Anleger sollen aus dem Paradies vertrieben werden

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 02.03.03 14:38
eröffnet am: 02.03.03 14:38 von: Nassie Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 02.03.03 14:38 von: Nassie Leser gesamt: 120
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

02.03.03 14:38

15990 Postings, 6884 Tage NassieAnleger sollen aus dem Paradies vertrieben werden

Die steigende Flut von Finanzrichtlinien droht manches ausländische Anlageparadies zu verschlingen. Seit den Anschlägen auf New York und Washington wird Geldwäsche weltweit entschlossener bekämpft.




Dies soll zusammen mit dem Druck der Aufsichtsbehörden den Anlageparadiesen einen Marktvorteil nehmen, nämlich ihre geringen Steuern und die im Vergleich zum Inland weit laxere Offenlegungspflicht. Die Zahl der Vermögenden ist in jüngster Zeit rasch gestiegen, und damit hat sich auch das Kundenprofil verändert. Statt Geheimhaltung und Steuerflucht sind inzwischen Dienstleistung und Kapitalrendite die wichtigsten Triebfedern des Geschäfts.

Die Kunden sind jetzt viel eher gewillt, ihr Vermögen im Lande zu bündeln und ausländische Anlageparadiese nur in Einzelfällen aus Steuergründen zu nutzen. Trotzdem geben sie ihr Vermögen bei der inländischen Steuererklärung an. "Ausländische Anlageparadiese haben an Reiz verloren, seit die Regierungen ihre Steuersätze gesenkt haben, um die Steuereinnahmen zu erhöhen", sagt Declan Sheehan, bei JP Morgan Private Bank für Europa, den Nahen Osten und Afrika verantwortlich.



Schwarze Liste der OECD


Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht weiter gegen so genannte schädliche Steuerpraktiken vor und gibt eine überarbeitete schwarze Liste von Steueroasen heraus, die nicht willens sind, für bessere Durchschaubarkeit ihres Finanzwesens zu sorgen.


In der Liste vom Februar 2003 stehen die Cook-Inseln, Ägypten, Guatemala, Indonesien, Myanmar, Nauru, Nigeria, Philippinen, St. Vincent und Grenadinen-Inseln und die Ukraine. Sie alle riskieren, von den OECD-Mitgliedstaaten sanktioniert zu werden, wenn sie unkooperativ bleiben. Mit fast der Hälfte des im Ausland angelegten Vermögens sind die Schweiz und Luxemburg die beiden größten Anlageparadiese. Auch ihnen drohen Sanktionen, auch sie bezeichnet die OECD als "permanente Gegner" ihrer Steuerinitiative.


Die Schweiz hat die Änderungen der Finanzpolitik in einigen Ländern, etwa der Steueramnestie in Italien, bereits zu spüren bekommen. Diese führte dazu, dass Vermögen aus der Schattenwirtschaft wieder in den Süden geflossen ist.



Bedrohung und Chance


Die Anlageparadiese betrachten die prüfenden Blicke aus aller Welt sowohl als Bedrohung als auch als Chance: Während einige behaupten, es würden Kontoinhaber vertrieben, die an Geheimhaltung interessiert seien, erklären andere, dass sich seriöse Anleger mit höheren Standards wohler fühlten.


Maßstab für Anlageparadiese bleibt das Schweizer Modell: Die Vorschriften wurden verschärft, das Bankgeheimnis, einst Markenzeichen, wurde durch eine offenere Politik ersetzt. "Ich glaube nicht, dass die Schweiz letztlich viel verloren hat", sagt Sheehan. "Das Bankgeheimnis ist jetzt eher ein relatives als ein absolutes Konzept. Sie [verlor] Geld, das sie nicht wollte." Angesichts schwindender Steuervorteile und der Forderung nach mehr Transparenz sind die Länder gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen, um im Geschäft zu bleiben.


Die größte Chance für die Anlageparadiese besteht im explosionsartigen Wachstum der Hedge Funds. Die Jahreszuwachsraten betragen weiterhin mehr als 20 Prozent, da die Anleger dem Reiz absoluter Renditen folgen, egal wie ein Markt sich entwickelt. In Anlageparadiesen angesiedelte Hedge Funds halten etwa die Hälfte des weltweiten Hedge-Fund-Vermögens, das an die führende Branchen-Datenbank Tass gemeldet wird. So können die Anlageparadiese die Chancen im Hedge-Fund-Markt nutzen, um nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

 

   Antwort einfügen - nach oben