Abzocke: Ein Kontrolleur packt aus

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eröffnet am: 20.08.03 10:15 von: Rexini Anzahl Beiträge: 4
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20.08.03 10:15

4112 Postings, 7160 Tage RexiniAbzocke: Ein Kontrolleur packt aus

Abzocke: Ein Kontrolleur packt aus
Kopfgeld für Schwarzfahrer - Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen von der BVG beauftragte Sicherheitsfirma

Seitdem die Berliner Morgenpost über ruppige und zum Teil gewalttätige Fahrkarten-Kontrolleure in Zügen und Bahnen sowie an Haltestellen und auf Bahnhöfen der BVG berichtet hat, melden sich immer mehr Kunden und Mitarbeiter zu Wort. Ein Kontrolleur einer der beiden Firmen, die im BVG-Auftrag Fahrkarten kontrollieren, bestätigte inzwischen in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost die Recherchen und erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber.

Nach Angaben des Kontrolleurs, der unerkannt bleiben möchte, habe die Sicherheitsfirma von der BVG den Auftrag bekommen, jährlich mindestens 500 000 Schwarzfahrer zu stellen. Bislang sollen die Kontrolleure jedoch nur 250 000 Schwarzfahrer gestellt haben. Die Firma müsse sich also Sorgen um die Verlängerung des Vertrages mit der BVG machen. Als Konsequenz würden zurzeit weitere 100 Kontrolleure eingestellt, um die Kontrollen noch weiter zu intensivieren und auszudehnen.

Das von der BVG dementierte Kopfgeld soll es nach seinen Angaben doch geben, und zwar in gleich drei Varianten: Pro erwischtem Schwarzfahrer würde die BVG 20 Euro an die Sicherheitsfirma zahlen. Diese wiederum zahle Provisionen an die Chefs der aus etwa zwölf Mann bestehenden Teams, die normalerweise in Dreiergruppen aufgeteilt kontrollieren. Die Kontrolleure würden zusätzlich in Form von Freizeit belohnt: Wer 16 Schwarzfahrer an einem Tag erwischt habe, bekomme frei und werde für volle neun Stunden Arbeit bezahlt, egal wie lange er dafür gebraucht habe. "Wer mehrfach weniger als zwölf Schwarzfahrer pro Tag erwischt, wird entlassen", so der Mitarbeiter. Sein Fazit: "Die Führung beutet die Kontrolleure gnadenlos aus".

Den so aufgebauten Druck und Frust ließen die Kontrolleure oftmals an den Fahrgästen aus. Übergriffe seien an der Tagesordnung, genauso von Kontrolleuren provozierte Schlägereien. "Wenn die BVG wüsste, unter welchen Bedingungen die Kontrolleure arbeiten, würde sie der Firma sofort den Auftrag entziehen."

Er bestätigte auch das gezielte Vorgehen der Kontrolleure gegen Touristen. "Sie sind leichte Opfer. Sie haben die Taschen voller Geld und kennen sich nicht aus. Sie wollen keinen Ärger und zahlen deshalb schnell", schildert der Kontrolleur die tägliche Praxis.

Die Geschäftsleitung des Unternehmens wollte sich gestern zu den Vorwürfen ihres Mitarbeiters nicht äußern. BVG-Pressesprecherin Barbara Mansfield sagte zu den Vorwürfen: "Die beauftragte Firma erbringt eine Dienstleistung für uns." Wie sie ihren Auftrag erfülle, sei der BVG im Grunde genommen egal.

Der zuständige BVG-Technikvorstand Hans-Heino Dubbenkropp deutete inzwischen jedoch eine stärkere Aufsicht der in der "Arbeitsgemeinschaft BVG" (Arge) zusammengefassten privaten Sicherheitsfirmen an. "Wir haben erst vor wenigen Tagen ein Gespräch mit der Geschäftsführung der Arge gehabt, die sich nun bemühen will, dass solche Beschwerden in Zukunft nicht wieder vorkommen", so Dubbenkropp. Er stellte klar, dass Kontrolleure der privaten Sicherheitsdienste, die wiederholt aufgrund von Kundenbeschwerden auffallen würden, "sofort den Job verlieren".
 

