Auswirkungen der Finanzkrise auf den Fußball

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eröffnet am: 04.08.08 03:02 von: sacrifice Anzahl Beiträge: 4
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29429 Postings, 5582 Tage sacrificeAuswirkungen der Finanzkrise auf den Fußball

Finanzkrise in der Primera Division?

Samstag, 02. August 2008

Der unkaputtbare Fußball

       

München - "Jesus Christus ist auch gekreuzigt worden." Jose Luis Nunez war eigentlich nicht bekannt für seinen Größenwahn. Zumindest nicht zu Beginn seiner Laufbahn.

       

Nunez war ein überaus erfolgreicher Unternehmer. Und als solcher wird man nicht Multimillionär mit Tagträumereien. Nunez' eigentliches Schicksal waren aber nicht Milliarden Peseten auf dem Konto oder der Zement an seinen Schuhen.

Seine Obsession war der FC Barcelona. 20 Jahre stand Nunez dem katalanischen Heiligtum vor. Präsident eines Profi-Klubs - ein Privileg, das in Spanien mehr gilt als der Posten eines Ministers.

Eine Kultur des Kaufens

Nunez sah sich zum Ende seiner Amtszeit von der Opposition in die Enge getrieben und lieferte auf der Hauptversammlung eines der bekanntesten Bonmots des spanischen Fußballs.

Im realen Leben war er Bauunternehmer. Spätestens Mitte der 70er Jahre hatte im spanischen Fußball jeder Klub, der etwas auf sich hielt, einen Bauunternehmer zumindest in der Vorstandschaft sitzen. Rund 15 Prozent des spanischen Bruttoinlandprodukts lieferte der Bausektor, nach Dienstleistungs- und Energiesektor der dritt wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Und den Vereinen ging es gut.

Money, Money, Money

     

Einnahmen der Top-Klubs 2007:

  • Real Madrid 351 Mio. Euro
  • FC Barcelona 290 Mio. Euro
  • FC Valencia 108 Mio. Euro
  • Atletico Madrid 81 Mio. Euro

Die Granden von Real, Atletico oder eben Barca genehmigten sich sogar einen Tycoon als obersten Mann im Verein. Die Bau- und Immobilienbranche boomte nach der Franco-Diktatur, Häuser und Hotels schossen nur so aus dem Boden. Grund wurde billig eingekauft und teuer wieder verkauft.

"Wir hatten über zwei Generationen lang eine Kultur des Kaufens. Jeder wollte sich alles leisten können. Wieso ein Haus mieten, wenn ich auch eines kaufen konnte? Manche Banken gewährten Hypotheken über den vollen Kaufpreis. Es war verrückt", sagt Ricardo Moar im Gespräch mit SPOX.

Die Angst geht um

Moar, ehemals Manager bei Hannover 96 und seit vier Jahren wieder zu Hause bei Deportivo La Coruna, erfährt nun in seiner Eigenschaft als Sportdirektor bei Depor den Zerfall einer der größten Einnahmequellen des spanischen Fußballs am eigenen Leibe.

Der Immobilienmarkt liegt am Boden, "die große ökologische Lüge" ist aufgeflogen, so Moar. Und spätestens seit eine der größten Baufirmen des Landes, Martinsa-Fadesa, vor gut zwei Wochen seine Aktien an der Börse aussetzte und Insolvenz anmelden musste, geht die Angst um in Spaniens Fußball.

Die Schicksale ganzer Klubs sollen eng verflochten sein mit denen ihrer zahlungskräftigen Gönner und Sponsoren aus dem Baugewerbe. Von Provinzklubs wie Alaves bis rauf in die Beletage, zu Racing Santander oder dem FC Valencia.

"Den Fußball kann nichts kaputt machen"

Sie alle haben die Grundfesten ihres Klubs auf Steine und Baustahl gebaut - jetzt droht angeblich der finanzielle Kollaps. Für den Außenstehenden mutet die Lage ein wenig an wie die der New Economy kurz vor dem großen Knall Anfang des Jahrhunderts.

