Börsenmonat Oktober ist kein Vergnügen

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95440 Postings, 7123 Tage Happy EndBörsenmonat Oktober ist kein Vergnügen

Der Oktober gilt unter Aktienmarktteilnehmern als Monat, der oft von heftigen Kursverlusten begleitet wird. Der wohl berühmteste Aktiencrash der Geschichte ereignete sich im Oktober 1929. Damals büßte der Standard & Poor's 500 Index 20 Prozent ein.


Im Oktober 1987 wiederholte sich die Geschichte. Dieses Mal brach der S&P 500 um 22 Prozent ein. Der Oktober anderer Jahre zeigte sich ebenfalls von keiner guten Seite: 1930 gab der S&P 500 in diesem Monat um 8,9 Prozent nach, 1932 betrug das Minus 14 Prozent, zehn Prozent 1937 und 9,2 Prozent im Oktober 1978. Im Schnitt ist der Oktober nicht der schlechteste Börsenmonat; dieses Stigma trägt vielmehr der September. Doch die Historie heftiger Kursverluste im Oktober ist einfach zu dramatisch, als daß man sie ignorieren könnte - und genau deshalb haben die Anleger in den meisten Jahren mit dem Halloween-Monat ein kleines Problem.

Im Oktober dieses Jahres hat der S&P 500 bis gestern einschließlich Dividenden 2,3 Prozent verloren, was unerfreulich, aber nicht katastrophal ist. In zehn der ersten 16 Handelssitzungen des Monats gaben die Kurse nach, während sie in den übrigen sechs Sitzungen einen Anstieg verzeichneten. Und dennoch erlebte eine Reihe von Titeln ihren ganz persönlichen Crash. Von den 2.399 in den Vereinigten Staaten gehandelten Unternehmen, die einen Börsenwert von mindestens 500 Millionen Dollar aufweisen, verzeichneten 58 bis zum 21. Oktober einen Kurseinbruch von 20 Prozent oder mehr.

Energiewerte zumindest kurzfristig im Elend

Die Energiewerte haben eine fürchterliche Entwicklung gezeigt. Imperial Oil mit Sitz in Calgary lag mit fast 24 Prozent im Minus. Chesapeake Energy in Oklahoma City gab um 20 Prozent und Noble Energy in Houston um 17 Prozent nach. Die Aktien von Apache, die ich für Kunden im Bestand halte, verloren 16 Prozent. Insgesamt hat der im S&P 500 vertretene Energiesektor bis 21. Oktober fast 14 Prozent eingebüßt. Am 19. Oktober meldete das Energieministerium einen unerwarteten Anstieg der amerikanischen Benzinvorräte. Das war der psychologische Auslöser einer Verkaufswelle, die eine Gruppe traf, die zuvor von Höhenflug zu Höhenflug gestürmt war. Seit Ende 2003 hatte der Energiesektor des S&P 500 einen Zuwachs von 61 Prozent verzeichnet, während der Index als Ganzes nur um 9,5 Prozent zulegte. Werden die Energieaktien das Staffelholz an eine andere Gruppe weitergeben? Ich kenne viele intelligente Leute, die davon überzeugt sind. Wenn wir dabei über die kommenden drei bis neun Monate sprechen, so habe ich keinen wirklichen Einwand.