20.08.03 10:20

4112 Postings, 7160 Tage RexiniBVG-Fahrgäste fühlen sich schlecht behandelt

BVG-Fahrgäste fühlen sich schlecht behandelt
Morgenpost-Leser geben Ticket-Prüfern die Note ungenügend: Zu wenig geschult, unfreundlich und grob
Kein Thema hat unsere Leser in jüngster Zeit so bewegt wie die Berichterstattung über die rüden Umgangsformen mancher Fahrkartenkontrolleure der BVG. Dies zeigen die zahlreichen Reaktionen, die unsere Redaktion erreicht haben. Eines wird klar: Die in der Berliner Morgenpost beschriebenen Beispiele sind keine bedauerlichen Einzelfälle.

Würgegriff wegen überschrittener Fahrzeit
Waltraut Scheuermann war selbst Opfer brutaler BVG-Kontrolleure. Die 54-Jährige hatte einen Fahrschein gelöst und die Nutzungsdauer von zwei Stunden um zehn Minuten überschritten. Nachdem sie den Zug auf die Aufforderung der Kontrolleure hin verlassen habe, sei ihr der Arm nach hinten gedreht worden, die Kontrolleure hätten sie in "eine Art Würgegriff" genommen. "Andere Bürger holten BVG-Mitarbeiter zu Hilfe, später auch die Polizei", sagte sie. Plötzlich habe auch noch der Vorwurf im Raum gestanden, sie hätte einen Kontrolleur geschlagen. Sie sei sich "wie eine Schwerverbrecherin" vorgekommen, erzählt Frau Scheuermann, und habe "Ängste" ausgestanden. Noch heute wache sie "nachts schweißgebadet auf". Mit der BVG fährt sie seitdem nicht mehr: "Da nehme ich lieber mein Fahrrad, da kann mir so etwas nicht passieren." Inzwischen sei ihr auch noch ein Mahnbescheid über 80 Euro Strafe zugestellt worden.

Japanischer Tourist "unmöglich behandelt"
Unser Leser Herr Krause hat am S-Bahnhof Wollankstraße beobachtet, wie ein japanischer Tourist von Kontrolleuren "unmöglich behandelt" wurde. Der Mann habe die falsche S-Bahn genommen und seinen Fahrschein nicht ordnungsgemäß entwertet. Herr Krause berichtet, er habe dem Japaner beigestanden, so gut es ging. Es sei jedoch äußerst schwierig gewesen, die aufgebrachten Kontrolleure "zu beruhigen" und ihnen klarzumachen, dass der Tourist nicht in böswilliger Absicht gehandelt hatte und man doch deshalb "Gnade vor Recht" ergehen lassen könne.

Rüde und handgreiflich auch gegen Berliner
"So wenig gastfreundlich der rüde Umgang mit Touristen ist, so respektlos ist er auch gegenüber Berlinern, die bei Kontrollen unhöflich behandelt werden", findet Elke Geretzki. Sie selbst sei mit gültigem Fahrschein unterwegs gewesen, habe ihn bei der Kontrolle aber nicht sofort finden und vorweisen können. Daraufhin sei sie von der Kontrolleurin am Arm gepackt und in rüdem Ton zum Aussteigen aufgefordert worden. Noch rechtzeitig habe sie den Fahrschein finden können: "Sonst wäre mein ganzer Tagesplan durcheinander geraten." Das Verhalten der Kontrolleurin sei eine Unverschämtheit: "Ich bin schließlich Kundin der BVG und habe ordnungsgemäß für deren Leistung bezahlt." Sie sei sich "wie eine Delinquentin" vorgekommen.

