Alle in den Talk! Vergesst den Finanzquatsch hier!

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neuester Beitrag: 05.12.06 09:11
eröffnet am: 05.12.06 08:56 von: Talisker Anzahl Beiträge: 4
neuester Beitrag: 05.12.06 09:11 von: Cragganmore Leser gesamt: 263
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05.12.06 08:56
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35851 Postings, 6039 Tage TaliskerAlle in den Talk! Vergesst den Finanzquatsch hier!

Geldanlage

Selig sind die Ahnungslosen

Von Patrick Bernau



05. Dezember 2006
Das schlechte Gewissen plagt fast jeden Anleger: Man müßte sich mehr um seine Aktien kümmern, sich besser informieren, öfter nach neuen Nachrichten schauen. Schließlich gilt: Je besser der Anleger informiert ist, desto besser kann er sein Geld arbeiten lassen. Das stimmt aber so gar nicht. Das schlechte Gewissen ist unnötig. Ökonomen haben herausgefunden: Zuviel Information ist schlecht für die Rendite.

Das zeigt eine Studie der Italiener Luigi Guiso und Tullio Jappelli. Sie haben die Konten und Depots von rund 1.800 Kunden der italienischen Bank Unicredit untersucht und festgestellt: Je mehr sich die Kunden über Geldanlage informierten, desto schlechter war ihre Rendite verglichen mit dem Risiko. Das zeigte die ?Sharpe-Ratio?, die Rendite und Wertschwankungen ins Verhältnis setzt (Link: Studie von Guiso und Jappelli).

Der ?todsichere Geheimtip? ist hochriskant

Das größte Problem: Gut informierte Anleger werden überheblich. Sie hängen an Nachrichtentickern, lesen Börsenbriefe, und je länger sie das tun, desto sicherer fühlen sie sich. ?Overconfidence? (übertriebenes Selbstbewußtsein) nennen Ökonomen diese Schwäche, sie fällt in vielen Experimenten auf: Die Menschen vertrauen ihrem Wissen zu sehr und übersehen, daß sie von einer Menge Dinge trotzdem noch gar keine Ahnung haben. Weil sie sich aber so sicher sind, gehen sie eine Menge hoher Risiken ein. Der berühmte ?todsichere Geheimtip? ist immer hochriskant, eben weil er öfter mal falsch ist.

So kommt es, daß gut informierte Menschen ihr Geld oft falsch anlegen. ?Sie gehen zusätzliche Risiken ein, aber für die werden sie nicht vollständig entschädigt?, sagt Studienautor Luigi Guiso. Die Rendite ist zwar erst mal einen Hauch höher, kann das zusätzliche Risiko aber nicht ausgleichen. Die Folge: Wer pro Woche zwei bis vier Stunden auf Finanzinformation verwendet, verdient rund 0,2 Prozentpunkte weniger als ein völlig uninformierter Anleger, der das gleiche Risiko eingeht - und noch dazu verliert er die Zeit, in der er sich über Geldanlage informiert. Alle Konten und Depots zusammen brachten über den Analyse-Zeitraum rund 4,2 Prozent Rendite im Jahr, der Welt-Aktienindex MSCI World stieg in derselben Zeit um 9,6 Prozent jährlich.

?Experten sind normalerweise weniger überheblich?

Daß die Schlaumeier bei der Geldanlage so schlecht abschneiden, dafür machen Guiso und Jappelli vor allem drei konkrete Fehlern verantwortlich: Erstens streuen diese Anleger ihr Geld nicht genug, sie haben nur ganz wenige Aktien im Depot. Die mögen sorgfältig ausgewählt sein, riskant ist diese Strategie trotzdem.

Zweitens kaufen und verkaufen die Leute, die sich viel mit Geldanlage beschäftigen, ihre Wertpapiere zu oft. Dabei zahlen sie Gebühren und erwischen zudem oft den falschen Zeitpunkt, wie auch die meisten anderen Privatanleger. Und drittens machen die gut informierten Anleger zu viel selbst. Fondsmanager seien besser, sagt Guiso. ?Experten sind normalerweise weniger überheblich.? Doch in der Praxis schlagen auch die meisten Fonds ihren Vergleichsindex nicht.

Ein paar Gedanken müssen sein

Der Ökonom Eugene Fama empfiehlt deshalb Fonds, die in möglichst viele Aktien aus einem Markt investieren und sich dadurch der Durchschnittsrendite nähern.