"Es ist ein Problem. Aber so groß wie es gemacht wird, ist es gar nicht", sagt Moar. "Deportivo hatte bis letzte Saison Martinsa-Fadesa als Hauptsponsor. Wir haben gemerkt, dass wir Probleme bekommen könnten und haben den Vertrag nicht verlängert."

Zwar fehlen Depor jetzt rund zwei Millionen Euro, aber "wir haben so gut wie sicher einen neuen Trikotsponsor", verrät Moar. Und außerdem: "Vor allem die kleinen Klubs leben und überleben von den Einnahmen aus den Fernsehgeldern und dem Ticketverkauf."

Also alles halb so schlimm? "Den Fußball kann man nicht kaputt machen. So lange das Fernsehen und die Fans noch da sind, passiert uns nichts. Fußball ist ein Allgemeingut, das wichtigste in Spanien. Und sollten alle Stricke reißen, dann schaltet sich die Politik ein."

Die Politik sichert ab

In La Coruna leben ca. 250.000 Menschen. Galizien ist eine schwer gebeutelte Region. Die Fischerei steckt in der Krise, die Strände locken nicht mehr so viele Touristen an wie früher.

"Aber wir haben 25.000 Dauerkarten verkauft und die Hälfte der Leute hier verfolgen Depor regelmäßig. Diese Stadt lebt den Verein." Und Politiker, die gegen den drohenden Niedergang ihres Klubs in ihrer Stadt oder Region nichts unternehmen würden - ob legal, halblegal oder illegal - wären die längste Zeit in Amt und Würden.

Fallbeispiel Real Madrid

Als Real Madrid vor einigen Jahren in einer brenzligen finanziellen Lage war und den Klub rund 280 Millionen Euro Schulden drückten, kauften die Behörden kurzerhand das Trainingsgelände der Königlichen im Stadtzentrum am Estadio Santiago Bernabeu (Bild) auf und bebauten das Gebiet mit den höchsten Wolkenkratzern downtown.

Real bekam im Gegenzug - neben einem stattlichen Verkauferlös, die Rede war von 400 Millionen Euro - ein Gelände draußen am Flughafen Barajas zugeteilt. Mittlerweile liegt dessen Grundstückspreis weit über dem des alten Geländes in der Stadt.

Vom satten Überschuss genehmigten sich die Königlichen mit dem damaligen Präsidenten Florentino Perez an der Spitze unter anderem Superstars wie David Beckham, Luis Figo oder Zinedine Zidane. Es war die Geburtsstunde der Galacticos.

"Die Politik wird immer da sein. Auch für die kleineren Klubs. Und wenn ein Geldgeber aussteigen will, stehen im Normalfall schon drei, vier andere bereit, die ihre Namen und ihre Firma gerne im Zusammenhang mit der Rettung des Klubs sehen wollen", erklärt Moar.

Es gibt ein Problem

Das einzig wirkliche Problem sieht der 54-Jährige in der "ley con cursal". Ähnlich wie bei einem Insolvenzverfahren können in Spanien dank des völlig legalen Konkursgesetzes Schulden erlassen werden, einfach so. Aus 100 Millionen Euro werden dann auf einen Schlag 60 oder 50 Millionen.

"Warum ich mir einen Flugzeug- träger gekauft habe? Weil ich noch keinen hatte!" (Jesus Gil y Gil)

"Der Staat überwacht einen dann und sobald du deine Schulden abgebaut hast, geht alles wieder von vorne los. Am Anfang war es vielen Unternehmen peinlich, die 'ley con cursal' zu benutzen. Mittlerweile ist das Gesetz völlig salonfähig. Jesus Gil y Gil und Atletico Madrid haben das jahrelang praktiziert."