Nicht gefahren und trotzdem kontrolliert
Vinzent Fröhlich wurde am Ausgang des U-Bahnhofs Märkisches Museum von Kontrolleuren abgefangen, obwohl er gar keine U-Bahn benutzt, sondern lediglich einen Freund dorthin begleitet hatte. Die "sichtbar genervten" Kontrolleure hätten dennoch barsch einen gültigen Fahrausweis verlangt. Vinzent Fröhlich hatte Glück: Zufällig hatte er sein Semester-Ticket dabei.

Kontrolleure intolerant gegenüber Ausländern
Ein Berliner Polizeibeamter, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet, er habe mehrere ähnlich gelagerte Fälle beobachtet. Er könne nicht glauben, dass die Kontrolleure der Privatfirmen im persönlichen Umgang mit Fahrgästen geschult würden. "An Kulanz und Fingerspitzengefühl fehlt es diesen Mitarbeitern völlig." In einem Fall habe er gegen einen US-Amerikaner eine Anzeige schreiben sollen, der sich versehentlich statt des AB-Tickets ein gleich teures BC-Ticket gekauft und entwertet hatte. "Die Kontrolleurin war auch nach einem längeren Gespräch nicht davon zu überzeugen, dass ohne entstandenen finanziellen Schaden für die BVG und ohne schuldhaftes Handeln des Täters keine Straftat vorliegen kann."

Stempeln vergessen: "Die schnappen wir uns"
Johannes Fiedler erlebte während der Love Parade am U-Bahnhof Wittenbergplatz, wie Fahrkarten-Kontrolleure immer auf die gleiche Weise abkassierten. Sie hätten abgewartet, bis junge Leute von auswärts Fahrkarten kauften. Wenn diese vergaßen, die Karten abzustempeln, seien sie mit der Bemerkung "Die schnappen wir uns jetzt" hinterhergelaufen.

Kinder werden bestraft wie Erwachsene
Die 14-jährige Tochter unseres Lesers Herr Scharfe hatte ihre Umweltmarke vergessen. Sie geriet in eine Fahrkartenkontrolle und wurde mit 40 Euro zur Kasse gebeten. Herr Scharfe fragt sich nun, ob es rechtens ist, Kinder wie Erwachsene zu bestrafen - schließlich kostet eine Kinderfahrkarte auch weniger, und der finanzielle Schaden für die BVG ist daher geringer.
 

20.08.03 10:55

251 Postings, 7473 Tage ADVOKATdie andere seite...

ich habe in letzter zeit schon mehrfach erlebt, wie fahrgäste mit den kontrolleuren umspringen. harmlos sind ja noch die, die 3 minuten suchen, bis sie ihren fahrschein finden.

erst vor ein paar wochen noch, betreten 1 kontrolleurin und 2 kontrolleure die S-Bahn im VVS-Gebiet.

ein fahrgast vom typ "lan-schlägertype", sah nicht gerade vertrauenserweckend aus, war ganz cool und hat einfach nicht reagiert. weder auf die aufforderung, die fahrkarte zu zeigen, noch ein dokument mit den persönlichen daten auszuhändigen. der kontrolleur wurde sichtlich nervös und hatte schon die schweissperlen auf der stirn. verzweifelte rufe zu den beiden kollegen, die am jeweils anderen ende im zug waren wurden erwidert "wir haben selbst gerade zu tun" (der fahrgast sah auch aus, als ob die drei gegen ihn nicht angekommen wären). es fielen dann noch worte wie "fassmichnet an alder oder es passiert was" und der gast ist seelenruhig bei der nächsten haltestelle ausgestiegen.

da sag ich nur, frechheit siegt.

eines steht fest: den job möchte ich nicht machen!  

20.08.03 12:03

19522 Postings, 7014 Tage gurkenfreddie andere seite: in hannover ist vor 2 wochen

ein kontrolleur bei einer kontrolle von einem "fahrgast" niedergestochen worden und mußte schwerverletzt ins krankenhaus. den schwarzfahrer hat man natürlich bis heute noch nicht erwischt.
DEN job möcht ich auch nicht machen....

mfg
gf  

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