Autoindustrie - Die China-Chance

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neuester Beitrag: 02.03.03 14:00
eröffnet am: 02.03.03 12:45 von: Nassie Anzahl Beiträge: 2
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15990 Postings, 6883 Tage NassieAutoindustrie - Die China-Chance

Auto-Industrie: Kurve kriegen in China (EurAmS)
 
Beim Genfer Autosalon herrscht gute Laune. Grund ist die Öffnung des größten Automarktes der Zukunft: In China sinken die Zölle und steigen die Einkommen. Der Markt boomt
von Christiane Habrich-Böcker, Euro am Sonntag 09/03

Auf der nächsten Dienstreise nach China könnte VW-Chef Bernd Pischetsrieder ins Träumen kommen. Denn im Reich der Mitte fehlen, gemessen an deutschen Verhältnissen, rund 600 Millionen Autos.

Da kann man schon mal in träumerische Hochrechnungen verfallen. Denn VWs derzeitiger Marktanteil in China beträgt sagenhafte 51,3 Prozent. Im vergangenen Jahr lieferte der VW-Konzern dort rund 513000 Pkw aus. Im Januar verkauften die Wolfsburger erstmals mehr Autos in China als in Deutschland. Spätestens 2007 will der deutsche Autobauer die Millionen-Absatzgrenze überschreiten. Das Ziel ist realistisch. China ist mit knapp 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt. Das Absatzpotenzial für Autos von Pischetsrieder und Kollegen ist gigantisch. Chinas Volkswirtschaft wächst schnell, jährlich um stolze sieben bis acht Prozent. Werte, von denen derzeit jede andere Wirtschaftsnation nur träumen kann. Und Chinas Führung unter Premier Zhu Rongij hält an der Politik der Marktöffnung fest. Höhepunkt dieser Politik war der Beitritt in die Welthandelsorganisation WTO.

Dabei galt China lange Jahre als uneinnehmbare Festung. Bis Anfang der 90er-Jahre war der bevölkerungsstärkste Binnenmarkt der Welt im wahrsten Sinne des Wortes eingemauert. Ein Selbstversorger-Markt, vor allem, was Autos anbetraf. Die einheimischen Marken Xiali und Fukang beherrschten die Straßen. Nur eine westliche Automarke war in nennenswerten Anzahl auf Chinas Straßen zu sehen: Volkswagen. Der damalige VW-Chef Carl Hahn begann schon im Jahr 1978 - von der Konkurrenz belächelt- mit der kommunistischen Regierung unter Führung von Deng Xiaoping zu verhandeln. 1984 gründete der Konzern dann das erste Joint Venture mit 50-prozentiger VW-Beteiligung. Sitz wurde Shanghai. 1985 wurde der erste VW (Modell Santana) in China montiert. 1990 wurde in Peking mit FAW Volkswagen das zweite Joint-Venture gegründet.

Heute sind Santana und Jetta aus dem chinesischen Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Auch der Audi A6 ist seit 1995 als eines der teuersten Autos in China zu haben. Und neuerdings ist VW an einem Getriebe-Joint-Venture beteiligt, an dem die Deutschen sogar 60 Prozent halten - ein absolutes Novum. Für Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer nur eine Zwischenstation: "China wird für uns eine herausragende Rolle spielen. Allein in den kommenden fünf Jahren werden wir drei Milliarden Euro in diesen Markt investieren."

Um den bisherigen Vorsprung zu halten, brennt VW ein wahres Produktfeuerwerk ab. So wird es neben Santana, Jetta, Bora, Polo, A6 und Gol - einer abgespeckten Golf-Version - künftig auch den echten Golf, den Touran sowie den Polo mit Stufenheck in China zu kaufen geben. Audi produziert zudem auch den A4 in China über das FAW-Joint-Venture. Die Absatzplaner der Autohersteller rechnen mit der Konsumfreude der Chinesen, steigenden Einkommen und sinkenden Zöllen und Abgaben. Auf 100 chinesische Stadthaushalte kommen derzeit 116 TV-Geräte, sehr viele Fahrräder aber nur ein Pkw. Das Pro-Kopf-Einkommen in Shanghai, der reichsten Region Chinas, liegt noch unter 2000 Euro pro Jahr. Ein Pkw kostete bislang - Kaufpreis und Betriebskosten aufs Jahr umgerechnet - im Schnitt den wohlhabenden Chinesen rund 1910 Euro per anno. Zwar begann mit dem WTO-Beitritt im Jahr 2001 der Abbau der immens hohen Einfuhrzölle. Aber immer noch gilt: Nur, wer mit einem Joint-Venture im Land selbst montiert, den treffen keine Behinderungen staatlicher Stellen.

