Abgeltungssteuer: Umverteilung von unten nach oben

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neuester Beitrag: 21.08.06 17:35
eröffnet am: 21.08.06 10:18 von: Anti Lemmin. Anzahl Beiträge: 10
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21.08.06 10:18
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59702 Postings, 5773 Tage Anti LemmingAbgeltungssteuer: Umverteilung von unten nach oben

FTD, 21.8.06

Abgeltungsteuer trifft Investoren mit mittleren Einkommen
von Verena Diethelm

Es ist bereits beschlossene Sache: Ab 2008 wird auf Kapitaleinkünfte aus Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinnen eine Abgeltungsteuer erhoben. Während einige Rentenanleger profitieren, zahlen bei Aktien alle drauf.


Obwohl die Bundesregierung noch keine Details der Reform bekannt gegeben hat, lässt sich anhand der bereits veröffentlichten Eckpunkte eine Verschlechterung für Kapitalanleger ableiten. Was von der Politik als Vereinfachung verkauft wird, kommt tatsächlich einer Steuererhöhung für die meisten Privatanleger gleich.

Bislang wurden Kapitaleinkünfte in Deutschland im Veranlagungsverfahren dem persönlichen Einkommensteuersatz des Anlegers, der zwischen 15 und 42 Prozent liegt, unterworfen. 2008 soll auf Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne eine einheitliche Abgeltungsteuer von 30 Prozent eingeführt werden. 2009 soll diese dann auf 25 Prozent sinken. Darüber hinaus werden voraussichtlich die einjährige Spekulationsfrist und das Halbeinkünfteverfahren bei Dividenden gestrichen.

Steuerliche Verschlechterung für Aktionäre

Dadurch ergäbe sich vor allem für Aktionäre eine steuerliche Verschlechterung: In dem Fall werden Dividenden, da das Halbeinkünfteverfahren entfällt, beim Privatanleger künftig doppelt so hoch besteuert. Auch für Aktionäre mit langfristigem Anlagehorizont wird es bitter: Durch die Abschaffung der Spekulationsfrist erhöht sich ihr Steueraufwand von 0 auf 30 Prozent. "Das langfristige Sparen zur Altersvorsorge wird völlig unattraktiv", befürchtet Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. "Wenn alle Produkte steuerlich gleich behandelt werden, ist das zwar einfacher, aber dafür ungerecht, weil das Risikoprofil unterschiedlich ist. Wenn Zinsen wie Dividenden besteuert werden, wird niemand mehr in Aktien investieren", sagt Steuerexperte Lars Zipfel von Ernst & Young.

Eine Verbesserung ergibt sich dagegen für Anleger mit Zinseinkünften, die einen Einkommensteuersatz von über 30 Prozent haben. Profitieren werden auch Inhaber von Anleihen und Garantiezertifikaten, da diese derzeit steuerlich benachteiligt sind. Unklar ist noch, welche Folgen die Reform auf Inhaber von Fondsanteilen hat. Schlechter werden in jedem Fall Aktionäre gestellt, die weniger als 30 Prozent Einkommenssteuer entrichten müssen.

Rentenanleger mit hohen Einkommen können die Abgeltungsteuer gelassen sehen. Sofern sie dem Einkommensteuerspitzensatz von 42 Prozent unterliegen, sinkt ihre Belastung. Negativ wirkt der Verlust des Sparerfreibetrags.

Aktionäre haben auf Grund der kommenden Reform mehr zu verlieren. Besonders hart trifft sie die Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens bei Dividenden. Die Steuerlast kann sich dadurch wie in unserem Beispiel von 525 Euro im Jahr 2007 auf 975 Euro im Jahr 2008 fast verdoppeln. Noch teurer wird es, wenn auch noch der Sparerfreibetrag wegfällt. Dann droht eine Belastung von 1200 Euro.
 

21.08.06 10:23

830 Postings, 4971 Tage Grisu15Ist das somit jetzt sicher "ab" 2008 ?

Also, 2007 gilt noch die 1-jahres Spekufrist?!  

21.08.06 10:28

59702 Postings, 5773 Tage Anti LemmingExperten: Gibt es einen Bestandsschutz

für Aktien, die vor 2009 gekauft werden? Oder sind danach sämtliche realisierten Aktien-Gewinne mit der Abgeltungssteuer steuerpflichtig, egal wann man die Aktien gekauft hat?

Gibt es Unterschiede in der Versteuerung kurzfristiger und längerfristiger Gewinne?

Lohnt es sich durch Verkäufe von Aktien, die im jetzt im Minus sind, Verlustvorträge zu erzeugen?
 

21.08.06 10:38

59702 Postings, 5773 Tage Anti LemmingAbverkauf des DAX zum Stichtag?

Wenn es einen Stichtag gibt, ab dem Gewinne auf SÄMTLICHE gehaltenen Aktien - egal wann sie gekauft wurden - der Abgeltungssteuer unterliegen, dann droht dem DAX zu diesem Termin ein massiver Ausverkauf. Denn dann würden wohl die meisten, die irgendwann in den letzten 20 Jahren für ihre Altersversorgung o. ä. langfristig Aktien gekauft haben, noch schnell steuerfrei (nach altem Gesetz) aussteigen!

 

21.08.06 12:04
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1812 Postings, 5075 Tage loupluIch kann mir nicht vorstellen...,

dass es keinen Stichtag und keine Verlustaufrechnung mit Gewinnen geben wird.

Unsere Regierung halte ich zwar für dumm und kurzsichtig sowie Geldgeil im Sinne von totaler Abzocke, aber ob sie wirklich eine Crash mit diesem Gestzt provoziern wollen und werden, halte ich für ausgeschlossen.

Es würden nämlich erhebliche Teile von langfristig angesparter Altersversorgung vernichtet. Das gäbe eine Revolution. Der Deutsche ist zwar duldsam, aber dies wäre wohl doch zuviel der Unverschämtheiten, die sich diese Regierung erdreistet.

Also warten wir mal das Kreisen des Berges ab; zuletzt gebärt er eine Maus.  

21.08.06 12:17

782 Postings, 6262 Tage doc.olidayLichtenstein, Schweiz und Luxenburg werden sich

über soviel Unvermögen freuen unserer Politiker. Und an der Spitze stehen Zivilversager wie K.Beck die den zweiten Bildungsweg über die Politik eingeschlagen haben....armes Deutschland  

21.08.06 16:51
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59702 Postings, 5773 Tage Anti LemmingHässlich

Erst lockt die Regierung das Schwarzgeld mit Steuer-Amnestie wieder ins Land. Kaum ist es da, wird es vom Staat scheibchenweise aufgefressen.
 

21.08.06 16:55

830 Postings, 4971 Tage Grisu15AL, na was dachtest du denn? o. T.

21.08.06 17:19

39891 Postings, 5088 Tage biergottdem DAX

wirds wohl net all zu arg schaden, 50% aller Aktien liegen eh schon in den Händen von ausländischen Investoren. Nur die nicht bestehende deutsche "Aktienkultur" wird jegliche Chance genommen, zu entstehen. Absolut beschissen. Kann mir allerdings beim besten Willen net vorstellen, das sowas durchsetzbar ist....  

21.08.06 17:35

59702 Postings, 5773 Tage Anti LemmingDie Ausländer mit Dax-Papieren

würden auch verkaufen, wenn sie den Trend sehen und seinen Grund kennen.  

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