Börse einfach - ein kleines bisschen Abstand hilft

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eröffnet am: 08.09.05 20:28 von: moya Anzahl Beiträge: 2
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08.09.05 20:28
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933624 Postings, 6146 Tage moyaBörse einfach - ein kleines bisschen Abstand hilft

Börse einfach - ein kleines bisschen Abstand hilft!

von Jochen Steffens

Kurz zum Markt. Das Beige Book wurde zu einem Non Event. Begründet wurde das damit, dass die Auswirkung der Hurrikankatastrophe noch nicht berücksichtigt gewesen seien, in den USA lägen nun ganz andere Vorrassetzung vor, die Daten des Beige Books seien demnach nicht mehr relevant.

Interessanter waren da schon die gestern veröffentlichten Lohnstückkosten. Hier war ein starker Anstieg zu verzeichnen. Das ließ erneute Inflationssorgen aufkeimen.

Inflationssorgen bedeutet: Die Fed muss die Zinsen weiter anheben. Als dann auch noch Äußerungen der Fed in die gleiche Richtung zielten, sank die "Hoffnung" der Investoren, dass die Zinsen bei der nächsten Sitzung bereits unverändert bleiben werden. Trotzdem wird es spannend werden, wie die Fed bis zum Ende dieses Jahres auf die Katastrophe reagieren wird.

Im Moment gilt aber, sollte die Fed nicht reagieren, müsste man sich doch anfangen, Sorgen zu machen, dass die Inflation in den USA vielleicht doch schlimmer sei, als bisher angenommen.

Das bleibt abzuwarten. Bis jetzt ist das nur das typisch hin und her zwischen den Extremen, Zinserhöhung oder Zinssenkung, das wir von der Börse so gut kennen. Wahrscheinlich kommt ein Mittelweg dabei raus, wie so oft.

Woran erkennt man, dass ein Trend dreht?

Ich bin gestern in eine Diskussionen mit zwei Tradern "geraten". Es ging mal wieder hitzig um den technischen Indikator, die charttechnische Formation. Woran erkennt man, in welcher Situation sich der Markt befindet? Welcher Indikator weist zuverlässig darauf hin, das der Markt dreht?

Ausgangspunkt dieser Diskussion war die

Schulter-Kopf-Schulterformation (SKS) im Dax, von der Sie vielleicht in den Tagen meines Urlaubs gehört haben, da sie von vielen Analysten in den letzten Wochen als Topformation interpretiert wurde und damit als Hinweis für das Ende des Trend . Mir sei ein Nachtrag dazu

gegönnt:

Eine zu kleine SKS

Ja, es war dieses Mal tatsächlich eine SKS und es stimmt auch: Eine SKS IST eine Topformation. Ich hatte im Target-Trader (vor meinem

Urlaub) dazu geschrieben, dass diese SKS aber viel zu klein sei. Ich rechnete schon damals damit, dass der Markt danach weiter aufwärts gehen wird. (Dieser Hinweis nur, damit Sie nicht denken: Im Nachhinein kann der nun alles hineinanalysieren). Nach so einem langen Aufwärtstrend, der schließlich bereits März 2003 gestartet ist, bedürfte es einer wesentlich größeren SKS, die sich über mehrer Monate ausbildet, damit sie als wirkliche Topformation gelten kann. Aus folgendem Grund:

Das Kursziel dieser kleinen SKS lag schließlich "nur" bei 4650 Punkten

- ein Niveau, dass den Dax jedoch noch keineswegs in einen Bereich gebracht hätte, der den Aufwärtstrend auch nur ansatzweise gefährdet.

Eigentlich kippt der Bullenmodus erst bei Kursen unter 3600 Punkte. Es hätte also einer SKS bedürft, die ihr Kursziel etwa in diesem Bereich gehabt hätte. Dazu hätte die SKS, wie gesagt, schon wesentlich größer sein müssen.

Daraufhin entbrannte die oben erwähnte Diskussion, was denn nun ein zuverlässiger Indikator dafür sei, dass ein Trend sein Ende findet.

Meine Meinung dazu ist so schlich und einfach, dass es vielen Analysten nicht gefallen kann und auch meinen Kollegen nicht gefallen

hat: Dann, wenn es anfängt auf der Longseite dauerhaft weh zu tun.

Je aufwendiger die Analyse, desto geringer die Aussagekraft

Immer wieder lese ich ausführlichste Analysen, gespickt mit unglaublich vielen Fachbegriffen. Komplizierteste Methoden werden angewandt um Charts ihr Geheimnis zu entreißen. Ich habe selbst eine ausgeprägte Neigung mich tief in die Charttechnik zu verlieren. Ich halte das auch nicht für verkehrt, doch man sollte die Charttechnik nicht als absolute Wissenschaft betrachten.