Dazu müssen die Anleger diese Fonds aber kennen. Sicher ist deshalb: Trotz der neuen Erkenntnisse sollten sich Anleger über ihre Finanzen doch noch ein paar Gedanken machen. ?Man muß wenigstens wissen, wo man sein Geld überhaupt anlegen kann?, sagt der Innsbrucker Ökonom Matthias Sutter. Doch auch er ist nach einem Experiment zu dem Ergebnis gekommen: Wenn es darum geht, einzelne Aktien auszuwählen, kann Wissen schädlich sein (Link: Experiment von Huber, Kirchler und Sutter).

Im Durchschnitt bleibt die Marktrendite

An Sutters Experiment beteiligten sich besser und schlechter informierte Probanden. Die Leute schnitten relativ gut ab, wenn sie überhaupt keine Ahnung hatten und ihre Titel willkürlich auswählen mußten. Wer mehr wußte, verlor erst mal Rendite. Doch die meisten verdienten wieder mehr, wenn sie die Information ignorierten.

Sutter begründet dieses Ergebnis mit einer einfachen Überlegung: Wer gar keine Ahnung hat und willkürlich handelt, erreicht im Durchschnitt die Marktrendite. Wer sich aber an seinen eigenen Informationen orientiert, der verläßt das Reich des Zufalls. Seine Rendite hängt davon ab, wie zuverlässig er die Aussichten einzelner Unternehmen einschätzt. Das können aber andere meist besser. Diese anderen gab es auch in Sutters Experiment, sie verdienten noch mehr als die Ahnungslosen. Das waren die wenigen Leute, die besser informiert waren als alle anderen. Auf dem Aktienmarkt sind das die Manager und Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen.

Zertifikate wollen Insiderwissen nutzen

Daß die gut über ihre Unternehmen Bescheid wissen, ist klar. Deshalb muß jedes börsennotierte Unternehmen eine Notiz auf seiner Homepage veröffentlichen, wenn Vorstände oder Aufsichtsräte Aktien des Unternehmens kaufen oder verkaufen. Von diesen Informationen können auch Privatanleger profitieren: Die Börsenaufsicht Bafin sammelt die Meldungen auf ihrer Homepage www.bafin.de.

Auch Banken nutzen das inzwischen und bauen damit Zertifikate: die Commerzbank das ?Insider Zertifikat? (WKN CK1598) und die Deutsche Bank das ?S-Box Insider Index Zertifikat? (DB6GWD). Bisher haben diese Zertifikate bessere Renditen geliefert als der Deutsche Aktienindex Dax. Aber das kann sich ändern, sobald mehr Leute von den Insider-Angaben profitieren wollen. Dann könnten sie den Preis für die beliebten Aktien so hoch treiben, daß auch diese Information nutzlos wird.

Geld anlegen mit Köpfchen

1. Ganz ohne Ahnung geht es nicht. Man muß wenigstens wissen, welche Angebote es für das Geld überhaupt gibt und ob sie eher Rendite oder Sicherheit liefern.

2. ?Todsichere Tips? ignorieren. Wer so einem Tip folgt, übersieht fast immer die Risiken. Das zahlt sich nicht aus.

3. Geld breit streuen. Lieber 50 Unternehmen halbwegs kennen und sein Geld darauf verteilen als sich auf zwei konzentrieren.

4. Nicht bei jeder neuen Nachricht handeln. Ökonomen wissen: Privatanleger treffen beim Kaufen und Verkaufen oft die falschen Zeitpunkte. Wer seltener kauft und verkauft, verringert dieses Risiko und spart nebenbei Gebühren.

5. Im Zweifel auf einen Index setzen. Wer einen Fonds oder ein Zertifikat kauft, das nur einen Index nachbildet, erreicht dessen Rendite mit Sicherheit - abzüglich der Gebühren. Die sind aber oft klein.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.12.2006, Nr. 48 / Seite 56
Bildmaterial: F.A.Z.
 

05.12.06 09:02

61594 Postings, 6006 Tage lassmichreinSorry, aber wir SIND hier im Talk !! o. T.

05.12.06 09:03
2

8758 Postings, 5269 Tage DSM2005Ach das ist hier der Talk ??



und ich warte hier auf geile Aktientipps.........


Kacke......... ein Jahr umsonst hier rumgehangen








Wir machen Jobs die wir nicht wollen, kaufen Dinge die wir nicht
brauchen, von Geld das wir nicht haben um Leute zu beeindrucken, die wir
nicht mögen.............

 

05.12.06 09:11

5256 Postings, 5167 Tage CragganmoreDie Schlußfolgerung ist falsch, Talisker!

Alle in Börse oder Hot-Stocks!

Wenn ich das lese...

"Sutter begründet dieses Ergebnis mit einer einfachen Überlegung: Wer gar keine Ahnung hat und willkürlich handelt, erreicht im Durchschnitt die Marktrendite."

...dann erinnert mich das "wer gar keine Ahnung hat" an meine kurze anfängliche Stippvisite dorten.

 

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