▊▊Bullish mit großen Bedenken▊ρ

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neuester Beitrag: 21.02.06 18:51
eröffnet am: 21.02.06 18:38 von: moya Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 21.02.06 18:51 von: Verdampfer Leser gesamt: 208
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21.02.06 18:38
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890055 Postings, 6087 Tage moya ▊▊Bullish mit großen Bedenken▊ρ

Es ist doch schon alles eingepreist?

von Jochen Steffens

Heute saß ich mit einem alten Traderkollegen beim Frühstück. Er hatte diese seltsam gierigen Dollarzeichen in den Augen: "Ich spüre es in jeder Faser meines Körpers, der US-Markt will nach oben! Ich habe das ganze Wochenende im Internet gesurft, kaum jemand schreibt von diesem Ausbruch des Dows aus seiner langen Seitwärtsbewegung nach oben!"

Während ich noch genüsslich auf meinem Brötchen rumkaute, führte er in einer Aufzählung all die bullishen Argumente auf, die er nur finden konnte.

Er endete mit dem folgenschweren Satz: "Ich werde heute massiv nachkaufen!". Ich fragte ihn, zu wie viel Prozent er investiert sei.

Er antwortete: "So ca. 60 % (in hochspekulativen Scheinen) auf den Dow, den S&P und Nasdaq100."

Die Quadratur des Kreises

Einschub: Dieser Kollege versucht seit einigen Jahren die Quadratur des Kreises. Er hat wenig Lust zu arbeiten, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und versucht sich den Rest zum Leben durch das Traden hinzu zu verdienen. Schwierig, wenn man nur über kleinere Summen verfügt und dann auch noch ständig Mittel aus der Not heraus abfließen. Aber er ist immer wieder erstaunlich erfolgreich dabei.

Kostolany muss herhalten

Als er meinen etwas skeptischen Blick sah, meinte er: "Du weißt es

doch: Wer viel Geld hat, der kann spekulieren, wer genügend Geld hat sollte nicht spekulieren, wer kein Geld hat muss spekulieren!", zitierte er Kostolany. "Ich habe kein Geld, ich MUSS spekulieren."

Ich versuchte ihn vorsichtig darauf aufmerksam zu machen, dass angesichts der aktuellen Situation im Iran, Nigeria und Venezuela im Moment kein guter Zeitpunkt sei, voll investiert zu sein. "Du solltest wenigstens einen Teil deines Geldes in der Rückhand halten, damit, falls irgendetwas passiert im Iran oder sonst wo, du unten nachkaufen kannst! Du kennst das doch, ansonsten bricht der Markt ein, die ganzen Scheine fallen in sich zusammen und Du hast kein Geld mehr, um nachzukaufen. Ich höre dich schon seufzen: "Nun müsste man einsteigen ...!"

 

Er sackte in sich zusammen: "Ich kann schon nachts nicht mehr schlafen, weil ich immer wieder diese Szenarien durchspiele." Dann lächelte er mich verschmitzt an: "Aber Du weißt doch, der Markt steigt an der Mauer der Angst! (auch Kostolany). Das ist in den USA DIE Chance im Moment." Sollte ich vielleicht erwähnen, dass er gerade dabei ist, Dent zu lesen?

Ich denke, er wird nicht weiter nachkaufen. Aber dieses Gespräch spiegelt ziemlich genau die aktuelle Situation im Markt. Der Dow hat die 11.000 Punkte Marke nun doch eher nachhaltig gebrochen, eigentlich ist die 11.750er Marke jetzt eingeloggt. Ebenso "eigentlich" ist alles bullish. Der Dax scheint auch noch Platz zu haben, zumindest bis zur 6.000/6200 Punkte Marke. Sie wissen, ich bin weiterhin und nach wie vor bullish, aber mit großen Bedenken ...

Iran, Nigeria und Venezuela sind potenzielle Risiken für den Markt

Gerade heute kam die Meldung, dass der Iran die Atomgespräche mit Moskau "überraschend" abgebrochen hat. Damit werden Sanktionen gegen den Iran immer wahrscheinlicher. Wenn es zu solchen Sanktionen kommen wird, der Iran daraufhin seine Drohung wahrmacht und den Ölhahn zudreht, dann wird der Ölpreis explodieren. In diesem Fall wird sich der Markt nicht halten können.

Aber auch die Situation in Nigeria wird immer brisanter. Nigeria steht an der zehnten Stelle der ölreichsten Länder dieser Erde (Reserven in Millionen Tonnen, Daten aus 2004) 1. Saudi-Arabien 35423 2. Kanada

24071 3. Iran 17199 4. Irak 15430 5. Kuwait 13717 6. Arabische Emirate

12851 7. Venezuela 10801 8. Russische Förderation 8163 9. Libyen 5140 10. Nigeria 4784.) .

Auf der einen Seite kommt es zu immer neuen Rebellenangriffen auf die Ölinfrastruktur in Nigeria. Diese Nachrichten hatten in den letzten Tagen den Ölpreis getrieben. Auf der anderen Seite verstärken sich auch dort die religiösen Unruhen.

Bleibt noch Venezuela, das sich auch noch mit zunehmend aggressiver Rhetorik auf die USA "einschießt".

Drei große wichtige Erdölländer als potentielle Krisenregionen, wenn wir den Irak einmal außen vor lassen. Wenig erfreuliche Hintergründe.

Was macht der Markt, respektive der Dax? Er steigt.

Nach dem wir neben dem Frühstück auch noch all diese Szenarien durchgekaut hatten, fragte mein Traderkollege: "Und, soll ich Dir die Antwort eines Bullens auf all das geben?" Ich nickte stumm: "Das ist doch schon alles im Markt eingepreist!" Ich erwiderte: "Lass uns gehen."

Nachtrag

Gerade lese ich, dass der iranische Chefunterhändler Ali Hosseinitasch die Situation bezüglich der Gespräche mit Russland ganz anders

beurteilt: "Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass wir ein Abkommen erreichen können", wird er zitiert. Die russischen Unterhändler hingegen beurteilen die Lage weniger optimistisch. Das übliche diplomatische Geplänkel, dem sollten Sie so oder so wenig Bedeutung beimessen. Auch aus diplomatischen Kreisen ist zu hören, dass der Iran lediglich auf Zeit spiele.

Wichtig wird der 6.März, denn dann wird darüber entschieden, ob der Konflikt an den UN-Sicherheitsrat überwiesen wird (bisher wurde der Sicherheitsrat nur informiert).

Gruß Moya

 

21.02.06 18:51

2927 Postings, 6230 Tage VerdampferDanke ein interessantes Frühstück ;) o. T.

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