Anleger halten wenig von großer Koalition

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neuester Beitrag: 09.09.05 09:14
eröffnet am: 09.09.05 09:12 von: bammie Anzahl Beiträge: 2
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09.09.05 09:12

8970 Postings, 6272 Tage bammieAnleger halten wenig von großer Koalition

Die Aussicht auf eine große Koalition nach der Bundestagswahl am 18. September sorgt bei den Anlegern am deutschen Aktienmarkt nicht gerade für Begeisterung.

?Eine große Koalition wäre erst einmal negativ für den Markt?, warnt Patrik Schöwitz, ein Aktienstratege bei der britischen Großbank HSBC. Auch die Analysten der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs warnen, daß dann nur noch wenige Fortschritte in der Reformpolitik zu erwarten seien. Dies könne dann den Höhenflug der Kurse hierzulande ausbremsen.

Seit Bundeskanzler Gerhard Schröder im Mai Bundestagsneuwahlen angekündigt hat, wird an der Börse auf einen Wahlsieg von CDU/CSU und FDP spekuliert. Damit verbindet sich die Hoffnung auf weitere tiefgreifende Reformen der deutschen Wirtschaft.

Linksruck beunruhigt die Börsianer

Im Zuge dieser Spekulationen ist der Deutsche Aktienindex Dax seit der Wahlankündigung bereits um rund 14 Prozent gestiegen. Doch hat der schrumpfende Vorsprung der CDU/CSU in den Wählerumfragen seit dem Fernsehduell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Angela Merkel am vergangenen Sonntag diesen Spekulationen einen Dämpfer verpaßt.

Befürchtung an den internationalen Finanzmärkten ist, daß Schröder bei einer großen Koalition kaum mit Merkel zusammen regieren, sondern zurücktreten werde. Der dann folgende Linksruck in der SPD werde es Merkel aber erheblich erschweren, ihre Reformvorhaben durchzusetzen.

Noch schlechter werde der Markt auf einen Wahlsieg der SPD reagieren, sollte sich die Partei mit den Grünen und der Linkspartei zu einer Koalition zusammentun. ?Das wäre mit Abstand der schlechteste Wahlausgang mit Blick auf die Reformen?, betont Schöwitz.

Wechselkurs entscheidende Größe

Aber in den kommenden zwölf Monaten wird nicht nur die Regierungsbildung nach dem 18. September die Stimmung an der Börse beeinflussen. Fraglich ist nämlich, ob der globale Konjunkturzyklus nicht eine Atempause einlegt.

?Wir sind eher vorsichtig, was die kurzfristige Zukunft des deutschen Aktienmarktes angeht. Kaum ein Markt ist von seinem hohen Gewicht an Industrie-, Automobil- und Technologiewerten so zyklisch ausgerichtet wie der deutsche Aktienmarkt. Dies kann bedeuten, daß sich der deutsche Aktienmarkt gerade bei einem Dämpfer für die internationale Konjunktur schlechter entwickelt als andere Aktienmärkte?, warnt Mislav Matejka, Aktienstratege bei JP Morgan.

Hinzu komm der Einfluß des Wechselkurses. Der Euro hat sich in der ersten Jahreshälfte abgeschwächt, was den für die Konjunktur so wichtigen deutschen Export stützte. Sollte sich jedoch der Wechselkurs des Euro stabilisieren oder sogar befestigen, wäre dies negativ für den deutschen Export, gibt der Aktienstratege von JP Morgan zu Bedenken.

Industrie sollte mehr in Arbeitsplätze investieren

Ein drittes Argument für seine eher kritische Sicht des deutschen Aktienmarktes sind die kurzfristigen Auswirkungen der bisher eingeschlagenen Reformpolitik.

?Der Druck auf die Löhne und Lohnstückkosten, eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und zunehmende Rationalisierungen führen zwar mittelfristig zu erheblichen Vorteilen für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Marktes. Aber kurzfristig senken sie den Konsum, bedeuten also Gegenwind für den Aktienmarkt?, meint Matejka. ?Daher wird der Dax Ende des Jahres mit großer Wahrscheinlichkeit niedriger liegen als jetzt.?

?Das Risiko für Deutschland ist, daß die Stärke des Exports nachläßt, noch bevor sich die langfristigen Vorteile aus den Reformen des Arbeitsmarktes bemerkbar machen?, warnt die japanische Investmentbank Nomura. Die deutsche Industrie restrukturiere zwar und baue ihr Finanzpolster auf. ?Aber die Industrie investiert noch nicht genug in neue Arbeitsplätze, als daß dies zu einer stärkeren Binnenkonjunktur führen würde?, warnt die japanische Investmentbank.

Schlechte Bewertung von deutschen Aktien

Seit Jahresbeginn ist der Dax bereits um fast 17 Prozent gestiegen. Dennoch sind deutsche Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 bis 13 im Vergleich zum Durchschnitt der europäischen Aktienmärkte und vor allem im Vergleich zum amerikanischen Aktienmarkt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15 keineswegs hoch bewertet.

?Diese Bewertung ist extrem. Es ist äußerst selten, daß deutsche Aktien schwächer bewertet werden als der europäische Markt?, sagt Ian Scott, europäischer Aktienstratege bei Lehman Brothers. Ronan Carr, europäischer Aktienexperte bei Morgan Stanley, ist von den deutschen Unternehmensumstrukturierungen und ihrem Potential, die Gewinnmargen weiter zu erhöhen, so überzeugt, daß er mit Blick auf die niedrige Bewertung deutscher Aktien keinen europäischen Markt derzeit für so attraktiv hält wie den deutschen Aktienmarkt.

?Und das ist unabhängig von den makroökonomischen Reformen der Politik. Ein für die Reformen enttäuschender Wahlausgang ist daher auch kein Grund, deutsche Aktien zu verkaufen?, betont Carr sogar.

Text: bes., F.A.Z  

09.09.05 09:14

1889 Postings, 6115 Tage gamblelvLinksruck beunruhigt Börsianer

Davon ist an der Entwicklung des DAX aber nichts zu sehen.

mfg  

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