Börse macht dick

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eröffnet am: 20.11.04 09:23 von: gamblelv Anzahl Beiträge: 1
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1889 Postings, 5682 Tage gamblelvBörse macht dick

Gut das ich viel schlafe. Wer will schon nur für ein bischen Geld an Gewicht zunehmen?

Studie der Universität Chicago

Schlaflos dick

Von Sabine Adler, Handelsblatt

Wer sich in der Nacht zu wenig Ruhe gönnt, dem setzt der Schlafmangel an den Hüften kräftig zu. Damit ist eine alte Binsenweisheit bewiesen: Schlaf macht schön.

                
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Sebastian Bremers Arbeitstag hat 24 Stunden. Schließt die Börse in Tokio, wacht sie in Frankfurt auf. Bis alle Trends aus Amerika vorliegen, legt Tokio schon wieder los. ?Per Computer rund um die Uhr auf dem neuesten Stand zu sein ist ein Muss für mich?, sagt der Fondsmanager einer deutschen Bank. Um im globalen Spiel mitzuhalten, fährt der 42-Jährige einen radikalen Sparkurs ? auf Kosten seines Schlafbudgets.

Statt der üblichen sieben bis acht Stunden schläft er nur sechs. Sind die Kinder im Bett, wird der Computer eingeschaltet, oft bis weit nach Mitternacht. Fit fühlt sich der Banker trotzdem. Oft puscht ihn ein starker Kaffee. Doch was ihn wundert: Er legt in letzter Zeit an Gewicht zu, obwohl er nicht mehr isst als früher.

Es ist den wenigsten Arbeitswütigen bewusst, dass es einen Zusammenhang zwischen den Speckrollen am Bauch und der verkürzten Nachtruhe gibt. Dabei reicht schon eine Woche mit Schlafdefizit, um Hormonhaushalt und Stoffwechsel durcheinander zu wirbeln. Und das kann dick machen.

Forscher an der Universität Chicago fanden in einer Studie heraus, dass Kurzschläfer deutlich weniger insulinempfindlich sind als ausgeschlafene Zeitgenossen. Insulin ist das Schlüsselhormon bei der Blutzuckerregulierung. Es senkt den Glukosepegel, der bei der Umwandlung von Kohlenhydraten in Traubenzucker entsteht. Lässt die Insulinempfindlichkeit des Körpers nach, schnellt der Blutzuckerspiegel nach oben. Die Folge: Der Überschuss an Zucker wird in Fett umgewandelt und in den Fettzellen gebunkert. Der Schwabbelbauch ist programmiert. Schlimmer noch: Das Risiko, längerfristig an Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken, wächst.
Doch Insulin ist nicht das einzige Hormon, das für einen ausgewogenen Stoffwechsel sorgt. Auch Cortisol, Wachstumshormon und Leptin entscheiden mit, ob sich die Fettzellen aufplustern oder nicht. Alle diese Hormone sind nämlich einem bestimmten tageszeitlichen Rhythmus unterworfen. Der Blutzuckersenker Wachstumshormon und der Energiemesser Leptin werden vor allem in der ersten Nachthälfte zwischen 11 und 3 Uhr ausgeschüttet. Zu spätes Ins-Bett-Gehen, verschiebt das fein aufeinander abgestimmte Timing.

Professor Jürgen Zulley, Schlafforscher an der Uni Regensburg, Fachautor und Veranstalter von Schlafseminaren für gestresste Manager: ?Abends bremst das Wachstumshormon das Aktiv- und Stresshormon Cortisol. Schläft man zu wenig, kann es das nicht tun, und der Cortisolspiegel ist ständig zu hoch.? Zwar macht Cortisol den Schläfer morgens wieder wach und fit. Doch es hat auch die unangenehme Eigenschaft, die Einlagerung von Fett zu fördern und die Neubildung von Fettzellen zu stimulieren ? bevorzugt in der Bauchregion.

Noch nicht gesichert ist die Wirkung des erst vor ein paar Jahren entdeckten Hormons Leptin. Professor Hans Hauner, Lehrstuhl für Ernährungsmedizin der TU München: ?Leptin kommt wahrscheinlich eine Schlüsselrolle in der Regulation von Hunger und Sättigung zu.? Es wird in den Fettzellen gebildet und zeigt dem Gehirn die vorhandenen Energiereserven des Körpers an. Wird die Leptinausschüttung durch Schlafentzug gestört, könnte es Fett einlagern, statt es zu verbrennen, weil es die Energiereserven falsch misst.

Professor Hauner ist mit solchen Schlüssen allerdings vorsichtig: ?Die lebenswichtige Kontrolle des Körpergewichts unterliegt einer äußerst komplexen Steuerung. Vieles gehört in den Bereich der Spekulation. Der Leptinspiegel ist relativ robust, zeigt zwar die höchsten Werte in der ersten Nachthälfte, wird aber auch tagsüber gebildet. Hier muss noch vieles erforscht werden.?
Sicher ist: Langfristig fit bleibt nur, wer spätestens um 24 Uhr zu Bett geht und ausreichend lange in die Matratze horcht. Schlafforscher Zulley: ?Das Gefährliche am chronischen Schlafdefizit ist, dass der Betroffene sich fit fühlt, obwohl er das gar nicht ist. Er merkt nicht, dass die Gehirnleistung nachlässt.?

Forscher kamen in einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universität Pennsylvania zu dem Schluss, dass wenig Schlaf für die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit genauso schlecht ist wie gar kein Schlaf. Die Forscher verglichen die Reaktionsfähigkeit von Probanden, die 14 Tage nur sechs Stunden täglich geschlafen hatten, mit Testpersonen, die zwei Nächte hintereinander gar kein Auge zugetan hatten.

Überraschendes Ergebnis: Beide schnitten gleich schlecht ab. Doch die Sechs-Stunden-Schläfer behaupteten, überhaupt nicht müde zu sein. Das kann vor allem dann gefährlich, ja sogar tödlich werden, wenn blitzschnelles Handeln gefragt ist, etwa im Straßenverkehr.

?Wie viel Schlaf jemand braucht, ist individuell verschieden?, räumt Zulley ein. ?Doch die allermeisten sind erst nach sieben bis acht Stunden richtig fit.? Am besten lasse sich der persönliche Rhythmus im Urlaub feststellen. ?Schlafen und wachen Sie eine gewisse Zeit ganz nach den inneren Bedürfnissen. In der zweiten bis dritten Woche leben Sie im Einklang mit Ihrer inneren Uhr.?

HANDELSBLATT, Samstag, 20. November 2004, 08:28 Uhr  

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