Auf den Spuren eines Phantoms

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neuester Beitrag: 07.09.05 12:35
eröffnet am: 07.09.05 12:31 von: bammie Anzahl Beiträge: 5
neuester Beitrag: 07.09.05 12:35 von: Kalli2003 Leser gesamt: 210
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07.09.05 12:31

8970 Postings, 6277 Tage bammieAuf den Spuren eines Phantoms

Von  Christoph Seidler

Die russische Webseite Allofmp3 verkauft Musikdownloads zu Spottpreisen. Die juristische Grundlage dafür gilt als dürftig, doch das stört das Unternehmen nicht, das im Stillen seine Geschäfte macht. SPIEGEL ONLINE hat sich auf die Spuren eines der ärgsten Feinde der Musikindustrie gemacht.

Die vierspurige Planetnaya-Straße liegt etwas außerhalb des Zentrums von Moskau, in der Nähe der Metrostation "Aeorport". Eine mittelmäßig repräsentative Wohngegend mit einigen kleinen Geschäften. Im Haus Nummer 29, wo auf einigen der Balkons Gras wächst und im Keller ein kleiner Pelzladen ums Überleben kämpft, sitzt einer der ärgsten Feinde der Musikindustrie: die Firma Media Services Inc.

Vielleicht.

Media Services Inc. ist Betreiber der Webseite Allofmp3, die auf juristisch höchst fragwürdiger Basis Musikdownloads anbietet - und mit Kampfpreisen von einigen Cent pro Lied iTunes und Konsorten das Fürchten lehrt.

Das Angebot der Russen ist zwar kleiner als das von iTunes, aber trotzdem beeindruckend: Die Datenbank enthält weit über 300.000 Titel - beziehungsweise gut 25.000 komplette Alben. Darunter sind rund 1200 Filmsoundtracks und fast 1000 Klassik-CDs. Und auch die Charts sind vollständig erhältlich. Neben den Hitlisten aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich oder Italien gibt es auch spezielle Angebote für aktuelle HipHop- oder Elektronik-Titel.

Doch eine Spur von Media Services Inc. sucht man in der Moskauer Planetnaya Straße vergeblich - und das obwohl sich laut Firmenangaben genau dort der Hauptsitz des Unternehmens befindet. Wohnungen und Briefkästen im Haus Nummer 29 tragen keine Namen, sind wie in Russland üblich nur nummeriert. Von einem Firmenschild ist weit und breit nichts zu sehen und auch die Bier trinkenden jungen Männer im Innenhof des Hauses haben von Media Services Inc. nach eigenem Bekunden noch nie etwas gehört.

Allofmp3 beschäftigt Gerichte - nur nicht in Russland

Dafür, dass Allofmp3 in Russland so auffällig unauffällig ist, hat das Angebot weltweit allerdings hohe Wellen geschlagen. Im Frühjahr beschäftigte es zum Beispiel die deutschen Gerichte. Das Landgericht München I erließ auf Antrag sechs führender Musikkonzerne, darunter EMI Music, Sony BMG und Warner Music, eine einstweilige Verfügung gegen Allofmp3. Danach wird dem Unternehmen untersagt, nach deutschem Urheberrecht geschützte Aufnahmen im Web zum Download bereitzustellen.

Für Wirbel sorgte diese Entscheidung vor allem deshalb, weil im Anschluss zahlreiche Privatpersonen und Medienunternehmen durch eine Münchner Anwaltskanzlei abgemahnt wurden. Sie hatten in ihrer Internet-Berichterstattung über den Fall Links auf das Angebot von Allofmp3 gesetzt - und sich damit nach Ansicht der Anwälte der Beihilfe schuldig gemacht. Pro Unterlassungserklärung wären mehrere Tausend Euro Anwaltskosten fällig.

Der Heise-Verlag in Hannover, Betreiber des erfolgreichen Internetdienstes "heise online", sah das anders und wollte die Links deswegen nicht entfernen. Durch eine weitere einstweilige Verfügung wurde der Verlag allerdings dazu gezwungen. Ein Aufschrei wegen der vermeintlichen Einschränkung der Pressefreiheit ging durch die Medien des Landes. So fürchtete etwa die renommierte "Süddeutsche Zeitung" das Heraufziehen "chinesischer Verhältnisse". Die deutschen Phonoverbände verteidigten das harte Vorgehen indes. Sprecher Hartmut Spiesecke erklärte, man brauche zwar "eine freie Presse, aber auch eine, die sich an Recht und Gesetz hält".

Allofmp3 dagegen ist sich sicher, dass das eigene Geschäftsgebaren mit Recht und Gesetz konform ist - jedenfalls in Russland. Die Firma wird nicht müde, auf eine Lizenz der "Russischen Organisation für Multimedia und digitale Systeme" (ROMS) zu verweisen. Darin ist geregelt, dass Media Services Inc. online Musik anbieten darf - und dafür im Gegenzug Lizenzgebühren zahlt. Ob davon allerdings etwas bei den Künstlern ankommt, darf als mehr als fraglich gelten.