Gil, ehemaliger Bürgermeister von Marbella, Paradiesvogel mit latentem Hang zum Größenwahn und selbstredend Bauunternehmer, war bis zu seinem Tod der berüchtigste aller Tycoone im spanischen Fußball.

Vereine wie Ex-Meister Real Sociedad San Sebastian, UD Levante oder Celta de Vigo kamen dank des fragwürdigen Konkursrechts bereits um drohende Zwangsabstiege herum.

Der Knackpunkt an der "ley con cursal": Viele klamme Vereine wollen sich nun auch bei der Bezahlung der Spielergehälter darauf berufen. So könnten Profis rund 50 Prozent ihres Gehaltes flöten gehen, einige wenige aus der Segunda Division (2. Liga) oder der Segunda B (3. Liga) sind schon an der festgelegten Untergrenze von 66.000 Euro pro Jahr angelangt.

Einigung in letzter Minute

Die Spielergewerkschaft AFE ging auf die Barrikaden und rief zum Streik auf. Im schlimmsten Fall drohte ein Boykott des 1. Spieltags am letzten Augustwochenende. "Das könnte durchaus passieren. Es kommt darauf an, wie viele Vereine das Gesetz anwenden", sagt Moar. "Ich hoffe, es sind nicht zu viele."

Seit Freitagnacht, 24 Uhr ist zumindest klar: Weder Boykott noch Streik finden statt. Vertreter der AFE und des Ligaverbands LFP haben ein Abkommen unterzeichnet, das den Missbrauch des Konkursrechts durch zahlungsunfähige Vereine unterbinden soll und die Bildung eines Garantiefonds für die Spieler vorsieht.

Dennoch ist ein erster Anfang in eine neue Zeitrechnung schon gemacht. Am Freitag verlor Levante, Absteiger aus der Primera Division, gleich mehrere Spieler auf einen Schlag.

Der Klub war dermaßen in finanzielle Schieflage geraten, dass seit Monaten keine Gehälter mehr ausgezahlt werden konnten und den Spielern Auflösungsverträge angeboten wurden.

Die ersten neun Profis, darunter auch Argentiniens Nationalkeeper Pablo Cavallero, nahmen prompt an.

www.spox.com/de/sport/fussball/international/...finanzkrise-moar.html

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sac .....))

04.08.08 13:45

29429 Postings, 5582 Tage sacrificeup

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sac .....))

04.08.08 21:50

29429 Postings, 5582 Tage sacrificeIn Deutschland läuft das irgendwie anders...

29.07.08
     Bundesregierung: Bald Werbeverbot für Alkohol?

Deutschland steht vor der Einführung eines Werbeverbotes für Alkohol, Werbewirtschaft warnt vor Zensur! Diesen Herbst wird die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ein "Nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention" vorlegen, das gerade im Juni aktualisiert wurde. Zusätzlich fordert die Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) einen "Verzicht" der Imagewerbung bei alkoholhaltigen Getränken. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft warnt inzwischen vor einer Werbezensur in Deutschland.

Das ist das bedrohliche Szenario für Genussmenschen, Medien und Hersteller alkoholischer Getränke wie Wein und Bier. Bereits seit Wochen geht ein Raunen durch Online-Foren, durch Genuss- und Weinblogs: Die Anlässe sind Weinzensur in Frankreich, drastische Strafen gegen Redaktionen und Erzeuger und der Vergleich Wein mit Pornografie.

Die Diskussion ist nun in Deutschland angekommen. In seinen Empfehlungen an die Drogenbeauftragte vom Juni fordert der Drogen- und Suchtrat auf längere Sicht ein Totalverbot der Alkoholwerbung sowie ein Verbot von Sponsormaßnahmen der Alkoholindustrie. Bereits vorher solle die Alkoholwerbung im Fernsehen und Kino vor 20 Uhr sowie das Sponsoring im Sportbereich untersagt werden. Mit einem "Alkoholwerbekontrollgesetz" sollen Bund und Länder Alkoholwerbung künftig "auf dem Verordnungswege" in den Medien untersagen dürfen, die über reine Produktinformationen hinausgeht.