Langer Atem im Energiesektor nötig

Mit Blick auf die nächsten drei bis fünf Jahre glaube ich, daß Anleger, die an ihrem Engagement im Energiesektor festhalten, froh darüber sein werden. Denken Sie an das alte Sprichwort über Land, demnach man es nicht mehr lassen werden kann. Dies scheint meines Erachtens in gleicher Weise auf Öl, Gas und Kohle zuzutreffen. Ich bevorzuge Öl gegenüber Kohle, da die Ölwerte einen günstigeren Eindruck auf mich machen. Öl und Kohle ziehe ich wiederum Erdgas vor, da hier in den Vereinigten Staaten nach meiner Meinung Knappheit herrscht und es außerdem teuer ist, den Rohstoff aus anderen Teilen der Welt nach Amerika zu bringen. Von den 139 verschiedenen Branchengruppen des S&P 500 verzeichneten im Monatszeitraum bis 21. Oktober 36 einen Anstieg und 103 einen Rückgang. Die Fluggesellschaften haben im Zuge der nachgebenden Energiepreise mit einem Plus von 7,1 Prozent die beste Entwicklung gezeigt. Flugbenzin wird aus Öl hergestellt und stellt mit den größten Kostenfaktor einer Fluggesellschaft dar. Bei manchen Fluglinien beträgt der Anteil an den Gesamtkosten 33 Prozent und mehr.

Dem Fluch zum Trotz haben Airline-Aktien zugelegt

Continental Airlines, die fünftgrößte amerikanische Fluggesellschaft, hat mit einem Plus von 23 Prozent besonders gut abgeschnitten. Das Unternehmen konnte nach einer Ticketerhöhung zum Ausgleich für die höheren Benzinpreise für das dritte Quartal einen Gewinn von 61 Millionen Dollar verbuchen. Unternehmen aus anderen Branchen konnten sich dem Oktober-Fluch ebenfalls widersetzen: RealNetworks hat in diesem Monat bislang um 44 Prozent zugelegt. Das Unternehmen verkauft Musik und Musiksoftware über das Internet. Am 11. Oktober erzielte es mit Microsoft einen Kompromiss und erhält in diesem Zusammenhang 750 Millionen Dollar. Der Kurs von Advanced Neuromodulation Systems kletterte in diesem Monat aufgrund der Übernahmeofferte von St. Jude Medical um 29 Prozent. Guess? liegt mit 23 Prozent im Plus, da der Jeanshersteller für September einen kräftigen Umsatzanstieg ausweisen konnte. Lexar Media, der Hersteller von Speicherchips für Digitalkameras, verbesserte sich um 25 Prozent, da ein Richter die Zubilligung eines 465 Millionen Dollar schweren Schadenersatzanspruches gegen Toshiba zugunsten von Lexar bestätigte. Gymboree schließlich - ein Unternehmen, das Bekleidung herstellt und Turnunterricht für Kinder im Alter von bis zu sieben Jahren anbietet - legte vor dem Hintergrund eines positiven Ergebnisberichts um 27 Prozent zu.

?Oktobercrash? scheint eher unwahrscheinlich zu sein

Die großen Kursbewegungen bei einzelnen Unternehmen weisen darauf hin, daß es beim Investieren in erster Linie nicht auf die Entwicklung des Gesamtmarktes ankommt. Vielmehr sollte es Sie interessieren, wie die von Ihnen gehaltenen Einzeltitel abschneiden. Was die Möglichkeit eines Crashs in den letzten Handelstagen im Oktober anbetrifft, so glaube ich, daß diese gering ist. Ein Crash stellt für gewöhnlich einen ?Verkaufshöhepunkt? dar - sprich der Höhepunkt an Tagen oder Wochen, in denen die Anleger zunächst pessimistischer werden, bevor sie vor dem Hintergrund fallender Kurse schließlich in Panik geraten. 1929 wurde an drei von den fünf Tagen, die dem Crash vorausgingen, ein Kursrückgang von 3,2 bis 5,9 Prozent registriert. 1987 gingen dem Crash drei aufeinanderfolgende Tage mit einem Minus von 2,3 bis 5,2 Prozent voraus. Ein fehlender Crash sollte aber nicht als Signal dafür gewertet werden, daß ?die Luft rein ist?. Der Dow Jones Industrial Average, der momentan bei 10.385 steht, war im Jahr 2005 noch nicht unter der 10.000-Punkte-Marke zu finden. Es würde mich nicht überraschen, den Dow noch in diesem Jahr bei dieser psychologisch bedeutenden Marke zu sehen - genauso wie in den Jahren 1999 bis 2004.

Quelle: faznet.de  

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