Technologisch ist das Konzept der Russen allerdings sehr attraktiv. Durch die Technologie des so genannten Online Encoding können User ihre Musik in einem Dateiformat und in der Qualität ihrer Wahl herunterladen. Unterstützt werden unter anderem die Formate MP3, Windows Media und Ogg Vorbis in verschiedenen Qualitätsstufen - und zwar im Gegensatz zur Konkurrenz, etwa von iTunes, ganz ohne Kopierschutz.

Grenzenloser Shop für ein begrenztes Publikum?

Um sich vor möglichen Problemen zu schützen, distanziert sich Allofmp3 in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich von möglichen Rechtsverstößen ausländischer User: "Die Verwaltung von Allofmp3 hält nicht Schritt mit den Gesetzen verschiedener Länder und ist nicht verantwortlich für das Handeln nicht-russischer User."

Allofmp3 konzentriert sich nach eigenem Bekunden auf den russischen Markt. "Wir stehen nicht im Wettbewerb mit ausländischen Anbietern. Wir arbeiten im Wesentlichen für russische User", erklärte Media-Services-Manager Vadim Mamotin vor rund einem Jahr in einem Interview. Der Prozentsatz der ausländischen Kunden sei marginal.

Doch ganz so einfach liegen die Dinge wohl nicht. Immerhin ist das gesamte Angebot auch in englischer Sprache erhältlich, weltweite Bezahlmöglichkeiten mit Kreditkarte oder dem Internet-Bezahldienst Paypal inclusive. Dabei nutzt die Firma die Dienste des russischen Bezahlspezialisten "Cyberplat".

Das Interview vor einem Jahr ist die einzige öffentliche und offizielle Äußerung eines Allofmp3-Mitarbeiters. Dieser Tage ist es nur schwer möglich, Kontakt zum Management der Firma herzustellen. Eine freundliche junge Mitarbeiterin bittet am Telefon um Zusendung der Fragen per E-Mail.

Einige Zeit später erhält SPIEGEL ONLINE dann eine Mail von Manager Vadim Medvedev. Er verweist trotz einer detaillierten Anfrage mit insgesamt zehn Fragen nur allgemein auf das Interview vor einem Jahr. "Die Situation hat sich seitdem nicht geändert", so Medvedevs lapidare Feststellung.

Noch schweigsamer sind die Partner der Firma, unter ihnen die russische Telekommunikationsfirma "Rosnet", auf deren Servern in der russischen Exklave Kaliningrad das Angebot von Allofmp3 liegt. Von dort gibt es gar keine Antwort.
Währenddessen floriert das Geschäft der mehr oder weniger verborgen operierenden Firma weiter. Im eigenen Land muss der Billigheimer unter den Downloadshops wohl vorerst keine rechtlichen Konsequenzen befürchten. Immerhin operiert das Angebot auch schon seit fast genau vier Jahren. Der internationale Musikbranchenverband IFPI hatte zwar im Frühjahr dieses Jahres versucht, das Angebot komplett verbieten zu lassen. Nach kurzen Ermittlungen hatte die russische Justiz das Verfahren aber eingestellt. So schnell, wie es sich die Musikindustrie wünscht, lässt sich Allofmp3 also wohl nicht aus dem Netz vertreiben.

Außerdem sind unterdessen Konkurrenzangebote wie der russische Dienst MP3Search entstanden. Sie kopieren das Geschäftsmodell von Allofmp3 - und vergrößern die Schwierigkeiten der Musikindustrie. Selbst wenn es ihr gelingen sollte, Allofmp3 eines Tages aus dem Netz zu klagen, so wie sie es Ende Mai mit dem nach einem ähnlichen Modell operierenden spanischen Dienst Weblisten geschafft hat, wird das Problem wohl bestehen bleiben. Die Allofmp3-Klone müssen unter Umständen nur von Russland in andere Länder ausweichen, vielleicht nach Usbekistan oder Nordkorea.

Dieser Text entstand unter Mitarbeit von Erik Maier, spiegel.de  

07.09.05 12:33

58960 Postings, 6495 Tage Kalli2003*JIMPS*

So long (oder doch besser short?)  

Kalli  

 

07.09.05 12:33

61594 Postings, 6252 Tage lassmichrein*JIMPS*

http://www.ariva.de/board/230567

 

ariva.de

 

 

07.09.05 12:34

61594 Postings, 6252 Tage lassmichreinMein *JIMPS* war besser, da mit Quelle ;-p

07.09.05 12:35

58960 Postings, 6495 Tage Kalli2003Mein *JIMPS* war besser, da schneller ;-p

was will er mit dem Link; er kennt den Beitrag doch?! Blödes Argument ...

So long (oder doch besser short?)  

Kalli  

 

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