Braukonzerne bleiben weiter durstig

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HANDELSBLATT, Montag, 12. September 2005, 09:04 Uhr


Branchenkenner erwarten weitere Großfusionen


Braukonzerne bleiben weiter durstig


Von Ingo Reich, Handelsblatt


Die Welle internationaler Großfusionen auf dem Weltbiermarkt ebbt nicht ab. Branchenexperten rechnen für die nahe Zukunft mit weiteren Zusammenschlüssen global tätiger Braukonzerne nach dem Vorbild der belgischen Interbrew und der brasilianischen Ambev zum Weltmarktführer Inbev (Marken: Beck?s, Stella Artois, Brahma) vor knapp einem Jahr.

 
Frisch gezapft wird in Deutschland immer weniger Gerstensaft. Braufirman suchen ihr Heil im Ausland. Foto: dpa.  

MÜNCHEN. Ein mögliches Szenario ist für den Branchenbeobachter Germain Hansmaennel gar das Zusammengehen von Inbev mit einem weiteren Großkonzern wie dem US-Brauriesen Anheuser-Busch. ?Inbev besitzt eine starke Position auf dem südamerikanischen und europäischen Markt, während Anheuser-Busch rund 30 Prozent des nordamerikanischen Marktes kontrolliert?, sagte Hansmaennel am vergangenen Samstag auf dem ?World Beer & Drinks Forum? in München über mögliche Synergieeffekte.

Der Elsässer Hansmaennel, der den in der Branche viel beachteten Barth-Hansmaennel-Report über die Marktführer und ihre Herausforderer in 40 Ländern herausgibt, hält auch ein Zusammengehen von SAB-Miller und Heineken, der Nummer zwei und vier der Branche, als Antwort auf diese Fusion für möglich.

Erst kürzlich hatte sich SAB-Miller die kolumbianische Bavaria-Group, die Nummer zwei der Branche in Lateinamerika, einverleibt. ?Südamerika ist für die Konzerne inzwischen wichtiger als Europa?, sagte der Berater und ehemalige Krombacher-Geschäftsführer Günter Heyden.

Dies bestätigte auch Inbev-Chef John F. Brock: In Zentral- und Südamerika können die Konzerne für ihr Bier hohe Preise verlangen, 40 Prozent des Umsatzes pro verkauftem Hektoliter Bier fließen direkt in den Bruttogewinn (Ebitda). In Europa und Nordamerika ist die Marge hingegen nur halb so groß.

Derweil hätten sich unter den führenden Braukonzernen der Welt drei Größenklassen herausgebildet, berichtete Berater Heyden. Hinter die Spitzengruppe aus Inbev, SAB-Miller und Anheuser-Busch sei Heineken ?deutlich zurückgefallen?. Auch der dänische Carlsberg-Konzern (Tuborg, Holsten) und die britische Braugruppe Scottish & Newcastle (Kronenbourg, Beamish) habe derzeit den Anschluss an die Spitzengruppe verloren. Den ?Big-Playern der alten Schule? bleibe nichts anderes übrig, als weitere Brauereien hinzuzukaufen, um den Anschluss nicht zu verlieren, sagte Heyden.



?Wir gehören nicht zur alten Schule, denn wir haben dem Konzern innerhalb von nur fünf Jahren ein neues, internationales Profil gegeben?, sagte hingegen Carlsberg- Chef Nils S. Andersen dem Handelsblatt. Carlsberg plane auch keine Fusion: ?Denn wir sind groß genug?.

Branchenexperten wie Hansmaennel und Heyde halten neben der australischen Foster?s Group (Foster?s) und dem mexikanischen Femsa-Konzern (Corona) auch die deutschen Brauereien Bitburger, Krombacher, Oettinger, Radeberger und Warsteiner für interessante Übernahmeziele. Alle genannten Brauereien stehen aber derzeit nicht zum Verkauf.

Gute Entwicklungsmöglichkeiten rechnen sich viele Braukonzerne immer noch in Russland aus. Hier hatten sich in den letzten Wochen sowohl Inbev als auch Heineken durch Unternehmenskäufe verstärkt. Doch noch ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an Gerstensaft in der Russischen Föderation nur etwa halb so hoch wie beispielsweise in Deutschland. Weitere Übernahmeziele nannte Inbev-Chef Brock jedoch nicht.

Im Hinblick auf die rund 1200 kleineren deutschen Brauereien, deren Zahl im Zuge der aktuellen Entwicklung ebenfalls schrumpfen würde, sagte Branchenberater Hansmaennel: ?Die Mittelständler sind weiterhin unverzichtbar, denn nur sie schaffen die Marken der Zukunft.? ?Wir brauchen weiterhin den Geschmack und die Vielfalt der deutschen Biere?, bekräftigte Richard Weber, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, die Position der heimischen Brauwirtschaft.

Vor allem kleinere deutsche Brauereien kämpfen aber gegen sinkende Umsätze und die Beliebtheit von Mixgetränken.


 

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