im Vorfeld der Krise versagt, während sie jetzt massiv übertreiben. Verdient jemand Vertrauen, der zweimal so falsch liegt?

Diese Märkte scheinen die Politik derzeit jedenfalls vor sich herzutreiben. Wer hat eigentlich derzeit das Primat des Handelns?

Derzeit de facto die Finanzmärkte. Das liegt auch daran, dass sich die Politik nicht einig ist – besonders im größten und wichtigsten Land der Eurozone, in Deutschland. Es gibt hierzulande ein massives Sperrfeuer gegen die EZB als "Lender of last resort". Das verunsichert die Märkte und trägt zu den massiven Übertreibungen bei.

Sie haben die kurzfristige Maßnahme angesprochen. Was muss mittel- und langfristig passieren?

Wir brauchen im Euroraum eine neue Struktur – sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Wir brauchen Mechanismen, die solche Krisen zukünftig verhindern. Der entscheidende Punkt ist doch, dass wir eine Leistungsbilanzkrise haben. Das ist die Wurzel unserer gegenwärtigen Probleme. 

Einige Länder haben sich übermäßig dem Ausland gegenüber durch mangelnde Wettbewerbsfähigkeit oder durch hohe Staatsverschuldung in Abhängigkeit gebracht. Das muss in Zukunft vermieden werden. Wir brauchen also einen sanktionsbewehrten Mechanismus, der verhindert, dass hohe Ungleichgewichte auftreten – sowohl im Hinblick auf Defizite als auch auf Überschüsse. Das ist eine sehr weitreichende Reform, die von der EU-Kommission allerdings schon angedacht ist.

Die Eurozone kann also zum Funktionieren gebracht werden?

Ja. Kurzfristig muss die EZB zum "Gläubiger der letzten Zuflucht" werden. Langfristig müssen die Strukturen der Eurozone grundlegend reformiert werden.

Der Währungsraum steckt in einer existenziellen Krise. Blicken Sie dennoch optimistisch in die Zukunft?

Ich schaue gedämpft pessimistisch in die Zukunft. Ich sehe auf der einen Seite, dass die Politik gerade in Deutschland die Probleme noch nicht begriffen hat – geschweige denn Lösungen erkennt. Das macht mich skeptisch, ob die Eurozone überleben wird. Andererseits denke ich immer noch, dass sich schließlich die Vernunft durchsetzen wird, und auch die deutsche Politik von den notwendigen Schritten überzeugt werden kann.

Mit Gustav Horn sprach Jan Gänger

Quelle: http://www.n-tv.de/wirtschaft/...lien-retten-kann-article4733891.html

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The only thing, that interferes with my learning, is my education...!

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