Ich sehe das alles mittlerweile viel gelassener. Ich habe jeden Indikator versagen sehen, ich musste miterleben, wie die noch so perfekt ausgeformte Chartformation mitten in der "richtigen" Bewegung zunichte gemacht wurde (so wie zum Beispiel die aktuelle SKS), ich habe viele der "Top-Systeme" zusammenbrechen sehen, ich habe Elliot Waver jammern hören, bin verzweifelten Gann-Theoretiker begegnet, durfte mitverfolgen, wie Fibonaccitrader sich die Seele aus dem Leib geflucht haben. Ich bin dankbar dafür, miterlebt zu haben, wie die arrogantesten Fondmanager der Welt, nämlich die Hedge-Fonds Manager, die zum Ende der Crash-Jahre mit ihren Trendfolgesystemen unvorstellbare Gewinne erzielten, in der langen Seitwärtsbewegung kläglichst gescheitert sind - die Börse lehrt Demut.

Wir alle haben miterlebt, wie die "zwanghaften" Bullen ihre große Zeit hatten, um dann doch in den Jahren des Crahs eine Demütigung nach der anderen erleben zu müssen. Genauso haben wir miterlebt, wie die "zwanghaften Bären" nach 2003, auf dem Hochpunkt ihrer Analysen, ebenso den nachhaltigen Demütigung der aktuellen Rallye zum Opfer fielen. Analysen kamen und gingen, die meisten waren: Falsch!

Wenn man sich dieses ganze Spektakel mit der gehörigen Portion Distanz ansieht, wird man mit der Zeit all das Theater an den Börsen wesentlich gelassener sehen. Die Untergangsanalysen, wie die Bullenträume, all die Gerüchte, all der Geschrei und Getöne. Ich denke mittlerweile sehr oft, wenn ich eine solche Analyse sehe: Klar, dieses Szenario KANN eintreten, aber es MUSS nicht.

Mit Distanz zum Erfolg

Warum ich Ihnen das schreibe? Diese Distanz ist einer der wichtigen Pfeiler zum Börsenerfolg. Sie werden gelassener, sehen die Märkte steigen und handeln entsprechend und Sie sehen die Märkte fallen und handeln entsprechend. Ist der Markt unentschlossen, dann seien sind Sie es auch und verringern Ihre Positionen auf das Nötigste, bis sich wieder klarere Richtungen ergeben.

Es ist schon seltsam, dass nach all den Jahren letzten Endes das übrig bleibt, was uns die alten Börsenmeister (Kostolany z.B.) schon immer mitzuteilen versuchten, nur - haben wir daran geglaubt?

Gruß Moya

 

08.09.05 20:29

933624 Postings, 6146 Tage moyaUS-Konjunkturdaten

US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Die Zahl der Erstanträge ist auf 319.000 zurückgegangen. Erwartet wurden 315.000 bis 375.000 neue Anträge nach zuvor 320.000.

Immer noch nichts Neues hier, die Erstanträge werden zunnehmend zu einem Non-Event. Die Stabilität ist jedoch eher bullish zu werten.

Doch auch hier könnte sich der Hurrikan in den nächsten Wochen auswirken.

Die Lagerbestände im Großhandel sind um 0,1 % geschrumpft. Erwartet wurde 0,6 %, nach zuvor +0,7 %.

Das Verhältnis Lagerbestände gegenüber Umsatz (Inventories/Sales
Ratio) liegt bei 1,18 nach zuletzt 1,17.

Die Rohölvorräte (Crude Oil Inventories) sind in der vorangegangenen Woche um 6,45 Mio. Barrel zurückgegangen nach zuvor -1,52 Mio. Barrel.

Die Benzinvorräte (Gasoline Inventories) haben sich im Wochenvergleich um 4,3 Mio. Barrel verringert nach zuletzt Minus 508.000 Barrel.

Die Vorräte an Destillaten (Distillate Inventories) sind gegenüber der Vorwoche um 816.000 Barrel geschrumpft nach zuvor +2,75 Mio. Barrel.

Es war allgemein erwartet worden, dass die Vorräte aufgrund der Katastrophe deutlich schrumpfen. Anhand der Marktreaktion kann man jedoch sehen, dass mit schlechteren Zahlen gerechnet wurde.

Gruß Moya

 

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