Aldis Schaukastenprinzip

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eröffnet am: 26.11.04 13:43 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 5839 Tage bammieAldis Schaukastenprinzip

Angesichts stagnierender Umsätze suchen die Discounter nach neuen Kaufanreizen. Mehr Service und ein netteres Umfeld sollen die Kunden in die Filialen locken. Aldi baut schon Schaukästen auf. Experten glauben, das Experiment könnte scheitern.

Frankfurt/Hamburg - Besucher der Aldi-Filiale Schwarzwaldstraße in Freiburg dürften sich wundern. Laut einem Bericht der "Lebensmittel-Zeitung" (LZ) hat der Discounter dort eine Glasvitrine mit Aktionsware und aktuellen Sonderangeboten aufgestellt. Ein Novum, denn bislang war Aldi dafür bekannt, seine Artikel auf Paletten oder noch im Karton verpackt anzubieten. Dass der Marktführer jetzt auf ein angenehmes Einkaufsumfeld setzt, wirft ein Licht auf die unsichere Lage bei den Discountern.

Das bislang ungebremste Umsatzwachstum kühlte in den vergangenen Monaten ab. Aldi und Lidl antworteten auf den Rückgang zunächst mit einer wilden Preisschlacht. Woche für Woche warfen die Branchenführer mit Sonderangeboten um sich. Da so etwas auf die Dauer kaum durchzuhalten ist, suchen die Verantwortlichen jetzt ihr Heil in Service und Produktpräsentation.

So verstärkt Aldi laut "LZ" die Werbemaßnahmen in den Filialen. Der Glaskasten in Freiburg gilt als Schritt in diese Richtung. Auch sollen Hinweisschilder künftig die Aufmerksamkeit der Kunden schneller auf bestimmte Artikel lenken.

Lidl in der Vorreiterrolle

In anderen Bereichen liegt Aldi zurück. So hat Erzrivale Lidl bereits die EC-Kartenzahlung eingeführt, während in den Aldi-Läden nur Bargeld in den Kassen klingelt. Auch bei der Ausweitung der Öffnungszeiten hat Lidl vorgelegt. Der Branchenprimus steht unter Zugzwang.

Lidl hat die Service-Idee bis jetzt am weitesten vorangetrieben. So kündigte die Einzelhandelskette jüngst an, durch mehr Personal die Wartezeit an den Kassen verkürzen zu wollen. Durch die Neuorganisation sollen Mitarbeiter auch mehr Freiraum bekommen, um Kundenfragen und Wünsche zu bearbeiten.

"Finger weg vom Service"

Beobachter sehen die Billiganbieter auf dem falschen Weg. "Discounter sind klar positioniert. Kunden rechnen mit einem Minimum an Service und spartanischer Einrichtung. Derzeit verwischen beim Image die Grenzen zu Anbietern im höheren Preissegment", sagt Hendrik Schröder, Handelsexperte an der Universität Duisburg-Essen.

Die Kunden würden sich fragen, ob sie das Plus an Dienstleistung und Einrichtung mit höheren Preisen bezahlen müssten, erklärt Schröder. Sein Fazit: "Wenn es sich vermeiden lässt, sollten die Discounter von diesen Ansätzen die Finger lassen."

Zudem verweist der Wissenschaftler auf negative Folgen für das Geschäft. Mehr Personal bedeuteten auch mehr Kosten. "Wenn der Aufwand für Neueinstellungen nicht durch höhere Umsätze gedeckt ist, leiden die Margen", sagt Schröder.

Jörn Sucher  

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