Imagewerbung wäre damit de facto kaum noch möglich. Behältnisse für alkoholhaltige Getränke sollten nach den Vorstellungen des Drogen- und Suchtrates außerdem Warnhinweise wie in Frankreich und den USA tragen, die auf die Gefahren des Alkoholkonsums mit dem Lenken von Fahrzeugen und während der Schwangerschaft aufmerksam machen. Neben drastischen Steuererhöhungen schlagen die Verfasser, Vertreter von Ländern, Ministerien, Krankenkassen, Ärzten und Rentenversicherern, außerdem Verkaufsverbote von Alkohol an Auto-Raststätten und Tankstellen vor.

Julia Klöckner, die Verbraucher-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorstandsmitglied des Parlamentarischen Weinforums, warnt vor Aktionismus. "Wir haben Gesetze gegen Koma-Saufen von Jugendlichen, sie müssen nur beachtet und umgesetzt werden", sagte sie den Wein- und Gourmetwelten. "Wir brauchen Aufklärungskampagnen, die in die Schulen reingehen." Sportvereine würden massive finanzielle Probleme bekommen, wenn beispielsweise die Bandenwerbung für Bier in den Stadien wegfalle.

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) erwartet, das sich in den "kommenden vier Jahren die Szenarien aufklären werden" und warnt davor, dass durch "diese Art von Werbezensur der Wettbewerb abgebaut" werde, so ZAW-Sprecher Volker Nickel gegenüber den Wein- und Gourmetwelten.

Der ZAW erwartet weiterhin, das Werbeverbote zu "massiven Schädigungen des Wettbewerbs und zu enormen Schäden bei den Medien" führe. Sie würden bei einem Werbeverbot für alkoholhaltige Getränke gegenwärtig 557 Millionen Euro weniger einnehmen (64 Prozent TV, 27 Prozent Print und 9 Prozent Radio). Ein Sponsoringverbot führe zudem zur Erosion des Breitensports durch den Entzug von Finanzmitteln. Jährlich fließen etwa 400 Millionen Euro an Vereine und Sportveranstaltungen. Die Existenz Tausender Sportvereine ist dann gefährdet.

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft setzt sich für eine strikte Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen des geltenden Jugendschutzrechts ein und lehnt neue Regelungen, Werbeverbote oder Verschärfungen des Jugendschutzgesetzes ab.

Dem Gremium "Drogen- und Suchtrat" unter Vorsitz der Drogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) gehören Vertreter von Ländern, Ministerien, Krankenkassen, Ärzten und Rentenversicherern an. Erst kürzlich forderte die Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) Anfang Juli einen "Verzicht" der Imagewerbung bei der Bewerbung alkoholhaltiger Getränke und diese durch Produktwerbung zu ersetzen. Das Votum erging einstimmig, die Konferenz sieht "weitergehende konkrete Handlungserfordernisse".

Anmerkung: Wenn dieser Zug nicht aufgehalten wird, läuft es genauso wie beim Tabak: Totalverbot von Werbung für Wein und Alkoholika in Fernsehen und Hörfunk, weitgehend in den Printmedien und dem Internet. Das wird extreme Auswirkungen auf Wein- und Gourmetzeitschriften, Event-Sponsoring und Online-Genuss-Portale haben.

Das Aktionsprogramm wird bei Erfolg auch den Genuss von Wein und Bier in der Öffentlichkeit, also in Restaurants, einschränken. Schlussendlich wird der verantwortungsvolle Genuss von Wein in unverhältnismäßiger Weise diskreditiert und kriminalisiert. Auch der Verbrauch von Wein wird sinken. Nicht umsonst fordern die Winzer in Frankreich eine Aufhebung des Werbeverbotes für Wein.

www.about-drinks.com/en/news/00007941.html

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09.10.08 16:27

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