Die ausländischen Hersteller stehen seitdem in Startposition, um das Dorado zu erobern. Aber die, die jetzt erst kommen, müssen den Vorsprung der bereits vor Ort etablierten Wettbewerber aufholen. Eine ähnliche Konstruktion wie VW kann bislang nur Toyota (Tianjin Toyota), die die Familien-Fahrzeuge Vios und Vizi in China produzieren, aufweisen. Mit von der Partie ist auch General Motors (Shanghai-GM), die im vergangenen Jahr den Sail einführten. BMW und Mercedes stehen schon auf dem Gas. Gerade noch rechtzeitig. Und bei beiden verlaufen die Gespräche - nach eigenen Aussagen - nach Plan. Doch das Genehmigungsverfahren ist eine zeit- und nervenraubende Prozedur. BMW beispielsweise, die derzeit mit Brillance China Automotive Holdings verhandeln, stecken schon seit einiger Zeit in dieser Bürokraten-Tretmühle: Die Münchner haben seit Juli vergangenen Jahres den genehmigten Projektvorschlag in der Tasche. Die Machbarkeitsstudie wurde Ende September eingereicht. Die Genehmigung durch den Zentralrat dürfte in den nächsten Wochen erteilt werden. Und erst dann kann der eigentliche Vertrag genehmigt werden. Danach erfolgt die Unterschrift und anschließend die Erteilung der "Business Licence", die dann endlich grünes Licht für die Geschäftsaufnahme gibt.

Doch trotz aller Hürden bleibt Michael Ganal, Vertriebsvorstand bei BMW optimistisch: " Wir liegen zeitlich voll im Plan und bleiben zuversichtlich, dass wir das Joint Venture in den nächsten Monaten gründen und in der zweiten Jahreshälfte 2003 in Produktion gehen können. Ein konkreter Zeitpunkt für die Gründung steht allerdings noch nicht fest." Ist es dann soweit, wird BMW den 3er und 5er in China produzieren. Die anderen Modelle werden über Importeure angeboten. Auch der Mini ist seit diesem Jahr für die Chinesen zu haben.

Doch das Warten lohnt sich - nicht nur für BMW. Allein 2002 ist der Pkw-Markt um 50 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge gewachsen. Und vor allem steigt die Zahl der reichen Privatkunden. Prognosen zufolge wird sich die Zahl der in diesem Segment verkauften Automobile in den nächsten zehn Jahren verdreifachen. "Im Jahr 2002 hat die BMW Group in China 9400 Fahrzeuge abgesetzt. Ein Plus von 64 Prozent gegenüber 2001. Darunter waren 2200 7er-Modelle, was China", so Ganal, "zu einem der größten 7er-Märkte macht."

Auch Jürgen Hubbert, Chef von Mercedes, setzt darauf, dass die Schicht der wohlhabenden Chinesen schnell wächst. Die Marke mit dem Stern will mit der C- und der E-Klasse auf die neuen chinesischen Freeways rollen. Mittelfristig schätzt Hubbert das Marktpotenzial auf 20000 bis 30000 Pkw im Jahr. Auch die Schwaben stehen kurz vor Abschluss des Eintrittsverfahrens. "Es laufen sehr erfolgreiche Gespräche beziehungsweise Verhandlungen", so ein Firmensprecher. Indiz dafür: Am 1.April tritt Asien-Experte Roman Fischer (47) einen neu geschaffenen Posten als China Chairman an und wird direkt an DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp berichten.

Gute Noten also für die deutschen Hersteller, was den chinesischen Markt betrifft. Doch die Frage nach den Profiten ist derzeit noch schwierig zu beantworten. Zwar sind die Hersteller zu 50 Prozent an den Joint-Ventures beteiligt. Bislang und in der nächsten Zeit aber werden die Investitionen sehr hoch sein. Und die Gewinne sollen - so will es derzeit die chinesische Regierung - im Reich der Mitte bleiben.

Aber schon in fünf bis zehn Jahren wird der chinesische Markt ordentliche Profite abwerfen. Bis dahin bleibt das Hersteller-Engagement eine Wette auf die Zukunft.
 
 

02.03.03 14:00

9161 Postings, 7645 Tage hjw2na bitte, da sollte man doch in strassenbau-firm.

investieren  

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